Direkt zum Hauptbereich

Safran – Das rote Gold von Urs und Sandra Durrer - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Safran – Das rote Gold 


von Urs und Sandra Durrer

Anbau, Geschichte, Handel, Rezepte


Safran, oder Altpersisch Zarparan, heißt «Blume, die Gold oder goldene Federn auswirft». Die Safranpflanze wird seit Jahrtausenden genutzt in Medizin und Kosmetik, als Farbstoff und Gewürz zeigt sie eine außergewöhnliche Wirkung. Kleopatra soll vor Verabredungen in Safranwasser gebadet haben. Sandra und Urs Durrer beleuchten das Thema in diesem Sachbuch von allen Seiten. Und wer meint, diese Pflanze werde im Iran und in Spanien angebaut, der hat recht, aber auch in der Schweiz wird diese seltene Krokusart kultiviert. Aktuell gibt es zwischen 70 bis 80 Safranbauern in der Schweiz, rund 30 davon in Graubünden, Urs und Sandra Durrer gehören dazu. Safran gehört zum teuersten Gewürz der Welt. Für ein Kilogramm benötigt man 200.000 Blüten (ca. 0,0015 Gramm pro Safrannarbe), denn man erntet lediglich die roten Blüten-Narben vom Safrankrokus. Der derzeitige Wert pro Kilo beträgt rund 25.000 Franken. Familie Durrer erntet jährlich 150 bis 200 Gramm Safran, 1 Gramm verkaufen sie für 78 Franken. Anfang August werden die Krokusknollen gesetzt, doch das ganze Jahr über muss der Landwirt das Feld frei vom Unkraut halten, um im Oktober dann die Blüten zu ernten. Sie werden getrocknet, weil sich nun das Safranaroma sich entfaltet, hernach werden in Handarbeit die feinen Fäden geerntet. 




Safrankulturen gibt es seit mindestens 4.000 Jahren, ein Anbau, der sich von Griechenland aus weiter nach Osten verbreitet hat. Die Maueren brachten neben Spargel, Schwarzwurzel, Orangen- und Zitronenbäume, Pfirsich- und Mandelbäume, Artischocken, Auberginen auch den Safran ins heutige Spanien. Bereits im Mittelalter gab es den Safrananbau im Kleinen in der Schweiz, in Frankreich und Deutschland, hierzu interessantes historisches Wissen um Anbau und Verwendung. Und natürlich, wo es etwas zu verdienen gibt, sind Pfuscher und Fälscher am Werk. Safran-Betrüger wurden im Mittelalter samt ihrer Ware öffentlich verbrannt. Safran-Fälscher gibt es noch heute, die Bestrafungen fallen bekanntlich milder aus. 



Wir erfahren eine Menge zu der Verwendung in der Färberei, Medizin, Kosmetik, in der Anwendung der Malerei und das Imitieren von Goldschriften. Der Krokus vermehrt sich allein über Tochterzwiebeln und die Autoren erzählen einiges über den Anbau, inklusive einer Anleitung. Interessante Porträts von Safranproduzenten runden den Wissenteil ab.


Und natürlich dürfen die Rezepte nicht fehlen! Die Kochrezepte stammen von zwei SpitzenköchInnen Anna Matscher, Gabriele Batlogg, Dirk Hoberg, Max Stiegl und Tino Zimmermann. Entsprechend sind es Menüs der gehobenen Klasse: Zucchiniblüten mit Büffelricotta, Pfifferlingen und Kräutern; Dampfbrötchen mit Safran-Mayonnaise und Lammrücken; Safranravioli mit Garnelen und Krustentiersuppe; Safran Cheesecake, Safranreis und Orangen-Safran-Sud; Kaisergranat in Safrangelee mit Variationen von der Tomate und Rucola-Mayonnaise; Lauwarme Alpenhuhnbrust mit Safran-Sauerram; Klingenbacher Cremeschnitte mit Safran-Vanille-Creme; Birnen-Tarte-Tatin mit Safran. um nur einige zu nennen.



Auch die Bildpräsentation ist phantastisch, ob es um die botanischen Aufnahmen geht, geschichtliche Hintergründe oder die Präsentation der Kulinarik, die Fotos sind von hoher Qualität, ein Genuss für die Augen. Die Herkunft der Pflanze mit Anbaugebieten, die Geschichte des Safrans bis in die Gegenwart, tief recherchiert, interessant präsentiert, mit hohem Anspruch an Inhalt, Optik und Rezepte. Wer sich für Safran interessiert, liegt hier richtig!


