Direkt zum Hauptbereich

Das Gehirn von Dr. Matteo Farinella und Dr. Hana Ros - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing


Das Gehirn 


von Dr. Matteo Farinella und Dr. Hana  Roš 


Zwei Wissenschaftler haben ein Sachbuch als Comic gestaltet. Naturwissenschaftliches und Geschichtliches als Comic, für mich eine klasse Idee, denn das Buch ist anspruchsvoll gestaltet. Ein Mann landet in seinem Gehirn und begibt sich auf eine Expedition, das Innere zu erkunden. Zunächst steht er mitten im Wald. Wie kommt er bloß wieder heraus? Ab ins erste Kapitel: Morphologie: Hier trifft er auf den Hirnforscher Santiago Ramón y Cajal (1852 – 1934) und gleich darauf auf Camillo Gogli (1843 – 1926). Sogleich fangen die beiden Herren an zu streiten, wer denn nun recht hätte zum Informationsfluss zwischen Neuronen und Nervensystem. Und nun sind wir bei den Themen Dendriten, Soma und Axon.



Eine Reise durch das Gehirn

Unser Mann rutscht in ein Neuron, so beginnt das zweite Kapitel: Pharmakologie: Er trifft auf Charles Scott Sherrington, der sich mit den Synapsen befasst hat. Das Vesikel erklärt ihm der Nobelpreisträger, Biophysiker, Neurologe und Bernhard Katz (1911 – 2003):

Als ich in den 1950ern am University College London gearbeitet habe, entdeckte ich, dass die synaptische Übertragung nicht kontinuierlich passiert. Vielmehr werden Neurotransmitter in vielen kleinenPaketen freigesetzt. Ein solches Paket nennt man Quantum, und es ist in ein Vesikel eingeschlossen.




Kombination aus Wissenschaft und Geschichte

Und so geht die Reise weiter zur Elektrophysiologie, dann zur Plastizität, wo der Mann etwas über Erinnerung und Konditionierung erfährt und am Ende des Abenteuers steht die Synchronizität. Ein feiner Comic für meine Begriffe, aber es ist keine Novel oder ein Micky-Maus – es ist und bleibt ein Sachbuch auf hohem Niveau. Wer sich für dies Buch interessiert, sollte sich für medizinische Dinge interessieren. Das Gehirn ist komplex, so wie auch der Comic. Wunderschön finde ich die Kombination aus Wissenschaft und Geschichte. Die Wissenschaftler, die sich um die Erforschung des Gehirns einen Namen gemacht haben, stellen das Ergebnis ihrer Forschung selbst vor. Durch die Zeichnungen werden die komplexen Fachinhalte bildlich gut dargestellt – und das mit einer guten Portion Humor.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die ganzen medizinischen Fachbegriffe bleiben natürlich nicht alle hängen und vieles wird mal ein paarmal nachlesen wollen. Somit ein feines Nachschlagewerk der besonderen Art. Interessierte Jugendliche der höheren Klasse werden auch ihren Spaß dran haben, wenn das Thema im Unterricht durchgenommen wird.

Dr. Matteo Farinella wurde in Bologna geboren, er promovierte am University College London in Neurowissenschaften. Seither kombiniert er seine Leidenschaft für Illustration mit wissenschaftlicher Expertise und arbeitet an Projekten, die Wissenschaft durch Visualisierung zugänglicher machen.
Dr. Hana Roš schloss ihr Studium der Neurowissenschaften an der UCL ab, danach promovierte sie in Oxford. Nach einem Postgraduiertenstipendium in Yale kehrte sie 2009 als wissenschaftliche
Mitarbeiterin ans UCL zurück.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Sandbergs Liebe von Jan Drees

