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König der Bären von Vanessa Walder - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



König der Bären 


von Vanessa Walder

Das geheime Leben der Tiere (Wald, Band 2) 


Der Anfang: 

Noch lagen die Berge tief vergraben unter meterdicken Schneeschichten. Sogar die Bäume waren weiß ummantelt, als hätte die Welt vergessen, dass es auch Farben gab. Selbst die Geräusche schienen wie verpackt. Außer dem Pfeifen des Windes und dem gelegentlichen Schrei eines Greifvogels herrschte Stille.


In der Buchreihe «Das geheime Leben der Tiere – Wald» (es gibt noch andere Lebensbereiche) erfahren die Kinder eine Menge über die Lebensweise des jeweiligen Tiers und den Lebensraum, in dem es sich bewegt. In diesem Fall geht es um Grizzlybären. Im Ersten Band, «Die weiße Wölfin», die übrigens auch einen kurzen Auftritt in diesem Buch hat, wurde der Lebenszyklus eines Wolfs von der Geburt bis zum Lebensende geschildert. In diesem erzählenden Sachbuch erleben wir ein Jahr im Leben eines Bären – das erste Jahr einer Bärin und das eines uralten Giganten.




Das kleine Grizzly-Mädchen Scout und ihr Bruder Way wurden von ihrer Mutter während des Winterschlafs geboren. Sie wachte nicht einmal auf – schob im Schlaf die beiden Babys an ihre Brust. Etwas größer geworden machen sie ein wenig Blödsinn in der Höhle. Glücklicherweise können sie nicht hinaus, da der Eingang durch eine Eiswand verschlossen ist, die wie eine Fensterscheibe wirkt. Es ist Zeit aufzuwachen. Die Mutter durchstreift mit den Kindern die nordamerikanischen Wälder auf der Suche nach Futter. Drei Jahre wird sie auf ihre Jungen aufpassen, dann wird sie sie verstoßen. Fleisch gibt es erst im dritten Jahr zu fressen. Bis dahin wird die Mutter zurückgezogen mit den Kindern leben, denn die Babys sind Beute für einige Tiere – sogar für Grizzlys! Denn die fressen alles. Besonders gefährlich sind männliche Bären, erklärt die Mutter, vor denen muss man sich in Acht nehmen. 


Der Wind hatte sich gedreht. Er blies ihr nun direkt ins Gesicht ... Es war nicht der Gigant. Scout hörte auf zu atmen. Es war gar kein Grizzly. Es war eine andere Art von Bär. Dieser Bär war ganz bestimmt nicht mit Scout verwandt. Dieser Bär würde bestimmt kein Problem damit haben, ein Grizzly-Junges zu fressen.


Am Meer zeigt die Mutter, wie man Muscheln knackt und auslutscht. Lecker, Scout hat ihr Lieblingsessen gefunden. Die Mutter warnt vor dem Meer und der Flut. Nicht hineingehen, man kann nicht hinüberschwimmen, wie über Flüsse. Und sie erzählt von den Lachsen, das beste Bärenessen. Aber dazu sind Scout und Way noch  zu klein. Zum Lachessen wird sie die beiden im dritten Jahr führen – denn dort ist es gefährlich unter der alten Bären, die sich alle einen Futterplatz erkämpfen. Und wer keine Lachse abbekommt, der ist bestimmt an kleinen Bären interessiert ... 


Der letzte Gigant, der König der Bären, war erwacht.


Tapsige Bären ... Way hat nicht auf die Flut geachtet und steht nun draußen auf der Sandbank! Die Grizzly-Mama brüllt und stürzt sich ins Meer, um den Jungen zu retten ... Doch plötzlich ist die Mutter aus der Sicht, Scout muss sich vor den Fluten retten. Sie rennt herum, ruft, aber die Mama ist weg, von der Flut mit Way abgetrieben. Parallel haben wir als Lesende einen alten Grizzly kennengelernt, einen starken, knurrigen alten Mann, den Giganten – somit in das Leben eines erwachsenen Bären hineingeschnuppert. Scout trifft auf ihn, hat keine Angst, denn ohne einen Erwachsenen kann sie nicht überleben. Der Kerl brüllt sie an. Aber sie heftet sich vorsichtig auf Abstand an seine Fersen und lernt so einiges von ihm: wie man Eichhörnchen beklaut, welche Pflanzen man essen kann, und sie folgt ihm zum Lachessen. Langsam akzeptiert der Alte seinen kleinen Schatten. Doch dann gerät Scout an ein Rudel Wölfe! Sie jagen die kleine Bärin, die sich auf einen jungen Baum flüchtet. Ganz schön wacklig im Geäst. Die Wölfe schaffen es nicht hinauf auf den Baum, doch sie legen sich darunter. Geduld ist alles bei der Jagd! 


Der Wind trug die Gerüche zu ihm in die Bärenhöhle hoch oben auf den Gipfeln, wo er schlief. Sie erzählten dem ruhenden Riesen von Kiefernzapfen, die aromatisch und durchdringend rochen, obwohl sie von fleißigen Eichhörnchen vergraben worden waren. Von den Nadeln der Bäume, die in der Sonne ihre ätherischen Öle preisgaben. Von den Wurzeln der frischen Büsche und Sträucher und den neuen Knospen auf halbem Weg ins Tal. Büffelbeeren, Prachthimbeeren und Süßklee regten sich schon unter der Taugrenze. Ein leises, kaum vernehmbares Versprechen kam von den Meereswellen – auf Fisch: frischen, köstlichen Fisch, ohne den die größeren Grizzlys kaum genug Fettreserven anlegen konnten, um den Winter zu überstehen.


