Direkt zum Hauptbereich

Nüsse haben kurze Beine von Benas Bėrantas und Vilija Kvieskaitė - Rezension

Rezension 

von Sabine Ibing



Nüsse haben kurze Beine 


von Benas Bėrantas und Vilija Kvieskaitė


Auf der Innen und Abschlussseite werden uns die Protagonisten per Steckbrief vorgestellt, klasse. Auf dem Balkon hängt ein Korb voller Nüsse, Mama ist nicht zu Hause. Eine kann man doch wohl probieren, meint Eichhörnchen Ecki zu seinem Freund Rabe Knirps. Der hält das für keine gute Idee. «Lass uns jeder eine probieren», schlägt Ekki vor. Eine und noch eine, bald ist der Korb leer und die beiden haben runde Bäuche. Und ein wenig Bauchgrummeln. Ecki ist sorglos, dreist, Knirps ist der Mahner, der aber trotz dauerndem schlechten Gewissen mitläuft. Mama ist verärgert, die Nüsse sind fort, fragt die Jungs. Ecki weiß was passiert ist: «Die hat Frau Fuchs genommen. Wir haben es selbst gesehen!» In seiner Angst bestätigt Knirps die Aussage. Hinterher hat er ein schlechtes Gewissen. Ecki keineswegs, der übrigens Geburtstag hat. Am Abend trudeln die Gäste ein, bringen Geschenke. Doch sie sind enttäuscht, weil es keine Torte gibt. Jemand hatte Mama die Nüsse geklaut. Rettend kommt Füchsin Hasel um die Ecke, eine Nusstorte in der Hand, fragt die Kinder, ob sie nicht etwas zu sagen hätten …




Auf jeder Seite finden wir Hasel versteckt, die das ganze Geschehen beobachtet. Nun fliegt alles auf, Ecki und Knirps beichten ihre Missetaten. Ecki ist beschämt, und verspricht der Mama nie wieder zu lügen. Die Geschichte ist schön, prägnante Sätze, witzige Dialoge, alles altersgerecht. Doch das Ende verstößt gegen die Moral von Kindern. Die Nüsse aufzuessen ist eine Sache. Aber in der Lüge, eine andere Person zu beschuldigen, das wiegt hoch, gerade bei Kindern. Keine Entschuldigung gegenüber Hazel! Gibt man Kindern und auch Jugendlichen die Möglichkeit, Strafen vorzuschlagen (Kindergarten, Schule, Zeltlager), erlebt man die wildesten Vorschläge, die kaum einem Erwachsenen einfallen würden. Kinder urteilen hart. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kind darüber hinweggeht, wie milde die Strafe für Ecki und Knirps ausgeht. Ein Dudu und das war es? Aber dieses Ende öffnet natürlich die Diskussion. Empörung? Warum? Was würdest du tun, wenn du die Mama wärest? Was überhaupt ist eine Lüge, eine hammerfeste? Was sind Notlügen? Was sind Höflichkeitslügen? Du darfst nicht lügen – das wird von den Eltern eingetrichtert. Aber täglich lügen auch die Eltern … Ein Thema, dass man mt Kindern im Alter von 4-5 Jahren gut besprechen kann. Die Grafiken von Vilija Kvieskaite sind rechneranimiert. Der Frühling wird durch sattes Grün und typische Blumen, wie Tulpen, angedeutet. Hier wird objektgerichtet gearbeitet, sich nicht in Einzelheiten ausgelassen. Die Hintergründe stehen in milchigen Tönen, der Vordergrund in kräftigen Waldtönen. Schön auch, wie es vom Tag in die Dämmerung geht, in die sternenbehangene Nacht.





Benas Bèrantas arbeitete fünf Jahre in einem Verlag, in dem er viele schöne Kinderbücher lesen durfte. Es kam der Tag, an dem er nicht mehr länger nur lesen, sondern auch eigene Kinderbücher schreiben wollte. Nüsse haben kurze Beine ist sein Kinderbuchdebüt. Er lebt und schreibt in Vilnius, wo er nicht nur als Autor, sondern auch als selbstständiger Literaturagent und Übersetzer arbeitet.
Vilija Kvieskaite  ist Grafikdesignerin und kommt aus Vilnius. Ihre kreative Ader lebt sie beim Designen, Modeln, Anfertigen von Accessoires wie Broschen von Waldtieren und natürlich beim Illustrieren von Kinderbüchern aus. Nüsse haben kurze Beine ist ihr erstes Bilderbuch.


