Direkt zum Hauptbereich

Abbruch – In Schönheit sterben von Stefan Ulrich



Der erste Sat: Die Männer schwitzten unter ihren Motorradhelmen.

Dies ist keine Rezension, sondern ein Abbruchbericht. Nach drei Seiten war ich eigentlich so weit, gebe aber einem Buch grundsätzlich 50 Seiten, manchmal verzeiht man die ersten Seiten, wenn sich Sprache und Geschichte zum Besseren wenden. Der erste Satz, nun ja, danach soll man nicht urteilen … Der »Tiber fließt Richtung Meer«. Ach nee, hätte ich nicht gedacht. Sprachlich haben mich die ersten Seiten so gar nicht begeistern können, aber vielleicht macht es die Story wett.

Gianluca starrte auf ihre gewölbten Hüften. ›Che razza di culo!‹, entfuhr es ihm. ›Was für ein Wahnsinnsarsch!‹ 

Starrt auf die Hüften, benennt aber den A… und sagt das auch noch zweisprachig? Diese Frau ist die Tochter eines Gastwirts, der angeblich Geld mit der Tochter macht. Die Leute kommen zum Essen, um diesen Hintern zu sehen. Nicht wegen der guten Küche? 

Die gewölbte Stirn, die geröteten Wangen, die schmalen, hochgeschwungenen Augenbrauen, pechschwarze Wimpern um mandelförmige Augen. Smaragdgrüne Augen, wie er wusste. Aber das war jetzt nicht zu sehen. Und dann diese granatroten Lippen, um die ein spöttisches Lächeln zu tanzen schien.

Man wird ganz schwindelig bei der Masse an Adjektiven und Klischees. Das arme Mädchen wird in diesem Prolog (der eigentlich ein erstes Kapitel ist) vergewaltigt. Was mich dabei abstößt, ist die Beschreibung. Es gibt mehrere Arten sich auszudrücken – schlicht: Es ist passiert. Eine andere Variante lässt das Opfer die Gewalt erleben, aber in dieser Form beschreibt der Autor über drei Seiten die Tätersicht, bis ins Detail die geilen Gedanken, die ihm dabei abgehen, seine Lust. Ich frage mich hier, was im Autor vorging, als er diese Zeilen schrieb …

15 Jahre später lernen wir die Journalistin Giada kennen. Und hier komme ich schon wieder nicht mit dem Schreibstil klar. Mal redet diese Dame hochintellektuell, um im nächsten Satz ziemlich platt herüberzukommen, überhaupt sprechen die Figuren nicht die Sprache ihres Bildungsniveaus, wenn sie miteinander kommunizieren. Somit bleiben die Charaktere fad. Ebenso erklären sich die Protagonisten ständig gegenseitig Dinge (dem Leser), die sie eigentlich wissen sollten. Hier wird auf Fragestellungen wie »In Kunstgeschichte nicht aufgepasst?« usw. zurückgegriffen. Ich habe mich bis Seite 54 durchgekämpft, dann aufgegeben. Weder kam Spannung auf, noch zog mich die Geschichte inhaltlich hinein. 

Robert Lichtenwald streifte über sein Land in der Maremma, und er sah, dass es gut war.

Da erschien Giada, sommerbraun in Shorts und Tanktop. Ihre Zähne strahlten wie Scheinwerfer aus ihrem bronzefarbenen Gesicht, und die beiden Hexen aus Obsidian an ihren Ohrläppchen sausten um ihren Kopf, als würden sie Kettenkarussell fahren.

Zähne, die wie Scheinwerfer strahlen, Ohrringe, die um den Kopf sausen … Irgendwann war es mir zuviel. Alle paar Seiten die Hexenohringe, die schaukeln, fliegen, mal springen die Hexen verärgert auf und ab - das müssen Zauberohringe sein. Immer wieder sommerbraune Frauenhaut, nackte Beine, gebräunte Schenkel, auf die Männer lustvoll starren …  Hölzerne Dialoge, ungelenke Beschreibungen, teils Sätze mit Adjektiven überladen, Figuren bleiben für mich somit fremd. Die sabbernden Kerle werden mir zuviel. Es ist nicht mein Buch. Somit keine Rezension, nur mein persönlicher Eindruck der ersten Seiten, die mich den Krimi zuklappen ließen.

