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Live Fast. Eat Well. von Denise Renée Schuster - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Live Fast. Eat Well. 


von Denise Renée Schuster

Powerfood für alle, die viel vorhaben


Ich habe frisches und tiefgekühltes Gemüse gekauft, gekochte Kichererbsen in der Dose, Thunfisch, vorgekochten Reis, Feta, Obst, Joghurt, Kräuterquark, Nüsse, Essig und Olivenöl. All das habe ich im Kühlschrank meines Hotelzimmers.

Zu Anfang des Buchs geht es seitenlang um Organisation und Grundlagen des Kochens. Das ist sicher für Anfänger interessant. Einerseits soll man Zeit sparen, andererseits für alles einen Plan machen … Diese Tipps sprechen nur ganz junge Leute an. Ich erfahre, dass ich Zeit spare, wenn ich plane und einmal die Woche einkaufe, nicht jeden Tag von Neuem loslaufe. Während der Autofahrt Bahnfahrt kann ich Podcasts oder Hörbücher hören, Bücher lesen, so mit Zeit sparen. Je kleiner ich Gemüse schneide, so schneller wird es gar. Wer hätte das gedacht! Aber es gibt auch gute Tipps, die vielleicht nicht jeder kennt. Hülsenfrüchte garen länger, wenn man das Wasser salzt, kürzer, wenn man etwas Natron ins Kochwasser gibt. Hokaido und grünen Spargel braucht man nicht zu schälen. Gut. Aber weißer Spargel hat einen ganz anderen Geschmack, ebenso andere Kürbissorten – unverständlich diese Aussagen. Man kann Reis 30 Minuten kochen oder Schnellreis nehmen. Klar, doch der Schnellreis ist ein wärmebehandelter, vorgegarter Reis, der wieder getrocknet wird. Er ist in der Regel ärmer an Geschmack und Mineralstoffen! Der Hinweis darf in einem Kochbuch nicht fehlen, insbesondere, wenn es um gesunde Ernährung geht! Und es gibt merkwürdige Tipps: Mann soll Energie sparen, keine Frage. – Im nächsten Satz folgt der Tipp, Wasser im Wasserkocher vorzukochen, weil es auf dem Herd im Topf länger dauert. Es folgt das Übliche über gesunde Ernährung. Auf der einen Seite skandiert die Autorin darüber, dass ernährungswissenschaftlich nichts gegen Gluten spricht (sie verträgt es halt nicht). So weit so gut. Unter «Don’ts» (Tipps, was man unterlassen sollte) rät sie dann ab, unterwegs beim Bäcker zu kaufen, weil es dort wahrscheinlich nur Weizenmehl gäbe. Dann war sie wahrscheinlich noch nie in einer Bäckerei. Was soll man im Vorrat haben, welche Geräte braucht man, wie geht man einkaufen, wie lagert man, taut auf, folgt als Nächstes. Und nun folgen Essenspläne. Bis hierhin ist das Kochbuch etwas für unorganisierte Kochanfänger, ein Buch, das man seinem Kind schenkt, wenn es auszieht. Hier gibt es keine neuen Einsichten, alles hundertmal niedergeschrieben – allerdings widerspricht sich die Autorin auf mehreren Ebenen am laufenden Band.




Alle Rezepte sind frei von Industriezucker und Weizen, die meisten sind glutenfrei, viele laktosefrei, vegetarisch oder vegan.

Endlich, dachte ich auf Seite 27 – Rezepte! Warum glutenfrei das wird nirgends begründet. Alles was nun zum Frühstück angeboten wird, ist gut, nahrhaft und sättigend – allerdings aufwenig und es sind ziemlich große Portionen. Für den Morgenmuffel ist das nichts. Es gibt ebenfalls Brotbackrezepte für Haferbrot, Körner-Nussbrot und Low-Carb-Brot, vegane Brotaufstriche, diverse Porridgegerichte. Weiter geht es zu Snacks zwischendurch: Balls aus Hülsenfrüchten, Süßkartoffel-Maisbrot, Brezen, Kräutercracker, eingelegtes Gemüse. Es folgen Rezepte für Mahlzeiten, die man unterwegs gut essen kann oder die gut vorzubereiten sind. Suppen, Salate, Brätlinge, ein Linsencurry, das man in großer Menge kocht und über mehrere Tage essen kann. Hier sind eine Menge leckere Rezeptvorschläge zu finden. Weiter geht es an die schnellen Gerichte. Fritata mit Süßkartoffel und Spinat, sehr lecker! Bei den Zucchinispaghetti mit Mango ist sogar Putensteak dabei! Es gibt gute Rezepte, die üblichen mit Blumenkohl, Auberginen und Hirse, stammend aus der arabischen Küche – und einige sind asiatisch angehaucht, wie ein Salat aus Reisnudeln mit Gurken, Erbsenschoten und Tofu. Es gibt sogar Kabeljau- und Lachsrezepte. Danach folgt Süßes, basierend auf Früchte und Nüsse und am Ende ein paar feine Rezeptideen um Freunde einzuladen.




Gesunde Ernährung ist auch im durchgetakteten Alltag machbar!

