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Die Siedlung von Su Turhan - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing




Die Siedlung 

von Su Turhan


Der erste Satz: Gebt uns das Baby zurück! Heise, du Schwein!‹, schwingt Josef Stielers Stimme durch die nasskalte Luft.

»Die Zukunft ist smart - sicher ist sie nicht.« Endlich mal ein anderes Thema im Crimebereich – die Bezeichnung Thriller vermeide ich lieber bei diesem Buch. Ich war sehr gespannt und interessiert. Letztendlich war es auch das, was mich bis zum Ende des Romans durchhalten ließ, obwohl ich mehr quergelesen habe. Schade. Der Spannungsbogen hält sich auf einer Nulllinie und die Zusammenhänge waren mir nicht ganz einsichtig. Eine smarte Siedlung namens »Himmelhof« vor Augsburgs Toren ist der Handlungsort. Mit Armbändchen und Chip ist man in diesem groß angelegtem Areal völlig sicher. Eingezäunt und bewacht mit Schule, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten, gelegen an einem wunderschönen See, umgeben von netten Nachbarn, lässt es sich hier gut leben. Wer in »Himmelhof« lebt, fährt elektronisch mit autonomem Auto, braucht keine Schlüssel. Hausroboter sorgen im Smarthome für Sauberkeit und gewaschene Wäsche, der Einkauf kommt per Lore ins Haus, wird einsortiert, kleine Dinge liefern Drohnen, alles verpackungsfrei. Ein eigenes Müllrecycling existiert auch … Eindringlinge werden sofort erkannt, denn wer kein Armbändchen trägt, wird sofort vom System erfasst. Stinkende Autos müssen vor den Pforten bleiben und Besucher werden registriert, erhalten Besucherbändchen. Ein himmlischer Ort, denn hier kann man seine Kinder noch frei herumlaufen lassen.

Protagonisten und Handlung bleiben flach

Sie ist schlank, blondhaarig mit hell glänzender Haut. Er wird in der Regel auf fünfzig Jahre geschätzt, ein eleganter Geschäftsmann mit Kurzhaarschnitt.

Eines Tages ziehen Helen Jagdt und Edgar Pfeiffer als Besucher ein. Sie sollen die Siedlung undercover für einen Investor prüfen. Die Sache, die mit Edgar passiert, war für mich absurd und sie wird auf dem gegenpart der Handlung nicht auserzählt. Adam Heise ist der Schlüssel der Siedlung, denn er hat die Technik im Griff, sieht alles, weiß alles – der Herr der IT. Als Helen ohne Edgar auskommen muss, versucht sie, über Adam an das Geheimnis der Siedlung zu gelangen. Die sich daraus entwickelnde Lovestory war für mich nicht glaubhaft, wie so vieles. Das liegt an den Figuren, die nur äußerlich gestaltet sind, klischeehaft bleiben. Und weil an Persönlichkeit mangelt, handeln diese Protagonisten nicht nachvollziehbar. Die Siedlung besitzt natürlich ein Ärztezentrum. Und es gibt Frauen in der Siedlung, die behaupten schwanger zu sein. Die ärztliche Untersuchung kommt zu anderen Ergebnissen. Menschen sterben, verschwinden – was geht hier vor? Ein medizinisches Hightechlabor, versteckt in dieser Siedlung, wo man so eng miteinander kommuniziert – und keiner merkt es? Eine für mich nicht sehr durchdachte Idee. Und die Auflösung fand ich auch etwas fad. Ich hatte auch technische Raffinesse erwartet, Fantasie des Möglichen … Letztendlich gibt es alles schon, was hier beschrieben wird, also auch hier eher Langeweile.

Sprachlich für mich eine Katastrophe

Der Kaffeeduft führt ihn in die Küche zurück. Er greift die gefüllte Tasse. Nach einem kräftigen Schluck spürt er die Wirkung. Sofort und direkt. Wie eine wiederbelebende Injektion in den Herzmuskel. Die Kopfschmerzen sind weg. Mit einem Schlag. Er blickt in die Tasse. Schwarz und stark. Ein Koffeintorpedo. Die Maschine, freut er sich, hat einen unglaublich anregenden Kaffee gebraut. Er nimmt einen zweiten Schluck. Die Wirkung ist intensiver als die erste. Das Koffein bringt jede Zelle seines Körpers auf Trab. Euphorie ergreift ihn. Gute Laune überfällt ihn wie ein Sonderkommando. Er stürmt die Treppen hinauf in das Badezimmer.

Doch am meisten hat mich die Sprache verschreckt. So etwas mag ich persönlich nicht lesen. Von der ersten bis zur letzten Seite kurze ruckende Sätze, unendlich statisch. Der Sprachrhythmus erinnert an einen Traktor, erzählerische Kraft fehlt. Und eine Kritik ans Lektorat: Wenn euch die Sprache gefällt, dann ist es ok., aber bitte warum wimmelt es hier von Ausdrucksfehlern? »Der Porsche beschleunigt weich und rasant, während er Helen anlächelt. Der Motor brüllt wie ein aufgeschreckter Schimpanse.« Das ist nur ein Beispiel. Nach einem Drittel habe ich angefangen, quer zu lesen, immer querer, und selbst da sprangen mit solche Sätze auffällig entgegen. Falsche Fachausdrücke wie Gerichtsmedizinerin, gerichtsmedizinischen Institut runden das Profil ab. Ich frage mich ernsthaft, was sich der Piper Verlag bei diesem Buch gedacht hat – denn mich hat es auf jeder Linie völlig
enttäuscht.

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