Eine Liebesgeschichte – obsessiv, zerstörerisch. Jan Drees sagt, die Geschichte ist ausgedacht, aber an eine ähnlich gelagerte Liebe aus seinem Leben angelegt. Der Leser sitzt voyeuristisch gefangen im Inneren des Autors und leidet mit ihm die ganze Geschichte lang, denn hier stülpt jemand sein Inneres ganz nach außen. Ist Kristian Sandberg an eine Narzisstin geraten, die ihn wie einen Tanzbär an der Nase durch die Manege zieht? – Ich liebe dich – ich hasse dich – »Gaslighting«, emotionale Abhängigkeit mit zerstörerischer Kraft - ein Auf und Ab der Gefühle …

Weiter zur Rezension:   Sandbergs Liebe von Jan Drees

Rezension - Zornfried von Jörg-Uwe Albig

Der Roman ist als Satire angelegt, obwohl, diese Gruppierung die Satire an sich selbst ja schon ist. Und natürlich ahnt man, wer hinter diesen Typen stecken soll, denkt an Götz Kubitschek, der sich auf seiner Burg in Schnellroda gern Journalisten einlädt. Der kurze Roman ist gefüllt mit Gedichten vom fiktiven Storm Linné, grotesk, witzig, mystisch voll Walhalla-Sound. Slapstickartige Übungen zu Aufmärschen im Burghof von jungen Germanen, teutsch, Gelage die an die ritterliche Tafelrunde bei völkischem »Ziegencouscous mit gehäckselten Runkelrüben«, serviert von des Burgherren Töchter machen das Lesen zum Vergnügen.

Weiter zur Rezension:   Zornfried von Jörg-Uwe Albig

Rezension - Leonardo da Vinci – Das Auge der Welt von Volker Reinhardt

Volker Reinhard hat tief in den Fakten geschürft, sich unter anderem auf Leonardos Notizbücher bezogen, und zum 500. Todestag Leonardo da Vinci eine Biografie gewidmet. Wer war dieser Renesance-Maler, dieses Genie? Und warum gibt es so viele unvollendete Bilder von ihm? War er Maler oder Wissenschaftler? Ein Kriegsingenieur und Gestalter von Festen - Leonardo das Multitalent. War er ein Sturkopf, der sich oft selbst im Weg stand, oder war er ein prinzipientreuer Mann? Freund oder Feind von Michelangelo Buonarotti? Und warum holte ihn Giovanni di Medici als Papst Leo X. nach Rom und gab Leonardo dann doch keine Aufträge für die Gestaltung des Petersdoms? – Eine gelungene Biografie!

Weiter zur Rezension:   Leonardo da Vinci – Das Auge der Welt von Volker Reinhardt

Rezension - Tage ohne Ende von Sebastian Barry

Ein wundervoller Roman, brutal-romantisch, Wild West. Zwei Jugendliche, Freunde für Leben, eine Liebe fürs Leben, sie tanzen und schießen, um zu überleben. Goldgräber, Bisonjagd, Soldatenleben im Kampf gegen Indianer, später im Sezessionskrieg gegen die Südstaatler, Farmersleben ... eine Sprache in Bildern auf der einen Seite – beinhart auf der anderen.

Weiter:   Tage ohne Ende von Sebastian Barry

Rezension - In besserer Gesellschaft von Laura Wiesböck

Der selbstgerechte Blick auf die anderen  Ein recht gutes Buch, wenn man sich noch nie mit dem Thema Denkmuster, Abgrenzung und Gruppenzugehörigkeit beschäftigt hat. Hohe Selbstbewertung, in dem ich selbstgerecht andere klein mache. Falsche Selbstbewertung, um mich vor mir selbst zu rechtfertigen: Ich bin hipp, habe einen coolen Job! – anstatt: Ich werde ausgepresst, arbeite in Dauerschleife, ich bin unterbezahlt und habe Depressionen, immer noch jemand neidisch auf meinen Medienjob? Wie sehen wir und selbst und andere? Wie kommen wir heraus aus der Spirale?

Weiter zur Rezension:   In besserer Gesellschaft von Laura Wiesböck