Direkt zum Hauptbereich

Mama von Hélène Delforge und Quentin Gréban - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Mama 

von Hélène Delforge und Quentin Gréban


Nimm den Finger aus der Nase.Doch, doch, Mama sieht dich!Ja, auch wenn sie dich gerade nicht ansieht.Mama sieht dich immer.

Ein Bildband, Bilderbuch, ganz egal, wie man es bezeichnet, es ist eine Hommage an alle Mütter dieser Erde. Bereits das Cover zieht hinein. Es gibt das Gerücht, dass Mutterliebe im Herz jeder Frau liegt, das kann ich aus beruflichen Gründen nicht bestätigen  – eine positive. Aber glücklicherweise ist meist so, dass zwischen Mutter und Kind eine Bindung besteht, die über die Nabelschnur hinausgeht. Für deine Mutter bleibst du immer ein Kind, eine Mutter wird immer auf dich achten, dir zur Seite stehen. Sie wacht über dich – überwacht dich auch mal. Sie will alles wissen, manchmal zuviel, aber sie möchte doch nur sehen, dass es dir gut geht. Mütter verteidigen ihre Kinder – wenigstens einer der zu dir hält. Mütter opfern sich für ihre Kinder. Mütter tragen Verantwortung für ihre Kinder. Mütter finden ihre Kinder schön, so wie sie sind. Mütter haben Geduld, auch wenn es nicht immer klappt, sie bemühen sich. Wenn es um ihre Kinder geht, mobilisieren Mütter Kraft wie zehn Pferde. Mütter wollen immer das Beste für dich – aus ihrer Sicht. Mütter verzeihen. Kinder gehören uns nicht.

Montag ist Brokkolitag.›Ich hab keinen Hunger mehr.‹›Ein Löffel für Mama …‹›Dann iss du ihn doch, wenn er für dich ist!‹›Lass das … Ein Löffel für Papa!‹›Der mag das ach nicht.




Die Autoren ziehen um die Welt, zeigen Mütter aus allen Kontinenten und sie sind Zeitreisende. Warum bist du entstanden? Ein Zufall, wie ich deinen Vater traf ... »Mein Bauch war dein Haus.« Schwangerschaft, Stillen, kleine Kinder, große Kinder. Ein Bild zeigt eine traurige Frau mit einem Lamm auf dem Schoß, das sie mit einem Fläschchen füttert, nachempfunden einer Marie-Antonette. Im Text erfährt man, dass man der Marquise nach der Geburt das Kind weggenommen hat, eine Amme zieht es nun groß. »Sie sind eine Dame.« Und auf dem nächsten Bild steht eine Frau mit einem Säugling auf dem Arm im Kornfeld. Der Text:

Auf Wiedersehen, junger Vater.Du bist vor der Erntezeit geflohen. Wir waren zwei.Du hast das Feld geräumt.Nun sind wir wieder zwei.Am Horizont ein Silberstreif.In meinem Arm die Zukunft.Sie schläft.



Kinder nerven, »Vampire, Blutsauger, Zeiträuber …« – aber ihre Mütter lieben sie. »Ich wollte Ärztin werden, aber dann bist du gekommen.« Viele Situationen aus dem Leben gegriffen. Hélène Delforge schreibt schön, frei von jeglichem Kitsch. Es ist ein Buch für Mütter, für Frauen. Und damit dieses Buch etwas besonders wird, hat Quentin Gréban seine Zeichnungen dazugegeben. Und die haben mich wirklich überwältigt. Die besten Zeichner, Cartoonisten, Grafiker kommen aus Belgien oder Frankreich, was auch dieses Buch beweist. Mehr geht nicht! Diesen Bildband sollte jede Mama Geschenk bekommen.



Die Altersangabe vom Verlag hat mich irritiert: ab 4 Jahre. Natürlich kann man sich mit Vierjährigen das Buch anschauen und einige wenige Passagen lesen. Aber die Texte sind weniger für Kinder geschrieben, sondern eindeutig für Erwachsene. Texte über das Stillen in der Öffentlichkeit und die Länge der Stillphase usw. interessieren sicher keine Kinder. Die Grafiken sind wunderschön. Aber auch die sind nicht für Kinder gezeichnet. Ein Kinderbuch ist es für mich eindeutig nicht.

Als Kind wollte Hélène Delforge immer Künstlerin sein. Nach dem Studium der Sprachen und

Literatur wurde sie dann doch Lehrerin, Journalistin und Schriftstellerin. Auf ihrem Computer hat sie neben tausenden Fotos ihrer Liebsten auch unzählige Artikel gespeichert. Und dann gibt es noch diese geheimen Dokumente - unfertige Geschichten, versteckte Drehbücher und vergessene Buchstaben, die sie einst tippte.

