Direkt zum Hauptbereich

Florentia von Noah Martin - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing




Florentia 


von Noah Martin

Im Glanz der Medici


Fioretta Gorini, eine Künstlerin, die im Haus der Medici lebte und wahrscheinlich ein Kind mit Giuliano de‘ Medici hatte – Giulio, der später einmal Papst Clemens VII. werden wird. War sie lediglich die Geliebte Giulianos, der sie sie unter seinem Stand nicht heiraten durfte, oder hatten sie heimlich geheiratet? Weder die eine noch die andere Variante ist beweisbar, beide sind historisch vorstellbar. Giuliano fiel bekanntlich der Pazzi-Verschwörung zum Opfer, und nur einen Monat nach seiner Ermordung brachte Fioretta (s)einen Sohn zur Welt, verstarb selbst einen weiteren Monat später. Andrea del Verrocchio und Sandro Botticelli haben sie portraitiert und es hält sich das Gerücht, dass Leonardo da Vincis Skizzen die er von ihr machte, ihn inspirierten, die Mona Lisa zu malen. Denn mit all diesen Malern war sie befreundet.


Ränkespiele der Macht

Florenz 1469, in der Renaissance führt Piero de‘ Medici die Geschicke von Florenz und seiner Familie; neben ihm seine kaufmännisch geschickte Frau Lucrezia, die über die Bücher wacht. Piero plagt bereits seit jungen Jahren heftig die Gicht und seine Söhne Lorenzo und Giuliano hoffen, nicht zu früh seinen Platz einnehmen zu müssen. Eine wichtige Hochzeit steht an, die von Lorenzo und Clarice Orsini, die aus einem der wichtigsten Adelshäuser aus Rom stammt. Die Familie Pazzi, ebenfalls Banker und Kaufleute, neiden den Medici ihren Einfluss, und sie setzen alles daran, die Medici zu vernichten, um ihren Platz einzunehmen. Als Piero früh verstirbt und der junge Lorenzo das Geschäft übernehmen muss, sieht Papst Sixtus, ein Feind der Medici, seine Zeit gekommen und bedient sich des Adelshauses Pazzi, um die Medici loszuwerden und um seiner Verwandtschaft zu mehr Macht zu verhelfen. 


Leichte Kost, historisch korrekt

Fioretta Gorini, eine interessante Persönlichkeit, die in diesem Buch fast die Hauptrolle spielt, aber letztendlich ist sie eine Protagonistin von vielen. Liebe, Intrigen, Macht, Kriege, Verrat, Geschäfte, Geschacher um Posten – nicht zu vergessen die Kunst – ein Füllhorn voller Ereignisse. Noah Martin begleitet die junge Malerin in die Werkstatt von Andrea del Verrocchio, zu seinen Schülern Sandro Botticelli und Leonardo da Vinci und wir erfahren ein wenig über die Zunft der Maler. Fioretta wohnt im Haus der Medici, ihr Vater ist der Leibarzt und beide sind von der Familie geschätzt. Aber auch Leonardo da Vinci erhält eine eigene Perspektive, ebenso die Familienmitglieder der Medici. Bei den Pazzis blicken wir mit den Augen von Albiera de‘ Pazzi hinter die Kulissen, die hier die Fäden zieht. Machtspiele zwischen Galeazzo Sforza in Mailand, Bernado Corbinelli in Volterra, Roberto Malatesta in Rimini, Christofo Moro in Venedig, dem Papst in Rom zwingen immer wieder zu Geldspenden, Krediten usw. Kleine Scharmützel, kleine Schlachten, der Friede zwischen den Städten ist fragil, nur mit Klugheit und Diplomatie lässt es sich regieren. Und manchmal muss man Kante zeigen. Viele Personen, viele Ereignisse, eine geballte Ladung von Informationen serviert uns Noah Martin mit diesem Buch. Leichte Kost: in jedes Geschehen wird kurz hereingeschaut und gleich sind wir wieder heraus. Malerei, Kriege, Beziehungen zwischen Menschen, Handelsschwierigkeiten, Pfründe, Intrigen, das Leben der Menschen in Florenz. Genau das macht den Roman sprunghaft. Oberflächlich in den historischen Ereignissen, in der der Beschreibung der Malerei, in den Geschäften der Medici und natürlich auch in den Charakteren. Sie bleiben dem Lesenden auf Distanz, lassen uns nur von weitem auf sie blicken. Das Florenz der Zeit ließ sich für mich nicht aufblättern. Die historischen Eckdaten sind stimmig und fast alle Protagonisten sind reale Figuren. Das hat mir gut gefallen. Man ist schnell durch mit diesem kurzweiligen Roman. Auf jeden Fall eine lebendige Geschichte, die einen groben Überblick gibt.


