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Rezension Blut Salz Wasser von Denise Mina

Rezension von Sabine Ibing


Blut Salz Wasser 

von Denise Mina







Der Anfang: »Sie war in den zwei Tagen, in denen sie sie festgehalten hatten, so folgsam gewesen wie ein Kalb. Sie kam bereitwillig mit, als sie sie mit dem Transporter abholten. Sie bat um keinen Gefallen, bettelte nicht um Gnade …« 

Unabhängigkeitsreferendum im Jahre 2014


Iain Fraser stammt aus Helensburgh. Er ist er zurück aus dem Knast. »Lass sie da nicht einfach so liegen. Bring’s verdammt noch mal zu Ende.«  Iain ist ein harter Kerl, doch eine wehrlose Frau abzumurksen, einfach so, weil es einer befielt, das bringt ihn an den Rand der Verzweiflung. Doch es muss es tun, seine Schulden begleichen, damit ein anderer seine Schulden begleichen kann. Die Tote wird im Loch Lomond versenkt, doch er wird sie nie wieder loswerden, diese Frau in seinem Kopf … Das Referendum steht an. Der Boss verlangt die No-Bändchen, denn »No« ist gut für das Geschäft. Immobiliengeschäfte sind im Trend, damit lässt sich Drogengeld waschen. »Yes« ist schlecht für das Geschäft.

»›Hey – machen Sie diesen ›Nein‹-Aufkleber ab. Sie sind im Einsatz.‹ Die Fotografin verdrehte die Augen. ›Es tut mir so leid. Mein Auto ist kaputt. Das ist der Wagen von meinem Vater.‹«

Alex Morrow, DI bei der Police Scotland, Glasgow, ist auf Roxanna Fuentecilla angesetzt, recherchiert in einem weitreichenden Geldwäschebetrug. Doch die Observation läuft schief, plötzlich ist Roxanna Fuentecilla verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Verschiedene Polizeistellen sind an dem Fall interessiert, denn sie wollen das Geld sicherstellen, um das eigene Budget ihrer Dienststelle aufzustocken, ihre klapprigen Büros ausstatten. In Großbritannien wird eingezogenes Kapital aus Verbrechen nicht dem Staat, sondern der Dienststelle zugestanden. DI Morrow bricht auf nach Helensburgh, wo Fuentecilla zuletzt per Funkauswertung geortet wurde, ein nettes Dorf, wie es auf den ersten Blick scheint, Öko-Café inklusive. Doch hier kämpft jeder ums Überleben. Mark Barratt herrscht über das Dorf und jeder ist von diesem Ganoven abhängig.

»Sie fuhren auf den Ort zu, durch hübsche Küstendörfer mit Schildern, die auf Teestuben und Naturschutzgebiete hinwiesen, vorbei an winzigen Feinkostläden und Zeitungskiosken, die angesehene Blätter bewarben.«

Geht es um die Ehre, um Schottland?


Es geht nur ums Geld – um Macht. Denise Mina erzählt einerseits aus der Perspektive der Dörfler, der Täter, ebenso aus der Außensicht der Ermittler. Der Leser lernt das nette Touristenstädtchen Helensburgh durch die Einwohner kennen, Charityshops, Biocafé, gerade geschnittene Hecken, gepflegter Rasen. Die Postkartenidylle löst sich Stück für Stück auf. Im Dorf weiß jeder über alles Bescheid, kennt die Leichen von jedem im Keller. Eins hält sie zusammen: der Kampf ums Überleben und die Gier nach Geld. Denise Mina geht dabei in die Tiefe der Protagonisten, zeigt ihre Abgründe, ihre Begierden, Abhängigkeit und Schulden, die abzubezahlen sind, Verstrickungen im dörflichen System.

»Generationen von Kindern und Tanten, die lächelten, während Väter im Hintergrund Zeitung lasen, Väter in der Ferne rauchten, Väter abseits standen. Er war wie diese Fraser-Väter. Unaufmerksam. Unzufrieden. Unnahbar.«

Tartan Noir


Ein heulender Killer, eine Frau, skrupellos, die sich einfach nimmt, was sie begehrt. Bändchen hin oder her, Ja oder Nein, letztendlich geht es um Begierden und Geld. Legales und Illegales, Moral verschwimmt, wenn es dem Zweck der Menschen dient. Auch der Polizei geht es nur um das Budget, wer ist zuständig, wer kassiert am Ende die Kohle? Die moralische Instanz: Eine aufrechte DI Morrow, die ihren eigenen Bruder Danny ins Gefängnis brachte, weil er unaufhörlich gegen das Gesetz verstieß, eine alleinerziehende Frau, die aufgeblasene Typen nicht leiden kann, ob Gangster, Vorgesetzte oder sonstwer. Sie kann zuhören, ihre Schlüsse zwischen den Zeilen lesen, sie hat ein Gespür für Menschen. Wer schottische Idylle sucht, liegt mit diesem Buch falsch, ebenso, wer meint, das am Ende alles gut wird …

»Niemand in der Truppe sprach es je aus, aber alle wussten, dass die Schattenwirtschaft unentbehrlich war. Männer wie Danny waren weltweit für zwanzig Prozent der Bruttoinlandsprodukte verantwortlich. Wenn man das Recht durchsetzte und sie alle ins Gefängnis steckte, würde die Weltwirtschaft zusammenbrechen.«




Denise Mina hat Jura studiert, erhielt ein Doktoranden-Stipendium und statt in Kriminologie und Strafrecht zu promoviere schrieb sie ihren ersten Krimi. »Garnethill« (dt. »Schrei lauter, Maureen«) erschien 1999 und wurde 2014 von der »Crime Writers’ Association« aufgenommen und mit einem »John Creasy Dagger« für das beste Krimi-Debüt des Jahres ausgezeichnet. Denise Mina baute Garnethhill 2000 und 2001 zur Trilogie aus und Sie hat seither 12 Romane publiziert, außerdem verfasst sie Shortstorys, Bühnenstücke, Graphic Novels und macht TV- und Radiosendungen. Dieser Roman wurde aus dem Englischen von Zoë Beck übersetzt.

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