PS: Mir sagte jemand, später kommt ein Dachs als Haustier dazu ...  Dachs als Haustier … wie hieß dieses Lied? »Das ist alles nur geklaut«. Den Dachs als Haustier gab es bereits in diesem wundervollen Buch:     Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon


Kommentare

  1. Also dieses Buch hätte mich auch fix nicht überzeugen können – alleine schon der Titel. Das Genre Krimi ist zudem auch nichts meins.
    Ich gebe einem Buch meist nicht mehr als 5 Seiten. Wenn es mich bis dahin nicht überzeugen konnte, glaube ich nicht mehr daran, dass es noch besser wird.
    Da ist mir meine Zeit einfach zu kostbar.
    Liebe Grüße
    Julie von julie-en-voyage.com

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Juli, gib bitte Büchern mehr als 5 Seiten. Gut, wenn die Sprache so grausam ist, dass man es nicht erträgt, dann gebe ich dir recht. Aber es gab so viele Bücher, die mich erst nach 30-50 Seiten packten. Bei anderen las ich dahin ... naja ... und ab der Mitte zog es mich rein, alles vergeben. ;-)

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Bis ans Ende der Welt von Anita Ganeri und Michael Mullan

Auf den Spuren großer Entdecker Wir leben in einer Zeit, in der es eigentlich keinen neuen Fleck auf dieser Welt zu entdecken gibt. Jeder kann  für sich selbst Neues entdecken – aber nichts, das für den Rest der Welt noch unbekannt ist. Die Abenteurer aus diesem spannenden Buch lebten in einer Zeit vor uns, als es noch viel zu entdecken gab. Mutige Entdecker*innen erforschten unsere Erde, entdeckten neue Seewege, neue Länder: Hanno der Seefahrer, Zheng He, Marco Polo, Ibn Battuta, Zheng He, Christopher Columbus, Vasco de Gama, Ferdinand Magellan, Hernàn Cortés,  James Cook, Lewis und Clark, David Livingstone, Mary Kingsley, Robert E. Peary, Roald Amundsen, Ernest Shackleton, Amelia Earhart, Norgay und Hillary, Neil Armstrong, Ellen MacArthur. Ein sehr gelungenes Sachbuch f¨ür Kinder!

Weiter zur Rezension:   Bis ans Ende der Welt von Anita Ganeri und Michael Mullan

Rezension - Alle Tiere, die ich (noch nicht) kenne von Laura Bednarski

von A wie Albatros bis Z wie Zipfelfrosch
Ein Kindersachbuch, Tiere von A-Z. Tiere – kennen wir alle, klar. Diese hier auch? Blobfisch, Coati, Coruro, Dugong, Elenantilope, Kaffernbüffel, Meisendickkopf, Quittenwaran, Ohrenqualle, Tasmanischer Teufel, Zwergrüsseldikdik? Und sicher weißt du auch, dass der Riesengoldmull mit dem Tenrek verwandt ist. Nicht? Erwischt? Mich auch – klar, dieses Buch ist nicht nur etwas für Kinder – es ist eins für die Familienbibliothek. Laura Bednarski stellt zu jedem Buchstaben des Alphabets Tiere vor, und bei A finden wir: den Aal, die Agakröte, den Alligator, die Ameise, die Amöbe, den Albatros, den Ara, den Arapaima, den Austernfischer, den Axolotl usw. Dazu erfährt man interessante Dinge zu den Tieren.

Weiter zur Rezension:   Alle Tiere, die ich (noch nicht) kenne von Laura Bednarski

Rezension - Ein Nashorn namens Clara von Katrin Hirt und Laura Fuchs

Ein Bilderbuch, das mich begeistert hat, denn es ist eine wahre Geschichte. Letztendlich eine tragische Story aus heutiger Sicht. Es war einmal ein kleines Nashorn, das mit seiner Familie in Indien lebte. Jäger töteten die Mutter, brachten das Jungtier in die Stadt, wo es von einer Kaufmannsfamilie aufgenommen wurde und den Namen Clara erhielt. Schon bald zeige sich, dass man ein Nashorn nicht im Haus halten kann. Kapitän Douwe Van der Meer hatte eine Lösung parat. Er nahm Clara mit nach Europa. Eine Sensation! So ein Tier hatte hier noch niemand gesehen!

Weiter zur Rezension:   Ein Nashorn namens Clara von Katrin Hirt und Laura Fuchs

Rezension - D Chatz isch zur Sou – Tierweg 1 von Matto Kämpf und Yves Noyau

D Chatz isch zur Sou 
Tierweg 1 
Zwei als Kinderbücher ausgewiesene Exemplare, die mich erreichten – erreichten als gute Karikatur. Beide Bücher sind grafisch eine Wucht! Nicht nur in Farbe und künstlerischem Ausdruck – auch in der Heftigkeit. Karikatur muss dies tun! Mir haen die Bücher gut gefallen. Ob ich die Bücher Kindern in die Hand geben würde? Nein. Sie wären heillos überfordert – das ein oder andere sicher auch schockiert. Kinderbücher sollen genauso gesellschaftskritisch sein, wie Bücher für Erwachsene. Aber eben in der Form für Kinder verständlich und für Kinder visuell aufgearbeitet.

