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Wir saßen auf der Wolke und ließen die Beine baumeln von Kurt Tucholsky - Rezension

 

Rezension

von Sabine Ibing


Wir saßen auf der Wolke und ließen die Beine baumeln 


von Kurt Tucholsky 

Nachher


Der Anfang: 

Wir schaukelten uns auf den Wellen – kurze und lange umhauchten uns, die Sendestationen der Planetenkugeln versorgten uns damit, uns, im jenseitigen Herrenbad. Aus den Familienkabinen drang leises Kreischen.


Kurt Tucholsky schaut hier in kleinen Essays auf die Welt hinunter, auf einer Wolke sitzend mit einem Gesprächspartner. Ein distanzierter klarer Blick aus der Ferne. Man könnte es als Auszeit aus der Welt betrachten, sich zurücknehmen und resümieren. Natürlich sind die Texte mit dem typisch satirischen Blickwinkel des Publizisten unterlegt. In den 1920ern widmete er sich in 20 tiefsinnigen wie amüsanten Erzählungen, die in der Zeitschrift «Weltbühne» als Kolumnen erschienen, fabulieren über das Jenseits, Gott, menschliche Fehler und Beziehungen. Ob es um den Knacks im Leben geht, wenn man aus der Jugend ins Mannesalter fällt, nicht gleitet; das Opfer des Einzelnen, das er für die Gemeinschaft auf sich nimmt, Klatsch und Tratsch hinter dem Rücken, menschliche Unzulänglichkeit und Verfehlen. Kurze Texte, Kolumnen, die auch noch heute aktuell sind. Fein geschliffene Sprache, Humor. Ein kleines Buch für die Hosentasche, ein Geschenk statt Blumen. – Bücher verwelken nicht.


Nein›, sagte er. ‹Ich kann nicht schwimmen. Ich hatte einen Bruch. Mein Leib hatte einen Bruch.›

Ich habe es auch nicht gelernt›, sagte ich. ‹Ich wollte es immer lernen – ich habe drei –, viermal angefangen – ; aber dann ist es immer nichts geworden. Nein, Schwimmen nicht. Englisch auch nicht – damit war es ganz dasselbe. Haben Sie alles erreicht, was Sie sich einmal vorgenommen hatten? Ich auch nicht.


Kurt Tucholsky (9.1.1890 Berlin – 21.12.1935 Göteborg, Schweden), Sohn eines jüdischen Kaufmanns, war einer der gefragtesten Publizisten der Weimarer Republik. Tucholsky, der trotz pazifistischer Einstellung Soldatendienst während des Ersten Weltkriegs zu leisten hatte, war bereits seit seines Jura-Studiums in Berlin und Genf (er promovierte 1915 zum Dr. jur.) journalistisch aktiv. Er schrieb mitunter für die Zeitschriften Vorwärts, Weltbühne (ehem. Schaubühne) und Ulk. Ab 1929 lebte er im schwedischen Hindås, wo er von der Machtergreifung Hitlers erfuhr. Tucholskys Bücher wurden aufgrund seiner offensiven Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus 1933 verboten und verbrannt, er selbst ausgebürgert. Tucholsky starb nach einem Suizidversuch in Göteborg. Tucholsky bediente in mehr als 2.500 publizistischen Texten– mitunter unter den Pseudonymen Ignaz Wrobel, Peter Panter, Theobald Tiger und Kaspar Hauser – ein breites journalistisches Spektrum von Polit-Satire über Feuilleton bis hin zu Chanson. Daneben erschienen von ihm die Reiseaufzeichnung «Ein Pyrenäenbuch» sowie das gesellschaftskritische und in Zusammenarbeit mit John Heartfields entstandene Deutschland, Deutschland über alles. Die Romane «Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte» und «Schloss Gripsholm – Eine Sommergeschichte» sind humorvolle und melancholische Liebesgeschichten. Nach seinem Tod wird Tucholsky dem Friedhof in Mariefred in Schweden beigesetzt – unweit des Schlosses Gripsholm.


Kurt Tucholsky 
Wir saßen auf der Wolke und ließen die Beine baumeln
Nachher
Erzählungen, Essays, Kolumnen, Pocketbuch
Nachwort von  Ute Maack
Illustrationen: Kolling, Hannah
Gebunden, 9,6 x 15,2 cm, 96 Seiten
Reclam Verlag, 2020


Zeitgenössische Literatur

Hier verbirgt sich manche Perle der Literatur. Ich lese auch mal einen Bestseller, natürlich, aber mein Blick ruht  immer auf den kleinen Verlagen, auf den freien Verlagen. Sie trauen sich was - und diese Werke sind in der Regel besser als der Mainstream der meistgekauften Bücher …
Zeitgenössische Romane

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