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Der junge Falke von Sabine Ebert - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Der junge Falke von Sabine Ebert

Schwert und Krone 2

Gesprochen von Gabriele Blum
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 17 Std. und 11 Min.


«Dezember 1137: Kaiser Lothar ist tot, und sofort bricht ein erbitterter Kampf um die Thronfolge aus. Machtgierigen Fürsten und der Geistlichkeit ist jedes Mittel recht, um den Welfen nicht nur ihren Anspruch auf die Nachfolge streitig zu machen, sondern ihnen auch Bayern und Sachsen zu entziehen. Durch eine ausgeklügelte Intrige gelangen die Staufer, die selbst Jahre zuvor durch Ränke an der Machtübernahme gehindert wurden, in den Besitz der Krone. Konrad von Staufen wird in die Königsrolle gedrängt, obwohl ihm dieser Weg missfällt.»


Das große Friedrich-Barbarossa-Epos – Teil zwei: Anfang 1147 sorgen Hungersnot und Weltuntergangspropheten in deutschen Landen für Verzweiflung. Unter König Konrad ziehen Zehntausende ins Heilige Land, während die östlichen Fürsten planen, mit ihrem Wendenkreuzzug gegen die Slawen Gebiete an Elbe, Havel und Küste zu erobern. Sehr genau recherchiert schildert Sabine Ebert diese Zeit. Streit und Geschacher um Titel und Ländereien, plötzliche Todesfälle. Männer, die nichts anderes als Krieg im Kopf haben, Ehen, die grundsätzlich aus politischen Gründen geschlossen werden. Frauen, die es schwer haben, weil sie von Ehemännern links liegen gelassen werden, despotische Ehemänner, aber auch Männer, deren Frauen ihnen die eiskalte Schulter zeigen. Frauen, die allein zu Hause mit Missernten und Angriffen auf ihre Burg fertig werden müssen – deren Männer und Soldaten sich in fernen Gebieten aufhalten.


Frauen der Mächtigen bekommen ein Gesicht

Mitten im 12. Jahrhundert: Herzog Friedrich von Schwaben, Heinrich der Löwe, Albrecht der Bär, Konrad von Wettin, Agnes von Saarbrücken, Uta von Calw und Schaumburg, die Welf VI. aus dem Hause der Welfen geehelicht hat, Kunigunde von Plötzkau, Adela von Vohburg, wichtige historische Persönlichkeiten ihrer Zeit, deren Leben hier nachempfunden werden. Es sind eine Menge Stränge, die fein verwoben sind. Beeindruckend ist, wie eng sich die Autorin an geschichtlichen Fakten hält, gleichzeitig gekonnt erzählerisch die Geschichte vorantreibt, spannend, empathisch, insbesondere, weil hier die Frauen ein Gesicht bekommen, die in den Geschichtsbüchern grundsätzlich vernachlässigt werden.


Friedrich von Staufen sieht seine Stunde gekommen

Zehntausende Männer ziehen unter König Konrad von Staufen ins Heilige Land. Der junge Friedrich von Staufen, später Barbarossa genannt, macht sich als Ritter im Kreuzzug seines Onkels, König Konrad, einen Namen. Doch der Kreuzzug scheitert katastrophal in einer Schlacht im anatolischen Hochland; nur wenige Männer kehren zurück und der König ist schwer erkrankt. Gott schütze den König … damit der fliehen kann, müssen viele Kämpfer ihr Leben lassen. Die Machtkämpfe im eigenen Reich entflammen nun von Neuem. Friedrich von Staufen sieht seine Stunde gekommen. Er will das Reich modernisieren. Allerdings ist er mit Adela von Vohberg verheiratet, die als Gesellschafterin des achtjährigen, zukünftigen Königs Heinrich-Berengar, Konrads Sohn, agiert, der kurz nach dem Tod seines Vaters vergiftet wird. Adela wurde Friedrich von seinem Vater angehängt, wegen der attraktiven Mitgift. Diese Frau, die er völlig ignoriert, denn ist ihm zu unscheinbar – muss er irgendwie loswerden – später wird die Ehe wegen angeblicher Unfruchtbarkeit geschieden. Wie gewinnt man Stimmen für die Wahl? Hier wird geschachert und versprochen, Intrigen werden gesponnen. Und wer wird Bayern erhalten?


