Direkt zum Hauptbereich

Der Duft von Zimt & Zedern von Merijn Tol - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Der Duft von Zimt & Zedern 


von Merijn Tol

60 orientalische Rezepte aus der Levante-Küche Beiruts


Als ich das erste Mal in Beirut große Mezze-Platten voller duftender Köstlichkeiten serviert bekam, war ich völlig aus dem Häuschen. Tische voller fantastischer Gerichte, reich an Farben, Gerüchen und Geschmack.


Dieses Buch nimmt uns mit auf eine kulinarische Reise durch Beirut. Am Anfang gibt es den Tipp für die Vorratskammer, die meisten Zutaten sind gängig, insbesondere, wenn man die arabische Küche mag – aber nicht alle. Mahlab z.B. (es gibt einen Tipp, wie man die Zutat bekommen kann), Carobmelasse, Labneh (das man durch Naturjoghurt ersetzen kann), Sabah baharat, Pul biber, Freekneh – Dinge, die man in gut sortierten nahöstlichen Geschäften bekommen kann. Merijn Tol erzählt, wie sie nach Beirut gekommen ist und etwas Grundsätzliches zu der Stadt voller Kontraste. Ein kleines Wortlexikon in Libanesisch folgt, das mir hier wie eine Mischung aus Jiddisch und arabisch erscheint, mit ein paar lateinischen Einflüssen. Dann gibt es eine Liste von Namen von ein paar gängigen Gerichten, die kurz mit ihren Elementen erklärt werden. Zatar – ein Gewürz, das ich liebe – was ist das eigentlich? Hier wird es erklärt. 






Diese Intensität an Lebensfreude ist ein Grund, warum so viele Besucher Beirut lieben. ... Das dies auch eine Kehrseite hat (Chaotik, fehlende Infrastruktur und mehr), merkt man bei kurzen Besuchen nicht. Es geht nicht mit und nicht ohneeinander. Beirut, ich schwöre dir ewige Liebe. Aber ich hasse dich auch für deine Obszönitäten und dein Chaos. Liebe und Abscheu liegen hier nahe beieinander.



Die Autorin spaziert mit uns durch die Stadtteile, erklärt sie uns: Stadtgeschichte, sie kehrt ein in Restaurants, stellt Menschen vor, Interviews, Fotos, Adressen ausgesuchter Bars, Restaurants und Cafés mit Beschreibung – und natürlich immer wieder Rezepte. Merijn Tol pendelt seit 12 Jahren regelmäßig zwischen Amsterdam und Beirut, hat auch eine Zeit lang in Beirut gelebt. Labneh, leicht gesalzener Joghurt, den man zu allen Tageszeiten isst, findet man immer wieder und diverse Fladen, denn Fladenbrot und Labneh gehören zur Basis der Levante-Küche. Zitrus-Orangenblüten-Sirup, Granatapfelsirup, Pinienkerne, gehackte Mandeln, Safran, Kichererbsen-Salat mit Tahina-Creme laden ein. Die fleischlose Küche herrscht vor, Gewürze über Gewürze duften einem Lesen aus dem Buch hervor. Aber es gibt auch Fladenbrot mit mariniertem Lammfleisch und halbgetrockneten Tomaten; Hähnchen mit Mispeln; Hähnchenschenkel mit Sumach und Orangen; immer wieder Hackfleischerichte oder Safranreis mit Seebarsch, Zwiebeln, Tahina-Zitrus-Sauce und Pinienkernen. 60 bezaubernde orientalische Rezepte, die Freunden der arabischen Küche Spaß machen werden. Mengenangaben bei Salz und manchen Gewürzen sind nicht immer vorhanden – denn die Menge an Salz und Zimt und anderen Gewürzen ist eben Geschmacksache. Beirut, eine breit gemischte Kultur mit vielen Religionen. Und so erfahren wir, dass Armenier nichts für Hummus übrig haben, Zimt und Tahina niemals für Herzhaftes verwenden, sondern nur für Süßes. Aus der armenischen Küche wird ein Aubergineneintopf vorgestellt und ein Kürbis, gefüllt mit Reis, Dörrobst und Nüssen. 




