Direkt zum Hauptbereich

Erebus von Michael Palin - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Erebus 


von Michael Palin 

Ein Schiff, zwei Fahrten und das weltweit größte Rätsel auf See
Gesprochen von Gert Heidenreich
Ungekürztes Hörbuch Spieldauer: 12 Std. und 18 Min.


Anfang 1. Kapitel: 

7. Juni 1826, Pembroke, Wales. Wir schreiben das sechste Jahr der Regentschaft von George IV., dem ältesten Sohn von George III. und Königin Charlotte. Er ist dreiundsechzig Jahre alt, mit einer zänkischen Frau verheiratet, pflegt einen obszön extravaganten Lebensstil und zeigt Interesse an Architektur und den schönen Künsten. Robert Jenkinson, 2. Earl of Liverpool, ein Tory, ist seit 1812 Premierminister. Die Zoological Society of London wurde soeben gegründet. Britische Forscher sind auf der ganzen Welt unterwegs, nicht nur in der Arktis. Alexander Gordon Laing erreicht im August des Jahres Timbuktu, wird aber nur einen Monat später ermordet, weil er sich weigert, dem Christentum abzuschwören. Im Norden von Wales werden derweil zwei Meisterwerke des Ingenieurwesens gefeiert: Die Menai Bridge und die Conway Bridge gehören zu den ersten Hängebrücken weltweit und werden im Abstand von wenigen Wochen eröffnet.


Die HMS Erebus war eines der wichtigsten Forschungsschiffe ihrer Zeit, ihre Expeditionen galten als bahnbrechend. Im Jahr 1848 verschwand sie spurlos in der Arktis - erst 2014 wurde sie vor der Nordküste Kanadas gefunden. Mit präziser Genauigkeit wird in diesem erzählenden Sachbuch die Geschichte dieses Schiffs erzählt, beginnend mit dem Bau bis hin zu dem Zeitpunkt, als das verschollene Schiff fast 200 Jahre später aufgefunden wird. Michael Palin, Monty-Python-Star, selbst Weltreisender, erzählt und die Geschichte. Bis sich die HMS Erebus 1845 unter der Führung von Sir John Franklin mit 134 Männern, zusammen mit dem Schwesterschiff der HMS Terror, auf den Weg ins arktische Eis auf Forschungsfahrt begibt, werden viele Jahre ins Land gehen. Das Ziel Franklins war es, die Nordwestpassage zu finden - ein Seeweg von Europa nach Asien, in den Handel und Marine große Hoffnungen setzten.


Akribisch recherchiert und ausführlich dargestellt

Michael Palin beschreibt aber nicht nur die Geschichte der Erebus, sondern nebenbei auch Orte, die von der Erebus und der Terror besegelt wurden, die er selbst beuchte, und er berichtet von seinen Eindrücken und den Veränderungen bis in die heutige Zeit. Die Abschweifungen hätte er meines Erachtens weglassen können. Das ist Geschmacksache. Es geht hier ausschließlich um die Erebus und die Menschen, die auf diesem Schiff segelten. Das ist akribisch recherchiert und ausführlich dargestellt. Denn bis es zur Franklin-Expedition in die Arktis kommt, vergeht eine Zeit. Nach ihrer Fertigstellung zum Kriegsschiff fand sich für die Erebus nämlich zunächst keine Verwendung. Der Anfang kommt daher auch trocken und zäh voran. Doch wer sich durchknabbert kommt dann in einer spannenden Geschichte an. Forschung und Wissenschaft bestimmten die Zeit, die Arktis wurde erforscht und hierfür schien die Erebus ideal. Palin schiebt Zitate aus Tagebüchern und Logbüchern ein, führt uns in die viktorianische Zeit. Hartes Seemannsleben, erste Forschungen zu Skorbut, ein entbehrungsreiches Leben an Bord, Beinahe-Katastrophen waren an der Tagesordnung.


Verschwunden heißt noch lange nicht verstorben!

