Direkt zum Hauptbereich

Dreieck Quadrat Kreis von Mac Barnett und Jon Klassen - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Dreieck Quadrat Kreis 


von Mac Barnett und Jon Klassen


Diese drei Bücher handeln von den drei Freunden Dreieck, Quadrat und Kreis und gehören zusammen. Man kann sie einzeln erwerben oder in limitierter Auflage in Schmuckkassette erhalten, die vom Autoren signiert ist. Jede Geschichte ist abgeschlossen, steht für sich.

Buch 1: Dreieck
Wir lernen die Welt kennen, in der die Formen leben – es ist recht gebirgig. Dreieck möchte seinem Freund Quadrat einen fiesen Streich spielen und macht sich auf den Weg. Vorbei an Dreiecken, an den Formen, die keinen Namen haben, in die Welt der Quadrate. Dreieck jagt Quadrat einen ganz schönen Schrecken ein. Aber Rache ist süß …




Buch 2: Quadrat
Quadrat schleppt aus einer Höhle Quadrate heraus. Kreis glaubt nun, Quadrat hätte diese Kunstwerke selbst erschaffen, sich selbst dargestellt. Kunstwerke? Quadrat ist verwirrt, soll nun einen Kreis meißeln,  ein Abbild von Kreis. Und bevor er Kreis aufklären kann, ist dieser schon verschwunden. Kreis ist vollkommen, meint Quadrat und stellt sich der Aufgabe. Na ja …




Buch 3: Kreis
Kreis will mit seinen Freunden Quadrat und Dreieck Verstecken spielen. Doch Dreieck bricht eine Regel und versteckt sich in der Höhle hinter dem Wasserfall. Kreis nimmt allen Mut zusammen und begibt sich ins Dunkel.




Das Buch ist illustriert mit einfachen Formen und wenig Farbe, um nicht von den Formen abzulenken. Geschichte 2 + 3 für sich fand ich inhaltlich klasse. Hier geht es um Freundschaft und um Ängste, um den Umgang damit. Die erste Geschichte erschließt sich mir nicht: Ich gehe zu einem Freund, um ihn mit seinen Urängsten zu konfrontieren – und der dreht den Spieß um, sucht nach meiner Urangst, setzt mich in Schrecken. Welche Message steckt dahinter? Wie du, so ich dir?



Die Illustrationen an sich haben mir gefallen: klare Formen, wiedererkennbar. Drucktechnik, fein herausgearbeitet. Bei der Farbgestaltung allerdings kommt der Geschmack ins Spiel. Das Bilderbuch «Der Wolf, die Ente und die Maus von Mac Barnett und Jon Klassen» ist auch von diesem Autorenteam gestaltet worden, ebenso in Brauntönen. Dort fand ich es passend: Fell, Wald, im Bauch des Wolfs, eine düstere Stimmung. In diesen Büchern fehlt mir letztendlich die Farbe. Ein Bilderbuch in ausschließlich Brauntönen (wo es nicht nötig ist) vermiest mir persönlich ein wenig die Stimmung. Klare Farben, klare Formen – aber alles in Braun-Schwarz? Mac Barnett hat es sich auch ziemlich einfach gemacht, einfallslos: In Band 1 rennt Dreieck eine lange Strecke zu Quadrat. Und Quadrat rennt die gleiche Strecke zu Dreieck zurück, gleiches Bild, nur die Formen wechseln. Im letzten Band, «Kreis», sind 20 von 48 Seiten schwarz, bzw. so gut wie schwarz – nur Augenpaare sind zu sehen. Das ist noch weniger einfallsreich. Das soll Angst im Dunkeln vermitteln … aber über 20 Seiten? Den Protagonisten fehlt für mir Fröhlichkeit und Unbeschwertheit im Ausdruck – für mich wirken sie wie völlig verängstigte Kinder.

Und nun kommen wir zur Altersangabe ab 5 Jahren. Die Geschichten sind inhaltlich anspruchsvoll, mit spitzfindigem Humor, hier würde ich 7-10 Jahre ausweisen. Aber selbst einem Fünfjährigen muss man nicht mehr erklären, was ein Kreis, ein Dreieck, ein Quadrat ist. Die Grafiken entsprechen eher dem Erkennen von Formen, 3-4 Jahre. Der starke Pappdeckel spricht für 2-3 Jahre. Für mich passt also Text und Grafik nicht zusammen. Der stolze Preis von 99.00 € für das Gesamtpaket in limitierter Schmuckkassette (mit Autogramm) ist auch nicht gerade ein Pappenstiel. Einzeln liegt jedes Buch bei 15.00 €.

Mac Barnett wird vom Feuilleton mit Lobeshymnen überschüttet. Seine Bücher seinen genial, hohe Kunst. Die Betrachtung des Erwachsenen. Schon in «Der Wolf, die Ente & die Maus» waren mir die versteckte intellektuellen Spitzen, der Humor, aufgefallen, der an Erwachsene gerichtet ist. Ein Kind würde die Message nicht einmal verstehen, wenn man es ihm erklären würde. Kunst zu bewerten, ist so eine Sache. Wie würden die düsteren Bilderbücher ankommen, wenn 4 – 8-jährige das Feuilleton im Bereich Bilderbücher schreiben würden?

