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Einsiedeln von Silvia Götschi - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Einsiedeln 

von Silvia Götschi


Wie ein Spiegel lag der Sihlsee eingebettet in die weich gezeichneten Hügel, die sich hinter dem Ufer mit dem Himmel zu vereinen schienen. Lilafarbene Pinselstriche übertünchten das rosa schimmernde Firmament, über das sich ein silberner Punkt bewegte – ein Flugzeug im Anflug nach Zürich-Kloten.

Einsiedeln, ein kleiner Ort im Kanton Schwyz, bekannt durch das Kloster Einsiedeln, der bedeutendste Barockbau der Schweiz mit seiner Gnadenkapelle der die Schwarze Madonna beherbergt, ein Etappenziel des Jakobsweges. Und genau in diesem idyllischen Ort wird eine zerstückelte Leiche im Sihlsee gefunden, kopflos. Oberleutnant Valérie Lehmann fischt mit ihrem Team zunächst im Trüben. Doch dann gibt es einen kleinen Hinweis, der zum Benediktinerorden führt. Sollte es einen Zusammenhang zum Kloster geben? Doch hier ist man bekanntlich verschnupft, wenn die Polizei um Auskunft bittet.

Was haben die Benediktiner mit dem Fall zu tun?

Valérie Lehmann ist mir bereits bekannt aus vorigen Ermittlungen, eine starke Persönlichkeit, die sich nicht gern etwas vorschreiben lässt. Derzeit scheint sie an einer Midlifecrisis zu leiden, denn sie geht recht ruppig mit den Menschen um. Ob es sich um Angehörige von Opfern handelt, Verdächtige, Mitarbeiter, ihren Lebenspartner oder ihren Sohn, Valérie, ist launisch, unzufrieden, barsch im Tonfall, Empathie ist derzeit nicht ihre Stärke. Der Fall gestaltet sich als schwierig, da eine kopflose, nackte Leiche schwer zu identifizieren ist. Fest steht lediglich, es handelt sich um eine betagte Frau. Das Team findet heraus, um wen es sich handelt – doch schon kurz danach liegt die nächste tote Frau am See und es gibt einen Zusammenhang. Warum mussten die Frauen sterben und wer steckt dahinter?

Dass es im Fall Benzinger um Rache ging, war offensichtlich. Die Morde waren akribisch geplant gewesen. Die Ausführung genauso wie das Beseitigen von Spuren. Doch eine Spur war bewusst gelegt worden, auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussah.

Valérie Lehmann  sucht nicht nur einen Mörder - sie ist auf der Suche nach sich selbst

Ein gut ausgearbeiteter Krimi, der sich Stück für Stück aufrollt. Gut, eingefleischte Krimifans werden ahnen, wer der Täter ist, wenn er das erste Mal erwähnt wird … Es gibt auch eine Nebenhandlung, die den Fall kreuzt, die mir gut gefallen hat, aber ich will nicht spoilern. Land und Leute werden hier fein dargestellt, man bekommt ein Gefühl für ein Schweizer Kleinstadtleben. Ganz am Ende dachte ich: Schade, den letzten Kick hätte es nicht gebraucht, der war mir nicht schlüssig, aber noch im Rahmen. Ein spannender Krimi, schnell durchgelesen. Valérie Lehmann ist dieses Mal recht sperrig. Die attraktive Frau wird von Kollegen angebaggert, was ihr gar nicht gefällt, ihr Lebenspartner, ein Staatsanwalt, mit dem sie zusammenarbeitet, setzt sie unter Druck. Er will mit ihr zusammenziehen, bittet sie, mit ihm Häuser zu besichtigen. Ihr Sohn fällt ihr in den Rücken, er ist dafür und er leuchtet mit seinen sechzehn Jahren die Mutter aus, gibt ihr Ratschläge. Valérie ist erstaunt. Soll sie wirklich ein wenig kameradschaftlicher mit Kollegen umgehen, sie, für die Privatsphäre so enorm wichtig ist?

Hier die Rezension zu einem anderen Lehmann-Fall:
Klausjäger von Silvia Götschi

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