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Nacht von Yrsa Sigurdardóttir - Rezension

Rezension
von Sabine Ibing



Nacht 

von Yrsa Sigurdardóttir

Der erste Satz: 

Eine ungewöhnliche Stille lag über dem Hof Hvarf.

Island, ein abgelegener Fjord: An einem kalten Winterabend klopft ein Nachbar an das Haus einer Familie, von der es seit einer Woche kein Lebenszeichen mehr gibt. Er bemerkt Spuren, aber niemand öffnet. Als er ins Haus eindringt, sieht er, dass alle Frauen im Haus ermordet wurden. Der Polizist Týr und die Gerichtsmedizinerin Iðunn werden an den Tatort gerufen, um das schreckliche Verbrechen zu untersuchen. 

Ein Massaker

Ein Paar, das mit seinen Softwareprodukten Millionen gemacht hatte, die Firma verkauft, lebte nun sehr abgeschottet und einsam mit zwei Töchtern und einer Hausangestellten. Sie hatten einen alten Bauernhof gekauft, das Haus renoviert, ein riesiges hochmodernes Haus daneben gebaut. In dem Bauernhaus lebte die Hausangestellte. Was war hier passiert? Wer hatte die Familie so bestialisch abgeschlachtet. Etwa der Vater, den man nicht auf dem Hof fand. War er ausgerastet und dann abgehauen – oder konnte er entkommen, liegt irgendwo draußen, schwerverletzt? Wer hatte solche Wut auf diese Familie? In zwei Handlungssträngen erfahren wir etwas über die Ermittlung; im zweiten die Geschehnisse vor dem Massaker, aus der Sicht der Haushälterin, die noch nicht lange dort gearbeitet hat. Ihre beiden Vorgänger haben schnell das Weite gesucht. Warum eigentlich? 


Mittelmäßige Spannung

Yrsa Sigurdardóttir schreibt atmosphärisch, führt den Lesenden an der Nase herum. Da ist gut. Am Anfang ist der Krimi spannend, kehrt dann aber in die wiederkehrende Schleife des auf der Stelle Tretenden. Die Polizisten kommen nicht weiter, können sich keinen Reim machen und im zweiten Strang bekommt die Hausangestellte Angst, weil es im Keller stinkt und wohl jemand ins verriegelte Haus eindringt, Dinge wegnimmt, die irgendwann wieder auftauchen. Das steigert sich. Bei der Polizeiarbeit ergeben am Ende viele Puzzleteile doch ein Ganzes und es geht vorwärts. Im Haus steigern sich die Ereignisse, die zur Bedrohung führen. Das kann man gut lesen, aber für mich war es Mainstream ohne Belang. Was wollte mir die Autorin sagen? Eine Message hatte dieses Buch nicht. Ein bisschen Schlachtefest, ein wenig dunkler Winter auf Island auf mittelmäßiger Spannung mit wenig ausgeleuchteten Charakteren. Das Ende war inhaltlich nicht nachvollziehbar. Las sich hilfesuchend: Hey, wie bekomme ich die Kurve, kann einen Mörder aus der Kiste ziehen …  Kann man lesen; man verpasst aber nichts, wenn man es lässt.

Yrsa Sigurdardóttir, geboren 1963, ist eine vielfach ausgezeichnete isländische Bestsellerautorin, deren Bücher in über 30 Ländern erscheinen. Die Ikone zählt zu den »besten Kriminalautorinnen der Welt« (The Times). Ihre faszinierenden Thriller, in denen sie die umbarmherzige Natur Islands meisterhaft beschreibt, werden von Presse und Leser*innen gleichermaßen geliebt. Ihr letzter Thriller »SCHNEE« stand monatelang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Reykjavík.




Yrsa Sigurdardóttir 
Nacht
Übersetzt aus dem Isländischen von Anika Wolff
Krimi, Polizeikrimi, Kriminalroman, Kriminalliteratur, Isländische Literatur
Taschenbuch, 432 Seiten
btb Verlag, 2023






Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller

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