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Unter dem Feigenbaum von Goran Vojnović - Abbruch





Der slowenische Schriftsteller, Lyriker, Drehbuchautor und Filmemacher Goran Vojnović ist Jahrgang 1980, in der Hauptstadt Ljubljana geboren und somit erlebte er als Kind die jugoslawischen Sezessionskriege. Ich hatte mir viel von diesem Roman versprochen, habe allerdings kurz nach der Hälfte abgebrochen, da ich mich völlig überfordert gefühlt habe. Ich fand keine rote Linie in diesem Buch und war Macht des vielen Personals der Randgeschichten und des zähen Erzählstils irgendwann genervt.

Ich versuche nun chronologisch (im Buch springt es hin und her) dem Roman gerecht zu werden. Großvater Aleksandars Familie war aus dem jüdisch-ukrainischen ins Kaiserreich Österreich-Ungarn geflohen. Das Gebiet gehörte nach 1945 zu Titos Jugoslawien. Aleksandar wird innerhalb Jugoslawiens als Forstverwalter abkommandiert, baut ein Haus nahe dem Arbeitsplatz in Nord-Istrien zur slowenisch-kroatischen Grenze in einem Dorf, das bis 1945 italienisch war. 1991 erklärt sich Slowenien zum unabhängigen Staat. Es werden Grenzen gezogen und das Haus Großvater Aleksandar, mit dem großen Feigenbaum im Garten, befindet sich nun in Kroatien. Der Großvater hatte in jungen Jahren eine Zeit lang Großmutter Vesna verlassen, hat sich länger in Ägypten aufgehalten. Das ist der eine Strang der Geschichte, die mit dem Tod von Aleksandar beginnt. Die Geschichte erzählt der Enkel, Jadran, der nach dem Tod in der Familiengeschichte gräbt. Er lebt zusammen mit seiner Mutter Dane. Die wiederum ist mit ihrer Schwester total zerstritten (ethnische Gründe), erstmalig nach Jahren erscheint sie nach des Vaters Tod, um herumzukommandieren. Dane ist mit Safet verheiratet, einem Bosnier. Der allerdings mir nichts, dir nichts, eines Tages verschwand. Bei der Polizei hat man die Vermutung, er sei nach Bosnien zurückgekehrt, um im Krieg zu kämpfen. Dane kann sich nicht vorstellen, dass einer einfach abhaut, Frau und Kind ohne ein Wort verlässt. Und was soll er in Bosnien? Er hat dort nur weit entfernte Verwandte. Eltern und Bruder verstorben (dessen Kinder in Stockholm leben), Schwester in Australien. Es stellt sich heraus, Safet ging wirklich in den Bosnienkrieg.

Das erste zerstörte Haus vergisst du nie, das erste niedergebrannte Dorf, durch das du fährst, brennt sich in deiner Erinnerung ein, alle nachfolgenden Ruinen verblassen mit der Zeit, du weißt, dass es sie einmal gegeben hat, dass du sie nie gesehen hast, aber du kannst sie nicht mehr zurückrufen.

Als junger Mann besucht Jadran später den Vater, der vereinsamt in seines Vaters Haus in Bosnien wohnt. Er trifft ihn völlig verarmt und verwahrlost an. Die beiden haben sich nichts zu sagen. Der Vater redet wie ein Wasserfall nur von sich selbst, der Sohn hört nicht zu, fährt unbefriedigt nach Hause. Es gibt sehr schöne Passagen in diesem Buch, absolut. Andere Stellen sind ausgewalzt wie Filoteig und verästeln sich breit in Nebengeschichten. Alle paar Seiten treten wieder um die 20 neue Personen auf, man fragt sich, ob man sich einen davon merken soll, stellt irgendwann fest, sie tauchen nie wieder auf. Und wohlgemerkt, was ich versucht habe, die Story bis zur Hälfte des Romans geordnet zusammenzufassen, sie ist nicht chronologisch erzählt. Ich denke, die Geschichte an sich ist gut. Doch verzettelt ich der Autor im Wurzelgeäst seiner Darstellung, was mich als Leser irgendwann genervt das Buch weglegen lies. Es geht hier wohl grundsätzlich um Stammesreinheit und Abstammung, ethnische Verletzbarkeit, Bruderkrieg in der Familie, weil zwei zusammenkamen, die nach Meinung anderer nicht zusammengehören. Familien krachten im Sezessionskrieg auseinander, Freunde gingen sich gegenseitig an die Gurgel. Wer geduldiger ist als ich, mag sich sicher mit dem Roman anfreunden können.

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