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Holly von Stephen King - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



 

Holly 

von Stephen King

Gesprochen von David Nathan
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 18 Std. und 41 Min.


Der Anfang: 

Es ist eine alte Stadt, die nicht mehr in besonders gutem Zustand ist, was auch für den See gilt, an dem sie erbaut wurde.


Holly leitet die Privatdetektei Finders & Keepers und sie steckt in einer Lebenskrise. Ihr Kollege befindet sich mit Corona in Quarantäne, als sie den Anruf der verzweifelten Penny Dahl erhält: «Meine Tochter Bonnie ist vor drei Wochen verschwunden, und die Polizei unternimmt nichts.» Die Detektivin hat zunächst keine Lust auf den Fall, lässt sich aber von der Mutter überzeugen. In Kleinarbeit wird aus dem sich zusammensetzenden Puzzle immer deutlicher: Bonnie ist nicht weggelaufen, sie wurde entführt. Während der Ermittlungen stößt Holly auf weitere ungelöste Vermisstenfälle. Alle Personen waren in irgendeiner Weise bekannt mit einem Ernährungswissenschaftler, dem man an der UNI den Spitznamen «Mr. Meat» verpasst hatte oder mit seiner Frau Emily, einer Anglistin. 


Ein hinterhältiges Seniorenpaar


Man schlägt ihn auf, man rührt ihn um, man kippt ihn mit etwas Butter in die Pfanne. Und dann macht man sich ein hübsches kleines Omelett.


Der Lesende weiß von Anfang an Bescheid. Das Professorenpaar Emily und Rodney Harris, beide über 70 Jahre alt, macht auf behindert, täuscht einen kaputten Rollstuhl vor, lockt so ihre Opfer in einen Van, um sie zu betäuben. In ihrem Keller halten sie zunächst die Beute gefangen, um sie später zu töten und zu verspeisen. In Rückblenden erfahren wir, wie das Seniorenpaar sich die Opfer geschnappt haben. Menschenfleisch als Verjüngungskur – denn Rodney ist im Anfangsstadium der Demenz und Emily plagt der Rücken. Holly kommt ihnen immer näher – gefährlich nahe, denn sie ist sicher, das Mädchen wurde entführt. Ein schwieriger Fall - Mentor und Kollege Bill Hodges, der zu Hause mit Corona kämpft, rät, der Fall sei zerbrechlich wie ein rohes Ei und man muss nur genug rühren … 


Viele Nebengeschichten blähen auf


Der Fall hat mich was gelehrt, Gibney. Sobald man meint, man hätte das Schlimmste gesehen, was Menschen zu bieten haben, stellt man fest, dass man sich geirrt hat. Das Böse ist einfach grenzenlos.


Verjüngungskuren, Cremes, Pillen und Operationen, Lebensoptimierung, Transhumanismus, der Mensch möchte gern jung aussehen, fit sein und länger leben. Aber nicht nur das. Alt werden ist eben nichts für Feiglinge. Der Körper meldet Ausfallerscheinungen, nicht alles ist medizinisch reparabel. Einige der Protagonisten in diesem Krimi sind Senioren und King beschreibt aus verschiedenen Perspektiven wie sie mit ihren körperlichen Beschwerden umgehen, wie Gebrechen einschränken, aber auch den Wahn, das alles vertuschen zu wollen, ein Heilmittel zu finden, den Alterungsprozess aufzuhalten. Parallel geht es um Nebengeschichten, um die Freunde von Holly, die Geschwister Jerome und Barbara, die beide einen Verlagsvertrag erhalten. Ebenso um die Abnabelung von Hollys Mutter, die an Corona verstorben ist und sie letztendlich im Leben betrogen hat, und Holly nun plötzlich eine frischgebackene Millionärin ist. Corona ist begleitend Thema, Impfgegner gegen Befürworter, Trumpismus. Das sind eine Menge Nebengeschichten, die den Kriminalroman unnötig aufblasen und Spannung herausnehmen, nicht zur Entwicklung des Falls beitragen. Man weiß ja, wer die Täter sind. Wer die Täter sind, und es geht nur noch darum, ob und wie Holly ihnen auf die Spur kommt. Von diesem Pfad weichen die Nebengeschichten ab und so wird es im Rundumpaket recht seicht, auch wenn das Geschehen rund um das Professorenpaar und ihre Jagdbeute recht makaber ist. Detektivgeschichte mit netter Unterhaltung insgesamt für mich, aber mehr auch nicht.


Stephen King wurde am 21. September 1947 in Portland, Maine, geboren. Er zählt zu den erfolgreichsten Autoren des späten 20. Jahrhunderts. Insgesamt hat der vielfach ausgezeichnete Bestsellerautor über 40 Romane, über 100 Kurzgeschichten, Novellen, Drehbücher, Gedichte, Essays, Kolumnen und Sachbücher veröffentlicht. Ende 2003 erhält Stephen King den »National Book Award« für sein Lebenswerk. Weltweit hat er 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Anfangs schreibt er mehrere Romane, für die er aber keinen Verlag findet. Er zweifelt an seiner schriftstellerischen Begabung. Später veröffentlicht er diese Romane überarbeitet unter dem Pseudonym Richard Bachman. In einem gemieteten Wohnwagen beginnt King seinen Roman Carrie zu schreiben. Wie King später verrät, hielt er das Carrie-Manuskript beim Durchlesen für schlecht und beförderte es in den Müll. Seine Frau fischte es heraus und spornte King dazu an, das Buch zu vollenden. 1973 kauft der Verlag Doubleday den Roman. Die Veröffentlichung seines Debüts im Jahr 1974 und dessen erfolgreiche Verfilmung machen Stephen King schlagartig berühmt. Im Mittelpunkt von Stephen Kings Gesamtwerk steht der siebenbändige Fantasy-Zyklus Der Dunkle Turm um den Revolvermann Roland. King selbst bezeichnet den Dunklen Turm – eine Fusion aus verschiedensten Zeiten, Orten und Geschichten – als sein wichtigstes Werk. Stephen King über sich selbst: «Die Leute denken, ich sei ein sehr merkwürdiger Mensch. Das ist aber nicht korrekt. Ich habe das Herz eines kleinen Jungen. Es steht in einem Glas auf meinem Schreibtisch.»



Stephen King
Holly
Gesprochen von David Nathan
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 18 Std. und 41 Min.
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt 
Krimi, Detektivgeschichte, Kriminalroman, Kriminalliteratur, Amerikanische Literatur
Random House Audio, Audible 2023
Heyne Verlag, 640 Seiten, 2023





Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller

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