Urs Durrer und Sandra Durrer produzieren mit ihrer Safranerei nebenberuflich Safran in der Surselva und in Obwalden. Sie sind Landwirte und Gastronomen, die die Natur und eine gesunde und genussvolle Küche lieben. Beim Anbau von Safran setzen sie sich für eine naturnahe Produktion und den Erhalt der Biodiversität ein. Auszeichnungen für das Buch: Silber in der Kategorie Wissenschaftliches Genussbuch / Historie beim swiss gourmetbook award 2021; 2. Platz STIHL Sonderpreis bei Deutscher Gartenbuchpreis Dennenlohe 2021; 3. Preis in der Kategorie «Bestes Garten-/Pflanzenportrait» bei Deutscher Gartenbuchpreis Dennenlohe 2021; Gold in der Kategorie Nachschlagewerke beim Deutschen Kochbuchpreis 2020



Urs Durrer, Sandra Durrer 
Safran – Das rote Gold
Anbau, Geschichte, Handel, Rezepte
Sachbuch, Safran, Rezepte, Kulinarisches, Geschichte
Gebunden, 280 Seiten, 19.5 cm x 27 cm
AT-Verlag, 2020


Kulinarische Bücher 

Kochbücher, Backbücher und alles rund um Lebensmittel findet sich kompakt auf dieser Seite. Auch Genussromane, soweit ich welche lese. Schleckermäulchen also hierher klicken:


Sachbücher

Hier stelle ich Sachbücher vor, die im Prinzip nichts mit Fachliteratur zu tun haben. Eben Sachbücher jeder Art, die ein breites Publikum interessieren könnte.
Sachbücher


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Young Agents: Operation «Boss» von Andreas Schlüter

Offiziell gibt es sie gar nicht. Jeder Insider würde ihre Existenz leugnen. Und doch leben sie unter uns: Die Young Agents, europäische, jugendliche Geheimagenten, ausgebildet an einer EU-Agentenschule, fast unsichtbar, denn wer achtet schon auf Kinder? Sie sind im Alter zwischen 11 und 14 Jahren, leben bei ihren Familien und gehen ganz normal zur Schule. Der zwölfjährige Billy, ein Agent aus Deutschland, ist der Icherzähler dieser Geschichte. Gleich am Anfang erklärt er, man soll sich das nicht so vorstellen wie bei 007, James Bond, denn wir befinden uns ja in der Realität. Aber genau das ist es letztendlich! Ein Plotaufbau nach James Bond, eine Heldenreise in drei Akten, beginnend mit einem nervenzerreißenden Intro, in dem der Agent hoher Gefahr ausgesetzt wird – sehr spannend geschrieben  – und mit Action pur geht es weiter, Seite für Seite. Ein Pagemaker zum Entspannen für Jugendliche ab 11 Jahren. Mir fehlte ein wenig Ruhe und Atmosphäre. Wer auf American-Hero-Storys steht...

Rezension - Königin der Nacht – Ein kurzes Buch über meine Mutter von Lukas Bärfuss

Nach «Vaters  Kiste» hat Lukas Bärfuss nun in einem autobiografischen Essay mit dem Leben seiner Mutter abgerechnet. «Eine Mutter ist, was man nicht loswird. Auch nicht mit dem Tod.» 1971 in Thun geboren, die Mutter wohnt eher allein mit ihrem Sohn, bzw. mit vielen Männern. Lukas Bärfuss wächst im Rotlichtmilleu auf; seine Mutter war eine Frau ohne Bildung, die von ihrem Freiheitsverlangen getrieben wurde, in das der Sohn nicht hineinpasste. Tagsüber reinigte sie in einem Autohaus die Wagen, die aus der Reparatur kamen, am Abend stand sie an einer Rotlicht-Bar. Als sie älter war, arbeitete sie als Putzfrau und in einer Wäscherei. Der Junge war nie gewollt, so wurde er auch behandelt – als Rabenmutter titulierte sie sich sogar selbst. Eine Mutter, die ihn hat sitzen lassen in seiner Kindheit und ein System, das dieses Kind hängenließ. Ein wundervolles Buch, schnörkellos geschrieben, das sehr zu Herzen geht. Weiter zur Rezension:    Königin der Nacht – Ein kurzes Buch ...

Rezension - Die Kathedrale der Vögel von Wieland Freund

  Er hat das Haar eines Raben und die Augen eines Uhus: Munk. Und in seinen Träumen sieht er die Toten. Munk lebt mit seiner Schwester Enna auf der kleinen Insel Nyt. Eines Tages holen ihn die Schergen des tyrannischen Greifen von Amser ab, bringen ihn auf die Burg, wo er als Falkner arbeiten muss. Die Greifenkriegerin Magwit ist sehr interessiert an dem Jungen. Munk besitzt besondere Fähigkeiten, er ist einer der wenigen, die die Vogel- und Menschenwelt vereinigt. Während seine Schwester sich trotz Warnung von Magwit auf die Suche nach ihm macht, entdeckt Munk tief im Burgberg ein grauenvolles Geheimnis ... Weiter zur Rezension:    Die Kathedrale der Vögel von Wieland Freund

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Rezension - Wunderwelt der Insekten von Ross Piper und Carim Nahaboo

