Direkt zum Hauptbereich

Frida Furchtlos lädt zum Tee - Rezension

Rezension 

von Sabine Ibing




Frida Furchtlos lädt zum Tee 


von Danny Baker und Pippa Curnick


Ich habe mich verliebt in eine Gans! Frieda Furchtlos heißt die Dame. Sie wohnt ganz allein am Rand des Waldes, hat noch nie ein anderes Tier zu Gesicht bekommen. Doch eines Tages steht vor ihr ein Wolf. Er hebt die Arme und schreit: «Rraaaar!» So ein ungehobelter Bursche! Frieda findet es witzig, fragt ihn, ob er das nochmal machen könne. Er hebt sein Gebrüll noch einmal an, und Frieda fragt, was das bedeuten soll. Der Wolf ist völlig verzweifelt. Ich schreie «Rraaaar!» und du läufst davon, ich hinterher. So geht das! Frida findet das Spiel albern, lädt den Wolf zu Tee und Kuchen ein. Völlig fassungslos trollt er sich davon.




Bär und Löwe ergeht es nicht besser mit «RORIOOO!» und «RRRROOOAAAR!». Frida kann das alles nicht erschrecken. Und als der Löwe als Kaminvorleger dienen soll, macht er sich von dannen. Nun taucht ein Gänserich auf, ganz ohne Geschrei, dem scheint es bei Frieda zu gefallen. Und wenn man nun meint, Wolf, Bär und Löwe wären furchtlos – weit gefehlt! Es gibt den Einen, der ihnen auf den Fersen ist!  – Gab es da nicht die Einladung zu Tee und Kuchen? Ab zu Frieda!




Ein absolut witzig erzähltes und illustriertes Bilderbuch! Bild und Text bilden eine Symbiose. Man kann viel Spaß mit dem Buch haben, Wolf, Bär und Löwe imitieren, laut brüllen und dabei furchterregende Faxen schneiden. Danny Baker adaptiert hier diverse Grimms Märchen, setzt an Bekanntem an und dreht den Spieß um. Urangst, Urvertrauen und die Angst vor dem Fremden werden getriggert. Nicht jeder der sich aufplustert, ist auch gefährlich. Was tun, wenn einer tobt und brüllt? Das Geschrei ignorieren und ihn zum Tee einladen. Ich schreie «Rraaaar!» und du läufst davon, ich hinterher. So geht das! Regeln brechen. Den Schreihals verunsichern, seine Waffe kaltstellen. Ein Buch, mit dem man verschiedene Situationen ansprechen kann. Groß gleich stark, klein gleich schwach, ist das so?. Die intelligente Geschichte bekommt durch die Grafiken von Pippa Curnick Dynamik und Humor. Die kräftige Strichführung strotzt vor Energie und der Zoomausschnitt der Figuren macht sie lebendig, insbesondere, wenn Grafik sich in voller Größe über beide Seiten ausstreckt. Wechselnde Perspektiven und Mimik stimulieren die Emotion. Kräftige Farben machen das Buch zum Augenschmaus. Bei mir landet das Bilderbuch unter der Rubrik Lieblingsbuch! Die Altersempfehlung des Verlags arsEdition, ab 4 Jahren, ist für mich passend.



Danny Baker ist ein britischer Journalist und Radiomoderator. Außerdem schreibt er Drehbücher und Komödien. Seit über 40 Jahren arbeitet er für Printmedien, Fernseh- und Radiosender, unter anderem mit seiner eigenen Radiosendung «The Danny Baker Show».

Pippa Curnick wuchs im ländlichen Südostengland auf und studierte am Camberwell College of Art, bevor sie ihren Abschluss in Illustration an der University of Derby mit Auszeichnung machte. Sie arbeitete als Grafikerin für einen Kinderbuchverlag, bevor sie sich als freie Illustratorin und Designerin selbstständig machte. 


