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Dschungel von Friedemann Karig - Rezension

 Rezension

von Sabine Ibing



Dschungel 

von Friedemann Karig


Der Anfang: Ich erinnere mich genau. Wir stehen einen Schritt vom Tod entfernt, aber wir stehen nebeneinander.

Der Icherzähler wird von der Mutter seines besten Freundes genötigt nach Kambodscha zu reisen, um Felix zu finden. Die beiden Männer verbindet seit der Grundschule eine enge Freundschaft: Felix der Grenzenlose, der gern ausrastet, der extreme Situationen, Extremsport sucht. Felix, der seinen Freund mitreißt, der sich nur zusammen mit Felix etwas traut, aber auch ausgleichend auf seinen Freund einwirkt, ihn immer wieder zurückhält. Eine toxische Freundschaft zwischen dem Mann ohne Namen und Felix, der seinen Freund wie einen Bären am Nasenring hinter sich herzieht. Felix war nach Kambodscha geflogen, wie immer auf der Suche nach der großen Freiheit, nach dem Hype. Seine letzte Nachricht kommt aus einem Hostel, ein Foto mit Bierflasche und Peacezeichen. Felix ist abgetaucht. Sein Freund hat gerade einen neuen Job angefangen und seine Freundin warnt ihn, nicht zu fahren – er hat die Wahl. Doch die Mutter von Felix macht Druck, zahlt die Reisekosten. In Kambodscha angekommen übernachtet der Freund im gleichen Hostel wie Felix in einem Stockbett. Das letzte Lebenszeichen kam von diesem Ort. Man kennt Felix dort, doch niemand weiß, wo er sich aufhält – ob er vielleicht sogar tot ist. Junge Menschen aus der ganzen Welt finden sich hier zusammen: Saufen, kiffen, koksen und was der Drogenschrank noch so hergibt, Sex – eine erbärmliche Gesellschaft in Sinnlosigkeit, die der Sinnlosigkeit des Lebens zu entkommen glaubt.

Erste Regel: Keine Konjunktive. Es könnte immer irgendwo noch besser, noch schöner sein, von allem noch mehr geben. jeder strebt die Maximierung der Ereignisdichte an. Was in der Angst mündet, etwas zu verpassen. Der größte Feind des Glücks.

Felix ist der Extreme, der Macher, der ständig Grenzen überschreitet, manipulativ seinen Freund mitzieht. Felix ist letztendlich kein Freund, sondern ein zerstörerischer narzisstischer Charakter, psychisch beschädigt, was auch seine Ursachen hat. Letztendlich weiß der Icherzähler, dass Felix Gift ist, doch er braucht ihn wie eine Droge – das Drama ist vorprogrammiert. Die Fesseln lösen, die einen anketten, das ist das Thema. Fesseln lösen, um neue Ketten anzulegen. Während der Icherzähler auf der Suche nach seinem Freund ist, erinnert er sich an Episoden aus der Zeit seit Beginn der Freundschaft, die mit einem Faustschlag ins Gesicht begann. Die Kapitel wandern vor und zurück, wobei extrem mit Cliffhangern gearbeitet wurde. Der Roman ist nicht schlecht, aber packen konnte er mich nicht. Irgendwann war es mir egal, ob der Erzähler Felix findet oder nicht, der Zugang zu beiden Protagonisten hat mir gefehlt. Das Ende hat mich überrascht – aber irgendwo auch gelangweilt. Letztendlich gewinnt nur einer in diesem Spiel, der andere bezahlt einen hohen Preis, für die Ketten, die er sich endgültig anlegt. Eine Geschichte, die schriftstellerisch gut erzählt ist, aber mit der ich persönlich nichts anfangen konnte.
Friedemann Karig, geboren 1982, studierte Medienwissenschaften, Politik, Soziologie und VWL und schreibt unter anderem für Süddeutsche Zeitung, SZ-Magazin, Die Zeit und jetzt. Er moderierte das für den Grimme-Preis nominierte Format »Jäger&Sammler« von »funk«, dem jungen Online-Angebot von ARD&ZDF. »Dschungel« ist sein literarisches Debüt.

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