Direkt zum Hauptbereich

Damals der Dodo von Isabel Pin - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Damals der Dodo 


von Isabel Pin

Vom Aussterben und Überleben der Arten


Größer als ein Schwan, mit dem Körper eines Straußes und den Krallen eines Adlers.


Ende des 16. Jahrhunderts entdeckte man auf der Insel Mauritius den Dodo, einen flugunfähigen Vogel, der friedlich zwischen exotischen Pflanzen und Tieren lebte. Schon hundert Jahre später war der Dodo verschwunden und damit reihte er sich ein in die große Zahl der heute ausgestorbenen Arten. Isabel Pin geht den Ursachen auf den Grund, erklärt, weshalb ein harmloser Vogel so schnell aussterben konnte, und sie überlegt, was wir tun können, damit nicht noch mehr Tiere einfach verschwinden. In diesem Buch geht ausschließlich um den Dodo. Seinen Namen hat er übrigens aufgrund seines Rufs. 




Zunächst geht es um den Vogel selbst. Wie hat er eigentlich ausgesehen? Wenn man das genau wüsste! Viele Maler haben ihn interpretiert. Es gibt eine Menge Knochen, sortierte Knochen, unsortierte; Skelette, manche mit Kopf, manche ohne: Der rechte Fuß, Kopf in Oxford; ein Kopf in Kopenhagen, ein Oberkiefer, paar Beinknochen in Prag ... Derzeit überlegen die Wissenschaftler ein neues Bild von der Optik herauszugeben, nachdem man die Knochen neu vermessen hat. Der Vogel soll sehr zutraulich gewesen sein, so dass man ihn gut mit Knüppeln totschlagen konnte. Nein, das wird hier nicht so drastisch erwähnt, es ist freundlicher umschrieben, aber es kommt aufs Gleiche raus. Nach der Beschreibung des Tiers gibt es Informationen über Mauritius. 1505 entdeckte der Portugiese Pedro Mascarenhas die Insel. Und damit fing für den Vogel das Dilemma an. Ein guter Ort zum Rasten auf dem Weg nach Indien, Vorräte aufzufüllen, Wasser zu tanken – zu handeln  – und die Insel zu bewirtschaften. Slaven aus Afrika wurden eingeschifft. Der Dodo war willkommene Nahrung. Und nachdem die Wälder abgeholzt waren, die Felder bestellt, fehlte dem Dodo sein Dodobaum – seine Nahrung. Der Baum starb danach ganz aus, weil seine steinharten Samen wiederum über den Dodo verteilt wurden  – der Stein im Magen des Dodo.



Der Begriff Ornithologe wird definiert und ein Interview mit Gerald Mayr folgt. Wir erfahren etwas über das Liebesleben des Dodos, über das Geheimnis seines Eis und etwas über die Entdeckung des Quastenflossers. Es wird erklärt, was ein Taxonom*in ist, jemand, der Tiere und Pflanzen bestimmt. In diesem Zusammenhang geht es um Verwandte des Dodos und um Falschbezeichnungen und um Paläontologen. Historische Tiertransporte werden beschrieben – die heute tiergerechter verlaufen –  und Sammelleidenschaft ist ein Thema. Was ist eigentlich Dodoismus? Und was ist ein Tierpräparator oder eine Naturforscherin, eine Zoologin? Zum Ende werden ein paar weitere Tiere vorgestellt, die ausgestorben sind, es gibt eine Weltkarte, die unterscheidet in, gefährdet, stark gefährdet, vom Aussterben bedroht und es wird erklärt, worin die Unterschiede bestehen.



