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Kind zu verschenken! von Hiroshi Ito - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Kind zu verschenken! 


von Hiroshi Ito


Seit der kleine Bruder auf der Welt ist, kümmern sich die Eltern nur noch um ihn. Dabei sieht Daichi doch aus wie ein Äffchen und kann nichts weiter als schlafen, schreien und in die Windel machen. Der Schwester reicht es. Sie packt einen kleinen Rucksack und sagt Mama, dass sie geht, um sich eine neue Familie zu suchen. Mama sagt jaja und Tschüß – und im Hinausgehen, das Mädchen möge nicht vergessen zum Abendessen zurück zu sein. Ein Pappkarton wird beschriftet: «Kind zu verschenken», und sie setzt sich am Straßenrand hinein und wartet … 



Jetzt beginnt ein neues Leben. Alle werden sich um mich reißen!



Die humorvolle Geschichte beschreibt nun die Gedanken des Mädchens – wie sie sich eine neue Familie vorstellt; und klar, sie wird wählerisch sein. Aber die Leute gehen vorüber, interessieren sich gar nicht für sie! Allerdings sammeln sich in ihrem Karton noch andere einsame Herzen … Wie mag das wohl ausgehen? Hiroshi Ito zeigt mit Witz und Einfühlungsvermögen aus der Perspektive der großen Schwester, wie unbeachtet sie sich fühlt, vom Thron des Einzelkinds herabgehoben, in die Ecke geschoben. Sie ist todtraurig! Da sitzt sie nun am Straßenrand, wandert nachher sogar zum Bahnhof, weil dort mehr Menschen zu finden sind – aber niemand schenkt ihr Aufmerksamkeit! Statt neuer Familien tauchen immer mehr Individuen auf, die auch ein Zuhause suchen: ein Hund, eine Katze und eine Schildkröte. 



Hiroshi Ito schafft es, mit wenigen Strichen Atomosshäre zu schaffen, den Blickwinkel des Mädchens auszuleuchten. Selten steht mehr als ein Satz auf der Seite, manchmal gar keiner, Ito lässt dem Betrachter viel Raum für eigene Emotion und Gedanken. Und natürlich geht die Geschichte für alle Beteiligten gut aus. Sich nicht beachtet fühlen, wenn ein Geschwisterchen kommt, für Kinder oft ein Problem. Das wir hier hervorragend mit viel Humor aufgenommen. Ein prima Bilderbuch, um mit Kindern über ihre Gefühle zu sprechen, sie genau zu benennen und auch um Lösungswege zu suchen. Familie, was bedeutet das? Der Moritz Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 6 Jahren. Passt für mich ab der Vorschule.



Hiroshi Ito, geboren 1957 in Tokio, studierte Pädagogik an der Universität von Waseda. Schon während seines Studiums begann er, Bilderbücher zu schreiben und zu illustrieren. Er sagt: «Ein gutes Kinderbuch hat trotz seiner Einfachheit Tiefe. Der Leser sollte jedes Mal, wenn er es aufschlägt, etwas Neues entdecken.»



Hiroshi Ito
Kind zu verschenken! 
Aus dem Japanischen übersetzt von Ursula Gräfe
Bilderbuch, Kinderbuch, Geschwister, Gefühle, Japanische Literatur, Kinder- und Jugendliteratur
Hardcover, 120 Seiten, 15.4 x 21.6 cm
Moritz Verlag, 2023
Altersempfehlung: ab 6 Jahren






Bilderbücher, Kinderbücher Vor- und Grundschule 5 - 10 Jahre






Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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