Quentin Gréban wurde 1977 in Belgien geboren und studierte Illustration am Institut Saint-Luc in Brüssel. Seit 1999 ist er als Illustrator tätig und hat bereits mehr als 45 Kinderbücher veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Im Jahr 2000 erhielt er die renommierte Auszeichnung »Prix Saint-Exupéry«.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gabriela Kasperski - Was sind Regiokrimis?

In diesem Beitrag zum Thema, Krimis und Thriller - eigentlich ein kunterbuntes Genre, geht es um ein typisch deutsches Subgenre: Der Regiokrimi. Gabriela Kasperski schreibt selbst in diesem Bereich und hat sich Gedanken dazu gemacht, war etwas erstaunt, was Wikipedia dazu zu erklären hat. Gibt es überhaupt einen Regiokrimi? In irgendeinem Ort muss eine Geschichte schließlich spielen – und sei es auf dem Mond.

Meine Definition sieht so aus: Wie für jeden anderen Krimi braucht es für einen Regiokrimi vielschichtige Figuren, einen Plot mit überraschenden Wendungen und eine Auflösung, die alles nochmal in Frage stellt. Es braucht eine passende Atmosphäre und ein überzeugendes Setting.
Neugierig? Hier geht es zum Artikel:   Was sind Regiokrimis? - von Gabriela Kasperski

Deutscher Kinder- und Jugendbuchpreis 2020 - Nominierungen

Am 16. Oktober 2020 wird auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Kinder- und Jugendbuchpreis 2020 vergeben. Die Nominierungen stehen fest. Wir sind gespannt, wer gewinnt.
Einige der nun Nominierten habe ich bereits rezensiert, und ihr findet sie hier:

BilderbuchAusflug zum Mond von John Hare   Noch ein Bilderbuch, in das ich mich verliebt habe … Ohne Worte erzählen die Zeichnungen die intensive Geschichte von einem Jungen, der zum Mond fuhr, und dort vergessen wurde. Die erste Seite der Erzählung ist das Cover, denn dort sieht man Kinder (wohl eine Schulklasse) ein Shuttle besteigen. Ein Bilderbuch, das kei ne Sprache benötigt, um eine intensive Geschichte zu erzählen. Das Kind, der Mann im Mond – ganz viele …

Weiter zur Rezension:   Ausflug zum Mond von John Hare


Dreieck Quadrat Kreis von Mac Barnett und Jon KlassenDrei zusammengehörige Bilderbücher zum Thema Formen, Freundschaft und Ängste. Riesige spricht nicht aus mir. Aber lest selbst, es klemmt für mich an vielen Ecken.

Weiter…

Rezension - Einsiedeln von Silvia Götschi

Einsiedeln, Kanton Schwyz, bekannt durch das Kloster Einsiedeln Eine zerstückelte Leiche im Sihlsee und ein Hinweis zum Benediktinerorden … Welche Verbindung gibt es zum Kloster? Oberleutnant Valérie Lehmann fischt mit ihrem Team zunächst im Trüben. Ein spannender Krimi aus der Schweiz.

Hier geht es zur Rezension:   Einsiedeln von Silvia Götschi

Rezension - Das Holländerhaus von Ann Patchett

Eine amerikanische Familiengeschichte über den Aufstieg eines kleinen Mannes. Cyril Conroy kommt durch Fleiß zu Geld und stolz erwirbt das sogenannte Holländerhaus, eine Prunkvilla. Cyril ist besessen von dem Haus. Die Kinder lieben den großen Pool. Seine Frau Elna hatte Cyril nicht gefragt, ob sie das Haus haben möchte. Und sie fühlt sich unwohl in der pompösen Villa mit all dem Zeug, das Fremden gehörte, dem Hauspersonal. Eines Tages ist Elna verschwunden. Sie ist nach Indien gegangen, erklärt Cyril seinen Kindern Maeve und Danny. Ein paar Jahre später heiratet Cyril die junge Witwe Andrea Smith, die ebenso in das Haus vernarrt ist. Als Cyril früh verstirbt, schmeißt sie die Kinder aus dem Haus, denn sie hatte es geschafft, per Testament zur Alleinerbin zu werden. Das Haus wird Maeve und Danny nie loslassen. Immer wieder kehren sie zurück, um es vom Auto aus zu beobachten. Der Roman ist in Ordnung, Unterhaltungsliteratur. Mir fehlte Spannung, denn er zieht sich wie ein gespannter F…

