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1622 – Ein erbärmliches Unglück von Jörgen Bracker - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing




1622 – Ein erbärmliches Unglück 


von Jörgen Bracker

VALCKENBURGH UND DIE WAFFENSCHMUGGLER


Im Vorwort des Romans ist die Explosion des Handelschiffs HILLIGHE GEORG auf der Elbe am 2. Juli 1622 beschrieben, deren genaue Umstände bis heute nicht völlig geklärt werden konnten. Um diese offene Frage spinnt der Historiker und Archäologe Bracker eine Handlung, die er in einem spannenden Spionageroman präsentiert.


Überfall auf die Höfe in den Vierlanden

Der historische Roman beginnt sehr fesselnd mit einem Überfall auf einen Hof, der Dank Jonas kluger Idee verhindert werden kann. Die Söldner des Grafen von Braunschweig-Lüneburg hatten bereits vom Zollspieker Besitz ergreifen, ihn ausgeraubt und nun reiten sie über die Deiche, um die Höfe in den Vierlanden zu plündern. Was hat der «tolle Christian» vor? Wir befinden uns in der Anfangszeit des Dreißigjährigen Krieges. Halsbrecherisch reitet Jonas nach Hamburg, um Hilfe zu holen. Doch der Amtmann hat gerade Soldaten genug die Stadt zu schützen. Die Höfe der Vierlanden müssen sich selbst helfen. Eine weitere Attacke droht dem Hof – auch die weiß Jonas mit einem Trick zu verhindern. 


Ein neuer Beruf für Jonas: Spion

Und weil Jonas, der Icherzähler der Geschichte, ein pfiffiger Kerl ist, der sich zu helfen weiß, stellt ihn der berühmte holländische Festungsarchitekt und Heerführer Oberst Johan van Valckenburgh als Späher ein. Was plant die feindliche Seite? Was geht hier vor? Das Spionieren gestaltet sich nicht ganz so einfach, doch mit Hilfe einiger Männer und Frauen kommt Jonas dem Geheimnis auf die Spur. Doch manch einer spielt ein falsches Spiel, arbeitet für andere Auftraggeber oder verfolgt eigene Interessen. Auch ein wenig Herzgeschichten spielen dabei mit.


Tummelplatz der Waffenschmuggler

Hamburg gilt im 17. Jahrhundert als größter Handelsplatz für Waffen – weltweit! Und weil der Waffenhandel an Kriegsparteien vom Hamburger Hafen aus verboten ist, tummeln sich hier viele illegale Waffenhändler herum. Ein gutes Geschäft für die Händler: Kanonen, Hieb- und Stichwaffen und die neueste Schusswaffen-Generation sind begehrt, und viele Parteien sind bereit, dafür hohe Preise zu zahlen. Der Haupthandelsweg für derlei Gefahrgut ist die Elbe. Der HILLIGHE GEORG heißt das Schiff, das am 2. Juli 1622 von Hamburg aus Kurs auf Spanien nehmen soll, oberflächlich mit belanglosem Gut beladen ... Jörgen Bracker schafft es Konfliktparteien des Dreißigjährigen Kriegs und die Rolle Hamburgs gut darzustellen, eingebunden in eine spannende Geschichte. 


Ein solider historischer Krimi, schnörkellos, spannend mit Sachverstand

Anschaulich beschreibt der Autor des Lebens im Hamburger Umland und in der Hansestadt. Die Geschichte selbst ist als historischer Kriminalroman verpackt, als Spionageroman. Auch die Sprache bekommt eine leichte Tonalität zum Historischen, was dem Roman guttut. Als Historiker ist Jörgen Bracker bestens beruflich vertraut mit der Geschichte Hamburgs. Das sticht hervor. Am Ende gibt es einen Index zu den historischen Ereignisse und Personen, so wie ein Verzeichnis mit weiterführender Literatur und Karten. Ein solider historischer Krimi, schnörkellos, spannend mit Sachverstand. Was will man mehr? Empfehlung!


Jörgen Bracker, Jahrgang 1936, promovierte 1965 in Münster/Westfalen und wirkte von 1965 bis 1976 als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Römisch-Germanischen Museums in Köln an Ausgrabungen, Ausstellungen und der Einrichtung des neuen Museumsgebäudes mit. Von 1976 bis Ende 2001 leitete er als Direktor und Professor das Museum für Hamburgische Geschichte. Die Neugestaltung der Schausammlungen und die von Katalogwerken begleiteten Sonderausstellungen zur Geschichte Hamburgs vom 9. bis zum 20. Jahrhundert bestimmten sein dortiges Wirken. Seit der von ihm 1989 in Hamburg und Rostock präsentierten Ausstellung «Die Hanse – Lebenswirklichkeit und Mythos» galt sein besonderes Augenmerk der durch Seeraub und wirtschaftlichen Niedergang gekennzeichneten Krise der Hansezeit um 1400. Von den ‹wissenschaftlichen Fesseln› befreit, aber ohne sein enormes geschichtliches Wissen zu vernachlässigen, hat Jörgen Bracker sich nach seiner Pensionierung intensiv der Romanform gewidmet. 


Jörgen Bracker
1622 – Ein erbärmliches Unglück
VALCKENBURGH UND DIE WAFFENSCHMUGGLER
Historischer Roman, Hamburg, Kriminalroman, Historischer Kriminalroman
Klappenbroschur, 280 Seiten
KJM Verlag, 2022




Historische Romane und Sachbücher

Im Prinzip bin ich an aller historischer Literatur interessiert. Manche Leute behaupten ja, historisch seien Bücher erst ab Mittelalter.  Historisch - das Wort besagt es ja: alles ab gestern - aber nur was von historischem Wert ist. Was findet ihr bei mir nicht? Schmonzetten in mittelalterlichen Gewändern. Das mag ganz nett sein, hat für mich jedoch keine historische Relevanz.  Hier gibt es Romane und Sachbücher mit echtem historischen Hintergrund.
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