Danny Baker, Pippa Curnick 
Frida Furchtlos lädt zum Tee  Original: Lucie Goose, 2017
Aus dem Englischen übersetzt von Victoria Lach
Bilderbuch
Hardcover, 32 Seiten, 306 mm x 245 mm
Verlag arsEdition, 2018
Altersempfehlung: ab 4 Jahren

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Königin der Nacht – Ein kurzes Buch über meine Mutter von Lukas Bärfuss

Nach «Vaters  Kiste» hat Lukas Bärfuss nun in einem autobiografischen Essay mit dem Leben seiner Mutter abgerechnet. «Eine Mutter ist, was man nicht loswird. Auch nicht mit dem Tod.» 1971 in Thun geboren, die Mutter wohnt eher allein mit ihrem Sohn, bzw. mit vielen Männern. Lukas Bärfuss wächst im Rotlichtmilleu auf; seine Mutter war eine Frau ohne Bildung, die von ihrem Freiheitsverlangen getrieben wurde, in das der Sohn nicht hineinpasste. Tagsüber reinigte sie in einem Autohaus die Wagen, die aus der Reparatur kamen, am Abend stand sie an einer Rotlicht-Bar. Als sie älter war, arbeitete sie als Putzfrau und in einer Wäscherei. Der Junge war nie gewollt, so wurde er auch behandelt – als Rabenmutter titulierte sie sich sogar selbst. Eine Mutter, die ihn hat sitzen lassen in seiner Kindheit und ein System, das dieses Kind hängenließ. Ein wundervolles Buch, schnörkellos geschrieben, das sehr zu Herzen geht. Weiter zur Rezension:    Königin der Nacht – Ein kurzes Buch ...

Rezension - Marie Käferchen von Kai Lüftner und Wiebke Rauers

  Lieblich mit dem Po wackeln, Augenaufschlag, niemals wild und laut – so sollte sie sein. Aber Marie Käferchen hat darauf keine Lust! Ein wildes Käferchen, das auf Punk und Rock abfährt. Und als das Mädel zur Gitarre greift, ist der ganze Wald nur noch genervt. Ein herrliches Bilderbuch zur Stärkung des Selbstbewusstseins. My way! Das rockt: Gedichtform und bezaubernde Grafik! Empfehlung ab 4 Jahren. Weiter zur Rezension:    Marie Käferchen von Kai Lüftner und Wiebke Rauers

Rezension - Doppeltes Spiel von K.L. Slater

Intro mit KI erstellt   Ein luxuriöser Wolkenkratzer mit dem Namen Orbit, in dem die Reichsten der Reichen zusammenkommen: hier arbeitet die attraktive Alicia als Kellnerin. Als der charismatische Eigentümer des Orbit ihr das Angebot macht seine Freundin zu spielen und dafür ein großzügiges Gehalt zu erhalten, in seinem riesigen Apartment im Orbit zu wohnen, nimmt sie an. Immerhin ist es nur ein Spiel, denn er braucht eine Begleitung, will sich vor den vielen Frauen schützen … bis das Spiel plötzlich mehr zu sein scheint. Langweilig, uninteressant, voller Klischees, sprachlich kraftlos – mehr muss ich nicht sagen.  Weiter zur Rezension:   Doppeltes Spiel von K.L. Slater 

Rezension - WAS IST WAS Kraken. Acht Arme und drei Herzen von Dr. Stephanie Helber

  Perlboot , Sepia , Kalmar , Krake, Oktopus alles kompakt über das Leben der intelligenten Oktopusse , ihre Tarnung , Aufzucht und clevere Jagdtechniken . Sie sind wahre Verwandlungskünstler, blitzschnelle Jäger und ziemlich wendig: Kraken gehören zu den faszinierendsten Lebewesen der Ozeane. Sie haben acht Armen voller Saugnäpfe und eine Haut, die ihre Farbe im Bruchteil einer Sekunde ändern kann . Mit ihrer erstaunlichen Lernfähigkeit sind sie uns viel ähnlicher, als wir denken. Klasse Sachkinderbuch ab 8 Jahren über Tintenfische . Weiter zur Rezension:  WAS IST WAS Kraken. Acht Arme und drei Herzen von Dr. Stephanie Helber  

Rezension - Tödliches Angebot von Marisa Kashino

  Margo sucht für ihre hoffentlich bald wachsende Familie eine größere Wohnung, doch die Angebote sind rar. Nach monatelanger frustrierender Suche wird sie in der Nachbarschaft fündig. Sie hört, man wolle in der Nähe demnächst ein Haus verkaufen ... Und so versucht sie sich in die Familie einzuschleichen, das Haus abzusahnen, bevor es überhaupt auf den Markt kommt. Der Klappentext geht bis kurz vor Ende des Buchs, was es nicht besser macht. Die Geschichte schleicht langsam dahin – es fehlt jede Spannung und psychologische Raffinesse . Weiter zur Rezension:    Tödliches Angebot von Marisa Kashino