Noah Martin ist das Pseudonym einer Verlagslektorin, die in München lebt und arbeitet. Seit ihrem Studium der Kunstgeschichte ist sie fasziniert von der Zeit der Renaissance und ihren Künstlern. Die Idee zu dem Roman Florentia - Im Glanz der Medici kam ihr bei zahlreichen Reisen in ihre Lieblingsstadt Florenz.



Noah Martin
Florentia - Im Glanz der Medici
Historischer Roman, Florenz, Italien Renaisance, Medici, Andrea del Verrocchio, Sandro Botticelli, Leonardo da Vinci 
Droemer-Knaur, 2023 







Historische Romane und Sachbücher

Im Prinzip bin ich an aller historischer Literatur interessiert. Manche Leute behaupten ja, historisch seien Bücher erst ab Mittelalter.  Historisch - das Wort besagt es ja: alles ab gestern - aber nur was von historischem Wert ist. Was findet ihr bei mir nicht? Schmonzetten in mittelalterlichen Gewändern. Das mag ganz nett sein, hat für mich jedoch keine historische Relevanz.  Hier gibt es Romane und Sachbücher mit echtem historischen Hintergrund.
Historische Romane

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada

Am 08.11.2019 war ich zu einer Mischung aus Lesung und Definition des Begriffs Kriminalliteratur in St. Gallen in der Wyborada zu Gast, im Literaturhaus & Bibliothek in St. Gallen in der Frauenbibliothek und Fonothek Wyborada. Else Laudan sprach zum Thema Kriminalliteratur, erzählte ihren Weg mit ihrem freien Verlag Ariadne, ein Verlag, der ausschließlich literarische Kriminalliteratur von Frauen veröffentlicht. Weiter zum Artikel:    Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada 

Rezension - Lázár von Nelio Biedermann

  «Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeiten.», so wird von ihm geschrieben. Nelio Biedermann schreibt mit 20 Jahren sein erstes Buch und das Manuskript geht in die Versteigerung – die Verlage überbieten sich, es wird in 20 Sprachen verkauft, man redet über ein sechsstelliges Vorschusshonorar – über den neuen Thomas Mann . Uff. Ich war gespannt. Mich konnte der Familienroman nicht überzeugen – leider. Weiter zur Rezension:    Lázár von Nelio Biedermann

Rezension - Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

  Der Sommer, in dem Motte ein U-Boot fand, fing ziemlich normal an. Langweilig sogar. Doch auf einmal liegt das Schicksal der ganzen Stadt in ihren Händen. Es sind Ferien, aber Mottes Mutter muss arbeiten, einen Urlaub könnten sie sich nicht leisten. Sie ist als Personalcoach unterwegs: Mode, Schminke, Sport, Gesundheit, Ernährung. Und genau das interessiert Motte so gar nicht. Am Kai zeigt ihr Lukas das Metallfischen – ein perfektes Hobby für Motte, die neben schwarzer Kleidung das Unperfekte an Dingen liebt. Sie kauft sich einen Magneten zum Metallangeln. Vielleicht kann man sich etwas verdienen, wenn man Altmetall zur Altmetallhändlerin bringt; sie sammelt ihre ersten Schätze, die die Mutter eklig findet. Plötzlich hängt etwas ganz Großes an der Angel! Spannender Kinderroman ab 9/10 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

Rezension - In ihrem Haus von Yael van den Wouden

  Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Isabel allein in dem großen, von der Zeit gezeichneten Familienhaus auf dem Land, ihre beiden Brüder wohnen in der Stadt. Die Tage ziehen ruhig und geordnet dahin. Isabel lebt mit ihren Erinnerungen, ihren Möbeln und Haushaltsgegenständen, mit denen sie redet, die sie ständig durchzählt, in Angst, das Dienstmädchen könnte einen Löffel stehlen. Doch als ihr Bruder Louis seine Freundin Eva bei ihr einquartiert, geraten Isabels stille Routinen ins Wanken, und das Haus, das Stabilität gibt, wird zum Schauplatz unheimlicher Veränderungen, die bis zum Holocaust zurückgehen, zur Sharia . Ein wundervoll subtiler Roman, der zu Recht auf dem Internationalen Booker-Preis stand. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   In ihrem Haus von Yael van den Wouden

Rezension - Balaclava von Campbell Jefferys

  Mara, eine Polizistin aus Berlin ist jeden Tag mit Gewalt konfrontiert. Die meisten ihrer Kollegen sind diszipliniert, korrekt. Aber es gibt auch gewaltbereite Typen mit rechten Sprüchen, die sich feindlich gegenüber Ausländern und Frauen verhalten. Mara stammt allerdings aus Hamburg und so liegt es nahe, dass man sie undercover nach Hamburg sendet, damit sie sich unter die linken Gruppen mischt, herauszufinden, wer bei einer Demo den einen Polizisten ermordet hat. Mara hat das Video gesehen – der Polizist sackt zusammen, neben ihm ein junger Mann, dessen Gesicht mit einer Balaclava verdeckt ist. Mara hat ihn erkannt! Diese Augen gehören ihrem Bruder! Und der würde niemanden umbringen. Ein Thriller mit Potential, allerdings zu aufgeblasen, zu viele handwerkliche Fehler. Weiter zur Rezension:     Balaclava von Campbell Jefferys

