Direkt zum Hauptbereich

Wer hat hier gepupst? von Nick Caruso, Dani Rabaiotti und Alex G. Griffiths - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Wer hat hier gepupst?

 von Nick Caruso, Dani Rabaiotti und Alex G. Griffiths

Das ultimativ-tierische Pupsbuch


Was hier zunächst witzig in Titel und Cover herüberkommt, entpuppt sich als informatives Sachbilderbuch – schräg, humorvoll. Jeder weiß, was ein Pups ist, aber wie entstehen er eigentlich? Verschluckte Luft, Gase Bakterien, hier wird abgeblubbert. Ernährung, Darmflora, Kohlendioxid – und wenn es stinkt, ist der Schwefel Schuld. Denken wir an unseren Hund, unsere Katze … aber kann denn jedes Tier pupsen?



Zunächst wird auf der rechten Buchseite ein Tier vorgestellt und die Frage gestellt: Pupst es? Nun können wir gemeinsam raten und umblättern, nachlesen, ob wir richtig lagen. Das Pferd – kann es? Es ist der häufigste Pupser, der Wal macht die giganischsten Pupse. Wie sieht es aus mit dem Papagei? Der kann wundervoll die Geräusche nachahmen, aber pupsen kann er nicht. Und so erfahren wir eine Menge interessantes über Tiere. Wer läuft vor seinem eigenen Pups davon und wer erschreckt sich über sich selbst? Die Florfliegen töten mit ihren Pupsen Termiten. Und Ziegen haben an Bord eines Flugzeugs einmal pupsend Feueralarm ausgelöst. Wer ist der ärgste Stinker? Und welches Tier hat einen Geheimcode, pupst eine Art Morsezeichen? Es gibt auch eine Tierart, für die haben Wissenschaftler in den einzelnen Rassen eine Stinkskala angelegt – dazu mussten sie einiges erschnüffeln.





Witzig, spritzig, informativ – was will man mehr? Das gilt für den Text, wie auch für die Grafiken. Mal etwas anderes aus der Biologie. Und wir lernen, nicht alle Pupse entweichen still und heimlich, einige Arten setzen sie gezielt als Waffe ein, andere können gar nicht pupsen. Keine Angst – das Kinderbuch ist zwar nicht geruchsfrei – es riecht eben nur schlicht nach Buch. Die Texte sind kurz und erhellend – doch für das angegebene Alter ab 3 Jahren, halte ich den Inhalt für eine Überforderung. Ich tendiere zu 4-5 Jahren, insbesondere, wenn man die Einführung zur Entstehung der Pupse berücksichtigt. Das Bilderbuch ist ein Familienspaß – aufschlussreich obendrauf. Die Grafiken von Alex G. Griffiths in Mischtechnik sind einfach strukturiert, in gedeckten Farben besetzt und besitzen ihre eigene Komik. Ein Bilderbuch, das ich schnell in mein Herz geschlossen habe.





Nick Caruso machte seinen Doktor in Biowissenschaften und arbeitet nun als Mitarbeiter im Fachbereich für Fish und Wildlife Conservation an der Virginia Tech University.
Dani Rabaiotti ist Zoologin in der Zoological Society of London. Zusammen mit Nick Caruso ist sie Autorin des entsprechenden New York Times Bestseller für Erwachsene. Nach dem großartigen Erfolg schrieben die zwei nun ein Pups-Buch für Kinder.
Alex G. Griffiths wurde in London geboren. Seine Illustrationen für Kinder entstehen durch eine verrückte Kombination aus Materialien und Techniken. Er lebt mit seiner Frau und Tochter in Kanada.


Nick Caruso + Dani Rabaiotti Illustriert von: Alex G. Griffiths
Wer hat hier gepupst?
Das ultimativ-tierische Pupsbuch
Original: Does it fart? A Kid’s Guide to the Gas Animals pass
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Cornelia Panzacchi
Bilderbuch, Sachbuch
FISCHER Sauerländer Verlag, 44 Seiten, 2020, 20,9 x 23,4 cm
Empfohlenes Alter: Ab 3 Jahren

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Deutscher Kinder- und Jugendbuchpreis 2020 - Nominierungen