70 besondere Arten, brillant illustriert Nach einer kurzen Einführung zu Insekten im Allgemeinen und der Liebe des Autors zu den Tieren, geht es gleich los. Das Buch ist in vier Kapitel geteilt: Farbenfroh – Großartig – Mustergültig – Formvollendet. Dieses Buch stellt 70 der schillerndsten, außergewöhnlichsten und manchmal auch beunruhigendsten Insekten der Welt vor. In diesem reich bebilderten Sachbuch werden die bemerkenswerten Anpassungen der Insekten vorgestellt, ihre verborgenen Welten und wie sie auf überraschende Weise das menschliche Leben beeinflussen. Klasse Illustrationen und ein sehr interessantes Sachbuch. Empfehlung! Weiter zur Rezension:     Wunderwelt der Insekten von Ross Piper und Carim Nahaboo  

Rezension - Generation Glücklich: Dein Handbuch für mehr Spaß und Freiheit in einer Welt voller Bildschirme von Jonathan Haidt und Catherine Price

Stell dir vor, du wächst auf in einer Welt voller Smartphones , Likes und endlosem Scrollen, als wäre das Handy an der Hand festgewachsen. Das Handy ist das Erste, was du morgens, und das Letzte, was du abends anschaust – ganz schön viel für ein Kind, oder? «Generation Glücklich» richtet sich an Kinder zwischen 9 und 12 Jahren, die genau in dieser Welt ihren eigenen Platz finden wollen – ohne sich dabei virtuell selbst zu verlieren. Medienkompetenz , Selbstsicherheit, Selbstständigkeit im Umgang mit Medien – Fallstricke kennenlernen, Mechanismen auf Social Media verstehen an Hand von Comics und Übungen. Zu verstehen, wie Social Media funktioniert und wie sie das Gehirn verändert . Empfehlung!  Weiter zur Rezension:     Generation Glücklich: Dein Handbuch für mehr Spaß und Freiheit in einer Welt voller Bildschirme von Jonathan Haidt und Catherine Price

Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada

Am 08.11.2019 war ich zu einer Mischung aus Lesung und Definition des Begriffs Kriminalliteratur in St. Gallen in der Wyborada zu Gast, im Literaturhaus & Bibliothek in St. Gallen in der Frauenbibliothek und Fonothek Wyborada. Else Laudan sprach zum Thema Kriminalliteratur, erzählte ihren Weg mit ihrem freien Verlag Ariadne, ein Verlag, der ausschließlich literarische Kriminalliteratur von Frauen veröffentlicht. Weiter zum Artikel:    Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada 

Rezension - Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler

  Mischa und Nits sind beste Freunde. Mischa liebt die Poems von Nits. Und der bewundert Mischa, weil er schlau ist und ein wandelndes Lexikon über Tiere zu sein scheint. Lügen geht gar nicht, so Nits Überzeugung. Darum fragt er sich, warum Mischa dem Lehrer weismachen will, er hätte eine Chlorallergie, als der Schwimmunterricht beginnt – Nits erzählt er, die Badehose sei von Mäusen angefressen worden. Überhaupt scheint Mischa in Schwierigkeiten zu stecken – doch wohl eher sein Vater ... Nits betritt in dieser Familie plötzlich eine völlig andere Welt – die der Armut. Aber das ist ein Unterthema – Mischas Vater ist untergetaucht; Mischa und Nits werden ihn nicht im Stich lassen – aber das könnte gefährlich werden ... Spannung, Humor und ein wenig Tragik machen das Buch zu einem Leseerlebnis. Meine Empfehlung ab 11 Jahren für diesen exzellenten Kinderroman.  Weiter zur Rezension:    Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler 

Rezension - Der Fluch des Hasen von Bora Chung

  Bora Chungs «Der Fluch des Hasen» entzieht sich jeder literarischen Schublade und verwischt die Grenzen zwischen den Genres, ob magischer Realismus, literarischer Horror, Phantastik oder Speculative Fiction. Diese Kurzgeschichten sind klasse! Skurrile, unheimliche, intelligente Geschichten, die uns mit Gänsehaut überziehen. Die Titelgeschichte fand ich genial! Ein einfacher geliebter Haushaltsgegenstand ist mit einem Fluch belegt und bringt nun Unglück in eine Familie. Oder eine heftige Mensch-Android-Liebesgeschichte.  Oder «Narben», ein düsteres, gemeines Märchen. Klasse! Weiter zur Rezension:    Der Fluch des Hasen von Bora Chung 

Rezension - Ein verlassenes Haus von Lisa Wölfl

  Die Politiker reden im Fernsehen über die faulen Armen, während Sonjas Ehemann als Leiharbeiter am Bau seinen Rücken verschleißt. Sie verkauft im Bio-Laden teure Tees. Und trotzdem reicht es mit zwei Kindern am Ende des Monats vorn und hinten nicht. Als sie dann ihre Arbeit verliert, weil sie unbezahlten Urlaub nimmt, um im Krankenhaus bei ihrem Sohn zu sein, bricht alles zusammen. Bald hat sie eine neue Arbeit: Mit dem Profil einer schönen, jungen Studentin soll sie nichtsahnende Männern auf einer Datingplattform lange in der Leitung halten. Weiter zur Rezension:    Ein verlassenes Haus von Lisa Wölfl