Der Wendenkreuzzug 

Sie sind so anders, mit ihren Sitten und Gebräuchen – und doch Menschen wie wir. Und sie siedelten hier schon lange, bevor wir kamen. ... Warum zerstören wir all das Schöne? Wo doch wir Christen es auch lieben, und seien es nur die Krüge und Fibeln? Ihre Lieder, Tänze, Märchen, Ornamente ... ausgelöscht.


Kurz wird der Wendenkreuzzug gegen die Slawen erwähnt, die zunächst in Frieden mit den Christen leben, Handel miteinander treiben. Doch sie wollen ihre Identität nicht verlieren, sich nicht dem christlichen Glauben unterwerfen. Sie ahnen, was geschehen wird und kommen den östlichen Fürsten zuvor, ein Desaster für Lübeck. Klasse erzählt, meine Empfehlung.


Sabine Ebert war als Journalistin und Sachbuchautorin tätig und begann aus Passion für deutsche Geschichte, historische Romane zu schreiben, die allesamt zu Bestsellern wurden. Ihr Debütroman «Das Geheimnis der Hebamme» wurde von der ARD als Event-Zweiteiler verfilmt und in einer umjubelten Theaterfassung auf der Felsenbühne Rathen uraufgeführt. Mit dem Romanzyklus «Schwert und Krone» kehrt sie in die Zeit zurück, mit der sie Millionen von Lesern für unsere Geschichte begeistern konnte, vier Bände der großen Saga über die Zeit Barbarossas, schafften es ebenfalls auf Anhieb in die Bestsellerlisten. Sabine Ebert lebt und arbeitet nach vielen Jahren in Freiberg und Leipzig nun in Dresden. 


Sabine Ebert
Der junge Falke
Schwert und Krone 2
Gesprochen von Gabriele Blum
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 17 Std. und 11 Min.
Historische Romane, Kreuzzüge, Barbarossa Friedrich von Staufen, Wendenkreuzzug
Argon Verlag, 2017, Audible, 2017
Droemer-Knaur Verlag, 2017, 608 Seiten, auch als TB



Meister der Täuschung

Dezember 1137: Lothar von Süpplingenburg, der Kaiser, ist tot. Bereits zu Lebzeiten bestimmt er seinen Schwiegersohn zum Nachfolger: den Welfen Heinrich den Stolzen. Doch sofort bricht ein erbitterter Kampf um die Thronfolge aus. Fürsten und Klerus wollen ihren Einfluss geltend machen, den Welfen am Boden sehen, ihm sämtliche Macht entziehen. Und so wird durch eine ausgeklügelte Intrige Konrad von Staufen zum Kaiser gewählt. Denn man wählt den Kaiser, niemand kann sich herausnehmen ihn zu bestimmen. Es sind zwar nicht viele Fürsten anwesend, doch gewählt ist gewählt. Konrad ist nun Kaiser, eine Krone, die er nicht gewollt hat – und Heinrich der Stolze besitzt die Insignien. Wird Heinrich sich das gefallen lassen?



Historische Romane

Im Prinzip bin ich an aller historischer Literatur interessiert. Manche Leute behaupten ja, historisch seien Bücher erst ab Mittelalter.  Historisch - das Wort besagt es ja: alles ab gestern - aber nur was von historischem Wert ist. Was findet ihr bei mir nicht? Schmonzetten in mittelalterlichen Gewändern. Das mag ganz nett sein, hat für mich jedoch keine historische Relevanz.
Historische Romane


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