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Harter Fall von Frank Göhre - Rezension

 

Rezension

von Sabine Ibing




Harter Fall 


von Frank Göhre



Der erste Satz: 
Der Film: Die Küste, der Palmenwald, ein rot-weisser Bus auf der Strasse entlang am Meer, Sonne und Strand, und die ersten Takte des Songs ertönen … ‹the harder tey come …›.

Erstes Kapitel – Szenen aus einem jamaikanischen Kinofilm «The Harder They Come».
Zweites Kapitel – Ein siebzehnjähriges Mädchen in Dänemark schleicht im Morgengrauen aus dem Haus,  macht sich auf, ihren Freund – eine Ferien-Sommerliebe – in Flensburg zu besuchen.
Drittes Kapitel – Es sind die Monate nach der großen norddeutschen Schneekatastrophe im Winter 1978/79: In Hamburg wird eine unbekannte junge Frau tot aufgefunden. 
Zur selben Zeit brechen zwei Abiturienten mit einem ehemaligen Schulkameraden nach Jamaika auf. Sie wollen den Roots des Reggae folgen, in die Berge und ans Meer, auf den Spuren des Kultfilms «The Harder They Come». Eine Studentin aus ihren Dunstkreis bleibt zurück, ihr Weg führt in das Kiez-Milieu dieses zu Ende gehenden Jahrzehnts. 

Hinnerk klingelte. Die Frau, die ihm öffnete, trug einen weiten dunkelgrünen Mantel mit hochgestelltem Pelzkragen und in der Linken einen Einkaufskorb. Hinnerk grüßte und wies sich aus. 
‹Ich konnte Sie telefonisch nicht erreichen›, sagte er. 
‹Das ist kein guter Zeitpunkt›, sagte die Frau. Sie machte keine Anstalten, Hinnerk hereinzubitten. ‹Ich bin kaum noch zu Hause. Mein Mann liegt im Krankenhaus.›
‹Das tut mir leid.› 
‹Das hat er sich selbst zuzuschreiben. Er ist übergewichtig, er trinkt, er raucht. Er klappt zusammen, und ich hab den Ärger. Aber das kümmert ihn nicht.› 
‹Ich mache es kurz. Es geht um Sohn.› 
‹Wir haben keinen Sohn.›

Leider nicht mein Geschmack 

Ich bin mit diesem Krimialroman nicht warm geworden. Verschiedene Stränge, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, bilden verschiedene Untergeschichten. Hamburg mit seinen Clubs, seinen Spelunken; Elvis, der Peepshow-Hesse, Miami-Paul und die Angels haben das Sagen im Rotlichtmilieu auf der Reeperbahn. Jan und Torsten und KFZ-Peter begeben auf Jamaika auf den Spuren von Bob-Marley, entzweien sich dort. Torstens studierende Schwester Ulrike dealt mit Drogen und ihr Vater, der Rockmusik im Radio moderiert, ist einer ihrer Kunden. Hin und wieder ermittelt Kommissar Hinnerk … Tut er das wirklich oder ist er mit sich selbst beschäftigt? Bonnie und Karate-Kalle glauben, mit Drogen das dicke Geschäft zu machen. Nicht zu vergessen Ingo, der Sozi und die allgegenwärtige RAF-Fahndung. Kurze Szenen, ständig im Wechsel. Immer wieder Bezüge, Ausschnitte zu Songs, Textauszüge (Schlager, Abba, CCR, Bonny M. usw.) und Filmklassikern. Mich hat es ziemlich genervt – weder meine Songs, noch meine Filme; und überhaupt mag ich es persönlich nicht, wenn ein Buch voller Bezüge zu Songs und Filmen ist, mit Textauszügen vollgepfropft. Kurze Schnitte und ab zur nächsten Szene – hin und her in den Strängen. Die Kriminalgeschichte um den Tod des Mädchens ist mehr als nebensächlich. Die Auswirkungen und allerlei anderes stehen im Vordergrund. Göhre ist Kult. Dieser Roman kam bei mir leider nicht an. Im Prinzip viele kleine Einzelgeschichten, die sich zufällig kreuzen. So ist das mit dem Geschmack: Jeder hat einen anderen.


Frank Göhre, geboren 1943, aufgewachsen im Ruhrgebiet, lebt in Hamburg. Gleich sein erster Krimi, »Der Schrei des Schmetterlings« (1986) – Auftakt der inzwischen legendären »Kiez Trilogie« -, wurde mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet, ebenso wie sein Roman »Der Auserwählte« von 2010 und »Verdammte Liebe Amsterdam« von 2020, für den er auch den Stuttgarter Krimipreis erhielt. Frank Göhre gab das Gesamtwerk des Schweizer Autors Friedrich Glauser neu heraus und schrieb seinen Lebensroman »Mo«. Gemeinsam mit Alf Mayer veröffentlichte er Bücher über Ed McBain und Elmore Leonard. Zu seinen Drehbucharbeiten zählen »Abwärts« und »St. Pauli Nacht« (Deutscher Drehbuchpreis, verfilmt von Sönke Wortmann).


Frank Göhre
Harter Fall
Kriminalroman, Kriminalgeschichte, Hamburg, Kiez, Jamaika, Reaggy 
Kartoniert, 168 Seiten
CulturBooks, 2023






Die Stadt, das Geld und der Tod von Frank Göhre

Clankriminalität in Hamburg. Eine Gangsterstory, Korruption, Verbandelung mit der feinen Hamburger Gesellschaft. Ein Sprachstil im Konzentrat, fast im journalistischen Stil, Puzzleteile setzen sich zum großen Ganzen zusammen. Ende der Achtziger muss Ivo aus den Karpaten fliehen. Sein Cousin, der im Rotlichtmilieu agiert, hilft ihm, nach Hamburg zu entkommen, wo Cousin Nicolai Radu sich gerade versucht, sich im Kiez zu etablieren – die Vorgeschichte. Heute: Ivo kommt aus dem Knast, hatte ein paar Jahre eingesessen; Nicolai ist nun Immobilienunternehmer, gut eingeheiratet, Freundeskreis: Hamburger Pfeffersäcke. Eine Gangsterstory, Clankriminalität, der etwas andere Noir-Thriller. Empfehlung!

Weiter zur Rezension:   Die Stadt, das Geld und der Tod von Frank Göhre





Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller

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