Direkt zum Hauptbereich

ARIOL – Wo ist Petula? Von Emmanuel Guibert und Marc Boutavant - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



ARIOL – Wo ist Petula? 

von Emmanuel Guibert und Marc Boutavant


Ariol, der kleine blaue Esel mit der großen runden Brille ist wieder da. Ein Comic für Grundschüler – für verliebte Grundschüler. Aah… Petula. Wenn Ariol diesen Namen nur hört, wird ihm ganz schwindelig.


Und welch ein Glück! Die Mutter von Petula lädt ihn ein! Endlich kann er die Kuh seiner Träume so richtig kennenlernen! Als er vor der Haustür steht, gehen ihm Muffensausen, wer weiß, was ihn hinter der Tür erwartet! Doch wer eine Familie besucht, hat natürlich die ganze Bagage am Hals. Am Tisch sitzen, mit ihnen essen … Der Vater von Petula ist ein mächtiger Stier, ein schnaubendes Etwas, das mit den Hufen scharrt. Vorsicht! Ein Stier sieht schnell rot! Waring, der schnoddrige Teenie, der Bruder von Petula, ist auch noch zu überwinden. Alle wollen Ariol kennenlernen. Nicht zu vergessen Methana, die Mutter! Sie scheint ein Geist zu sein, taucht plötzlich aus dem Nichts auf, immer und überall! Verdammt! Wo in diesem ganzen Gewusel ist Petula?

Ich habe mich köstlich amüsiert. Diese Geschichte ist voll aus dem Leben gegriffen. Verliebt traut sich das Kerlchen nicht seine Angebetete anzusprechen … Und dann kommt die Gelegenheit! Er steht vor der Haustür, traut sich nicht zu klingeln, denn sich allein in fremden Revieren bewegen, ist eine schwierige Sache. Papa hat ihn vorgefahren, jetzt steht er hier allein. Der Vater von Petula ist zeichnerisch perfekt in Szene gesetzt: unbekannt, mächtig, wütend, stark … die Essensszene ist herrich, und letztendlich ist er ein gutmütiger Kerl, der Kuhglocken sammelt, sie Stück für Stück Ariol vorstellt. Nerv … aber man will ja höflich sein. Der chaotische Bruder, ein echter Teenie, ist stolz auf seinen Computer und zeigt ihm vom Bildschirmschoner bis zum Ausmistkommando alles. Nerv … aber man will ja höflich sein. Farbig, fetzig, liebevoll gezeichnet, ein kleines Buch im Pocketformat, das Spaß macht!


Pädagogisch finde ich es ziemlich gut. Ein Buch, bei dem man als Eltern mit dem Kind diskutieren kann, wie man sich in solch einer Situation verhält. Kinder müssen lernen Nein zu sagen. Zeitstehler, Ablenker, Vereinnahmer, wie konzentriert man sich auf sein Ziel und noch wichtiger, kommt man aus der Situation heraus, ohne den Hammer aus der Tasche zu ziehen? Man möchte ja gemocht werden. Und ist nicht Petula mitschuldig? Und ist nicht Petula mitschuldig? Die sitzt in einer versteckten Ecke, liest das Buch, das Ariol mitgebracht hat. Sie kennt die Familie. Der Verlag gibt 6-8 Jahre als Altersangabe an, Leseanfänger. Dem ist nichts hinzuzufügen. Ein feiner Comic.

Emmanuel Guibert, ein waschechter Pariser, hat sich als Comiczeichner und Szenarist einen Namen gemacht und unter anderem mit Joann Sfar und Christophe Blain zusammengearbeitet. Mit »Ariol« hat er eine Figur geschaffen, mit der sich viele junge Leser identifizieren können. Marc Boutavant, lebt und arbeitet in Paris. Marc Boutavant zählt zu den stilprägenden Illustratoren seiner Generation und ist insbesondere für seine farbenfrohen Werke für Kinder bekannt.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Fabelhaft getarnt von Frédéric Clément

Tarnung im Tierreich In diesem Sachbilderbuch für große und kleine Naturforscher stellt Frédéric Clément mit wunderschönen Illustrationen Lebewesen vor, die wahre Meister in der Kunst der Tarnung sind. Der eine tarnt sich, um nicht gefressen zu werden, der andere, um sein Opfer zu täuschen. Besonders Schön ist die literarische Art, die Fachinhalte zu präsentieren.