Benas Bėrantas, Vilija Kvieskaitė 
Nüsse haben kurze Beine
Original: Riesutortas, 2017
Übersetzt aus dem Litauischen von Saskia Drude,
Bilderbuch
Magellan Verlag, 2019, Hardcover, 32 Seiten, 25,0 x 26,0 cm
ab 3 Jahren

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Doppeltes Spiel von K.L. Slater

  Ein luxuriöser Wolkenkratzer mit dem Namen Orbit, in dem die Reichsten der Reichen zusammenkommen: hier arbeitet die attraktive Alicia als Kellnerin. Als der charismatische Eigentümer des Orbit ihr das Angebot macht seine Freundin zu spielen und dafür ein großzügiges Gehalt zu erhalten, in seinem riesigen Apartment im Orbit zu wohnen, nimmt sie an. Immerhin ist es nur ein Spiel, denn er braucht eine Begleitung, will sich vor den vielen Frauen schützen … bis das Spiel plötzlich mehr zu sein scheint. Langweilig, uninteressant, voller Klischees, sprachlich kraftlos – mehr muss ich nicht sagen.  Weiter zur Rezension:   Doppeltes Spiel von K.L. Slater 

Rezension - Königin der Nacht – Ein kurzes Buch über meine Mutter von Lukas Bärfuss

Nach «Vaters  Kiste» hat Lukas Bärfuss nun in einem autobiografischen Essay mit dem Leben seiner Mutter abgerechnet. «Eine Mutter ist, was man nicht loswird. Auch nicht mit dem Tod.» 1971 in Thun geboren, die Mutter wohnt eher allein mit ihrem Sohn, bzw. mit vielen Männern. Lukas Bärfuss wächst im Rotlichtmilleu auf; seine Mutter war eine Frau ohne Bildung, die von ihrem Freiheitsverlangen getrieben wurde, in das der Sohn nicht hineinpasste. Tagsüber reinigte sie in einem Autohaus die Wagen, die aus der Reparatur kamen, am Abend stand sie an einer Rotlicht-Bar. Als sie älter war, arbeitete sie als Putzfrau und in einer Wäscherei. Der Junge war nie gewollt, so wurde er auch behandelt – als Rabenmutter titulierte sie sich sogar selbst. Eine Mutter, die ihn hat sitzen lassen in seiner Kindheit und ein System, das dieses Kind hängenließ. Ein wundervolles Buch, schnörkellos geschrieben, das sehr zu Herzen geht. Weiter zur Rezension:    Königin der Nacht – Ein kurzes Buch ...

Rezension - Lázár von Nelio Biedermann

  «Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeiten.», so wird von ihm geschrieben. Nelio Biedermann schreibt mit 20 Jahren sein erstes Buch und das Manuskript geht in die Versteigerung – die Verlage überbieten sich, es wird in 20 Sprachen verkauft, man redet über ein sechsstelliges Vorschusshonorar – über den neuen Thomas Mann . Uff. Ich war gespannt. Mich konnte der Familienroman nicht überzeugen – leider. Weiter zur Rezension:    Lázár von Nelio Biedermann

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Rezension - Generation Glücklich: Dein Handbuch für mehr Spaß und Freiheit in einer Welt voller Bildschirme von Jonathan Haidt und Catherine Price

Stell dir vor, du wächst auf in einer Welt voller Smartphones , Likes und endlosem Scrollen, als wäre das Handy an der Hand festgewachsen. Das Handy ist das Erste, was du morgens, und das Letzte, was du abends anschaust – ganz schön viel für ein Kind, oder? «Generation Glücklich» richtet sich an Kinder zwischen 9 und 12 Jahren, die genau in dieser Welt ihren eigenen Platz finden wollen – ohne sich dabei virtuell selbst zu verlieren. Medienkompetenz , Selbstsicherheit, Selbstständigkeit im Umgang mit Medien – Fallstricke kennenlernen, Mechanismen auf Social Media verstehen an Hand von Comics und Übungen. Zu verstehen, wie Social Media funktioniert und wie sie das Gehirn verändert . Empfehlung!  Weiter zur Rezension:     Generation Glücklich: Dein Handbuch für mehr Spaß und Freiheit in einer Welt voller Bildschirme von Jonathan Haidt und Catherine Price