Ich liebe die Illustrationen von Isabel Pin und sie sind hier wundervoll gelungen. Feine Aquarelle mit Zeichenfeder ausgearbeitet, machen das Buch zu einem Hingucker. Inhaltlich kann ich das Buch schwer einordnen. Es geht um den Dodo und Mauritius, sehr intensiv, und dann werden eine Menge Menschen und Berufe vorgestellt, Berufe, die etwas mit Natur und dem Entdecken zu tun haben. Dann geht es wieder hinüber zu den ausgestorbenen und gefährdeten Arten – minimal. Meiner Meinung nach wird hier viel Wert auf Dinge gelegt, die die meisten Kinder – auch in der Textlastigkeit – langweilen. Dafür kommt der interessante Teil viel zu kurz! Genau vier gefährdete Tiere werden auf zwei Seiten vorgestellt! Und letztlich wird nicht ernsthaft darauf eingegangen, was der Hauptgrund des Artensterbens ist und wie wir das vielleicht noch zu Teilen verhindern können. Insofern geht für mich das Buch ein Stück am Thema vorbei. Thema sollte doch eigentlich sein: Vom Aussterben und Überleben der Arten. Frauen aus diversen Jahrhunderten werden vorgestellt, die als Abenteurerin und Forscherinnen unterwegs waren; interessant, aber was hat das mit dem Thema zu tun? Der Karl Rauch Verlag schlägt ein Lesealter von ‎ 8 - 10 Jahren vor. Die Fülle in Information – die eben auch nicht sehr spannend ist – die Textlastigkeit, Satzlänge und Ausdruck setzt ein höheres Leseniveau für mich voraus. Ich empfehle das Kindersachbuch frühestens ab 10 Jahren für Kinder, die ein ausgesprochenes Interesse am Thema haben. Ich bin leider enttäuscht von diesem Buch. 


Isabel Pin 
Damals der Dodo
Vom Aussterben und Überleben der Arten
Aus dem Französischen übersetzt von Martin Zwilling
Sachbuch, Kinderbuch, Kindersachbuch, Natur
72 Seiten, gebunden, fadengeheftet, mit Lesebändchen, 24 x 32 cm
Karl Rauch Verlag, 2021
Lesealter: ‎ 8 - 10 Jahre (der Verlag), ich meine, frühestens ab 10 Jahren



Weitere Bücher zum Dodo und dem Artensterben:


Detektiv Danny Dodo ermittelt von Nick Crumpton und Rob Hodgson

Detektiv Danny Dodo ist ein Vogel, ein Dodo, der auf der Insel Mauritius lebte und bereits ausgestorben ist; anderen Tieren erging es auch so, wieder andere sind stark gefährdet oder zumindest gefährdet. Dieses Bilderbuch handelt von ihnen. Detektiv Danny Dodo geht dem Artensterben auf den Grund und erklärt uns, wo die Tiere gelebt haben, warum es sie nicht mehr gibt, bw. nur noch wenige, was der Mensch damit zu tun hat und wie jeder Einzelne etwas dagegen tun kann. Ein feines Kindersachbuch zu Natur, Umwelt und Ökologie, ab 5 Jahren.


Kinder- und Jugendbücher zum Thema Natur

Die Natur fasziniert uns jeden Tag auf Neue. Es gibt so viel zu lernen. Pflanzen, Tiere, Landschaften. Viele Orte, Pflanzen oder Tiere werden wir nie kennenlernen. Aber zum Glück gibt es Bücher, die uns die Schönheiten und Besonderheiten unserer Welt erklären und zeigen. Hier meine Tipps zu Kinder- und Jugendbüchern, die sich mit der Natur beschäftigen:   Kinder- und Jugendbücher zum Thema Natur



Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
Kinder- und Jugendliteratur




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Königin der Nacht – Ein kurzes Buch über meine Mutter von Lukas Bärfuss

