Direkt zum Hauptbereich

Nichts los im Wald von Mireille Messier und France Cormier - Rezension

Rezension 

von Sabine Ibing


Nichts los im Wald 


von Mireille Messier und France Cormier


Papa, was machen die Tiere im Wald, während wir schlafen?›

‹Die machen nichts Besonderes.


Eine Familie beim Campingausflug im Wald: Zelt aufgebaut, alles eingeräumt und schon ist es Abend. Gemütlich sitzt man am Lagerfeuer, grillt, geht später schlafen. Ein Junge stellt die Frage danach, was wohl die Tiere im Wald machen, während die Menschen schlafen. Der Vater ist der Meinung: Nichts Besonderes. Wie falsch seine Ausführungen waren, wird ihm am nächsten Morgen klar. Nachtaktive Tiere sind sehr kreativ! Der Clou an diesem Bilderbuch ist der Widerspruch. Alles, was der Vater sagt, wird von der Zeichnerin widerlegt. Und das ist ziemlich spaßig! Herrlich, wie die Tiere bereits versteckt im Wald lauern, während die Familie grillt. 





Und die Biber?› 

‹Die haben nachts keinen Plan. Die schlafen lieber.


Der Junge gibt sich nicht mit der Antwort zufrieden. Er fragt jedes Tier ab. Papa hat immer eine passende Rückmeldung, die mit ziemlich viel Wortwitz gestaltet ist. Einiges ist in Reimform, anderes in Bezug, denn die Stachelschweine igeln sich ein, die Stinktiere verduften, die Frösche sind nachts auf Tauchstation usw.  Hier schaukeln die Fledermäuse im BH, und die Glühwürmchen feiern eine Party (die gehen mit leuchtendem Beispiel voran und gehen schlafen). Am nächsten Morgen sieht es vor dem Zelt recht chaotisch aus. Papa, weist du eventuell nicht alles?



Ein Buch zum Weggackern. France Cormier lässt es in ihren Zeichnungen lustig zugehen. Das Ganze wird begleitet durch die witzigen Wortspiele. Der Text ist extrem kurz, nur eine kleine Passage, aber es lohnt sich, das Schwergewicht auseinanderzunehmen. Tiere in Aktion: Ein Buch das Kinder zum Sprechen animiert: Was machen die Tiere? Dies ist ein kanadisches Buch und es zeigt nachtaktive Tiere, eben auch Tiere, die bei uns nicht heimisch sind, wie Opossum, Stachelschwein und Stinktier. Die Grafiken sind in Mischtechnik erstellt, der Hintergrund in nächtlichem Schwarz gehalten. Die Grafikerin setzt Leuchtpunkte auf die Stellen, auf die unser Blick gehen soll. Text und Bild widersprechen sich im Inhalt, aber im Humor vereinen sie sich. Ein spaßiges Buch, das in Frage stellt, ob Erwachsene alles wissen, ob man ihnen alles glauben soll. Herrlich! Der Mixtvision Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 4 Jahren – das für mich in Ordnung.



Mireille Messier, 1971 in Montreal geboren, wuchs in Ottawa auf. Bevor sie Kinderbuchautorin wurde, arbeitete sie unter anderem als Drehbuchautorin und Sprecherin. Seit der Veröffentlichung ihres ersten Buches 1999 hat sie mehr als 25 Kinderbücher publiziert. Außerdem schreibt sie für verschiedene Jugendzeitschriften und war an der Produktion von mehreren Familiensendungen und interaktiven Apps beteiligt. Mireille Messier lebt mit ihrem Ehemann, zwei Töchtern, drei superhaarigen Katzen und hundert Goldfischen in Toronto.


France Cormier hat schon immer gezeichnet. Ihre Liebe zur Kunst übte sie zuerst als Landschaftsarchitektin aus, bis sie sich vollständig der Illustration von Kinderbüchern widmete. Das Zusammenspiel von Natur und Kunst fasziniert sie bis heute. Ihre Illustrationen für kleine Leser erschaffen verspielte, schräge und humorvolle Universen. «Nichts los im Wald» ist ihr zehntes Bilderbuch. France liebt das Meer und die Farben Blau und Grün. Sobald sich eine Gelegenheit bietet, verschwindet sie an die Küste und atmet ein bisschen salzige Meeresluft. Sie lebt mit ihren beiden Töchtern und ihrem Ehemann im Outaouais (Québec).


