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Das Meerbuch - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Das Meerbuch


Herausgegeben von Matthias Reiner 

mit Illustrationen von Quint Buchholz


Als er vor seiner Abreise gefragt wurde, was denn dort zu holen sei, antwortete er: Nichts, nichts; und das ist gerade das Schöne.

Die Geschichten und Gedichte in dem vorliegenden Band sind prima. Doch ein bisschen fühle ich mich an der Nase herumgeführt. Meer! Ich hatte Texte erwartet, wie die von Henry Beston (Das Haus am Rand der Welt) – der hier gut hineingepasst hätte. Aber die wenigsten Texte in diesem Buch – so gut sie auch sind – haben direkt etwas mit dem Meer zu tun, mit literarischen Naturbeschreibungen, Nature Writing. Marie Luise Kaschnitz, Daniel Defoes Robinson, J.W. Goethe, Homer, Thomas Mann, Ingeborg Bachmann, Christian Morgenstern, Paul Celan, fantastische Schriftsteller, gute Kurzgeschichten – nur das Meer als Thema kommt zu kurz. Die Bilder von Quint Buchholz gefallen mir gut. Doch auch sie verlieren im Pocketformat ihre Wirkung.




Axel Hacke beschreibt eine lange Autofahrt zum Urlaubsort nach Sardinien, drei zapplige Kinder an Bord, sie wollen zum Meer. Eine gute Geschichte – doch das Meer kommt nicht vor. Pietro Bartolo erzählt vom Leid der Bootpeople, ein wunderbarer Text. Klar sie kommen über das Meer. Und damit ist der Bezug auch schon beendet. Wer an guter Literatur interessiert ist, dem wird dieses Buch gefallen. Wie mir. Wer aber Naturgewalt erwartet, Meeresbrise, das donnern der Wellen, der wird enttäuscht sein. So wie ich.


Das Meerbuch, div. Autoren
Herausgegeben von Matthias Reiner mit Illustrationen von Quint Buchholz
Kurzgeschichten, illustriert
Insel-Bücherei 1481, gebunden,
Insel Verlag2020
119 Seiten, Pocketformat








Wer Literatur des Nature Writing sucht, die sich mit dem Meer beschäftigt, wird hier fündig werden:

Das Haus am Rand der Welt von Henry Beston   
Ein Mann, ein Jahr, ein Haus auf Cape Cod, an der Ostküste der USA – der Klassiker des Nature Writing von 1926 ist erstmals auf Deutsch erhältlich. Henry Beston bezieht ein kleines Holzhaus am Meer, das er sich im Jahr zuvor hat bauen lassen, um dort seinen Urlaub zu verbringen. Geplant waren zwei Wochen, doch er bleibt ein ganzes Jahr. In diesem Jahr beschreibt er in seinen Erzählungen die Natur mit allen Sinnen: Farben, Gerüchen, Geräuschen, den Himmel, das Meer, Strand und Sand, Dünen, die sich jeden Tag verändern, den Rhythmus der Gezeiten, Wetterformationen. Naturbeschreibung der Extraklasse!
Weiter zur Rezension:  Das Haus am Rand der Welt von Henry Beston

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