Rezension - Bretonisch mit Meerblick von Gabriela Kasperski

Ein urlaubsträchtiger Regiokrimi mit Charme! Die Mieten in Zürich sind teuer. Tereza Berger, vierzig, geschieden, die Kinder sind ausgezogen, erbt von ihrer Tante eine Villa in der Bretagne, auf der malerischen Halbinsel Crozon. Die Gelegenheit, sich in eine Wabe in Zürich einzukaufen. Nach Frankreich reisen, verkaufen – sich in Zürich mit dem Erlös einkaufen – so der Plan. Die sogenannte Villa entpuppt sich als neobretonische Bruchbude an der Dorfstraße von Camaret-sur-Mer. Von wegen Meerblick! Den kann man nur aus dem Dachfenster genießen. Kein Wasser, Stromleitung gekappt, die Treppe ist morsch. Als ein Kölner Künstler ihr ein phänomenales Kaufangebot macht, ihr einen Scheck für die Anzahlung über den Tisch reicht, rückt die Wabe in Zürich wieder näher. Der attraktive Severin füllt Teresa ab. Am nächsten Morgen liegt er tot am Strand, Teresa kann sich an nichts mehr erinnern. Sie gerät unter Mordverdacht.

Weiter zur Rezension:   Bretonisch mit Meerblick von Gabriela Kasperski

Rezension - Palmen am Nordpol von Marc ter Horst und Wendy Panders

Alles über den Klimawandel Ein solches Buch habe ich mir gewünscht! Hier erfährt man sachkundig und unterhaltsam alles über den Klimawandel. Es beginnt mit der Eiszeit. Die Ursachen des Klimawandels bis hin zu den Auswirkungen auf die Natur, Tiere und Menschen werden in diesem Buch gut dargestellt – und Lösungen werden aufgezeigt, das Klima wieder in die richtige Bahn zu lenken, auch die kleinen Dinge, die jeder für sich selbst berücksichtigen kann. Ein Buch für alle, denen die Zukunft der Erde am Herzen liegt, und die nicht nur mitreden, sondern auch handeln wollen. Ein wichtiges Sachbuch mit wissenswerten Fakten für Kinder ab 10 Jahren.

Weiter zur Rezension:   Palmen am Nordpol von Marc ter Horst und Wendy Panders

Rezension - Romane schreiben und veröffentlichen für dummies von Axel Hollmann und Marcus Johanus

Ein wirklich guter Ratgeber für Schreibanfänger! Kurz und bündig, verständlich, angereichert mit Tipps. Das Buch kann ich jedem empfehlen, der vorhat, einen Roman zu schreiben und sich Gedanken über Strukturen macht – was ja auf jeden Fall auch machen sollte. Schreiben, organisieren, Hardware und Software, Figurenbildung, Prämisse, plotten, Dreiakter, Heldenreise, sprachliches, bis hin zur Vermarktung, alles drin.

Weiter zur Rezension:    Romane schreiben und veröffentlichen für dummies von Axel Hollmann und Marcus Johanus

Rezension - Ada und die Zahlenknackmaschine von Rachel Katstaller und Zoë Tucker

Dieses Bilderbuch erzählt die Geschichte von Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, besser bekannt als Ada Lovelace, die Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen mit ihrem Freund Charles Babbage ein komplexes Rechenprogramm entwickelte. Sie nannte es »Analytical Engine«. Es war der erste Computer auf der Welt und die Erfindung leitete das Computerzeitalter ein. Sie war die Tochter des berühmtesten englischen Literaten Lord Byron. Die Programmiersprache Ada wurde ihr zu Ehren so benannt. Doch kaum ein Mensch kennt Ada Lovelace. Das soll sich mit diesem Buch ändern.

Weiter zur Rezension:  Ada und die Zahlenknackmaschine von Rachel Katstaller und Zoë Tucker

Rezension - Richtig Sehen & locker Skizzieren von Eckard Funck

Wer skizzieren lernen will, liegt richtig. Allerdings ist es kein Buch für Anfänger, auch wenn es nach dem ersten Kapitel den Anschein gibt. Grundlagen in der Perspektive, Farbenmischen und dem Aquarellieren sollte man mitbringen.

Weiter: Richtig Sehen & locker Skizzieren von Eckard Funck

Rezension - Das Meerbuch

Herausgegeben von Matthias Reiner mit Illustrationen von Quint Buchholz Die Geschichten und Gedichte in dem vorliegenden Band sind prima. Doch ein bisschen fühle ich mich an der Nase herumgeführt. Meer! Ich hatte Texte erwartet, die direkt etwas mit dem Meer zu tun haben, mit literarischen Naturbeschreibungen, Nature Writing. Marie Luise Kaschnitz, Daniel Defoes Robinson, J.W. Goethe, Homer, Thomas Mann, Ingeborg Bachmann, Christian Morgenstern, Paul Celan, fantastische Schriftsteller, gute Kurzgeschichten – nur das Meer als Thema kommt zu kurz. Die Bilder von Quint Buchholz gefallen mir. Doch auch sie verlieren im Pocketformat ihre Wirkung.

Weiter zur Rezension:   Das Meerbuch