Trailer: Nichts los im Wald - Trailer 


Mireille Messier, France Cormier 
Nichts los im Wald
Originaltitel: Tellement sauvage
Übersetzt aus dem Französischen von Ina Kronenberger
Bilderbuch, Natur, Tiere
durchgängig farbige Illustrationen, 32 Seiten, 24.3 x 1.2 x 34 cm
Altersempfehlung: ab 4 Jahren
Mixtvision Verlag, 2020



Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
Kinder- und Jugendliteratur


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada

Am 08.11.2019 war ich zu einer Mischung aus Lesung und Definition des Begriffs Kriminalliteratur in St. Gallen in der Wyborada zu Gast, im Literaturhaus & Bibliothek in St. Gallen in der Frauenbibliothek und Fonothek Wyborada. Else Laudan sprach zum Thema Kriminalliteratur, erzählte ihren Weg mit ihrem freien Verlag Ariadne, ein Verlag, der ausschließlich literarische Kriminalliteratur von Frauen veröffentlicht. Weiter zum Artikel:    Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada 

Rezension - Lázár von Nelio Biedermann

  «Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeiten.», so wird von ihm geschrieben. Nelio Biedermann schreibt mit 20 Jahren sein erstes Buch und das Manuskript geht in die Versteigerung – die Verlage überbieten sich, es wird in 20 Sprachen verkauft, man redet über ein sechsstelliges Vorschusshonorar – über den neuen Thomas Mann . Uff. Ich war gespannt. Mich konnte der Familienroman nicht überzeugen – leider. Weiter zur Rezension:    Lázár von Nelio Biedermann

Rezension - Balaclava von Campbell Jefferys

  Mara, eine Polizistin aus Berlin ist jeden Tag mit Gewalt konfrontiert. Die meisten ihrer Kollegen sind diszipliniert, korrekt. Aber es gibt auch gewaltbereite Typen mit rechten Sprüchen, die sich feindlich gegenüber Ausländern und Frauen verhalten. Mara stammt allerdings aus Hamburg und so liegt es nahe, dass man sie undercover nach Hamburg sendet, damit sie sich unter die linken Gruppen mischt, herauszufinden, wer bei einer Demo den einen Polizisten ermordet hat. Mara hat das Video gesehen – der Polizist sackt zusammen, neben ihm ein junger Mann, dessen Gesicht mit einer Balaclava verdeckt ist. Mara hat ihn erkannt! Diese Augen gehören ihrem Bruder! Und der würde niemanden umbringen. Ein Thriller mit Potential, allerdings zu aufgeblasen, zu viele handwerkliche Fehler. Weiter zur Rezension:     Balaclava von Campbell Jefferys

Rezension - Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

  Der Sommer, in dem Motte ein U-Boot fand, fing ziemlich normal an. Langweilig sogar. Doch auf einmal liegt das Schicksal der ganzen Stadt in ihren Händen. Es sind Ferien, aber Mottes Mutter muss arbeiten, einen Urlaub könnten sie sich nicht leisten. Sie ist als Personalcoach unterwegs: Mode, Schminke, Sport, Gesundheit, Ernährung. Und genau das interessiert Motte so gar nicht. Am Kai zeigt ihr Lukas das Metallfischen – ein perfektes Hobby für Motte, die neben schwarzer Kleidung das Unperfekte an Dingen liebt. Sie kauft sich einen Magneten zum Metallangeln. Vielleicht kann man sich etwas verdienen, wenn man Altmetall zur Altmetallhändlerin bringt; sie sammelt ihre ersten Schätze, die die Mutter eklig findet. Plötzlich hängt etwas ganz Großes an der Angel! Spannender Kinderroman ab 9/10 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

Rezension - In ihrem Haus von Yael van den Wouden

  Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Isabel allein in dem großen, von der Zeit gezeichneten Familienhaus auf dem Land, ihre beiden Brüder wohnen in der Stadt. Die Tage ziehen ruhig und geordnet dahin. Isabel lebt mit ihren Erinnerungen, ihren Möbeln und Haushaltsgegenständen, mit denen sie redet, die sie ständig durchzählt, in Angst, das Dienstmädchen könnte einen Löffel stehlen. Doch als ihr Bruder Louis seine Freundin Eva bei ihr einquartiert, geraten Isabels stille Routinen ins Wanken, und das Haus, das Stabilität gibt, wird zum Schauplatz unheimlicher Veränderungen, die bis zum Holocaust zurückgehen, zur Sharia . Ein wundervoll subtiler Roman, der zu Recht auf dem Internationalen Booker-Preis stand. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   In ihrem Haus von Yael van den Wouden

