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Die Insassin von Elisabeth Norebäck - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Die Insassin 


von Elisabeth Norebäck


Seit mehreren Jahren sitzt Linda Andersson im Gefängnis, die Anklage lautet: Mord. Sie soll ihren Mann Simon erstochen haben. Man fand sie blutdurchtränkt schlafend im Bett am Tatort. Alle Indizien sprachen in der Verhandlung gegen Linda. Sie aber ist davon überzeugt, unschuldig zu sein. Nur: Sie kann sich an nichts erinnern. Wie soll sie herausfinden, was sich in der Mordnacht wirklich ereignet hat? Dafür müsste sie erst aus dem Gefängnis ausbrechen und auf Spurensuche gehen. Leider gibt es in den beiden Klappentexten bereits den Hinweis für die Auflösung … Ein enttäuschender Roman.


Das reiche, verwöhnte Kind

Linda Andersson ist im Blick der Kamera aufgewachsen. Ihre Mutter war eine sehr beliebte Sängerin und sie stand mit ihr manchmal auf der Bühne. Luxus, Glanz und Glimmer prägte ihr Leben. Der Roman beginnt spannend. Schnell ist man bei Lindas Lebenslauf, der sich nun zäh ausbreitet. Es geht in diesem Roman um Linda und nochmal um Linda. Das reiche Kind, die fantastische Mutter, die bereits verstorben ist, das Leben im Kameralicht, die unscheinbare Schwester. Immer wieder wird das durchgekaut, wiederholend. Dazwischen Gefängnisszenen. Mehrfach wollte ich abbrechen – ständiges weiterblättern – doch da kommt noch was, dachte ich. Nein, da kommt nichts mehr. Wer sich ein wenig in der Psychologie auskennt, weiß, wohin das hinauslaufen wird. Enttäuschend, wenn es so kommt, wie es kommen muss.


Unrealistisch und klischeehaft

Die Autorin hätte den Gefängnisaufenthalt intensiv schildern können; aber ist die Beschreibung oberflächlich und klischeehaft. War sie jemals im Knast und hat sich mit Insassinnen unterhalten? Mir scheint es nicht so. Nach einer Schlägerei, Linda ist schwer verletzt und angeblich die Angreiferin gewesen – auch hier kann sie sich an nichts erinnern – lernt sie die graue Eminenz im Knast kennen. Diese Frau hat alles im Griff, Kontakte, die Arme überall hin wie ein Tintenfisch. Diese Figur wird gar nicht beleuchtet. Warum sitzt sie ein, woher hat die kranke Frau die Macht? Zumindest holt sie Linda in ihre Zelle. Warum eigentlich? Und sie wird noch viel für Linda tun. Warum eigentlich? Und weil es im Klappentext bereits enthalten ist, kann ich es verraten: Linda wird ausbrechen. So einfach, wenn die Eminenz das regelt. Um dahin zu kommen, hat man den Roman fast durchgelesen. Nun geht es an die Auflösung: Ein Gespräch und ratzfatz … Das alles und viel mehr ist unglaubwürdig, klischeehaft und nicht nachvollziehbar. Der Hauptprotagonistin wird alles einfach gemacht, die Leidensphase ist bereits durchgangen. Sie sei ständig aggressiv - kann sich aber niemals daran erinnern; es sind doch die anderen. Dem Lesenden bleibt sie fern, sie nervt mit ihrem ewigen Ich. Für mich ist dieser Kriminalroman unstrukturiert, planlos und klischeehaft, die Nebenfiguren sind arg flach angelegt und Linda selbst ist nicht glaubwürdig. Linda und immer nur Linda – das alles ist insgesamt schrecklich langweilig! Am Ende fragt man sich: Was wollte die Autorin mir sagen?


Elisabeth Norebäck liest eine Menge Krimis und liebt Thriller-Serien im TV über alles. Ihr Debütroman «Das Schweigemädchen» erschien in 35 Ländern und machte sie international berühmt. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Stockholm.



Elisabeth Norebäck
Die Insassin
Aus dem Schwedischen übersetzt von Daniela Stilzebach
Originaltitel: Nadia
Kriminalliteratur, Kriminalroman, Schwedische Literatur
Taschenbuch, Klappenbroschur, 385 Seiten
Heyne Verlag, 2023

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