Lady Jane Franklin war die treibende Kraft, um die beiden Schiffe für die geplante Expedition für ihren Mann zu erhalten – ein langer Prozess. Schließlich war das Geld vorhanden, die Schiffe wurden für die Arktis umgebaut und mit Proviant bestückt, die Mannschaft ausgesucht. Drei Winter verbrachten sie im Eis, brachten eine Menge Forschungsergebnisse nach Hause, erzählten von unglaublichen Abenteuern. James Clark Ross unternahm unter anderem 1839 mit den Schiffen HMS Erebus und HMS Terror eine Expedition zum Südpol; nach ihm benannt das Ross-Schelfeis. Ross entdeckte am 11. Januar 1841 unter 71° 15′ südlicher Breite ein Land mit hohen Schneegebirgen, dem er den Namen Süd-Victorialand gab, benannte auf einer davor liegenden Insel (Ross-Insel) zwei Vulkane nach seinen Schiffen: Mount Erebus und Mount Terror. Am 19. Mai 1845 startete die Franklin-Expedition zur Entdeckung der Nord-West-Passage. 1848 wurde Ross mit den Schiffen Enterprise und Investigator auf die Suche nach den verschollenen Schiffen gesandt, doch wegen hohen Eisgangs musste er wieder umkehren. Lady Franklin beteiligte sich mit ihrem Privatvermögen an diversen Suchaktionen und erhöhte unter anderem die Belohnung für die Rettung oder Aufklärung des Schicksals der Männer auf 10.000 Pfund Sterling. Die fünf Rettungsexpeditionen kosteten sie fast ihr gesamtes Vermögen. Neun Jahre nach dem Auslaufen der Erebus und Terror erklärte die Royal Navy Franklin und seine Männer offiziell für tot. Etwas, was seine Frau nicht akzeptieren wollte. Was genau im Eis geschah, beruht heute auf einer Mischung späterer Funde, wissenschaftlicher Erkenntnisse und Spekulationen. Dies ist ein ausführliches erzählendes Sachbuch, das uns die viktorianische Zeit nahebringt, die Seefahrt und damalige Forschungsreisen. Es fängt Stimmungen an Bord ein, Begegnungen und es ist ein sehr gut recherchiertes Dokument. Aber genau das muss man mögen. Wer eine schlichte Abenteuergeschichte sucht, liegt hier falsch.


Sir Michael Palin, geboren 1943 in Sheffield, war Mitglied der britischen Komikergruppe Monty Python und ist bekannt aus zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen. Er hat mehrere Reiseberichte, Romane und Tagebuchbände veröffentlicht und vielbeachtete Reisedokumentationen gedreht. Von 2009 bis 2012 war er Präsident der Royal Geographical Society, 2013 wurde er zum BAFTA Fellow ernannt, Ende 2018 von Queen Elizabeth II zum Ritter geschlagen. Er lebt in London.



Michael Palin
Erebus
Ein Schiff, zwei Fahrten und das weltweit größte Rätsel auf See
Gesprochen von Gert Heidenreich
Ungekürztes Hörbuch Spieldauer: 12 Std. und 18 Min.
Aus dem Englischen übersetzt von Rudolf Mast
Erzählendes Sachbuch, John Franklin, Nordwestpassage, Arktis, Nordpol, James Clark Ross 
BONNEVOICE Hörbuchverlag, Audible, 2021
mare Verlag, 2019, 400 Seiten



Sachbücher

Hier stelle ich Sachbücher vor, die im Prinzip nichts mit Fachliteratur zu tun haben. Eben Sachbücher jeder Art, die ein breites Publikum interessieren könnte.
Sachbücher

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada

Am 08.11.2019 war ich zu einer Mischung aus Lesung und Definition des Begriffs Kriminalliteratur in St. Gallen in der Wyborada zu Gast, im Literaturhaus & Bibliothek in St. Gallen in der Frauenbibliothek und Fonothek Wyborada. Else Laudan sprach zum Thema Kriminalliteratur, erzählte ihren Weg mit ihrem freien Verlag Ariadne, ein Verlag, der ausschließlich literarische Kriminalliteratur von Frauen veröffentlicht. Weiter zum Artikel:    Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada 

