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Narrengold von Laurent Astier, Xavier Dorison, Fabien Nury - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing






Narrengold 


von Laurent Astier, Xavier Dorison, Fabien Nury


Historischer Hintergrund: Bereits 1932 machte man sich in der Bank von Frankreich Sorgen bezüglich Deutschland. Frankreich verfügte damals über rund 2500 Tonnen Gold, teils über das ganze Land verteilt, und das wollte man vor den Deutschen beschützen. Im Geheimen transportierte man 275 Tonnen Gold in mehreren Etappen aus 148 Filialen in verschiedene Häfen, Toulon, Brest und Le Verdon. 1938 bereitete man in Frankreich auf einen Krieg vor. Der Finanzminister Lucien Lamoureux, wagemutig, beschloss das restliche Gold, 620 Tonnen, zu evakuieren, die im unterirdischen Tresor der Bank von Frankreich lagen. Im Mai 1940 wurde es auf drei Schiffe gebracht, die 255 Tonnen Gold nach Halifax, Kanada brachten. Felix Stiot und sein Team mussten unter feindlichem Beschuss 750 Tonnen Gold verladen, eine logistische Herausforderung dies per Zug und Schiff nach Brest zu bringen, um es nach Martinique und in die USA zu fahren. Die Straßen wurden bombardiert, häufig flogen deutsche Flugzeuge über die Umsteigebereiche, was zu Verzögerungen führte, und es mussten gleichzeitig mehrere Teams koordiniert werden. Nach dem Überraschungsangriff der Wehrmacht im Mai 1940 («Blitzkrieg») zeichnete sich die Niederlage Frankreichs ab. Nicht alle Ladungen kamen an, bzw. machten verschiedene Umwege. Und darum geht es in dieser Graphic Novel.




Juni 1940. Die Wehrmacht marschiert in Frankreich ein. Die Staatsbank verlagert ihre letzten Goldreserven von Paris nach Bordeaux; doch sie haben zwei Tonnen Gold vergessen. Die müssen nachgeliefert werden. Gendarm Labeyrie soll den Wagen fahren. Doch der sieht seine Zeit gekommen und erzählt seinen Kumpel davon, dem ehemaligen Boxer Franck Propp, der wiederum den Mafioso und Clubbesitzer Sambionetti einbezieht. 



Der Sergeant schafft es gerade so, einen Panzerwagen zu organisieren, doch die Schutzmannschaft fällt mager aus. Die Gangster beschließen, dem Panzerwagen folgen und ihn auszurauben. Mit dabei Labeyrie, der sich krankgemeldet hat, Sambionetti, der arthritische deutsche Fahrer, der Panzerknacker Kurt und dessen Tochter Ninon. Labeyrie soll den Kollegen der Schutzmannschaft Schlafmittel einflößen, damit man den Wagen sauber ausnehmen kann. Die Zeiten sind schwierig: verstopfte Straßen, Passkontrollen, Luftangriffe von oben, deutsche Soldaten auf den Straßen, französische Soldaten auf dem Rückzug, die gerade eine Brücke sprengen wollen, die mitten auf der Tour liegt. 




Ein weiterer Protagonist kommt ins Spiel. Der Polizeikommissar von Bordeaux arbeitet mit den Deutschen zusammen und will sich selbst das Gold unter den Nagel reißen. Ein spannender noir Kriminalroman, bei dem es zur Sache geht, ein fulminanter Thriller. Wobei anzumerken wäre, dass der zu Grunde liegende Roman von Pierre Siniac stammt. Graphisch ist der Comic eine Augenweide. Das Setting ist atmosphärisch, historisch angelegt, zeichnerisch geht es tief ins Detail, spannend, mit Humor geschrieben. Actionreich wird hier von oben und unten gefeuert, Dynamit lässt krachen, klasse Dialoge begleiten das Gaunerstück. Basierend auf eine die wahre Begebenheit, die Goldreserven Frankreichs zu retten, damit sie nicht den Nazis in die Hände fallen. Die hochbrisante Idee von Lucien Lamoureux, die Felix Stiot zu organisieren hatte, und das während des Einmarschs der Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Klasse Graphic Novel, die Historisches als Abenteuerroman und Thriller eint. Empfehlung!




Laurent Astier gab sein professionelles Debüt im April 2002, als die erste Ausgabe der Serie „Cirk“ erschien. Astier, der sowohl vom Manga als auch vom europäischen Comicstil beeinflusst ist, gewann einen von Glénat veranstalteten Comicwettbewerb, nachdem er eine Zeit lang im Bereich Videospiele gearbeitet hatte. Sein nächster Comic war die Einzelausgabe „Gong“, die bei Vents d’Ouest erschien.




Xavier Dorison studierte eigentlich an einer Hochschule für Wirtschaft, an der er auch ein Comic-Festival organisierte. Mit dem Skript für »Das dritte Testament« (gezeichnet von Alex Alice) gelang ihm jedoch auf Anhieb ein Bestseller, sodass er in der Folge nur noch als Autor tätig war. Alles, was Xavier anfasste, gelang: »Prophet« mit Matthieu Lauffray, »Heiligtum« mit Christophe Bec, »W.E.S.T.« mit Fabien Nury und Christian Rossi und nicht zuletzt »Undertaker« mit Ralph Meyer, sein bisher größter Erfolg. Dabei wechselt er scheinbar mühelos zwischen den Genres und Stilen, sodass ihm inzwischen sogar die legendäre Serie »Thorgal« anvertraut wurde.




Fabien Nury ist einer der produktivsten und erfolgreichsten Szenaristen Frankreichs. Sein wichtigstes Werk ist die Reihe »Es war einmal in Frankreich«, die er zusammen mit Sylvain Vallée schuf. Darüber hinaus arbeitete er an vielen Serien mit, u. a. »XIII Mystery« und »W.E.S.T«, zuletzt erschien von ihm der Einzelband »Der Tod von Stalin«. Nury wurde vielfach ausgezeichnet und er erhielt als Szenarist eine Ausstellung auf dem Festival von Angoulême 2015.



Laurent Astier, Xavier Dorison, Fabien Nury
Narrengold 
Nach der Romanvorlage «Sous ‚Aile noire des Rapaces» von Pierre Siniac (1975)
Comic, Graphic Novel, Thriller, Abenteuerroman, Geschichte, Zweiter Weltkrieg, Goldraub, Goldreserven, Nazizeit, Noir, Lucien Lamoureux, Felix Stiot 
Hardcover, 120 Seiten, 21.6 x 29.9 cm
Schreiber & Leser, 2025



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