Mac Barnett geboren 1982, ist ein mehrfach preisgekrönter Kinderbuchautor. Er lebt in Berkeley, Kalifornien. Mit Jon Klassen hat er zusammen mehrere Bilderbücher zusammen gestaltet.
Jon Klassen stammt aus Ontario, Kanada. Sein Bilderbuch »Wo ist mein Hut« wurde bereits in siebzehn Sprachen übersetzt und gewann 2013 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Bilderbuch. Mit dem Bilderbuch »Das ist nicht mein Hut« gewann Klassen ebenfalls in 2013 die Caldecott-Medal, die wichtigste Auszeichnung für Bilderbücher in den USA.


Mac Barnett, Jon Klassen 
Dreieck Quadrat Kreis
Original: Circle, 2019
Übersetzt aus dem Englischen von Thomas Bodmer
Bilderbuch, drei Bücher im Schmuckschuber, 23,6 x 4,5 x 23,8 cm
ab 5 Jahren
Nord-Süd Verlag, 2019, je 48 Seiten

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada

Am 08.11.2019 war ich zu einer Mischung aus Lesung und Definition des Begriffs Kriminalliteratur in St. Gallen in der Wyborada zu Gast, im Literaturhaus & Bibliothek in St. Gallen in der Frauenbibliothek und Fonothek Wyborada. Else Laudan sprach zum Thema Kriminalliteratur, erzählte ihren Weg mit ihrem freien Verlag Ariadne, ein Verlag, der ausschließlich literarische Kriminalliteratur von Frauen veröffentlicht. Weiter zum Artikel:    Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada 

Rezension - Balaclava von Campbell Jefferys

  Mara, eine Polizistin aus Berlin ist jeden Tag mit Gewalt konfrontiert. Die meisten ihrer Kollegen sind diszipliniert, korrekt. Aber es gibt auch gewaltbereite Typen mit rechten Sprüchen, die sich feindlich gegenüber Ausländern und Frauen verhalten. Mara stammt allerdings aus Hamburg und so liegt es nahe, dass man sie undercover nach Hamburg sendet, damit sie sich unter die linken Gruppen mischt, herauszufinden, wer bei einer Demo den einen Polizisten ermordet hat. Mara hat das Video gesehen – der Polizist sackt zusammen, neben ihm ein junger Mann, dessen Gesicht mit einer Balaclava verdeckt ist. Mara hat ihn erkannt! Diese Augen gehören ihrem Bruder! Und der würde niemanden umbringen. Ein Thriller mit Potential, allerdings zu aufgeblasen, zu viele handwerkliche Fehler. Weiter zur Rezension:     Balaclava von Campbell Jefferys

Rezension - Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

  Der Sommer, in dem Motte ein U-Boot fand, fing ziemlich normal an. Langweilig sogar. Doch auf einmal liegt das Schicksal der ganzen Stadt in ihren Händen. Es sind Ferien, aber Mottes Mutter muss arbeiten, einen Urlaub könnten sie sich nicht leisten. Sie ist als Personalcoach unterwegs: Mode, Schminke, Sport, Gesundheit, Ernährung. Und genau das interessiert Motte so gar nicht. Am Kai zeigt ihr Lukas das Metallfischen – ein perfektes Hobby für Motte, die neben schwarzer Kleidung das Unperfekte an Dingen liebt. Sie kauft sich einen Magneten zum Metallangeln. Vielleicht kann man sich etwas verdienen, wenn man Altmetall zur Altmetallhändlerin bringt; sie sammelt ihre ersten Schätze, die die Mutter eklig findet. Plötzlich hängt etwas ganz Großes an der Angel! Spannender Kinderroman ab 9/10 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

Rezension - In ihrem Haus von Yael van den Wouden

  Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Isabel allein in dem großen, von der Zeit gezeichneten Familienhaus auf dem Land, ihre beiden Brüder wohnen in der Stadt. Die Tage ziehen ruhig und geordnet dahin. Isabel lebt mit ihren Erinnerungen, ihren Möbeln und Haushaltsgegenständen, mit denen sie redet, die sie ständig durchzählt, in Angst, das Dienstmädchen könnte einen Löffel stehlen. Doch als ihr Bruder Louis seine Freundin Eva bei ihr einquartiert, geraten Isabels stille Routinen ins Wanken, und das Haus, das Stabilität gibt, wird zum Schauplatz unheimlicher Veränderungen, die bis zum Holocaust zurückgehen, zur Sharia . Ein wundervoll subtiler Roman, der zu Recht auf dem Internationalen Booker-Preis stand. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   In ihrem Haus von Yael van den Wouden