Rezension - Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler

  Mischa und Nits sind beste Freunde. Mischa liebt die Poems von Nits. Und der bewundert Mischa, weil er schlau ist und ein wandelndes Lexikon über Tiere zu sein scheint. Lügen geht gar nicht, so Nits Überzeugung. Darum fragt er sich, warum Mischa dem Lehrer weismachen will, er hätte eine Chlorallergie, als der Schwimmunterricht beginnt – Nits erzählt er, die Badehose sei von Mäusen angefressen worden. Überhaupt scheint Mischa in Schwierigkeiten zu stecken – doch wohl eher sein Vater ... Nits betritt in dieser Familie plötzlich eine völlig andere Welt – die der Armut. Aber das ist ein Unterthema – Mischas Vater ist untergetaucht; Mischa und Nits werden ihn nicht im Stich lassen – aber das könnte gefährlich werden ... Spannung, Humor und ein wenig Tragik machen das Buch zu einem Leseerlebnis. Meine Empfehlung ab 11 Jahren für diesen exzellenten Kinderroman.  Weiter zur Rezension:    Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler 

Rezension - Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

  Der Sommer, in dem Motte ein U-Boot fand, fing ziemlich normal an. Langweilig sogar. Doch auf einmal liegt das Schicksal der ganzen Stadt in ihren Händen. Es sind Ferien, aber Mottes Mutter muss arbeiten, einen Urlaub könnten sie sich nicht leisten. Sie ist als Personalcoach unterwegs: Mode, Schminke, Sport, Gesundheit, Ernährung. Und genau das interessiert Motte so gar nicht. Am Kai zeigt ihr Lukas das Metallfischen – ein perfektes Hobby für Motte, die neben schwarzer Kleidung das Unperfekte an Dingen liebt. Sie kauft sich einen Magneten zum Metallangeln. Vielleicht kann man sich etwas verdienen, wenn man Altmetall zur Altmetallhändlerin bringt; sie sammelt ihre ersten Schätze, die die Mutter eklig findet. Plötzlich hängt etwas ganz Großes an der Angel! Spannender Kinderroman ab 9/10 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

Rezension - Chronisch gesund statt chronisch krank von Dr. med. Bernhard Dickreiter

Von der Schulmedizin bis heute ignoriert: Die wahren Ursachen der chronischen Zivilisationskrankheiten – und was man dagegen tun kann Noch nie hat es so viele chronisch Kranke gegeben wie heute: Arthrose, Diabetes, Alzheimer, Rückenleiden, Krebs, Burnout usw. Der Internist, Reha-Experte und Ganzheitsmediziner Dr. med. Bernhard Dickreiter ist überzeugt, dass diese Patienten selbst aktiv etwas dagegen unternehmen können. Sein Standpunkt: Wir müssen alles dafür tun, damit es den Zellen in unserem Organismus gut geht. Jede Zelle ist von einer organtypischen Umgebung eingeschlossen, in die sogenannte extrazelluläre Matrix (EZM). Dort zieht die Zelle ihre Nährstoffe, den Sauerstoff, und hier entsorgt sie ihre Abfallstoffe. Ist die Zellumgebung nicht gesund, werden wir krank. Die Schulmedizin bekämpft meist nur Symptome: Schmerzen – Schmerztablette. Die Ursachen werden oft nicht hinterfragt, bzw. operabel versucht zu beheben: neues Knie, neue Hüfte usw. Dickreiter geht ganzheitlich vor. ...

Rezension - Inspektor Mouse und der Gang in die Tiefe von Caroline Ronnefeldt

  Der Miezcedes steht unter der Katzanie. Sekretärin Mimi Stubenrein, Prokurist Kralle, Syndikus Tigerius Seidig, Kasimir Bart, Präsident Puschel, Sergeant Fischgrät … die Karthäuser Bank, ein mit Kratzbaumholz getäfelter Flur, ein von schweren rauchgrauen Samtportieren umrahmtes Bogenfenster, ein Tresor der Firma Schleicher & Söhne … Der Jugendkrimi ab 14 Jahren hat mich in seiner Wortspielerei und Atmosphäre anfänglich beeindruckt. Mit viel Humor, gespickt mit literarischen Anspielungen, ermitteln in Kratzburg Katzen mit krallenscharfem Verstand! So der erste Eindruck. Leider konnte mich der Katzenkrimi trotz allem nicht ganz begeistern, schon gar nicht als Jugendliteratur.  Weiter zur Rezension:    Inspektor Mouse und der Gang in die Tiefe von Caroline Ronnefeldt