Nach «Vaters  Kiste» hat Lukas Bärfuss nun in einem autobiografischen Essay mit dem Leben seiner Mutter abgerechnet. «Eine Mutter ist, was man nicht loswird. Auch nicht mit dem Tod.» 1971 in Thun geboren, die Mutter wohnt eher allein mit ihrem Sohn, bzw. mit vielen Männern. Lukas Bärfuss wächst im Rotlichtmilleu auf; seine Mutter war eine Frau ohne Bildung, die von ihrem Freiheitsverlangen getrieben wurde, in das der Sohn nicht hineinpasste. Tagsüber reinigte sie in einem Autohaus die Wagen, die aus der Reparatur kamen, am Abend stand sie an einer Rotlicht-Bar. Als sie älter war, arbeitete sie als Putzfrau und in einer Wäscherei. Der Junge war nie gewollt, so wurde er auch behandelt – als Rabenmutter titulierte sie sich sogar selbst. Eine Mutter, die ihn hat sitzen lassen in seiner Kindheit und ein System, das dieses Kind hängenließ. Ein wundervolles Buch, schnörkellos geschrieben, das sehr zu Herzen geht. Weiter zur Rezension:    Königin der Nacht – Ein kurzes Buch ...

Rezension - Doppeltes Spiel von K.L. Slater

  Ein luxuriöser Wolkenkratzer mit dem Namen Orbit, in dem die Reichsten der Reichen zusammenkommen: hier arbeitet die attraktive Alicia als Kellnerin. Als der charismatische Eigentümer des Orbit ihr das Angebot macht seine Freundin zu spielen und dafür ein großzügiges Gehalt zu erhalten, in seinem riesigen Apartment im Orbit zu wohnen, nimmt sie an. Immerhin ist es nur ein Spiel, denn er braucht eine Begleitung, will sich vor den vielen Frauen schützen … bis das Spiel plötzlich mehr zu sein scheint. Langweilig, uninteressant, voller Klischees, sprachlich kraftlos – mehr muss ich nicht sagen.  Weiter zur Rezension:   Doppeltes Spiel von K.L. Slater 

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Rezension - Die Kathedrale der Vögel von Wieland Freund

  Er hat das Haar eines Raben und die Augen eines Uhus: Munk. Und in seinen Träumen sieht er die Toten. Munk lebt mit seiner Schwester Enna auf der kleinen Insel Nyt. Eines Tages holen ihn die Schergen des tyrannischen Greifen von Amser ab, bringen ihn auf die Burg, wo er als Falkner arbeiten muss. Die Greifenkriegerin Magwit ist sehr interessiert an dem Jungen. Munk besitzt besondere Fähigkeiten, er ist einer der wenigen, die die Vogel- und Menschenwelt vereinigt. Während seine Schwester sich trotz Warnung von Magwit auf die Suche nach ihm macht, entdeckt Munk tief im Burgberg ein grauenvolles Geheimnis ... Weiter zur Rezension:    Die Kathedrale der Vögel von Wieland Freund

Rezension - Generation Glücklich: Dein Handbuch für mehr Spaß und Freiheit in einer Welt voller Bildschirme von Jonathan Haidt und Catherine Price

Stell dir vor, du wächst auf in einer Welt voller Smartphones , Likes und endlosem Scrollen, als wäre das Handy an der Hand festgewachsen. Das Handy ist das Erste, was du morgens, und das Letzte, was du abends anschaust – ganz schön viel für ein Kind, oder? «Generation Glücklich» richtet sich an Kinder zwischen 9 und 12 Jahren, die genau in dieser Welt ihren eigenen Platz finden wollen – ohne sich dabei virtuell selbst zu verlieren. Medienkompetenz , Selbstsicherheit, Selbstständigkeit im Umgang mit Medien – Fallstricke kennenlernen, Mechanismen auf Social Media verstehen an Hand von Comics und Übungen. Zu verstehen, wie Social Media funktioniert und wie sie das Gehirn verändert . Empfehlung!  Weiter zur Rezension:     Generation Glücklich: Dein Handbuch für mehr Spaß und Freiheit in einer Welt voller Bildschirme von Jonathan Haidt und Catherine Price

Rezension - Und dann gab’s keines mehr von Agatha Christie, Pascal Davoz und Callixte