Recherche - Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton

  Die 12-jährige Bo Delafort ist eine «Schlammschwalbe» – Menschen die an der Themse leben, arbeiten als Schlammsucher, sie graben im Schlamm nach kleinen Schätzen und Angeschwemmtem, was man verwerten kann. Als Bo eine schimmernde Münze im Schlamm des Flusses findet, meint sie, der Fluss würde mit ihr sprechen. «Du wirst nicht verlieren …» raunt er ihr zu. Aber was bedeuten die Worte? Eine insgesamt spannende Fantasy ab 12 Jahren mit Tiefgang. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton

Rezension - Die Unbehausten von Barbara Kingsolver

  Gesprochen von Vera Teltz Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer 16 Std. und 23 Min. Die amerikanische Mittelschicht geht am Krückstock – sehr fein beschrieben in diesem Roman. Alles scheint herum um Willa Knox zusammenzubrechen: Als freie Journalistin steht sie ohne Aufträge da. Ihren Job hatte sie verloren, weil kaum noch Zeitungen gekauft werden. Ihr Mann Iano verliert seine Professur, Sohn Zeke, als Absolvent der Harvard Business School der große Hoffnungsträger der Familie, ist gerade Vater geworden; seine Frau jedoch kurz nach der Geburt Suizid verübt hat. Und ihr schwerkranker Schwiegervater schwärmt vom «Megafon», der gerne Präsident werden möchte, dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Doch dann erbt Willa von ihrer Tante ein Haus, und das Haus könnte ihre Rettung sein. Weiter zur Rezension:   Die Unbehausten von Barbara Kingsolver

Rezension - Meine Geschichten von Mutter und Tochter von Katharina Greve

  Woran ich zuerst bei der ersten Geschichte denken musste, war « Vater und Sohn » von Erich Ohser , der Comicstrip-Klassiker   – und richtig, Mutter und Tochter lesen eins dieser Bücher, amüsieren sich köstlich. Kleine witzige Alltagsgeschichten als Comic, Bilder ganz ohne Worte. Das Geld ist knapp und ein Restaurantbesuch ein Fest. Blöd, wenn der arrogante Kellner einen dann beharrlich ignoriert. Mutter und Tochter geben nicht klein bei, sondern lassen sich kurzerhand von einem Boten Pizzen ins Restaurant liefern. Der Abend ist gerettet – und der Kellner ziemlich sauer. Eine alleinerziehende Mutter hat es nicht leicht, weil sie nicht viel Geld hat. Aber dieses Team hat trotzdem viel Spaß, dank Kreativität – und mit ihnen der Lesende. Ich hatte jedenfalls genauso viel Freude wie damals bei den Jungs. Der Comic ist Allage – aber bereits ab 12 Jahren sich ein Vergnügen! Weiter zur Rezension:    Meine Geschichten von Mutter und Tochter von Katharina Greve 

Rezension - Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling

  Gesprochen von Marc-Uwe Kling Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer, 6 Std. und 27 Min. Die Känguru-Werke, Band 5  Neues vom Känguru! Der Kinderbuchautor (Kleinkünstler Richtung Comedy im Zweitberuf ;-) ), Marc-Uwe Kling und das Känguru rebellieren: bissig, politisch und brandaktuell. Scharfzüngiger Humor, pointierte Gesellschaftskritik und jede Menge Lacher mit dem Aufruf zur Rebellion. Scharf auf die aktuelle Politik geschaut und analysiert – Comedy mit Niveau und mit Haltung. Empfehlung! Weiter zum Verlag:    Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling 

Rezension - Zuhause auf der Klippe von Magali Franov

  Hoch oben auf der Klippe steht ein kleines Haus. Wenn die Farben des Sommers verblassen, spürt das Haus tief im Inneren einen Wunsch. Es schaut den Vögeln zu, die in den Süden ziehen, sehnt sich nach mehr. Wie ist es wohl, so frei zu sein? Wie fühlt es sich an, nicht allein zu sein? Eine berührende poetische Geschichte von Sehnsucht und dem Gefühl, zuhause zu sein. Mit poetisch-gefühlvollen Illustrationen von Magali Franov - einfach zauberhaft! Klasse Bilderbuch ab 4 Jahren. Das Kinderbuch wurde mit Recht für den Serafina 2025 nominiert – dem renommiertesten Nachwuchspreise für Illustration in Deutschland , ebenso für die ORF KIDS-Bestenliste gewählt. Weiter zur Rezension:    Zuhause auf der Klippe von Magali Franov