Rezension - Alte Feinde von Petra Ivanov

Um es gleich vorwegzusagen, mit diesem Thriller küre ich Petra Ivanov zur Queen of Crime der Schweiz. Schon das erste Kapitel ist atemberaubend. Cavalli ist wieder da! Wo hat er nur gesteckt? Der Leser wird es erfahren, Regina Flint noch lange nicht. – dies ist der achte Fall für Cavalli und Flint, wer die anderen sieben nicht kennt, der kann hier problemlos einsteigen. Regina Flint ermittelt derzeit in einem ungewöhnlichen Todesfall, ein Mann wurde mit einer historischen Waffe mit Pulvermunition erschossen. Der Tote ist ein Nachfahr von Heinrich Wirz, eine umstrittene Figur aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Und damit wären wir beim dritten Strang, der in die Zeit des Sezessionskrieges zurückführt. Weiter zur Rezension:    Alte Feinde von Petra Ivanov Petra Ivanov - Lesung Schloss Rapperswil Petra Ivanov, Sabine Ibing - Lesung Schloss Rapperswil

Rezension - Leere Häuser von Brenda Navarro

Intro mit KI erstellt Nur für einen kurzen Moment war seine Mutter in die Nachrichten auf ihrem Mobiltelefon vertieft gewesen, als der dreijährige Daniel vom Spielplatz verschwindet. Eine Unbekannte hat den Jungen mitgenommen und sich so den ersehnten Kinderwunsch erfüllt. Sie nennt ihn Leonel. Beide Frauen erzählen von ihrem Schmerz, ihrer Verzweiflung und ihren Schuldgefühlen. Beide reflektieren ihre Liebesbeziehungen und Lebensträume. Psychologisch gut aufgebaut, hervorragender Roman, lateinamerikanische, feministische Literatur . Weiter zur Rezension:    Leere Häuser von Brenda Navarro

Rezension - Impossible Creatures von Kathrine Rundel Der vergiftete König

Intro mit KI erstellt   Dieses Mal steht neben Christopher das Mädchen Anya im Vordergrund. Ihr Großvater, der König, wird heimtückisch ermordet. Ihr Vater wird des Mordes beschuldigt und als Anya selbst in Gefahr gerät, muss sie fliehen. Gemeinsam mit Christopher, dem Hüter der Fabelwesen, muss sie nun ihren Vater retten und das magische Reich vor dem Untergang bewahren. Spannende Fantasie ab 10 Jahren! Weiter zur Rezension:   Impossible Creatures von Kathrine Rundel Der vergiftete König

Rezension - Die schwarze Lilie von Dirk Schümer

  Intro mit KI erstellt 1348: In der Finanzmetropole Florenz wütet die Pest in den letzten Zügen, während die Söhne des mächtigen Bankiers Pacino Peruzzi nacheinander ermordet werden. Wittekind Tentronk, den es als Agent des Patriarchen aus Avignon an den Arno verschlagen hat, soll recherchieren, die Familie beschützen. Nebenbei erzählt der Autor von der größten Bankenpleite dieser Zeit, von Pest, aber auch von Wittekinds Liebe zu der schönen Marktfrau Cioccia und einem illustren Freundeskreis um den erfolglosen Poeten Boccaccio und Dantes versoffenen Sohn Jacopo . Ein außergewöhnlich guter historischer Krimi. Weiter zur Rezension:   Die schwarze Lilie von Dirk Schümer 

Rezension - Lázár von Nelio Biedermann

  «Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeiten.», so wird von ihm geschrieben. Nelio Biedermann schreibt mit 20 Jahren sein erstes Buch und das Manuskript geht in die Versteigerung – die Verlage überbieten sich, es wird in 20 Sprachen verkauft, man redet über ein sechsstelliges Vorschusshonorar – über den neuen Thomas Mann . Uff. Ich war gespannt. Mich konnte der Familienroman nicht überzeugen – leider. Weiter zur Rezension:    Lázár von Nelio Biedermann