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Weiße Sonne von J. Todd Scott - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Weiße Sonne 


von J. Todd Scott 


Die Sonne hatte die Erde in Glas verwandelt, das ihre Hitze und alles Licht reflektierte.

Jedes bisschen Farbe war weggebrannt, doch die Chihuahua-Wüste glühte noch, ein ausgeblichenes Weiß, das in den Augen schmerzte, und die Luft über dem Asphalt schlug Wellen.


Chris Cherry, ist wieder zurück (Die weite Leere): Nach dem Tod seines korrupten Chefs Stanford Ross ist Chris zum Sheriff von Big Bend County befördert worden, eine Kleinstadt in Texas, direkt an der mexikanischen Grenze. Als Debuty Tommy Millford von einem Wagen, den er kontrollieren wollte, schwer verletzt wird, kann der Täter gestellt werden. Ein sehr junger Hispano. Der Wagen scheint sauber zu sein und er hat gültige Papiere. Warum hat er sich der Kontrolle entzogen? Kurz darauf wird der River Guide Billy Bravo mit zerschmettertem Schädel aufgefunden. Die Aryan Brotherhood of Texas könnten dahinterstecken. Einer ihrer Anführer, John Wesley Earl, der gerade vorzeitig aus langjähriger Haft entlassen wurde, treibt sich in der Nähe herum. Er, seine zwei Söhne, sein Bruder, seine Frau und ein paar Handlanger wohnen seit neustem in der Geisterstadt Killing. Sein Ältester, Jesse, wartet auf den Reverent Thurman Flowers dessen Kirche die Reinheit des Blutes und der Rasse predigt, Hass, Terror und Gewalt. Sie wollen in der verlassenen Stadt neu besiedeln, eine «rein arische» Ortschaft erschaffen und von hier über gesamt Amerika ihre Message verkünden. 


Outlaws bedeuten Ärger - viel Ärger


Eine spürbare Gefahr ging von diesem Ort aus, wo die Felsen die Farbe von getrocknetem Blut hatten und der Sand so hell war wie ausgebleichte Knochen. Man konnte es schmecken, auf der Haut spüren, wie den Schweiß, der sich nur mit zei eiskalten Duschen würde abwaschen lassen. 

Die Gefahr war real wie das Grinsen von JW Earl.


Die Frage ist, ob John Wesley Earl hinter der Idee steht – denn der hat mit Religion nicht allzu viel am Hut, auch wenn er diesen ganzen Rassen-Mist, die arischen Werte, die Nazizeichen überall auf seiner Haut tätowiert hat. Das gehört einfach dazu. Bood and honor – das sind seine Werte. Zumindest glaubt sein Sohn Jesse, dass der Alte mitmachen wird und die viele Kohle, die er angeblich besitzt, in das Projekt investieren wird. Sheriff Chris Cherry und seinem Deputy Ben Harper ist eins klar: Was auch immer diese schweren Jungs hier wollen, es kann nichts Gutes sein. Outlaws bedeuten Ärger. Viel Ärger. Die mexikanischstämmige América Reynosa, genannt Amé, steht wieder an ihrer Seite – ihre eigenen Dämonen verfolgen sie. 


Ein klarer, moderner Western, ein Country Noir


Vielleicht ziehen die da draußen ja was auf. Ein Vereinsheim für Biker, einen Sch…ferienpark für Rassisten. Was weiß ich. … Mein Bauchgefühl sagt mir jedenfalls, so schnell gehen die hier erst mal nicht wieder weg. Wie es aussieht, gehört dieser JW Earl mit seinem Clan und einer Horde Skinheads jetzt zur Nachbarschaft.


