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Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche von Dietmar Pieper - Rezension

Rezension

Sabine Ibing



Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche 


von Dietmar Pieper

Wie hanseatische Kaufleute Deutschland zur Kolonialherrschaft trieben


An der Härte, mit der viele Europäer ihre Interessen durchsetzten, hatte die Abschaffung der Sklaverei im Lauf des 19. Jahrhunderts nur wenig geändert. Die deutschen Kolonialherren in Afrika waren berüchtigt für ihre Prügelstrafen, Zwangsarbeit war unter ihrem Regime die Regel. Verschleiert wurde die Brutalität oft durch pädagogisierende Betrachtungen. So wurde die Zwangsarbeit in vollendeter Perversion zur zivilisatorischen Wohltat verklärt.


Der deutsche Kolonialismus entstand im Zusammenspiel von Kaufleuten, Bankiers und Reedern, für die der außereuropäische Handel seit Langem eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen war. Gerade Hamburg und Bremen spielten eine bedeutende Rolle: Ohne die hanseatischen Kaufleute hätte es die deutschen Kolonien nicht gegeben. Auf ihren Einfluss erst reagierte die Regierung, sich hier zu engagieren. Die ersten Kolonien in Afrika wurden von hanseatische Geschäftsleuten gegründet, die Reichskanzler Otto von Bismarck in staatliche Hand übernahm. Die Deutschen in Afrika waren berüchtigt für ihre Prügelstrafen, Zwangsarbeit war unter ihrem Regime die Regel. Dietmar Pieper beleuchtet in diesem Sachbuch ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind.


Über lange Zeit sind Textilien eine der wichtigsten Handelswaren der Deutschen. Leinen aus Schlesien und Westfalen ist international begehrt, um daraus einfache und robuste Kleidungsstücke für Versklavte zu schneidern. … Weil die Ware auch in den Kolonien stark nachgefragt wird, gelangen große Mengen lateinamerikanisches Münzgeld nach Deutschland.


Durch die Ausbeutung der Kolonialreiche konnte Europa seinen wirtschaftlichen Aufschwung nehmen, Deutsche Kolonien in Afrika, Ozeanien und China setzten Voraussetzung für Wohlstand in Deutschland. Kaffee, Kakao und Zuckerrohr, angebaut durch Slaven aus Afrika, die in der Karibik und Südamerika für den Anbau schuften mussten, in Billigkleidung aus Deutschland. Und was die meisten Menschen nicht wissen: Deutschland war das drittgrößte Kolonialreich hinter den Briten und Franzosen. Nach dem zweiten Weltkrieg war Schluss. Letztendlich hat sich nur oberflächlich etwas geändert. Hier ging es immer nur ums Geschäft: Für den Norden war und ist der Süden der Weltkugel ein Füllhorn von Ressourcen, die rücksichtslos auszubeuten sind, mit billigen Arbeitskräften – die Pfründe in die Kassen der Unternehmen, Armut, Krankheit und hinterlassener Dreck, zerstörte Umwelt für die ansässige Bevölkerung. Und genau dieser gnadenlose Umgang mit den Ressourcen der Welt hat letztendlich zur Klimakatastrophe geführt. Ein interessantes Sachbuch, dass historisch die Zusammenhänge beleuchtet. Aber man braucht Geduld. Das Buch ist sehr detailreich, wissenschaftsorientiert geschrieben. Ein erzählerischer Charakter hätte dem Text besser gestanden.


Dietmar Pieper, Jahrgang 1963, studierte Germanistik, Komparatistik und Philosophie und hat sich in fast 33 Jahren beim Spiegel mit historischen Themen beschäftigt, u. a. als Redaktionsleiter der Heftreihe Spiegel Geschichte.



Dietmar Pieper
Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche
Wie hanseatische Kaufleute Deutschland zur Kolonialherrschaft trieben
Sachbuch, Kolonialismus, Zucker
Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten
Piper, 2023 




Historische Romane und Sachbücher

Im Prinzip bin ich an aller historischer Literatur interessiert. Manche Leute behaupten ja, historisch seien Bücher erst ab Mittelalter.  Historisch - das Wort besagt es ja: alles ab gestern - aber nur was von historischem Wert ist. Was findet ihr bei mir nicht? Schmonzetten in mittelalterlichen Gewändern. Das mag ganz nett sein, hat für mich jedoch keine historische Relevanz.  Hier gibt es Romane und Sachbücher mit echtem historischen Hintergrund.
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