Labneh (Joghurt) mit Pinienkernen, gebackener Roter Bete, Pistazien, Berberitzen und Sumach steht bestimmt bald auf meiner Liste der Lieblingsgerichte. Exotisch, aber interessant zum Nachkochen: Kartoffel-Bulgur-Stampf mit Lauch, Rosenblüten und Minze; wobei mit vorgegartem extrafeinen Bulgur die gestampften Kartoffeln und gedünsteter Lauch vermischt werden, gedünstete Frühlingszwiebeln und Kammouneh (falls man es nicht bekommt, hier wird erklärt, wie man die Würzmischung selbst machen kann) obenauf kommen. Katafiteig (Engelshaar) hat mich schon immer fasziniert, der war früher nur schwer zugängig, heute bekommt man ihn meist in türkischen Läden. Hier ein Rezept, das ich unbedingt ausprobieren werde, offiziell kein Dessert, kann man aber als solches servieren: Knusprig gebackener Engelshaarteig mit Zitrus-Orangenblütensirup und gemahlenen Pistazien, gefüllt mit einer Mischung aus geraspeltem Mozzarella, gekrümeltem Weichkäse (Feta als Ersatz) und Mascarpone.



Am Ende gibt es ein Rezeptregister nach Zutaten,bzw. Schlagworten wie Huhn, Dessert, Gebäck, Labneh, Blumenkohl, Tahina usw. Das gibt Sinn, da der Rundgang durch die Stadtviertel nicht nach den üblichen Registern geordnet ist. Die Fotos geben einen guten Eindruck von Beirut, sind in auf mattem Papier gedruckt, teilweise recht unscharf, teils mit Retrofilter was mir nicht so gut gefällt – aber das ist Geschmacksache. Mit gefällt die Authentizität der Rezepte, was das Buch über die Kochbücher zur allgemeinen arabischen Küche stellt. Wer die libanesische Mezze-Küche liebt, wird hier auf jeden Fall fündig: Falafel, Mezze, Hummus, Kibbeh, Labneh und vieles mehr ... Das Buch wurde 2021 ausgezeichnet mit dem Deutschen Kochbuchpreis – Platz 1 in der Kategorie internationale Küche.


Die Niederländerin Merijn Tol ist Köchin, Foodredakteurin und preisgekrönte Kochbuchautorin. Merijn reist viel durch Südeuropa, Maghreb und den Nahen Osten, um die arabische Küche zu erkunden und mit Einheimischen zu kochen. Für sie ist die Küche ein Ort, um Menschen zu verbinden.



Merijn Tol 
Der Duft von Zimt & Zedern
60 orientalische Rezepte aus der Levante-Küche Beiruts
Reiseliteratur, Sachbuch, Rezepte, Kochbuch, arabische Küche, libanesische Küche, Libanon, Beirut
Hardcover mit Leineneinband, 272 Seiten, ca. 200 Abbildungen, 19,3 x 26,1 cm
Christian Verlag, 2021




Kulinarische Bücher 

Kochbücher, Backbücher und alles rund um Lebensmittel findet sich kompakt auf dieser Seite. Auch Genussromane, soweit ich welche lese. Schleckermäulchen also hierher klicken:

Sachbücher

Hier stelle ich Sachbücher vor, die im Prinzip nichts mit Fachliteratur zu tun haben. Eben Sachbücher jeder Art, die ein breites Publikum interessieren könnte.
Sachbücher




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die wichtigen deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchpreise 2021

  Deutscher Jugendbuchpreis 2021, Kinderbuchpreis 2021, Serafina (Illustration), Schweizer Jugendbuchpreis, Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis Wie heißt es so schön: Es ist geschafft! Natürlich gibt es eine Menge kleiner Preise für Kinder- und Jugendliteratur. Ich habe mir die wichtigsten deutschsprachigen herausgenommen: Drei nationale Preise, Deutschland, Österreich, Schweiz und den Preis für Illustration im Bilderbuch. Ich habe auch den neuen Kinderbuchpreis (eine Privatinitiative) mit hineingenommen, da er beachtenswert für Autoren und Verlage ist - und weil er in der Jury Kinder mit einbezieht. Deutscher Jugendliteraturpreis 2021 - die Nominierten Die Preise der Kritiker- und Jugendjury sind mit je 10.000 Euro dotiert Sparte Bilderbuch  Gewinner: Sydney Smith  Unsichtbar in der großen Stadt Aus dem Englischen von Bernadette Ott Aladin Verlag Ab 4 Jahren Allein in der großen Stadt zu sein, ist manchmal unheimlich. Besonders, wenn man klein ist und alles um einen herum so