Weiter zur Rezension: D Chatz isch zur Sou – Tierweg 1 von Matto Kämpf und Yves Noyau

Rezension - Simons kleine Lügen – Pudding in Not von Jo Berger

Die Wahrheit ist kompliziert Simon hatte seiner Mutter versprochen nicht mehr zu lügen. Einfacher gesagt, als getan. Ein Comic, eine Graphic Novel, für Neunjährige und ihre Problemzonen. Eine Menge Slapstick steckt in dieser Geschichte, die teils urkomisch ist und andererseits sich auch mit Dingen des Alltags beschäftigt. Wer ein Fan von »Gregs Tagebuch« ist, dem wird dieses Buch auch gefallen, denn es ist in ähnlichem Stil gehalten.

Weiter zur Rezension:   Simons kleine Lügen – Pudding in Not von Jo Berger

Rezension - Der Report der Magd von Margaret Atwood

Sprecher: Vera Teltz, Charles RettinghausUngekürztes Hörbuch, Spieldauer: 11 Std. und 58 Min. Diese Dystopie von 1985 habe ich vor langer Zeit gelesen und habe sie mir als Hörbuch noch mal angehört, bevor ich mich der Fortsetzung widme, »Die Zeuginnen«, die nach langen Jahren erscheint. Die Magd Desfred berichtet über ihr Leben in einer Diktatur, in der die Frauenrechte über Nacht abgeschafft wurden. Sie lebt in einem System, in dem Gefühle, Freundschaft und Kreativität abgeschafft sind, das von Angst und Gewalt geprägt ist.
Der Roman hat seine Brisanz nicht verloren – gerade in der heutigen Zeit ist er wichtiger denn je, in Zeiten, in den immer mehr Menschen nach »der harten Hand« rufen. Es ruft auf, die Menschenrechte und die Demokratie zu verteidigen, für sie einzustehen, bevor es zu spät ist.

Weiter zur Rezension:   Der Report der Magd von Margaret Atwood

Rezension - Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Ein Schweizer Kultbuch von 2001, neuaufgelegt, ein Comming of age – Roman, schräg, amüsant, empathisch, spleenig. Franz ist einer, der weiß, dass er irgendwie die Schule überstehen muss, mit Abschluss, aber wozu das alles gut sein soll, hat er noch lange nicht kapiert. Schule ist irgendwie ein Stück Heimat, wenn nur der Unterricht nicht wäre. Ein typisches Jugendbuch, allerdings in einer Form, das auch Erwachsenen gefällt.

Hier geht es zur Rezension:   Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Rezension - Der Wintersoldat von Daniel Mason

Der 22-jährige Medizinstudent Lucius wird als Sanitätsoffizier während des ersten Weltkriegs von Wien nach Nemnowice, Galizien, in die Karpaten geschickt. Bisher hatte er seinen Focus eher auf neurologische Dinge gelegt, will später in die Forschung gehen, er hat sich für eine Universitätslaufbahn entschieden. Nun steht er hier als einziger Arzt in einem heruntergekommenen Kriegslazarett. Noch nie hat er chirurgische Eingriffe geübt, amputiert. Die einzige Krankenschwester, eine Nonne namens Margarete, zeigt ihm, was handwerklich zu tun ist. Ein eindrucksvoller historischer Roman über den Unsinn von Krieg. Nebenbei entwickelt sich eine kurze Liebesgeschichte, ein Drama, ein geschichtsträchtiger Stoff aus dem Russlandfeldzug.

Weiter zur Rezension:     Der Wintersoldat von Daniel Mason

Rezension - Ada und die Zahlenknackmaschine von Rachel Katstaller und Zoë Tucker

Dieses Bilderbuch erzählt die Geschichte von Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, besser bekannt als Ada Lovelace, die Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen mit ihrem Freund Charles Babbage ein komplexes Rechenprogramm entwickelte. Sie nannte es »Analytical Engine«. Es war der erste Computer auf der Welt und die Erfindung leitete das Computerzeitalter ein. Sie war die Tochter des berühmtesten englischen Literaten Lord Byron. Die Programmiersprache Ada wurde ihr zu Ehren so benannt. Doch kaum ein Mensch kennt Ada Lovelace. Das soll sich mit diesem Buch ändern.

Weiter zur Rezension:  Ada und die Zahlenknackmaschine von Rachel Katstaller und Zoë Tucker

Rezension - Wundertier Schwamm von Ninon Ammann

Mich hat das Kindersachbuch beeindruckt, da ich eine Menge über Schwämme gelernt habe, besonders, wie wichtig diese Tiere für unsere Meere sind. Klar, dass man die Schwämme nicht auf die Badeschwämme reduzieren sollte, die heute mittlerweile angebaut werden – doch dieses kompakte Wissen der Naturkunde hat auch mich noch erstaunen können. Meine Hochachtung vor dem Schwamm ist um 100 Prozent gestiegen. Absolute Empfehlung für die Meereskunde!

Weiter zur Rezension:   Wundertier Schwamm von Ninon Ammann