Rezension - Cascadia von Julia Phillips

  Gesprochen von Pegah Ferydoni Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer 7 Std. und 38 Min. Auf einer Insel vor der Küste des Bundesstaates Washington im äußersten Nordwesten der USA lebt Sam mit ihrer Schwester Elena und der schwerkranken Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Sam arbeitet auf der Fähre, die die wohlhabenden Urlauber zu ihren Feriendomizilen bringt, während Elena im Golfclub kellnert. Das meiste Geld geht für die medizinische Versorgung der Mutter drauf. Sie beide träumen von einem besseren Leben, davon, woanders neu anzufangen. Dann, eines Morgens erblickt Sam einen Braunbären direkt vor ihrer Haustür. Zwei Schwestern, die immer zusammengehalten haben, driften völlig auseinander. Die eine bleibt in den Kinderträumen verwachsen, die andere stellt sich der Realität. Weiter zur Rezension:   Cascadia von Julia Phillips 

Rezension - Wo ist Walter? Ab ins Wasser von Martin Handford

  Knobelalarm für clevere Kids Wo ist Walter? Die kultigen Wimmelbuch-Bücher kennt wahrscheinlich jeder. Mit Walter auf hoher See! Ein Mitmachbuch für Kinder ab 8 Jahren mit vielen Rätseln, Suchbildern und Stickern. Klar, auch hier muss man Walter suchen , doch dies hier ist ein kunterbuntes Beschäftigungsbuch für unterwegs, am Strand oder für die Ferien mit Rätseln, Malen, Suchen: Mit Walter gibt es keine Langeweile, und dazu  gibt es mehr als 100 knallbunte Stickern für noch mehr Rätselspaß. Weiter zur Rezension:     Wo ist Walter? Ab ins Wasser von Martin Handford 

Rezension - Chronisch gesund statt chronisch krank von Dr. med. Bernhard Dickreiter

Von der Schulmedizin bis heute ignoriert: Die wahren Ursachen der chronischen Zivilisationskrankheiten – und was man dagegen tun kann Noch nie hat es so viele chronisch Kranke gegeben wie heute: Arthrose, Diabetes, Alzheimer, Rückenleiden, Krebs, Burnout usw. Der Internist, Reha-Experte und Ganzheitsmediziner Dr. med. Bernhard Dickreiter ist überzeugt, dass diese Patienten selbst aktiv etwas dagegen unternehmen können. Sein Standpunkt: Wir müssen alles dafür tun, damit es den Zellen in unserem Organismus gut geht. Jede Zelle ist von einer organtypischen Umgebung eingeschlossen, in die sogenannte extrazelluläre Matrix (EZM). Dort zieht die Zelle ihre Nährstoffe, den Sauerstoff, und hier entsorgt sie ihre Abfallstoffe. Ist die Zellumgebung nicht gesund, werden wir krank. Die Schulmedizin bekämpft meist nur Symptome: Schmerzen – Schmerztablette. Die Ursachen werden oft nicht hinterfragt, bzw. operabel versucht zu beheben: neues Knie, neue Hüfte usw. Dickreiter geht ganzheitlich vor. ...

Rezension - Was ihr wollt von Alwina Calma, William Shakespeare, Sarah Raffelt

  Shakespeare, ein Meister der Dramatik . Neu interpretiert als Graphic-Novel-Adaption des gleichnamigen Theaterstücks , das mit viel Liebe, unerwiderter Liebe und Verwechslungen irgendwo an der Küste von Illyrien einhergeht – eben typisch Shakespeare. Viola sucht nach einem Schiffbruch ihren Zwillingsbruder. Sie lässt sich von Herzog Orsino als Pagen einstellen, schneidet sich aber vorher die Haare ab, nennt sich Cesario, – und verliebt sich in ihn. Der allerdings ist in die Gräfin Olivia verliebt … Shakespeare als Comic auf die Romance sprachlich reduziert, einfache Grafiken. Graphic Novel ab 12/13 Jahren. Weiter zur Rezension :    Was ihr wollt von Alwina Calma, William Shakespeare, Sarah Raffelt