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Irre Zeiten von Erich Rauschenbach - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Irre Zeiten 


von Erich Rauschenbach


Erich Rauschenbach hat in den letzten vier Jahrzehnten über 50 Bände mit Karikaturen veröffentlicht, sein Name ist eine Institution für Gesellschaftssatire. Generationen haben von ihm lernen dürfen, wie wenig Männer und Frauen eigentlich zusammenpassen und wie sehr es sie doch zueinander hinzieht. In diesem Band zieht die Technik durch den Kakao. Muttis Schnittmuster im Navi geladen, Online-Voodoo, ein Toaster mit Fernbedienung und 80 Programmen, ein Diät-Kühlschrank, und andere vernetzte Haushaltsgegenstände und -geräte, die eine Menge sinniger und sinnloser Zusatzprogramme bieten. Hier trickst Jung Alt aus oder das Gerät den Menschen, und wir erleben Männerprobleme, Kommunikationsprobleme zwischen Paaren usw. Scharfstiftige, Cartoons zum Ablachen.







Bissig, zum Schreien komisch bringt er es auf den Punkt. Technik, Erziehung, Konsum, Makaberes, Urängste des Menschen werden hier seziert und auf den Stift gebracht. Rauschenbach hält uns den Spiegel vor das Gesicht - ein Cartoonist mit Stil! Angefangen hat er im Berliner Stadtmagazin «Zitty», hier probte Rauschenbach zwölf Jahre zusammen mit anderen den «humoristischen Aufstand»: «Wir konnten damals machen, was wir wollten, es gab praktisch keinen Chefredakteur.» Von der politischen Karikatur hat er sich immer ferngehalten, sein Auge richtete sich stets auf den Menschen als Individuum, in all seinen Facetten, besonders reizte ihn die Beziehung zwischen Mann und Frau. Er ist sich treu geblieben: «Für einen Cartoonisten ist es tödlich, wenn er plötzlich für alles Verständnis hat», sagte er kürzlich zu seinem 75 Geburtstag. 




Erich Rauschenbach wurde 1944 in Lichtenstein (Sachsen) geboren. Seit 1953 ist er West-Berliner, seit 1990 Berliner. Nach Banklehre, südfranzösischer Reiseleitertätigkeit und pädagogischem Studium an der PH Berlin (ohne Abschluss) folgt 1969 ein Grafik-Design-Studium an der HDK Berlin (mit Abschluss als »staatlich geprüfter Grafik-Designer« 1973). Seitdem wechselnde Mitarbeit als freiberuflicher Karikaturist und Illustrator für div. Verlage, Zeitungen, Zeitschriften und das Fernsehen. Bisher erschienen über 60 Karikaturenbücher und weitere Veröffentlichungen und Illustrationen für Kinder- und Schulbücher in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Autoren und Kollegen. Seit 1994 entstand eine Serie von über 50 Acrylgemälden (»Alle meine Mädels«) mit Ausstellungen u.a. in Berlin (Lindencorso), Hamburg (Privart-Museum), Rantum (auf Sylt), Kassel (Caricatura), Greiz (Sommerpalais), Bad Nauheim und im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover.


Erich Rauschenbach  
Irre Zeiten
Cartoons, Satire, Geschenkbücher
Gebunden, 80 Seiten, 17,7 x 19,6 cm
Eulenspiegel Verlag, 2021



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