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Ravna – Tod in der Arktis von Elisabeth Herrmann - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Ravna  – Tod in der Arktis 


von Elisabeth Herrmann

Gesprochen von Vanida Karun
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 11 Std. und 9 Min.


Vardø, Norwegen, eine kleine Stadt weit über dem Polarkreis in der Arktis. Waldbesitzer Olle Trygg ist ermordet worden. Er stand kurz vor dem Verkauf seines Landes an einen Investor – fast das gesamte Weideland der Samen ist in seinem Besitz – das Land, das früher allen gehörte, ohne Besitzanspruch. Ravna Persen, eine Samin, beginnt ihren ersten Tag als Praktikantin bei der örtlichen Polizeidienststelle; gleich mit einem Mord. Am Tatort nimmt niemand der Beamten sie ernst, als sie am Tatort glaubt, Hinweise auf einen samischen Hintergrund der Tat zu finden – Zeichen auf die Erde gemalt. Und sie findet später ein geopfertes Rentier in der Nähe. Kommissar Rune Thor tritt nun in den Fall ein; der Mann war eine Ermittlerlegende. Doch seit dem Tod von Frau und Kind ist er nicht mehr zu gebrauchen. Launisch und versoffen hinterlässt er keinen guten Eindruck bei den Kollegen. Ravna bittet ihre Urgroßmutter, Léna, weiterzuhelfen, um das angewandte Ritual zu deuten, mit dem die Wanderseelen der Toten daran gehindert werden sollen, in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Wem gehörte das Rentier und wem fehlt sein Messer? Kann die Oma weiterhelfen?


Ein durchdachter Plot, spannend bis zum Schluss

Es ist ein wendungsreicher Krimi, bei dem das Samenvolk im Vordergrund steht. Elisabeth Herrmann hat sehr gut recherchiert und sich in die Lebenssituation der Samen eingefühlt, mit einem mystischen Touch bringt sie die alten Riten ins Spiel. Das Setting in Schnee und Eis ist fühlbar, atmosphärisch führt sie den Leser zum Nordpol. Ein durchdachter Plot, spannend bis zum Schluss. Die Figur Ravna ist eine modere Norwegerin, die mit den alten Riten nichts im Sinn hat – und doch kann sie sich nicht ganz davon lösen, viele Dinge stecken im Blut, Kindheitserinnerungen kommen hoch. Ihre Mutter gehört zu den letzten Rentierhüterinnen, ein Beruf, der mit der Zeit aussterben wird, die Großmutter ist eine Schamanin. Ravna, eine Figur zwischen den Welten, die Vermittlerin. Das war glaubwürdig dargestellt. Andererseits war sie für mich unglaubwürdig. Eine Praktikantin am ersten Tag, die sich bestens mit Organisation der polizeilichen Ermittlungen auskennt, Verhöre führt; sie verhält sich wie jemand, der nach zwei Jahren Polizeischule in den Dienst eintritt. Dabei braucht sie das Praktikum, um sich zu bewerben. Ein starker Charakter, das ist gut. Ravna allerdings ist für ihre 17 Jahre extrem besserwisserisch und altklug, sie sieht Zusammenhänge, findet Spuren, die die erfahrenen Kollegen übersehen. Das war mir gelinde gesagt zu klug und erfahren. Die norwegischen, eingesessenen Kollegen wirkten recht tumb und tapsig neben ihr – als wenn sie von den Samen rein gar nichts wüssten. Auch das war für mich unglaubwürdig. Kommissar Rune Thor, ein versoffener Dickschädel sondergleichen, der auf niemanden Rücksicht nimmt, am wenigsten auf sich selbst, der knurrig hinten alles umreist, was er vorn aufgebaut hat – und die Einzige, die er zu mögen scheint, ist Ravna, die sich an seine Sohlen heftet. Sympathisch war mir die Rechtsmedizinerin, die merkwürdigerweise ständig in der Ermittlung involviert ist.


Allage

Alles in allem ein solider Krimi mit Flair, atmosphärisch, ein interessantes, gut ausgearbeitetes Thema, für mich allerdings mit Figuren, mit denen ich nichts anfangen konnte, die mir ständig ein Augenrollen verursachten. Das Setting könnte ich mir wundervoll als Verfilmung vorstellen, genug Drive und kauzige Figuren in den Nebenrollen fordert das fast heraus. Der Krimi wird als Jugendbuch geführt, wobei der jbc Verlag eine Altersempfehlung ab 14 Jahren vorgibt. Frühstens mit 14, so würde ich sagen, young adult und Allage ist passend, auch für Erwachsene gut lesbar und spannend. 


Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin arbeitete sie beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman «Das Kindermädchen» ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Joachim Vernau sehr erfolgreich mit Jan Josef Liefers vom ZDF. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen-Krimipreis und den Deutschen Krimipreis. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin und im Spreewald.


Elisabeth Herrmann 
Ravna  – Tod in der Arktis
Nordic All-Age-Thriller
Die RAVNA-Reihe (1) 
Krimi, Kriminalliteratur, Jugendroman, Allage, Young Adult
Der Hörverlag, Audible, 2021
Hardcover mit Schutzumschlag, 464 Seiten, cbj Verlag, 2021
Ab 14 Jahren


Weitere Rezensionen zu Elisabeth Herrmann:



Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller

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