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Alles gut von Cecilia Rabess - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Alles gut 


von Cecilia Rabess 


Ein Roman, hoch angepriesen – mich konnte er nicht überzeugen. Leider empfand ich die Protagonistin absolut nervend. Jess, bekommt nach ihrem Studium einen begehrten Job bei Goldman Sachs in New York. Zu blöd, dass ihr dort ausgerechnet Josh über den Weg läuft, der ihr mit seinen reaktionären Ansichten schon in der Uni auf die Nerven gegangen ist. Doch er entwickelt sich bald zu ihrem engsten Verbündeten im Büro - und den kann sie als einzige Frau und einzige Schwarze dort gut gebrauchen. Eine Freundschaft, die anfängt zu knistern.


Jess kann niemals Fünfe gerade sein lassen

Es ist die alte Geschichte von Gegensätzen, die sich anziehen - und zugleich ein Plädoyer für Toleranz, Neugierde und dafür, miteinander im Gespräch zu bleiben. Nur, die Toleranz bleibt hier einseitig. Jess legt jedes Wort und jede Herkunft auf die Goldwaage. Weiße sind per se rassistisch – komisch nur, alle ihre Freundinnen sind weiß. Alle weißen Männer sind reaktionär und inakzeptabel – nur, hat sie keine schwarzen Freunde. Wer mit dem goldenen Löffel geboren ist, der kann nicht gut sein … Und Jess schließt aus dem, wo einer aufgewachsen ist, auf welche Schule er ging usw. welchen sozialen Status er hat. Armer Josh, dem sie so andichtet, hochwohlgeboren zu sein, ohne nachfragen, ob es in dieser Stadt und Schule ev. auch ganz normale Kinder geben könnte. Sie hasst Vorurteile und steckt selbst voll davon. Jess kann niemals Fünfe gerade sein lassen, schon gar nicht kann sie andere Meinungen ertragen, ihre Vorurteile lassen sie durch das Leben stolpern – ach ja, und immer sind die andern schuld. Und Jess muss sich dann stets selbst bemitleiden … 

Jess interpretiert alles

Goldman Sachs steht für alles, was Jess hasst: Reiche Männer, Kapitalisten, weiße Männer, Rassismus, Sexismus und toxischer Männlichkeit. Und trotzdem nimmt sie den Job an, der ihr als Analystin angeboten wird, sie, eine dieser mathematisch begabten Menschen; denn sie muss ihren Studienkredit abbezahlen. Und sie lernt das Geld schätzen, das sie verdient, haut es raus; teure Schuhe, dekadentes Essen. War es nicht das, was sie ablehnt? Eine Frau voller Widersprüche. Natürlich hat es Jess nicht einfach unter den Finanzhaien: Frau, schwarz – unter Männern, weiß. Sie arbeitet hart und gut, aber ihr Bonus ist niedriger, ihr Gehalt ist niedriger, als das der Männer; sie muss sich behaupten. Mir ihrer großen Klappe kommt sie auch nicht überall gut an. Jess sagt, was sie denkt, was nicht immer intelligent gesetzt ist, besonders unter Alkohol. Josh liebt sie, und auch Jess liebt irgendwann Josh. Doch es fällt ihr schwer, mit ihm zusammenzusein, weil sie ihm ständig seine Herkunft und seine Sicht zum Leben vorwirft. Als er sich für arbeitslose ehemalige Stahlarbeiter einsetzt, ist es für die Demokratin auch wieder nicht richtig. Gut, es sind Arbeiter, aber Trumpwähler, weiße Männer, die damals die Schwarzen versklavt hatten, Schwarze verachten. 

Sie zickt sich durch das Buch

Egal, was Josh auch tut, er kann es ihr nicht recht machen. Die Beziehung ist ein dauerndes on – off, und bei diesem ganzen Gezicke ist mir die Protagonistin irgendwann auf den Wecker gegangen. Selbst wenn ich ihr in vielen Dingen recht gebe – man kann sich die Welt nicht backen und letztendlich handelt sie selbst ständig gegen ihr Prinzipien. Eine Liebesgeschichte? Ja, auf die Weise von Jess: Josh rennt ihr hinterher, versucht alles, um es ihr recht zu machen. Aber das reicht Jess eben nicht. Doch auch sie liebt diesen Mann – on-off… Irgendwie war ich froh, als das über Prinzessin auf der Erbse zu Ende war. Interessant wird der Roman, wenn es um Mathe, Analysen und die Finanzwelt geht. Der Einblick, den die Autorin in die Finanzwelt gibt, ist nicht neu, klingt oft nach Klischee. Für mich waren beide Charaktere psychologisch nicht gut erarbeitet. Er tut alles, um mit Jess zusammenzusein, völlig charakterlos. Sie zickt sich durch das Buch, stellt Ansprüche an andere, die sie selbst nicht erreichen kann. Insofern passt das für mich hinten und vorn nicht. Eben nicht alles gut.


Cecilia Rabess hat als Data Scientist bei Google gearbeitet und war Associate bei Goldman Sachs. Ihre Artikel sind u.a. in MCSWEENEYS, FIVETHIRTYEIGHT, FAST COMPANY und FLOWING DATA erschienen. „ALLES GUT“ ist ihr erster Roman.




Cecilia Rabess 
Alles gut 
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 11 Std. und 17 Min.
Gesprochen von Demet Fey
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Simone Jakob
Zeitgenössische Literatur, Rassismus, Feminismus, Amerikanische Literatur
Lübbe Audio, 2024
Eichborn Verlag; 2024, 432 Seiten




Zeitgenössische Literatur

Hier verbirgt sich manche Perle der Literatur. Ich lese auch mal einen Bestseller, natürlich, aber mein Blick ruht  immer auf den kleinen Verlagen, auf den freien Verlagen. Sie trauen sich was - und diese Werke sind in der Regel besser als der Mainstream der meistgekauften Bücher …
Zeitgenössische Roman

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