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Kellerassel von Regina Nössler - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing 




Kellerassel 


von Regina Nössler



Der erste Satz:  
 

Auf den ersten Blick gab es nichts Bemerkenswertes in der Wohnung.

Nach «Die Putzhilfe» war ich interessiert an der Autorin und sie konnte mich auch mit diesem Thriller wieder abholen. Ganz neben dem Mainstream entwickelt sich hier feine Kriminalliteratur mit drei Hauptprotagonist:innen und zwei nicht ganz unwichtigen Nebenprotagonisten. Man könnte den Kriminalroman fast zum Theaterstück umschreiben. Die Coronazeit liegt in den letzten Zügen, vieles ist wieder erlaubt, die Berliner Impfzentren haben noch bis September geöffnet. Isabel lebt in einer Wohnung in Tiefparterre, versucht sich als Künstlerin und jobbt zum Lebensunterhalt im Impfzentrum. Hier hat ein Kollege, der Studienabbrecher Oliver, ein Auge auf sie geworfen. Beide haben ein dickes Problem an der Backe …

Natürlich hatte sie darüber nachgedacht, noch mehr aus ihm herauszupressen. Er hatte genug Geld, er prahlte damit, und nachdem Isabels anfängliche Freude einer gewissen Selbstverständlichkeit gewichen war – Das steht mir zu –, waren ihr zwanzigtausend plötzlich recht bescheiden vorgekommen. Sie hatte mehr verdient. Eindeutig.

Isabel hatte vor zwei Jahren Baumann um 20.000 € erpresst. Und der lungert nun ständig vor ihrem Fenster herum und bedroht sie, denn er hat Angst, dass sie noch mehr Kohle für ihre Verschwiegenheit fordern wird. Und damit liegt er völlig richtig. Sie trifft sich manchmal mit Joachim zum Essen und Quatschen, der ihr hin und wieder ein Bild abkauft. Der erzählt ihr von seiner Tochter Antonia, die er durch Scheidung verloren hatte, gern wieder Kontakt mit der mittlerweile erwachsenen Frau hätte. Er weiß nur nicht, wo sie jetzt wohnt. Und genau diese Antonia läuft Isabel im Impfzentrum über den Weg und sie freundet sich mit ihr an. Auch Toni hat ein Päckchen zu tragen … Es gibt einen Grund, warum sie Köln verlassen hat. Oliver sitzt sein ehemals bester Freund im Nacken, der plötzlich sehr ungemütlich wird, weil er das geliehene Geld nicht zurückzahlt, denn es ist ein dicker Batzen.

Der Thriller entwickelt sich ganz gemächlich. Immer mehr zieht es den Protagonist:innen die Schlinge um den Hals zu, immer aggressiver dreschen ihre Feinde auf sie ein. Drei Typen, die von der Hand in den Mund leben, wobei Oliver, ein verwöhntes Söhnchen, schlicht über seine Verhältnisse lebt. Drei echte Typen, drei echte Antihelden. Geheimnisse, die langsam aufgedeckt werden. Der Lesende ahnt: Das wird nicht gut enden! Wird hier jemand ins Gras beißen? Wenn ja wer? Und gibt es noch andere Opfer? Regina Nössler ist eine Meisterin der Leerstellen, was dem Lesenden die Fantasie im Kopf aufklappen lässt. Die Suppe zieht bereits am Anfang, die Oberfläche kräuselt bald, es fängt an zu brodeln, bis am Ende alles überkocht. Spannend, aber gleichzeitig mit ungeahnter Lässigkeit und Ruhe entwickelt sich diese Geschichte, glaubwürdig – schwarzer Humor, feiner Noir – ein Vergnügen zu lesen. 


Regina Nössler, geboren 1964 in Altenhundem (Sauerland), aufgewachsen im Ruhrgebiet. Studium der Germanistik und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Bochum. Lebt in Berlin, freie Autorin und Lektorin.



Regina Nössler
Kellerassel
Thriller, Kriminalliteratur, Kriminalroman
Klappenbroschur, 344 Seiten
Konkursbuch Verlag, 2023







Die Putzhilfe – Regina Nössler

Was für ein grandioser Thriller! An einem regnerischen Mittwochabend packt Dr. Franziska Oswald zwei Koffer und einen Rucksack, hinkt leicht verletzt zur Bushaltestelle, fährt zum Bahnhof und steigt in den Zug nach Berlin. Sie hofft, dass sie weit weg ist, bevor ihr Mann ihr Verschwinden bemerken wird. Er darf sie nicht finden! Sie darf keine Spuren hinterlassen, die er nachverfolgen kann. In Berlin Neukölln mietet sie sich unter falschem Namen eine kleine Bruchbude. Sie braucht einen Job – da bietet sich eine Stelle als Putzhilfe an ... Menschliche Abgründe, Lebenslügen und Überforderung, drei letztendlich innerlich zerrissen Frauen, fein aufgebaute Charaktere. Am Schluss fühlt man sich ertappt, in die Vorurteilsfalle getreten zu sein, eingelullt in die biedere Vorstellung vom Spießertum. Was für ein Ende! Exzellent! 

Weiter zur Rezension:   Die Putzhilfe – Regina Nössler



Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller



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