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Richtig Sehen & locker Skizzieren von Eckard Funck - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing




Richtig Sehen & locker Skizzieren 

von Eckard Funck


Im Grunde hat mir das Buch recht gut gefallen. Ein paar Abstriche muss ich allerdings machen, denn es ist kein Buch für Anfänger. Ein Buch für Anfänger, unter diesem Aspekt bewerte ich, sollte nicht gleich damit anfangen, den Zeichner zu belehren:

Meine Grundausstattung besteht lediglich aus einem Stift, keinem Bleistift, sondern einem Fineliner, Filzstift … Der Einsteiger, der mit dem Bleistift zu arbeiten beginnt, wird auch immer einen Radiergummi in der Nähe liegen haben. Aber durch das ewige Ausbessern einer Zeichnung leidet das Papier sehr stark …


Ansprache an den Anfänger

Richtig - auch richtig, dass die Strichführung ihre Lebendigkeit verliert. Das allerdings setzt eine lockere Hand voraus. Und hierfür verwendet Herr Funck genau eine Seite! Da war ich recht irritiert. Ich rate jedem, der noch nie gezeichnet hat, zunächst Lockerungsübungen zum Zeichen zu machen. Die Wahrnehmung schulen, ein wichtiges Thema, und hier finden wir Anregungen zum Skizzieren von Bäumen, Dachziegeln – richtig von falsch zu unterscheiden (Anfängerfehler). Aber auch dies Kapitel ist mir zu kurz. Anstatt der großflächigen Fotos aus den Kursen, wären ein bisschen mehr Übungseinheiten wichtiger gewesen. Wer sich am Anfang unsicher fühlt, darf sicherlich mit dem Bleistift zart vorzeichnen – und wenn das Papier darunter leidet – macht nichts – aller Anfang ist ja schwer.

Der Autor empfiehlt, sich am Foto zu üben. Das finde ich gut. Man kann sich voll auf sein Motiv konzentrieren, ist nicht irritiert durch die Veränderung von Licht und Schatten, sonstige Veränderungen, Wind, Sonne, gaffende Leute usw. Und – man kann ein Raster anlegen, wie hier, mit einer Folie. Leider benutzt der Autor die Folie lediglich dazu, um auf dem fertigen Bild die Proportion zu kontrollieren. Warum weist er nicht darauf hin, dass der Anfänger das grobe Raster als Orientierungshilfe zart auf das Papier malen darf? – Ach ja – Bleistift verboten – wir dürfen nicht radieren.


Grundzüge zur Perspektive fehlen

Nun gibt es wieder feine Fotos aus den Kursen. Wir befinden uns draußen in der Landschaft. Im Buch hinten ist ein Motivsucher beigelegt, das ist löblich. Motiv in Augenhöhe suchen. Viele Fotos … Und nun kommt für mich der didaktische Knacks im Buch. Das Thema Perspektive fehlt. Die Erde ist keine Scheibe und das wird deutlich, wenn wir in der Landschaft in die Ferne blicken. Horizont, Fluchtpunkt, das wichtigste Thema beim malen von Landschaft und Urbanem. Uppps – was ist denn hier passiert? Lautet der Untertitel des Buchs nicht: »Praxisnah perspektivisch zeichnen lernen«? Immerhin zeigt uns der Autor die Linienbestimmung an Hand von Tricks, wie dem Halten des Bleistifts, eine gute Sache.

Damit Ihre Skizze nicht ›angemalt‹ aussieht, gehen Sie mit dem farbigen Pinsel ruhig auch einmal über die Linie und bewegen Sie sich außerhalb der vorgegebenen Linien.

Und wo bleiben die Grundlage zu Farben und Aquarell?

Und nun geht es an das Skizzieren selbst. Linienbestimmung, eine wichtige Lektion im urbanen Skizzieren, gut gelöst. Linien, Schraffierungen, das Bild ist fertig skizziert. Jetzt geht es in die Farbe – Farbe, Pinsel, Wasser – bunt. Es wird nebenbei Aquarell- und Wasserfarbe erwähnt. Die Grundsätze der Aquarellmalerei, Pigmente, Farbmischen – alles das fehlt.

Skizzieren gut dargestellt

Fazit: Wer sich erstmalig mit dem Zeichnen beschäftigt, liegt mit diesem Buch falsch. Kennt man sich mit Perspektive und Aquarell bereits ein wenig aus und möchte mit dem Skizzieren beginnen, dann kann ich das Buch empfehlen. Das Skizzieren ist gut dargestellt und man kann hier eine Menge lernen. Von der Didaktik her ist das wieder so ein Buch, das weder Fisch noch Fleisch ist. Am Anfang wird gezeigt, was ein Anfänger falsch macht, Bäume, Dachziegel wie ein Kind zu malen – klassische Anfängerlektüre. Aber dann geht es gleich in die Vollen, weder Anschauliches zu Naturstrukturen, Lockerungsübungen wird geübt, die Perspektive mit Horizont und Fluchtpunkt (das Wichtigste!) wird weggelassen, zu Farbe und Pinsel kein Ton und, das Aquarellieren wird vorausgesetzt. Was soll es sein? Anfängerbuch oder Anleitung für Erfahrene?



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