Agatha Christie Classics Der Klassiker schlechthin! Der meistverkaufte Krimi von Agatha Christie als Grafic Novel . Zehn Menschen werden von einer Familie, die sie nicht kennen, aus unterschiedlichen Gründen auf eine kleine abgelegene Insel eingeladen. Entweder sollen sie dort arbeiten oder sich vergnügen. Einige von ihnen lernt der Lesende bereits auf der Anfahrt kennen. Acht Menschen treffen vergnügt im Hafen aufeinander, sechs Männer, zwei Frauen. Auf der Insel empfängt sie ein Dienerpärchen, von dem sie erfahren, der Gastgeber wird erst erst am nächsten Tag eintreffen. Doch gleich zum Begrüßungscocktail wird ihnen offenbart, wozu sie angereist sind: Alle Anwesenden werden sterben! Klasse umgesetzt als Comicadaption, Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Und dann gab’s keines mehr von Agatha Christie, Pascal Davoz und Callixte 

Rezension - Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler

  Mischa und Nits sind beste Freunde. Mischa liebt die Poems von Nits. Und der bewundert Mischa, weil er schlau ist und ein wandelndes Lexikon über Tiere zu sein scheint. Lügen geht gar nicht, so Nits Überzeugung. Darum fragt er sich, warum Mischa dem Lehrer weismachen will, er hätte eine Chlorallergie, als der Schwimmunterricht beginnt – Nits erzählt er, die Badehose sei von Mäusen angefressen worden. Überhaupt scheint Mischa in Schwierigkeiten zu stecken – doch wohl eher sein Vater ... Nits betritt in dieser Familie plötzlich eine völlig andere Welt – die der Armut. Aber das ist ein Unterthema – Mischas Vater ist untergetaucht; Mischa und Nits werden ihn nicht im Stich lassen – aber das könnte gefährlich werden ... Spannung, Humor und ein wenig Tragik machen das Buch zu einem Leseerlebnis. Meine Empfehlung ab 11 Jahren für diesen exzellenten Kinderroman.  Weiter zur Rezension:    Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler 

Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada

Am 08.11.2019 war ich zu einer Mischung aus Lesung und Definition des Begriffs Kriminalliteratur in St. Gallen in der Wyborada zu Gast, im Literaturhaus & Bibliothek in St. Gallen in der Frauenbibliothek und Fonothek Wyborada. Else Laudan sprach zum Thema Kriminalliteratur, erzählte ihren Weg mit ihrem freien Verlag Ariadne, ein Verlag, der ausschließlich literarische Kriminalliteratur von Frauen veröffentlicht. Weiter zum Artikel:    Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada 

Rezension - Mo & Moritz von Julya Rabinowich

  Mo stammt aus einer Familie mit muslimischen Wurzeln – so ganz genau wird die Herkunft bis zum Ende nicht geklärt. Als er eine Friseurlehre in einem Wiener Nobelsalon beginnt, taucht er in eine glamouröse Welt ein, die ihm völlig fremd ist. Und weil er sich geschickt anstellt, nimmt ihn der Chef mit zum Wiener Opernball , den Debütanten die Haare zu frisieren, zwischendurch in Ordnung zu bringen. Dort verliebt er sich in Moritz – ausgerechnet in einen Jungen aus einer jüdischen Familie . Mo schwebt auf Wolke sieben - und bekommt gleichzeitig kalte Füße: Was, wenn seine Familie davon erfährt? Wird er jemals zu Moritz und seiner Liebe stehen können? Ein Jugendroman ab 14 Jahren. Weiter zur Rezension:   Mo & Moritz von Julya Rabinowich

Rezension - Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling

  Gesprochen von Marc-Uwe Kling Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer, 6 Std. und 27 Min. Die Känguru-Werke, Band 5  Neues vom Känguru! Der Kinderbuchautor (Kleinkünstler Richtung Comedy im Zweitberuf ;-) ), Marc-Uwe Kling und das Känguru rebellieren: bissig, politisch und brandaktuell. Scharfzüngiger Humor, pointierte Gesellschaftskritik und jede Menge Lacher mit dem Aufruf zur Rebellion. Scharf auf die aktuelle Politik geschaut und analysiert – Comedy mit Niveau und mit Haltung. Empfehlung! Weiter zum Verlag:    Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling