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Falsche Gesichter von Lone Theils - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Falsche Gesichter 


von Lone Theils


Der Wasserbüffel mampfte ein Büschel saftiges Gras, während er Nora anstarrte, wie jeden Morgen, wenn sie sich auf den Weg zu dem überdachten Dschungelsportplatz am Rande von Thong Sala zu ihrer ersten Trainingssession des Tages machte, solange die Temperaturen noch halbwegs erträglich waren.


Lone Theils war jahrelang als London-Korrespondentin für eine große dänische Tageszeitung tätig, und sie ist Kickboxerin. Genauso wie Nora Sand, ihre Protagonistin. Nora genießt ihre letzten Urlaubstage in Thailand, als sie die Nachricht erreicht, gleich nach ihrer Rückkehr von London aus in das fiktive Städtchen Toppinghham weiterzureisen. Hier wurde der Polizeipräsident Ed Crow enthauptet, seine Hinrichtung gefilmt und ins Netz gestellt. Nach der Leiche wird auf Hochtour gesucht. Ein islamistischer Hintergrund wird vermutet. Schon bei ihren ersten Recherchen vor Ort zweifelt Nora an dieser Theorie, denn es gibt überhaupt keinen Anhaltspunkt zu islamistischen Gruppen in dieser Stadt. Eine Menge Leute behaupten allerdings, Ed Crow wäre ein korruptes Schwein gewesen und nicht nur der. Nebenbei stößt Nora auf wütende Menschen, die Mädchen vermisst melden – die meisten tauchen nach Tagen wieder auf – die Polizei aber nie bereit ist, eine Vermisstenanzeige aufzunehmen. Versoffene Mädchen, die auf Tour sind ... Werden diese Jugendlichen missbraucht, die allesamt aus schwierigen Verhältnissen stammen? 


Warum nimmt sich niemand der Mädchen an?

Aber er war ein durchtriebenes Schwein. Korrupt bis zum Gehtnichtmehr.›

‹Warum glaubst du, dass der IS sich ausgerechnet ihn herausgepickt hat?›

Cathy überlegte einen Augenblick.

‹Die waren wahrscheinlich einfach nur schneller als alle anderen.›

‹Inwiefern?›

‹Der Mann hatte Hunderte von Feinden.


Da es in dem Fall des Polizeipräsidenten nicht vorangeht, versucht Nora zu den Mädchen Kontakt aufzubauen und zu deren Umfeld. Dabei stößt sie in ein Wespennest. Diese Reportage erscheint ihr wesentlich interessanter. Nora wird nach Dänemark zurückbeordert, doch nun wird die Leiterin einer Privatschule tot aufgefunden – die Hände wurden ihr post mortem abgehackt. Wieder ein spannender Krimi um Nora Sand, die aus der personalen Perspektive berichtet. Der Plot ist klug konstruiert, die Erfahrung der Journalistin, zeigt sich deutlich in der Beschreibung ihrer Arbeitswelt. Wendungsreich bis zur letzten Seite dringt die Autorin in gesellschaftliche Schichten hinein, zeigt auf, was passiert, wenn Behörden sich blind stellen, obwohl der Alarmknopf rot leuchtet. Irgendwie ahnt jeder, was da läuft, aber niemand mag hinschauen. Wer sich engagiert, die Sache aufdecken will, rennt gegen Wände. Die Opfer wissen, dass man ihnen keinen Glauben schenken wird, im Gegenteil, sie werden für ihren Verrat zahlen müssen. Lone Theils hat sich hier dem Loverboy-Thema gewidmet, fesselnd mit glaubhaften Figuren. Puzzelteil für Puzzelteil fügt sich alles zusammen, wobei wir mit der Protagonistin auch den ein oder anderen Holzweg gehen und uns von den Ereignissen überraschen lassen. Empfehlung für spannende Krimistunden!


Lone Theils war jahrelang London-Korrespondentin für die angesehene dänische Tageszeitung Politiken sowie fürs Fernsehen. Ihr Debütroman und Auftakt der Reihe um Nora Sand erscheint in 16 Ländern und wird für das Fernsehen verfilmt. Neben ihrer journalistischen Tätigkeit zwischen Dänemark und England teilt die Autorin mit ihrer Protagonistin auch die Leidenschaft fürs Kickboxen.



Lone Theils
Falsche Gesichter
Ein Fall für Journalistin Nora Sand, Band 4
Übersetzt aus dem Dänischen von Karoline Hippe
Krimi, dänische Literatur,  Journalistenkrimi
Taschenbuch, 480 Seiten
Rowohlt Verlag, 2021




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