Rezension - Unter Raubtieren von Colin Niel

  Martin arbeitet als Ranger im Pyrenäen-Nationalpark, setzt sich massiv für die Erhaltung der Arten ein. Der engagierte Tierschützer stößt er eines Tages bei Facebook auf das Foto einer jungen Frau, die sich mit einem Hightec-Jagdbogen vor einem erlegten Wüstenlöwen mit schwarzer Mähne in der afrikanischen Savannenlandschaft präsentiert. Er will sie zur Rechenschaft ziehen. Komuti ist ein Himba, der im Nordwesten Namibias lebt. Weitere Protagonisten: Löwe Charles und Bär Cannellito. Ein außergewöhnlicher Noir-Thriller superspannend: Realismus, komplexe Figuren und eine vielschichtige Handlung, ein Roman mit schwarzer Seele. Heranpirschen an diesen Autoren, der mich auch mit diesem Ökothriller überzeugte. Die Jagdsaison ist eröffnet! Unbedingt lesen! Weiter zur Rezension:    Unter Raubtieren von Colin Niel 

Rezension - Im Fallen lernt die Feder fliegen von Usama Al Shahmani

  Die Bibliothekarin Aida hat seit neun Jahren eine feste Beziehung mit Daniel, sie wohnen zusammen. Doch Daniel weiß nichts über sie – klar, sie stammt aus dem Irak. Kein Wort über ihre Vergangenheit kommt über die Lippen. So sehr Daniel auch stichelt und fordert. Aida will darüber nicht reden – eine Sache, die diese Beziehung belastet. Als Daniel auf einer Alm den Rest seines Zivildienstes ableisten muss, setzt sich Aida hin und schreibt ihre Geschichte auf. Heimat, Identität, was ist das? Der Ort, an dem man geboren wird? Oder der, den man adaptiert hat, oder die Herkunft oder auch beides? Kann man nicht zwei, drei, vier oder mehr Heimaten haben? Aida konfrontiert sich mit ihrem Schmerz und ihrer Trauer, dem Verlust – schreiben hat ihr schon einmal geholfen … Ein empathischer Roman über Migration, Exil, Sprache und Sprachlosigkeit. Weiter zur Rezension:    Fallen lernt die Feder fliegen von Usama Al Shahmani

Rezension - Der Lindwurm und der Schmetterling von Michael Ende, Laura und Florian Fuchs

  Laura und Florian Fuchs haben ein Gedicht von Michael Ende illustratorisch aufgearbeitet. Dabei ist ein farbenprächtiges Bilderbuch entstanden. Das Märchen vom Drachen, der nicht Lindwurm heißen mag – er ist doch nicht lind! Und vom Kohlweißling, der nicht Schmetterling heißen will. Das zarte Insekt schmettert doch nicht! Ein Märchen für Kinder ab 4 Jahren – eins für Drachenfans! Weiter zur Rezension:    Der Lindwurm und der Schmetterling von Michael Ende, Laura und Florian Fuchs 

Rezension - Die Wahrheit der Dinge von Markus Thiele

  Recht zu sprechen, bedeutet nicht immer moralisch gerecht zu sein, insbesondere aus der Sicht der Opfer. Grundlagen für das erste Semester im Jurastudium. Ein Thema, das in der Literatur immer wieder großartig verarbeitet wurde. Ich war gespannt auf den Roman eines Rechtsanwalts und bin leider bereits auf der ersten Seite enttäuscht worden. Die Geschichte eines Richters, der an sich selbst zweifelt, in sich geht, überlegt, ob er seien Job zu schmeißen. Beweihräucherung von allen Seiten. Sprachlich und inhaltlich keine Glanzleistung, Spannung mäßig, alles in allem eine flache Story zu einem großen Thema. Weiter zur Rezension:    Die Wahrheit der Dinge von Markus Thiele

Rezension - Das Kuscheltier-Kommando von Samuel Koch, Sarah Koch, Resch, Nadine Y.