Am 16. Oktober 2020 wird auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Kinder- und Jugendbuchpreis 2020 vergeben. Die Nominierungen stehen fest. Wir sind gespannt, wer gewinnt.
Einige der nun Nominierten habe ich bereits rezensiert, und ihr findet sie hier:

BilderbuchAusflug zum Mond von John Hare   Noch ein Bilderbuch, in das ich mich verliebt habe … Ohne Worte erzählen die Zeichnungen die intensive Geschichte von einem Jungen, der zum Mond fuhr, und dort vergessen wurde. Die erste Seite der Erzählung ist das Cover, denn dort sieht man Kinder (wohl eine Schulklasse) ein Shuttle besteigen. Ein Bilderbuch, das kei ne Sprache benötigt, um eine intensive Geschichte zu erzählen. Das Kind, der Mann im Mond – ganz viele …

Weiter zur Rezension:   Ausflug zum Mond von John Hare


Dreieck Quadrat Kreis von Mac Barnett und Jon KlassenDrei zusammengehörige Bilderbücher zum Thema Formen, Freundschaft und Ängste. Riesige spricht nicht aus mir. Aber lest selbst, es klemmt für mich an vielen Ecken.

Weiter…

Rezension - Fabelhaft getarnt von Frédéric Clément

Tarnung im Tierreich In diesem Sachbilderbuch für große und kleine Naturforscher stellt Frédéric Clément mit wunderschönen Illustrationen Lebewesen vor, die wahre Meister in der Kunst der Tarnung sind. Der eine tarnt sich, um nicht gefressen zu werden, der andere, um sein Opfer zu täuschen. Besonders Schön ist die literarische Art, die Fachinhalte zu präsentieren.

Weiter zur Rezension:   Fabelhaft getarnt von Frédéric Clément

Rezension - Ein Stück Käse von Judith Auer

Eine uralte Fabel, die fast jeder kennt, die vom Fuchs und dem Raben. Sie wird dem griechischen Dichter Äsop zugeschrieben. Judith Auer hat sie in ganz kurzen Sätzen für Kinder aufgelegt. Wo Zeichnung eine Geschichte erzählt, braucht es nicht viele Worte. Winteratmosphäre, passend zur Jahreszeit, einfache Strukturen und klare Zeichnungen eignet das Buch für Kinder ab 2 Jahren.

Weiter zur Rezension:    Ein Stück Käse von Judith Auer

Rezension - Moody Food-Fotografie von Corinna Gissemann

Stimmungsvolle Bilder gestalten mit wenig Licht Auch in der Fotografie gibt es Trends. Derzeit sind im Foodbereich dunkle Fotos in, stimmungsvolle Lichtakzente auf den Lebensmitteln. Allgemein haben wir derzeit einen Trend zur Natürlichkeit und nostalgische Gemütlichkeit, Rustikalität, Vintage. Hier hinein passen Moody-Fotos,: Dunkle Fotos mit Lichteffekt, rustikal präsentiert auf alten Holztischen, Bänken, Säcken; Wassertropfen deuten die Frische an, rustikales Geschirr die Erdung, man soll sich fühlen wie bei Mama Leone auf dem alten Weingut. Diese Fotos nennt man: Dark&Moody, Mystic Light oder auch Chiaroscuro. Hier hat man bei den alten Malern geklaut, die in ihren Bildern durch Hell-Dunkel-Kontrast die Illusion eines dreidimensionalen Raumes auf einem ebenen Malgrund erzeugten. Wie man die stimmungsvollen Fotos gestaltet, zeigt die Autorin in ihrem Sachbuch Schritt für Schritt.

Weiter zur Rezension:    Moody Food-Fotografie von Corinna Gissemann

Rezension - Nüsse haben kurze Beine von Benas Bėrantas und Vilija Kvieskaitė

Auf dem Balkon hängt ein Korb voller Nüsse, Mama ist nicht zu Hause. Eine kann man doch wohl probieren, meint Eichhörnchen Ecki zu seinem Freund Rabe Knirps. Der hält das für keine gute Idee. «Lass uns jeder eine probieren», schlägt Ekki vor. Eine und noch eine, bald ist der Korb leer und die beiden haben runde Bäuche. Mama ist sauer. Wo sind die Nüsse? Hasel Fuchs hat sie geklaut, wie haben es gesehen … Ein Bilderbuch ab 3 Jahren, eins über das Lügen – und wie man sich seinen Geburtstag versaut.