Weiter zur Rezension:   Fabelhaft getarnt von Frédéric Clément

Rezension - Wenn Engel brennen von Tawni O’Dell

Ein Country-Noir-Krimi der Extraklasse mit intensiver Charaktertiefe! Tawni O’Dell stammt aus dem westlichen Pennsylvania, einer ehemals blühenden Industrieregion, einer Bergbau- und Stahlregion. Heute wird dort keine Kohle mehr abgebaut, Industrieruinen pflastern die Landschaft, ein ausgebeutetes Land, Menschen ohne Zukunft, es gibt keine Investitionen in neue Arbeitsplätze, Armut macht sich breit – man nennt diese Region «Rust Belt». Alte Kohleflöze brennen sich immer noch weiter unterirdisch ihren Weg, vernichten Landstriche, können nicht gelöscht werden. Menschen müssen deshalb umgesiedelt werden, giftige Gase steigen aus dem Boden hervor. Zurück bleiben Geisterstädte. Genau in so einer Geisterstadt, Campbell’s Run, wird zufällig eine Tote entdeckt. Die vermisste siebzehnjährige Camio Truly wurde in eine Erdspalte gesteckt, in der ein Feuer schwelt. White Trash pur – Chief Dove Carnahan, Polizeichefin von Buchanan ermittelt …

Weiter zur Rezension:   Wenn Engel brennen von Tawni O…

Rezension - Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Ein Schweizer Kultbuch von 2001, neuaufgelegt, ein Comming of age – Roman, schräg, amüsant, empathisch, spleenig. Franz ist einer, der weiß, dass er irgendwie die Schule überstehen muss, mit Abschluss, aber wozu das alles gut sein soll, hat er noch lange nicht kapiert. Schule ist irgendwie ein Stück Heimat, wenn nur der Unterricht nicht wäre. Ein typisches Jugendbuch, allerdings in einer Form, das auch Erwachsenen gefällt.

Hier geht es zur Rezension:   Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Rezension - Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren von Ali Benjamins

Eins der besten Jugendbücher, die ich seit Jahren gelesen habe. Was heißt hier Jugendbuch? Ich würde es unter All-Age listen. Susy ist zwölf und ein Außenseiter in der Schule, denn sie interessiert sich weder für klavierspielende Katzen, noch Mode. Suzy ist an der Natur interessiert, will wissen, warum Dinge funktionieren. Sie hat eine einzige Freundin, Fanny. Und Fanny ertrinkt beim Schwimmen. Das kann nicht einfach so passieren! Irgendjemand muss Schuld sein, denkt Suzy. Ein philosophisches Buch über Freundschaft, Natur, unsere Welt, sehr empathisch, spannend, einer Suzy, die man gern haben muss, die den Leser aber auch an der Nase herumführen kann …
Hier geht es zur Rezension:   Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren von Ali Benjamins

Rezension - Ada und die Zahlenknackmaschine von Rachel Katstaller und Zoë Tucker

Dieses Bilderbuch erzählt die Geschichte von Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, besser bekannt als Ada Lovelace, die Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen mit ihrem Freund Charles Babbage ein komplexes Rechenprogramm entwickelte. Sie nannte es »Analytical Engine«. Es war der erste Computer auf der Welt und die Erfindung leitete das Computerzeitalter ein. Sie war die Tochter des berühmtesten englischen Literaten Lord Byron. Die Programmiersprache Ada wurde ihr zu Ehren so benannt. Doch kaum ein Mensch kennt Ada Lovelace. Das soll sich mit diesem Buch ändern.