Alle Rezepte sind gut gewürzt, arabische Grundgewürze, Tahin, sowie asiatische Grundlagen wie Sojasoße, Fischsoße, Limetten. Moderne Weltküche. Die Rezepte sind prima und einfach nachzukochen. Die Frühstücksrezepte sind sättigend und lecker, aber aufwendig in der Herstellung, ebenso wie die zum Mitnehmen – von wegen «live fast». Mir persönlich wären die Frühstücksrezepte zu mächtig und zu zeitaufwendig früh morgendes vor der Arbeit. Neben der Zubereitung des Abendessens müsste man die Mitnehmrezepte vorbereiten, andere morgendes zubereiten. «Fast» würde ich das nicht nennen. Die Rezepte sind prima, keine Frage. Ich zweifle an der täglichen Anwendung wie beschrieben.




Fleisch und Fisch verwende ich nur in bester Qualität aus artgerechter Haltung.

Aber auch in den Rezepten widerspricht sich die Autorin gewaltig. Ich erinnere: «Alle Rezepte sind frei von Industriezucker und Weizen, die meisten sind glutenfrei, viele laktosefrei, vegetarisch oder vegan.» Das ist eine Einstellung – prima – konsequente, bewusste Ernährung, daufschauen, was man isst. Doch hier wird mit Kokosöl gearbeitet, Thunfisch, Kabeljau und Lachs kommen auf den Tisch! Genau diese Fische stehen auf der Liste derer, die man nicht mehr essen soll. Kokosöl enthält über 80 Prozent gesättigte Fettsäuren, also just jene Fettsäuren, die es nach offiziellen Ernährungsempfehlungen zu meiden gilt. Und Pute! Tiere, die auf hohes Gewicht gezüchtet werden, dass sie kaum noch stehen können, die 24 kg Schlachtgewicht in 22 Wochen Lebenszeit auf die Waage bringen. Und es gibt einige Hähnchengerichte - dazu braucht man wohl nichts weiter sagen. Kein Wort darüber, wo man Fleisch aus artgerechter Haltung herbekommt, wie man dies prüfen kann. Auf dem Einkaufszettel Wochenmarkt steht Fleisch und Fisch. Den gibt es nicht überall und er hat zu Zeiten geöffnet, zu denen arbeitende Menschen keine Zeit für den Einkauf haben. Es wird Einkauf, Lagerung, Kochequipment unnötigerweise bis in die letzte Kühlschrankritze erklärt, der Zeigefinger bezüglich Zucker, Weizen und Laktose hochgehalten – es wird vegan gekocht, weil man bewusst isst, doch bei der Umsetzung trifft man genau auf die Zutaten, die einer bewussten Ernährung entgegenstehen. Ich bin kein Vegetarier, aber es hat mich total amüsiert, wie hier gegen den eigenen erhobenen Zeigefinger in der Praxis agiert wird. Anstatt über Apps mit Zeitmanagent, To-do-Listen, «effizient sporteln» zu schreiben, hätten ein paar Tipps zu Fleisch und Fisch das Buch bereichert, Gleiches beim Einkauf. Bei den «Don’ts» wäre es wunderbar gewesen, aufzuschreiben, welche Lebensmittel man nicht verwenden sollte, z.B. Kokosöl, Avocados, anstatt mir zu erklären, nicht beim Bäcker zu kaufen, weil es dort nur Weizenmehl und Zucker gäbe. Schauen wir ganz hoch zum ersten Zitat: Welche Dinge legt sich die ernährungsbewusste Autorin in den Hotelkühlschrank (Thunfisch)? Viele Hotels haben keinen Kühlschrank im Zimmer. Und wenn eine Minibar vorhanden ist, passt in der Regel nicht viel hinein. Meine Erfahrung: Ich räume die Bar aus, lege meine Wasserflasche und Joghurt hinein, und nachdem das Zimmermädchen geputzt hat, stehen meine Flasche und die Joghurt wieder draußen. Ich beschwere mich, am nächsten Tag passiert das gleiche. Siehe Zitat oben: Die Autorin schleppt einen halben Rucksack voll Lebensmittel im Reisegepäck heran. Schweres Reisegepäck! Ich wäre dankbar für den Tipp gewesen, wie man das auf Reisen (außer mit dem Auto) transportiert und kühlt und wie man Hotels mit großen Kühlschränken findet – oder das Zimmermädchen davon abhält, nicht alles auszuräumen. Das wäre mal lebenspraktisch gewesen! Wer gute Rezepte ohne bzw. mit wenig Fleisch sucht, wird hier fündig. Die Tipps sind für junge Menschen ab 15 Jahren, wer ein wenig Küchenerfahrung hat, kann das Kapitel überlesen. Die Tipps widersprechen sich in sich selbst und eben auch dem Rezeptteil. Wer die Moral mit Worten hochhält, muss sie auch leben.


Denise Renée Schuster ist professionelle Food-Fotografin und -Bloggerin. Sie lebt in Düsseldorf und ist in der ganzen Welt unterwegs, um neue kulinarische Eindrücke zu sammeln und spannende Rezepte zu entwickeln. Die 34-Jährige hat einen Bachelor- und Masterabschluss in Kommunikations-, Medien- und Marketingmanagement und kennt die Herausforderungen des modernen und schnellen Lifestyles durch ihre Karriere in der Management-Beratung. Denise arbeitet seit fünf Jahren freiberuflich für bekannte Magazine und große Kunden der Food-Branche. Sie berät Food-Unternehmen zu ihren Social-Media-Strategien und Influencer-Relations, hält Workshops und organisiert Blogger-Events.



Denise Renée Schuster 
Live Fast. Eat Well.
Kochbuch, gesunde Ernährung, vegane Ernährung
224 Seiten, mit 91 Fotos
Becker Joest Volk Verlag, 2019

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