Rezension - Die kleine Spitzmaus von Akiko Miyakoshi

Die kleine Spitzmaus lebt ganz allein ein ziemlich strukturiertes Leben, funktioniert wie ein Uhrwerk. Jeden Morgen dieselben Rituale: Frühstück, ab zur Arbeit, wo die fleißige Angestellte ihren Job macht. Vom Morgen bis zum Abend ein strenger Zeitplan. Es gibt nur wenig Abwechselung. Die Maus ist mit diesem Leben zufrieden, lebt im Einklang mit ihrem Rhythmus. Die Geschichte beschreibt die japanische Lebensphilosophie Ikigai , die das Glück im Kleinen sucht und findet. Bilderbuch ab 5 Jahren, Empfehlung. Weiter zur Rezension:    Die kleine Spitzmaus von Akiko Miyakoshi 

Rezension - Ist Oma noch zu retten? von Marie Hüttner

  Ein herrlich spaßiger, spannender Kinderkrimi! Mit Papa und seiner neuen Flamme in die Berge zum Wandern oder zu Oma Lore. Keine Frage! Bei der fetzigen Lore ist es immer lustig. Jetzt sitzt Pia aber seit über einer Stunde auf dem Bahnhof, ohne dass Oma sie abgeholt hat. Sehr seltsam. Omas Haus ist nicht weit entfernt; und so macht sich Pia mit ihrem Rollkoffer auf den Weg. Niemand öffnet die Tür! Durch ein offenes Fenster gelangt sie hinein. Doch Oma bleibt verschwunden. Die Detektivarbeit beginnt … Ein Pageturner, ein Kinderroman, eine waschechte Heldenreise, ein rasanter Abenteuerroman und nervenkitzelnder Kinderkrimi ab 8-10 Jahren. Unbedingt lesen!  Weiter zur Rezension:   Ist Oma noch zu retten? von Marie Hüttner

Rezension - Was uns Angst macht: Bilderbuch von Fran Pintadera und Ana Sender

  Wie man die Angst loswird, indem man sie annimmt - ein zartes Bilderbuch, das zum gemeinsamen Gespräch über Angst als Teil des Lebens einlädt. Der Vater erklärt, dass wir alle manchmal Angst haben. Zum Beispiel vor dem, was wir nicht kennen, oder vor dem Alleinsein, vor der Dunkelheit, in Höhen …Angst umgiebt uns, wir müssen nur lernen, damit umzugehen. Klasse Bilderbuch ab 4 Jahren, das zu Gesprächen anregt.  Weiter zur Rezension:   Was uns Angst macht: Bilderbuch von Fran Pintadera und Ana Sender

Rezension - Urknall: Livs und Iggys unglaubliche Reise durch die Evolution von Reidar Müller, Sigbjørn Lilleeng

  Die Geschichte des Lebens als Comic-Abenteuer Wie begann das Leben auf der Erde ? Welche Tiere lebten vor den Dinosauriern ? Und wie entstand der Mensch ? Diese großformatige Graphic Novel nimmt junge Leser mit auf eine faszinierende Zeitreise durch die Geschichte des Lebens . Liv fährt mit dem kleinen Saurier Iggy ungefähr 4.567 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit, zum Urknall, zur Ursuppe – und Iggy erklärt Liv die Evolution und sie reisen zurück Step by Step. Komplexen Fragen werden in der Graphic Novel kindgerecht erklärt. So lernen schon kleine Weltentdecker, dass das Leben aus vielen Facetten besteht. Wissens-Comic ab 8 Jahren. Klare Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Urknall: Livs und Iggys unglaubliche Reise durch die Evolution von Reidar Müller, Sigbjørn Lilleeng