Weiter zur Rezension:  Ada und die Zahlenknackmaschine von Rachel Katstaller und Zoë Tucker

Rezension - ARIOL – Wo ist Petula? von Emmanuel Guibert und Marc Boutavant

Ariol, der kleine blaue Esel mit der großen runden Brille ist wieder da. Ein Comic für Grundschüler – für verliebte Grundschüler. Aber das ist nur die eine Seite. Sich die Höhle des Löwen, ehm, hier des Stieres, trauen. Und dann sitzt man da, in der fremden Familie, will doch nur mit der Angebeteten allein sein …

Weiter zur Rezension:   ARIOL – Wo ist Petula? von Emmanuel Guibert und Marc Boutavant

Rezension - Ein Stück Käse von Judith Auer

Eine uralte Fabel, die fast jeder kennt, die vom Fuchs und dem Raben. Sie wird dem griechischen Dichter Äsop zugeschrieben. Judith Auer hat sie in ganz kurzen Sätzen für Kinder aufgelegt. Wo Zeichnung eine Geschichte erzählt, braucht es nicht viele Worte. Winteratmosphäre, passend zur Jahreszeit, einfache Strukturen und klare Zeichnungen eignet das Buch für Kinder ab 2 Jahren.

Weiter zur Rezension:    Ein Stück Käse von Judith Auer

Rezension - Der Sonnenschirm des Terroristen von Iori Fujiwara

Ein packender Krimi aus Japan. Der Barbesitzer Shimamura, selbst sein bester Kunde, muss untertauchen. Seine Fingerabdrücke befinden sich auf einer Whiskyflasche, die in Zusammenhang mit einem terroristischen Anschlag stehen. Die Polizei sucht nach ihm. Plötzlich sind auch Yakuzas hinter ihm her. Um das ganze zu versehen und um die Leute zu finden, die hinter dem Anschlag stecken, muss er selbst recherchieren. Spannende Unterhaltungslektüre.

Weiter zur Rezension:   Der Sonnenschirm des Terroristen von Iori Fujiwara

Rezension - Fiona – Wo die Toten leben von Harry Bingham

Dies ist bereits der fünfte Band der Serie um Fiona, einer britischen Ermittlerin. Leicht soziopathisch, aber dabei integer, meist den Regeln angepasst, eine Frau die nicht aufgibt, wenn sie erst mal Lunte gerochen hat; sie leidet unter dem Cotard-Syndrom. Clever, mit gutem Instinkt und Disziplin ausgerüstet, ermittelt sie auch in Richtungen, die für andere längst kalt sind, abstrus, völlig unnötig. Der erste Band »Fiona – Als ich tot war» hatte mich bereits begeistert. Warum ich die Serie nicht weiter verfolgt habe, ist mir selbst ein Rätsel, denn diese literarische Krimiserie hat mein Herz erobert und Harry Bingham gehört nun zu meinen Lieblingsautoren Abteilung Crime. Er schafft es, wundervolle Bilder zu schaffen: Orte, Personen, Situationen – der Leser gleitet völlig hinein in die Geschichte – zumindest ging es mir so. Man wird zum Teil von Fiona, die aus ihrer Ichperspektive berichtet. Diesmal hat es Sergeant Fiona Griffiths von der walisischen Kriminialpolizei CID aus Cardiff m…

Rezension - Lola von Melissa Scrivner Love

Der Thriller hat den Edgar Award erhalten – für mich amerikanische Literatur mit Mittelmaß. Es ist eine gute Milieustudie, das ist sehr gut herausgearbeitet: dreckige, arme Viertel, Gewalt, Drogen, Armut, eine Welt ohne Zukunft. Das Leben in einem Latinoviertel in Süden LA’s ist gut beschrieben, hat mir sehr gefallen. Hier hat das Buch seine absoluten atmosphärischen Stärken. Den Figuren allerdings bin ich nicht nahegekommen, nicht wirklich der ganzen Geschichte. Lola, die eine Gang anführt, allerdings im Hintergrund, weil sie eine Frau ist – offiziell ist ihr Lebenspartner Garcia der Chef, gerät in einen Bandenkrieg …

Weiter zur Rezension:   Lola von Melissa Scrivner Love