Rezension - Wo ist Walter? Ab ins Wasser von Martin Handford

  Knobelalarm für clevere Kids Wo ist Walter? Die kultigen Wimmelbuch-Bücher kennt wahrscheinlich jeder. Mit Walter auf hoher See! Ein Mitmachbuch für Kinder ab 8 Jahren mit vielen Rätseln, Suchbildern und Stickern. Klar, auch hier muss man Walter suchen , doch dies hier ist ein kunterbuntes Beschäftigungsbuch für unterwegs, am Strand oder für die Ferien mit Rätseln, Malen, Suchen: Mit Walter gibt es keine Langeweile, und dazu  gibt es mehr als 100 knallbunte Stickern für noch mehr Rätselspaß. Weiter zur Rezension:     Wo ist Walter? Ab ins Wasser von Martin Handford 

Rezension - Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler

  Mischa und Nits sind beste Freunde. Mischa liebt die Poems von Nits. Und der bewundert Mischa, weil er schlau ist und ein wandelndes Lexikon über Tiere zu sein scheint. Lügen geht gar nicht, so Nits Überzeugung. Darum fragt er sich, warum Mischa dem Lehrer weismachen will, er hätte eine Chlorallergie, als der Schwimmunterricht beginnt – Nits erzählt er, die Badehose sei von Mäusen angefressen worden. Überhaupt scheint Mischa in Schwierigkeiten zu stecken – doch wohl eher sein Vater ... Nits betritt in dieser Familie plötzlich eine völlig andere Welt – die der Armut. Aber das ist ein Unterthema – Mischas Vater ist untergetaucht; Mischa und Nits werden ihn nicht im Stich lassen – aber das könnte gefährlich werden ... Spannung, Humor und ein wenig Tragik machen das Buch zu einem Leseerlebnis. Meine Empfehlung ab 11 Jahren für diesen exzellenten Kinderroman.  Weiter zur Rezension:    Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler 

Rezension - Chronisch gesund statt chronisch krank von Dr. med. Bernhard Dickreiter

Von der Schulmedizin bis heute ignoriert: Die wahren Ursachen der chronischen Zivilisationskrankheiten – und was man dagegen tun kann Noch nie hat es so viele chronisch Kranke gegeben wie heute: Arthrose, Diabetes, Alzheimer, Rückenleiden, Krebs, Burnout usw. Der Internist, Reha-Experte und Ganzheitsmediziner Dr. med. Bernhard Dickreiter ist überzeugt, dass diese Patienten selbst aktiv etwas dagegen unternehmen können. Sein Standpunkt: Wir müssen alles dafür tun, damit es den Zellen in unserem Organismus gut geht. Jede Zelle ist von einer organtypischen Umgebung eingeschlossen, in die sogenannte extrazelluläre Matrix (EZM). Dort zieht die Zelle ihre Nährstoffe, den Sauerstoff, und hier entsorgt sie ihre Abfallstoffe. Ist die Zellumgebung nicht gesund, werden wir krank. Die Schulmedizin bekämpft meist nur Symptome: Schmerzen – Schmerztablette. Die Ursachen werden oft nicht hinterfragt, bzw. operabel versucht zu beheben: neues Knie, neue Hüfte usw. Dickreiter geht ganzheitlich vor. ...

Rezension - Cascadia von Julia Phillips

  Gesprochen von Pegah Ferydoni Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer 7 Std. und 38 Min. Auf einer Insel vor der Küste des Bundesstaates Washington im äußersten Nordwesten der USA lebt Sam mit ihrer Schwester Elena und der schwerkranken Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Sam arbeitet auf der Fähre, die die wohlhabenden Urlauber zu ihren Feriendomizilen bringt, während Elena im Golfclub kellnert. Das meiste Geld geht für die medizinische Versorgung der Mutter drauf. Sie beide träumen von einem besseren Leben, davon, woanders neu anzufangen. Dann, eines Morgens erblickt Sam einen Braunbären direkt vor ihrer Haustür. Zwei Schwestern, die immer zusammengehalten haben, driften völlig auseinander. Die eine bleibt in den Kinderträumen verwachsen, die andere stellt sich der Realität. Weiter zur Rezension:   Cascadia von Julia Phillips 

Rezension - Die Schlafwandlerin von Jack Jordan

  Neve Harper ist ehrgeizig, sie ist die beste Strafverteidigerin Londons , und vertritt Wade Darling, dem vorgeworfen wird, seine Frau und die beiden Kinder im Schlaf ermordet zu haben. Die Indizien sprechen gegen Wade, trotzdem ist die ehrgeizige Anwältin überzeugt, seine Unschuld beweisen zu können. Kurz vor Prozessbeginn erhält die Anwältin jedoch eine unmissverständliche Botschaft: Wenn sie nicht will, dass ihr eigenes dunkelstes Geheimnis ans Licht kommt, oder ihrer Stieftochter etwas passiert, muss sie Wades Fall verlieren. Die Autorin hat eine blühende Fantasie, was passt, wenn man sich im Fantasiebereich bewegt. Wenn man einen Justizthriller schreibt, ist das A und O ein Bezug zur Realität. Das hier ist ein Ritt auf dem Vulkan, realitätsentfernt. Weiter zur Rezension:    Die Schlafwandlerin von Jack Jordan