Der Noir-Krimi ist multiperspektiv geschrieben, durch die Vergangenheit seiner Figuren blättert J. Todd Scot sie langsam auf. Der alte Ben Harper ist der Partner von Amé und er bildet sie gut aus, zeigt ihr, worauf es ankommt. Der treffsichere Schuss in den Kopf kann wertvoller sein, als der ins Bein. Es geht darum das Richtige zu tun. Chris wiederum predigt ihr, stets nach dem Gesetz zu handeln, komme, was will. In seinem Herzen weiß er, dass dies unmöglich ist, denn auch er hat nicht immer so gehandelt. Sie ahnen nicht, welche Geschichte Amé selbst mit sich herumschleppt. Wo sind die Grenzen – die man sich selbst gibt – die das Gesetz gibt – wann muss man sie überschreiten, und wie biegt man dies für sich und die anderen zurecht? Wer auf die «hombres malas» trifft, auf die Wölfe, muss beinhart sein, sonst überlebt er es nicht. Ein Setting mitten in der Wüste, eine Stadt und eine Geisterstadt voller brutaler Qutlaws und ein Sheriff mit seinem Team, die ihr County beschützen wollen. Ein klarer, moderner Western, ein Country Noir, Hardboiled, bei dem es zum Ende hin hart zur Sache geht. Atmosphärisch in den ruhigen Momenten lässt Scott uns an der Natur teilhaben, an der Hitze und er geht feinfühlig in seine Protagonisten hinein, zeigt sie mit all ihren Zweifeln. Ein literarischer Krimi, bei dem der Leser voll auf seine Kosten kommt. Wer gern James Lee Buke liest oder Gary Disher, der wird Scott lieben. Er arbeitete früher als DEA-Agent im amerikanisch-mexikanischen Grenzland. Und genau das fühlt man beim Lesen – trotz alles Brutalität ist der Plot vorstellbar realistisch – besondern das, was in den Köpfen der Gesetzestreuen vor sich geht. Empfehlung!


J. Todd Scott ist seit mehr als zwanzig Jahren als Bundesagent bei der DEA tätig und arbeitet an Fällen, in denen internationaler Seeschmuggel, inländische Meth-Labors und mexikanische Kartelle untersucht werden. Er hat einen Jura-Abschluss der George Mason University und ist Vater von drei Kindern. Er stammt aus Kentucky und wohnt heute im Südwesten, der die Kulisse für DIE WEITE LEERE bildet. Französisch auch Literaturwissenschaften studiert. Er wohnt mit seiner Familie in Bergen, wo er bis 1987 hauptberuflich als Dramaturg am Theater arbeitete.


J. Todd Scott
Weiße Sonne 
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Harriet Fricke 
Mit einem Nachwort von John Bassoff 
Krimi, Noir, Noir-Krimi, Country Noir, Literarischer Krimi,  modern Western, Noir, amerikanische Literatur, Hardboiled
Hardcover mit Schutzumschlag, 496 Seiten
Polar Verlag





Die weite Leere von  J. Todd Scott 

Deputy Chris Cherry wird auf eine ziemlich abgelegene Weide gerufen, Murfee, Texas, Grenzland zu Mexiko. Ein Skelett ist gefunden worden. Ein Mexikaner, der über die Grenze flieht, es nicht schafft – entkräftet, verdurstet, verstorben – ein Tagesgeschäft. Doch dieser Tote erweckt die Aufmerksamkeit von Cherry. Die Hände sind mit Kabelbinder gebunden – die Sorte, die die Polizei anstatt Handschellen verwendet. Wird der despotische Sheriff erlauben, die Leiche untersuchen zu lassen? Der Kriminalroman hat mich begeistert, ein Noir-Krimi, ein literarischer Krimi, ein Modern Western: Knurrige Rancher, denen das Gesetz egal ist, die ihre eigenen Gesetze stricken, Korruption, Rassismus und Drogen, eine staubig, geografisch isolierte Grenzstadt am culo del mundo, eine faszinierende Landschaft. Empfehlung!

Weiter zur Rezension:   Die weite Leere von  J. Todd Scott 




Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller

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