  Eine Geschichte über wahre Stärke Fred und sein Kuschelbär Pollo sind beste Freunde. Tagsüber erleben sie die größten und wildesten Abenteuer und nachts beschützt Pollo Fred vor allen Gefahren. Eines Tages verliert Pollo seinen Arm. Ein Bär mit nur einem Arm? Was soll Fred damit anfangen? Also schmeißt er ihn in eine dunkle Ecke. Dicke Bärentränen kullern auf Pollos Pelz. Kann das Kuscheltier-Kommando helfen? Die feinen Illustrationen hauen die Geschichte heraus, lustig, sprizig, zum Nachdenken, Bilderbuch 4 ab Jahren. Weiter zur Rezension:    Das Kuscheltier-Kommando von Samuel Koch, Sarah Koch, Resch, Nadine Y.

Rezension - Schwarzrock von Brian Moore

  Dies ist ein Klassiker aus dem Jahr 1985. Was mich besonders gereizt hat, ist die Tatsache, dass Moore sehr akribisch das Leben der Ureinwohner und das der ersten Missionare studiert hat und dieser Roman realistisch ein Leben in der Zeit wiedergibt. 1635 kommt ein junger französischer Jesuitenpater, Paul Laforgue, in die Neue Welt, Nova Scotia, mit dem Ziel «les sauvages (die Wilden)» zu missionieren. Ein Stamm der Algonkin soll ihn zu den Huronen führen. Auf der gefährlichen Fahrt begleitet ihn als Übersetzer der junge Jesuit Daniel den Sankt-Lorenz-Strom hinauf gen Norden dem Winterlager entgegen; eine Fahrt durch das Feindesland der Irokesen. Kulturen begegnen sich. Ein spannender Abenteuerroman, ein historischer Thriller. Weiter zur Rezension:    Schwarzrock von Brian Moore

Rezension - Im Spiegelsaal von Liv Strömquist

  In ihren Comic-Essays beschäftigt sich Liv Strömquist mit Schönheitsidealen. Sie beginnt mit Kylie Jenner einer Ista-Poserin. Über 277 Millionen Menschen folgen der berühmten Amerikanerin auf Instagram. Alle möchten aussehen wie Kylie. Aber warum ist es so? Der französische Philosoph René Girard erklärt, dass der Mensch an sich unsicher ist, darum Vorbilder benötigt, und diese nachahmen will, um alles richtig zu machen. Historisches, Theorien von Soziolog*innen, Kunstwissenschaftler*innen, eine Menge Sachinformationen in Form von Comics setzen sich mit dem Thema auseinander.  Weiter zur Rezension:    Im Spiegelsaal von Liv Strömquist

Rezension - Licht zwischen den Bäumen von Una Mannion

  Die Ferien beginnen so gar nicht nach dem Geschmack der Kinder: Fünf Geschwister streiten sich im Auto auf der Heimfahrt des letzten Schultags. Die zwölfjährige Ellen bringt die Mutter zur Weißglut, die dann am Straßenrand anhält und ihre Tochter auffordert, auszusteigen. Sie legt den Gang ein und tritt aufs Gaspedal. Es dunkelt bereits und Ellen steht ein stundenlanger Fußmarsch bevor. Die Entscheidung eines Augenblicks, die alles verändert. Für mich eher ein Allage / Jugendroman, ein Coming-of-Age-Roman. Im weitesten Sinn ein Thriller, eine Familiengeschichte, süffig und spannend geschrieben. Als Jugendbuch ab 14 Jahren. Weiter zur Rezension:   Licht zwischen den Bäumen von Una Mannion 

Rezension - Der Duft der Kiefern von Bianca Schaalburg

  Mit den geerbten Möbeln von Oma begannen die Fragen. Bianca Schaalburg hat ihre Familiengeschichte in einem Comic aufgearbeitet. Die Großeltern hatten die Möbel zu Hochzeit bekommen: 1933. Die Autorin entdeckt auf Familienfotos, dass Opa bereits 1929 ein Hitlerbärtchen trägt, eine entsprechende Frisur und er war bereits 1926 in die NSDAP eingetreten. Er war Truppenführer bei der SA, hat diese aber 1929 wieder verlassen. Warum nur? Welche dunkle Vergangenheit liegt über ihrer Familie? Die Autorin und ihr Sohn fangen an zu recherchieren. Eine Graphic Novel ab 14 Jahren / Allage Weiter zur Rezension:    Der Duft der Kiefern von Bianca Schaalburg