Wir haben es hier mit zwei Perspektiven zu tun, die Sicht des Giganten und die von Scout. Baby und erwachsener Bär. Ein spannendes erzählendes Sachbuch, das uns die Natur näherbringt – und fast ohne Kitsch. Vanessa Walder erklärt im Nachwort, dass es solch eine Gemeinschaft von Bären in der Natur niemals geben wird. Sie hat die Geschichte so konstruiert, um zu zeigen, wie Bären leben, was sie fressen, wie sie jagen und sogar in der Lage sind, Heilkräuter zu erkennen und zu nutzen. Die Verdauungsorgane des Giganten benötigen besonderer Pflege – im Speziellen nach dem Aufwachen im Frühling. Wundervolles Nature Writing fließt wieder bei Vanessa Walder ein, was den Bändern einen feinen literarischen Zwischenton gibt. Im Vergleich zu «Die weiße Wölfin» kann dieser Band in der Spannung nicht ganz mithalten. Wölfe haben eben ein gefährlicheres Leben. Der Vergleich, ok – aber allein gestellt ist auch dieser Band wieder hervorragend gelungen, um Kindern die Welt der Tiere näherzubringen. Die Illustrationen von Simona M. Ceccarelli sind naturalistisch, passen sich gut ins Bild ein. Am Ende des Kinderbuchs gibt es weitere Infos zu Grizzlybären. Der Loewe Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 8 Jahren. Das passt für mich. Empfehlung!



Vanessa Walder wurde 1978 in Heidelberg geboren und wuchs in Wien auf. Mit Erscheinen des ersten Bandes der Serie «sisters» machte sie sich 2001 als Schriftstellerin selbstständig. Seitdem sind vor allem im Loewe Verlag viele Bücher und Serien erschienen, die in 27 Sprachen übersetzt wurden. Die Autorin schreibt außerdem Drehbücher für Kinofilme und lebt seit 2008 in Berlin.



Vanessa Walder
König der Bären
Das geheime Leben der Tiere (Wald, Band 2) 
Illustrationen von Simona M. Ceccarelli
Kinderbuch, Erzählendes Sachbuch, Natur, Grizzlybären
Hardcover, 208 Seiten
Loewe Verlag, 2022
Altersempfehlung: ab 8 Jahren



Die weiße Wölfin von Vanessa Walder und Simona M. Ceccarelli

Ein heftiger Sturm tost durch das Flusstal, als fünf Wolfswelpen geboren werden. Die Jüngste ist eine winzige Wölfin. Ausgerechnet sie hat enormen Mut und nimmt sich vor, die allergrößte Jägerin zu werden. Eine Leitwölfin obendrein! Sie erhält vom Rudel den Naman «Fünf». Ein Rabenschwarm begleitet stetig das Rudel, denn sie weisen den Weg zur Beute, eine Teamarbeit. Der Rabe Raak ist der beste Freund von Fünf. Eine spannende, realitätsbezogene Tiergeschichte zum Leben der Wölfe! Empfehlung für Leseanfänger ab 8 Jahren!

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Minik - Aufbruch ins weite Meer von Antonia Michaelis
Im Spätsommer macht sich der kleine Seehund Minik sich auf den Weg in die Ostsee, einem geheimnisvollen inneren Klang folgend. Gleich lauert die erste Gefahr auf ihn. Er landet in einem Fischernetz. Ein Buckelwal namens Lottazwei hilft ihm heraus, und er wird dem Freund mehr als einmal das Leben retten. Die Ostsee ein gruseliges Gebiet für die Tiere, sie steckt voller Gefahren, die zumeist von Menschen ausgehen. Hier wird versucht, eine Geschichte zwischen Sachinformationen zum Umweltschutz zu quetschen und die Erzählung geht verloren – ein Kinderbuch, das runterzieht – das geht gar nicht für mich. Ein gut gestaltetes Sachbuch wäre besser gewesen. In diesem Kinderbuch mangelt es an allen Ecken ... leider. Ab 8 Jahren

Weiter zur Rezension:   Minik - Aufbruch ins weite Meer von Antonia Michaelis


Als das Meer bebte von Rosanne Parry 

Tauch mit mir ab in die Salische See, hinunter in die Lebenswelt einer Schwertfisch-Familie. Dies ist auf der einen Seite ein spannender Kinderroman, andererseits ein erzählendes Sachbuch. Denn in die Geschichte ist eine Menge Wissenswertes über Wale eingeflochten. Das Orca-Mädchen Wega soll einmal die Wegfinderin ihrer Familie werden, soll die Familie leiten, sie zu den Futterstätten führen. Haiattacken, Begegnungen mit anderen Walen, ein Seebeben, usw. ... ein packendes Tierabenteuer! Erzählung und Sachinformation sind hervorragend verknüpft. Eine Geschichte, bei der man sich in die Tiere hineinversetzt und so etwas über ihre Probleme zu erfahren: Hunger durch Überfischung, verschmutzte Meere, Klimawandel, der Lärm der Schiffe schadet ihrem Orientierungssinn usw. Ein klasse Kinderbuch ab 9 Jahren, das ich unbedingt empfehle!

Weiter zur Rezension:   Als das Meer bebte von Rosanne Parry 




Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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