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Im Aufwind der Macht von Wolfgang David - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Im Aufwind der Macht 


von Wolfgang David 


Die schweren Wagen waren für den sandigen Boden ungeeignet, die hölzernen Fahrzeuge der Einheimischen wiederum zerbrachen, wenn man sie überlud. So kam es, dass schon in Polen requiriert werden musste und wo es an Strenge fehlte, geplündert wurde.


Der spätere sächsische Kavalleriegeneral Johann Adolf von Thielmann ritt 1812 im Russlandfeldzug von Kaiser Napoleon I. an vorderster Front, als Generalmajor führt er die sächsische Kürassier-Brigade. Der Feldzug endet im Fiasko. Der von seinem Idol enttäuschte Major wiurde von Friedrich August I., König von Sachsen, zum General ernannt und mit dem Wiederaufbau der sächsischen Armee betraut. Später verweigerte er dem Kaiser den Befehl, als Napoleon mit einer neuen Armee in Sachsen aufmarschierte. Eine Entscheidung wurde unausweichlich ...


Auch wegen der kürzlich aufgedeckten Verschwörung musste er zurück.  ... Schließlich die Deutschen, die auf dumme Gedanken kommen konnten, wenn sie erfuhren, was dem Unbesiegbaren widerfahren war: Ihnen und dem Teil Europas, der noch nicht von der spanischen Krankheit angesteckt war, galt es rasch vor Augen zu führen, dass die Niederlage im Osten nichts, aber rauch nichts an den Machtverhältnissen änderte.


Ich habe mich durch das Buch durchgeknabbert. Historisch penibel genau berichtet Wolfgang Davids über die Schlacht bei Borodino, den Brand von Moskau und vom Grauen des chaotischen Rückzugs. Napoleon lies sich gemütlich in Moskau nieder, weil er glaubte, den russischen Zaren besiegt zu haben – doch das war eine Falle. Der Zar sammelte seine Armee, baute sie neu auf und schlugt Napoleon mit Übermacht in die Flucht. Sehr genau, Schritt für Schritt begleitet der Autor Johann Adolf von Thielmann auf dem Schlachtfeld, berichtet, was er erlebt, hört, denkt; eine Menge von Personen kommen ins Spiel, Meter für Meter der Stellungen, Befehle werden abgearbeitet. Mit den fiktiven Figuren, dem Maler Pakosz und dem Unteroffizier Gentsch, kann der Autor Nebenschauplätze erfassen, an denen von Thielman nicht zu gegen ist – erfasst so das ganze Feld. Ich lese gern historische Romane und Sachbücher. Bei diesem hatte ich meine Mühe mit dem Detailwissen, wobei historische Begriffe gut recherchiert sind und man einen genauen Einblick in die Ereignisse erhält. Meine Anerkennung für das Fachwissen im Detail! Doch es ging mit persönlich an vielen Stellen zu sehr in das Minutiöse. Das Soldatenleben – Überleben – und die brutale Gewalt der Schlachten sind gut dargestellt, real, der Wirklichkeit entsprechend – ein völliges Chaos im Feld, bei dem niemand mehr alles überblicken kann. Finger fliegen durch die Luft, Gedärme quellen aus Körpern, Pferde brechen zusammen, begraben Menschen, Köpfe werden halbiert. Von Thielmann, der Napoleon bewunderte, wurde nach diesem Feldzug zum Kritiker. Napoleon Bonaparte forderte von Sachsen den Bau einer Festung an der Elbe, um eine militärische Basis für seinen Russlandfeldzug zu erhalten: die Festung Torgau. Später, als Kommandant der Festung Torgau von Sachsen hat von Thielmann dem Kaiser und Verbündeten deren Übergabe verweigert, denn der König von Sachsen verpflichtete ihn zu strenger Neutralität. Somit saß von Thielmann zwischen den Stühlen. August von Sachsen hatte bis dato mit Napoleon paktiert und war gut damit gefahren. Sein Land hatte sich bereichert, hatte keine Schlachten mit Napoleon zu bestreiten gehabt. Doch nun, da August die Macht des Franzosen bröckeln sah, versuchte er, sein Land neutral zu halten, es unter den Schutz Österreichs zu stellen, das sein eigenes Süppchen kochte, um sich herauszuhalten; wobei mittlerweile Preußen gemeinsam mit Russland gegen den Kaiser paktierte. Ein politisches Ränkespiel, bei dem am Ende der König von Sachsen seinem eigenen Kommandeur von Thielmann in den Rücken fiel. Ein interessanter historischer Roman, der starken Sachbuchcharakter besitzt. Wer an detaillierten Beschreibungen auf dem Schlachtfeld interessiert ist, wird hier seine Freude finden. Wer eher einen erzählenden Roman bevorzugt, kommt nicht so sehr auf seine Kosten.


Als er begriff, dass ihm die Rolle eines Wellenbrechers zugedacht war, erfasste ihn Zorn. Während die Franzosen die Trümmer ihrer Armee reorganisierten, sollte er sich mit seinem Häuflein, die sichere Niederlage vor Augen, den vorrückenden Russen entgegenwerfen.


Wolfgang David, geboren 1948, studierte Kulturwissenschaften und Soziologie an der Universität Leipzig, danach Forschungsstudium mit Promotion und Lehrtätigkeit an Universitäten in Berlin und Bratislava sowie der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Zwischenzeitlich ist er Museumsdirektor, lebt in Dresden und arbeitet freier Autor, publiziert vor allem Romane und Kulturpublizistik.



Wolfgang David 
Im Aufwind der Macht
Historischer Roman, Johann Adolf von Thielmann, 1812 Russlandfeldzug, Kaiser Napoleon I., Friedrich August I., König von Sachsen, Völkerschlacht bei Leipzig, Festung Torgau
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 558 Seiten
Salon Literaturverlag, 2021




Historische Romane und Sachbücher

Im Prinzip bin ich an aller historischer Literatur interessiert. Manche Leute behaupten ja, historisch seien Bücher erst ab Mittelalter.  Historisch - das Wort besagt es ja: alles ab gestern - aber nur was von historischem Wert ist. Was findet ihr bei mir nicht? Schmonzetten in mittelalterlichen Gewändern. Das mag ganz nett sein, hat für mich jedoch keine historische Relevanz.  Hier gibt es Romane und Sachbücher mit echtem historischen Hintergrund.
Historische Romane


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