Rezension - Cascadia von Julia Phillips

  Gesprochen von Pegah Ferydoni Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer 7 Std. und 38 Min. Auf einer Insel vor der Küste des Bundesstaates Washington im äußersten Nordwesten der USA lebt Sam mit ihrer Schwester Elena und der schwerkranken Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Sam arbeitet auf der Fähre, die die wohlhabenden Urlauber zu ihren Feriendomizilen bringt, während Elena im Golfclub kellnert. Das meiste Geld geht für die medizinische Versorgung der Mutter drauf. Sie beide träumen von einem besseren Leben, davon, woanders neu anzufangen. Dann, eines Morgens erblickt Sam einen Braunbären direkt vor ihrer Haustür. Zwei Schwestern, die immer zusammengehalten haben, driften völlig auseinander. Die eine bleibt in den Kinderträumen verwachsen, die andere stellt sich der Realität. Weiter zur Rezension:   Cascadia von Julia Phillips 

Rezension - Wo ist Walter? Ab ins Wasser von Martin Handford

  Knobelalarm für clevere Kids Wo ist Walter? Die kultigen Wimmelbuch-Bücher kennt wahrscheinlich jeder. Mit Walter auf hoher See! Ein Mitmachbuch für Kinder ab 8 Jahren mit vielen Rätseln, Suchbildern und Stickern. Klar, auch hier muss man Walter suchen , doch dies hier ist ein kunterbuntes Beschäftigungsbuch für unterwegs, am Strand oder für die Ferien mit Rätseln, Malen, Suchen: Mit Walter gibt es keine Langeweile, und dazu  gibt es mehr als 100 knallbunte Stickern für noch mehr Rätselspaß. Weiter zur Rezension:     Wo ist Walter? Ab ins Wasser von Martin Handford 

Rezension - Chronisch gesund statt chronisch krank von Dr. med. Bernhard Dickreiter

Von der Schulmedizin bis heute ignoriert: Die wahren Ursachen der chronischen Zivilisationskrankheiten – und was man dagegen tun kann Noch nie hat es so viele chronisch Kranke gegeben wie heute: Arthrose, Diabetes, Alzheimer, Rückenleiden, Krebs, Burnout usw. Der Internist, Reha-Experte und Ganzheitsmediziner Dr. med. Bernhard Dickreiter ist überzeugt, dass diese Patienten selbst aktiv etwas dagegen unternehmen können. Sein Standpunkt: Wir müssen alles dafür tun, damit es den Zellen in unserem Organismus gut geht. Jede Zelle ist von einer organtypischen Umgebung eingeschlossen, in die sogenannte extrazelluläre Matrix (EZM). Dort zieht die Zelle ihre Nährstoffe, den Sauerstoff, und hier entsorgt sie ihre Abfallstoffe. Ist die Zellumgebung nicht gesund, werden wir krank. Die Schulmedizin bekämpft meist nur Symptome: Schmerzen – Schmerztablette. Die Ursachen werden oft nicht hinterfragt, bzw. operabel versucht zu beheben: neues Knie, neue Hüfte usw. Dickreiter geht ganzheitlich vor. ...

Rezension - Streng geheim: Spione, Agenten, Geheimnisse von Soledad Romero Mariño und Julio Antonio Blasco

  Die unglaublichsten Spionagegeschichten der Welt. Vom alten Rom über England zur Zeit der Tudors bis ins 20. Jahrhundert hinein hat sich die Kunst der Spionage enorm weiterentwickelt. Eines aber blieb immer gleich: Der grenzenlose Erfindergeist der Menschen, auf immer neuen Wegen an streng geheime Informationen zu gelangen. Philipp II von Spanien, Herrscher über ein Weltreich, investierte viel Geld für sein dichtes Spionagenetz, entwickelte eine ausgeklügeltes Chiffriersystem und das effizienteste Postsystem. Katharina von Medici bildete Spioninnen aus, um ihre Feinde zu kontrollieren. Der kleinste Spion war nur 58 cm groß. Doppelspion:innen, ausgeklügelte Systeme … ein spannendes Sachbilderbuch  ab 10 Jahren! Weiter zur Rezension:   Streng geheim: Spione, Agenten, Geheimnisse von Soledad Romero Mariño und Julio Antonio Blasco