Weiter zur Rezension:   Nüsse haben kurze Beine von Benas Bėrantas und Vilija Kvieskaitė

Interview mit Marion Meister alias June Perry von Sabine Ibing

Verschiedene Pseudonyme, verschiedene Genres. Marion Meister schreibt spannende Kinder- und Jugendbuchreihen wie «Sternenschiff Argon» oder «Drachenhof Feuerfels», «Hanna und Professor Paulchen» und «Julie Jewels». Das Pseudonym Mareike Marlow nutzt sie als Krimiautorin («Blaubeermorde» «Blutroter Flieder».) Als June Perry stieg sie in das Jugendbuchgenre ein: «White Maze - Du bist längst mittendrin» und «LifeHack». Die Dystopie «LifeHack» beschäftigt sich mit unserer nahen Zukunft, Mensch und Maschine. Um dieses Thema beschäftigt sich u. a. dieses Interview.

Weiter zum Interview: Interview mit Marion Meister


Rezension - Hinter den Gesichtern von Richard Lorenz

Ich hatte mit diesem Roman meine Schwierigkeiten. Es ist ein Krimi, der Versuch, einen literarischen Krimi zu schreiben. Von Lisbeth, einer alleinerziehenden Krankenschwester, behauptet man, sie besitze das zweite Gesicht. Schon als Kind hatte sie Visionen und beschuldigte damals während einer Messe, den Schuldirektor: Er sei der gesuchte Serienmörder. Und nun geht wieder ein Mörder herum. Dynamik, Bewegung und Interaktion ist durch das passive Schreiben ausgebremst, die Dinge, von denen ein Krimi lebt, auch ein literarischer Krimi. Bei diesem Schreibstil kann es nun nicht verwundern, dass die Spannung auf leiser Flamme kocht.

Weiter zur Rezension:  Hinter den Gesichtern von Richard Lorenz

Rezension - Atlas Obscura Kids Edition von Dylan Thuras, Rosemary Mosco

Entdecke die 100 abenteuerlichsten Orte der Welt! Mit diesem Buch kann man auf der Couch durch die Welt reisen, zu den wunderlichsten Orten – und vielleicht später eins dieser Ziele in der Wirklichkeit erleben … Jedem Land ist eine Doppelseite gwidmet, beginnen wir mit Island, hier gibt es die weltweit einzige Schule, in der man alles über Elfen lernen kann. Zu jeder Attraktion findet man die GPS-Koordinaten. In Island kann man sich das Innere eines Vulkans anschauen, und Island ist das Land, in dem man gute Chancen hat, Blauwale zu sichten.

Weiter zur Rezension:   Atlas Obscura Kids Edition von Dylan Thuras, Rosemary Mosco 

Rezension - Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Ein Schweizer Kultbuch von 2001, neuaufgelegt, ein Comming of age – Roman, schräg, amüsant, empathisch, spleenig. Franz ist einer, der weiß, dass er irgendwie die Schule überstehen muss, mit Abschluss, aber wozu das alles gut sein soll, hat er noch lange nicht kapiert. Schule ist irgendwie ein Stück Heimat, wenn nur der Unterricht nicht wäre. Ein typisches Jugendbuch, allerdings in einer Form, das auch Erwachsenen gefällt.

Hier geht es zur Rezension:   Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Rezension - Connect von Julian Gough

In der nahen Zukunft: Colt, kontaktscheu, hochintelligent, Sohn einer Wissenschaftlerin und eines Geheimdienstlers reicht einen Aufsatz seiner Mutter Naomi, der eine bahnbrechende Forschung beinhaltet, bei einer Biotech-Konferenz ein. Trotz Warnung hält Naomie den Vortrag und sofort wird die Studie vom Geheimdienst unter Verschluss genommen. Mutter und Sohn sind gezwungen zu flüchten, dem Vater zu entkommen. Ein Wissenschaftsthriller, dystopisch, von der Presse hochgejubelt – ich frage mich allerdings warum. Ein spezieller Thriller, der anfänglich mit wissenschaftlichen Dingen vollgestopft ist, detailverliebt, ab der Mitte in einer Hollywood-Action-Jagd endet.

Weiter zur Rezension:   Connect von Julian Gough