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Kastanienallee von Louise K. - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Kastanienallee 


von Louise K.


Entlang der Kastanienallee in Wien verbergen sich hinter hohen Gartenzäunen elegante Villen aus dem Fin de Siécle. Hier wohnt die Oberschicht und all jene, die sich gerne dazu zählen. Ärzte und Anwälte, Industrielle, lang Angesessene aber auch Zugezogene, denen der Anschluss an die erlesene Nachbarschaft auch nach Jahren noch nicht gelingen mag. Der Tennisclub ist das Zentrum, hier kommen sie zusammen und alle Protagonisten kreisen um den schwerreichen Rudi. Und nicht alle, die großkotzig tun, haben pralle Taschen, denn hinter der makellosen Fassade steht bei Weitem nicht alles zum Besten.


Alles ist miteinander verwoben

‹Na weg, so wie meines auch! Aber schlimmer noch wir haben schon einige Anleger gehabt, die können wir auch nicht auszahlen, alles ist futsch!›

‹Wie, futsch?›, insistierte Hans weinerlich hustend, ihm war sehr heiß geworden und er hatte sich an dem eiskalten Aperol verschluckt.

‹Sag einmal, bist du schwer von Begriff? Die Kohle ist weg, wir haben sie ausgegeben, auf den Kopf gehauen, naja, eigentlich du - ich bin meinen Verpflichtungen nachgekommen. Was hast du eigentlich mit den Fünfzigtausend gemacht, die ich dir gleich am Anfang ausgezahlt habe?›

‹Weiß ich nicht mehr, wahrscheinlich in diese blöden Sonnenstudios gesteckt, die gehen ja auch nicht mehr›, flüsterte Hans.

‹Wir müssen das jetzt genau nachrechnen, da bleibt uns gar nichts übrig und Wehleidigkeit hilft uns jetzt auch nicht weiter›, antwortete Günther kryptisch.


Eine herrlich zynische Satire, eine Milieustudie über die bessere Gesellschaft in Wien. Zu Beginn werden alle Protagonisten vorgestellt. Alles ist miteinander verwoben. Dolli Furtner lebt mit ihrem zweiten Mann, dem Psychologen Arthur in dem Haus, das sie von ihrem ersten verstorbenen Mann geerbt hat, inbegriffen Konten und Haushälterin Hilde. Nachbar Rudi Staller ist stinkreich durch eine Erbschaft; er ist leicht behindert und benötigt Hilfe, lässt den ganzen Tag seine Modelleisenbahn kreisen. Der Traffikant ist ein lebendiges A-Loch, der Frau und Tochter schikaniert und einen perfiden Betrug plant. Er kümmert sich um Rudi, lässt das ein oder andere aus Rudis Wohnung mitgehen. Anwalt Günther Krawanek, «Krani» genannt, der sich in diversen Ehen weit vermehrt hat, ist zu hohen Unterhaltszahlungen verpflichtet. Er ist der Verwalter von Rudis Vermögen und er ist der Kassierer des TC Leopoldshof. Seinen Frust ersäuft er im Alkohol. 


Unterhaltung auf Niveau

Psychiater Alexander Simonius, wird von seiner minderjährigen Geliebten betrogen. Hans Freyenberg hat sich bei Ehefrau Julie reich eingeheiratet, wird in ihrer Familie nicht anerkannt und lässt sich therapieren. Dazu kommt ein betuchtes Ehepaar, dem das hässlichste Haus der Kastanienallee gehört, das das Treiben der Nachbarn beobachtet, die Verwerfungen in der Nachbarschaft mit fatalistischem Humor kommentiert. Antiquitätenhändler Herbert Matzka, die promovierte Historikerin Elinor Pächter, die die Vereinsgeschichte des TC Leopoldshof schreiben will, sie alle sind Figuren in einem Spiel, das sich immer gefährlicher zuspitzt. Je weiter die Geschichte geht, umso spannender und lustiger wird sie. Eine herrlich bissige Story, bei der es um Scheinheiligkeit, Arroganz, Verrat, Betrug, Diebstahl, Hinterhältigkeit geht bis hin zur Planung eines Mordes – sehr zum Spaß des Lesenden. Unterhaltung auf Niveau. Empfehlung.


Louise K. ist das Pseudonym einer erfolgreichen österreichischen Autorin, die selbst immer schon gerne gelesen hat, es aber nicht dabei belassen wollte. Ihr Talent stellt sie in regelmäßig veröffentlichten Kolumnen für verschiedene Tageszeitungen unter Beweis.Ihr neuester Roman sprüht nicht nur vor intrigantem Kleinstadt-Charme, sondern wimmelt auch von verschrobenen Charakteren. Sie lebt mit ihrer Familie und jeder Menge Verwandtschaft in der Nähe von Wien, während sie bereits am zweiten Teil der perfiden Machenschaften rund um die Kastanienallee arbeitet.


Louise K.
Kastanienallee 
Zeitgenössische Literatur, Satire, Österreichische Literatur, 
Hartcover kartoniert mit Lesebändchen, 264 Seiten
Kremayr & Scheriau, 2025




Zeitgenössische Literatur

Hier verbirgt sich manche Perle der Literatur. Ich lese auch mal einen Bestseller, natürlich, aber mein Blick ruht  immer auf den kleinen Verlagen, auf den freien Verlagen. Sie trauen sich was - und diese Werke sind in der Regel besser als der Mainstream der meistgekauften Bücher …
Zeitgenössische Roman

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