Direkt zum Hauptbereich

Simons kleine Lügen – Pudding in Not von Jo Berger - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Simons kleine Lügen – Pudding in Not 

von Jo Berger

Die Wahrheit ist kompliziert


Die Höhle ist ein perfekter Ort, um den unzähligen Belastungen eines modernen Neunjährigen zu entfliehen.

Wahrheit ist etwas Kompliziertes. Wenn man sie erklärt, wird alles noch komplizierter, denn da hängen auch noch andere Dinge dran, die dann auch auf den Tisch kommen. Vielleicht steht man mit der Wahrheit als Idiot da oder als Tölpel – und es kann sein, dass man sich den Mist als Anekdote die nächsten Jahre immer wieder anhören muss. Und überhaupt, was ist denn Wahrheit? Opa behauptet, er könne zaubern – stimmt doch gar nicht, sieht nur auf den ersten Blick so aus, er trickst doch. Oder, was Papa mit seiner Uhr macht – zaubern? Bekommen die eine Strafe, wenn sie lügen? Nee, die bekommen dafür ahhhs und ohhhs.

…die Wahrheit ist kompliziert. Kompliziert wie … ein Elefant. Schwer, runzlig, besorgniserregend.




Die Familie von Simon hätte gern ein paar Antworten: Wie kommt ein Tischtennisball in der Erdnussbutter? Wieso existiert vom Porzellanhund nur noch ein Ohr – wo ist der Rest? Wie kommen die Kartoffeln in die Waschmaschine? Keine Ahnung, sagt Simon. Denn der sitzt am liebsten in seiner Höhle, die er sich in seinem Zimmer gebaut hat. Zutritt hat nur sein bester Freund Karli und klar, Katze Pudding. In der Schule  bekommt er Ärger mit Fincher, dem Klassentyrann, dem mit dem Killerblick und er hat tierischen Ärger mit Finschers Höllenhund Fleischer. Das alles hat mit der Wahrheit zu tun und Cheeseburgern.




Simon hatte seiner Mutter versprochen nicht mehr zu lügen. Einfacher gesagt, als getan. Ein Comic, eine Graphic Novel, für Neunjährige und ihre Problemzonen. Eine Menge Slapstick steckt in dieser Geschichte, die teils urkomisch ist und andererseits sich auch mit Dingen des Alltags beschäftigt. Langweilige Brotdosen mit Vollkornbrot und Apfel ... Klassentyrannen, Mobbing, protzend wilde Geschichten erzählen …




Rundum fand ich den Comic gut. Neben lustigen Situationen werden typische Alltagssituationen angerissen und am Ende gesteht Simon seine Missetaten. Sehr lustig auch zu erfahren, wie Katze Pudding ins Haus kam und wie sie ihren Namen erhielt. Was mir etwas merkwürdig erschien, war, dass die Personen in dem Buch völlig elektronikfrei waren. Nirgendwo ein Handy, Tablett – gut, Papa spielt E-Gitarre – aber in der Höhle von Simon ein TV? Das alles schien mir etwas retro. Genau das fällt den Kindern sofort auf: Wieso hat der in der Höhle einen Fernseher? Kompliziert, warum nimmt der nicht ein Tablett mit rein? Ansonsten trifft es die Welt des Neunjährigen. Ein Comic mit großer Schrift, interessant für lesefaule Kinder. Aber nicht nur für die. Die Grafiken sind ausdrucksstark und witzig, kindgerecht. Wer ein Fan von »Gregs Tagebuch« ist, dem wird dieses Buch auch gefallen, denn es ist in ähnlichem Stil gehalten.

Joe Berger absolvierte ein Studienkolleg an der Bower Ashton in Bristol. Danach arbeitete er in London als Illustrator für internationale Magazine und Zeitungen, gestaltete Buchcover, drehte animierte Kurzfilme und Werbung und zeichnet seit 2003 mit einem Kollegen den wöchentlichen Comicstrip in The Guardian. Inzwischen lebt er mit seiner Familie wieder in Bristol und illustriert und schreibt Comicromane.


Joe Berger 
Simons kleine Lügen – Pudding in Not
Comic, Graphic Novel, Kinderbuch
Mixtvision Verlag, 2017
gebunden, durchgängig schwarz-weiß illustriert, 256 Seiten
ab 8 Jahren

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Abbruch – Höhenfieber über der Leventina von Elda Pianezzi

Ein Schweizer Krimi aus dem Tessin hatte mich gereizt. Nach 50 Seiten habe ich abgebrochen, nochmal weiter hinten 3 Seiten gelesen. Es wird sprachlich nicht besser. Wenn ich einen Roman nach so kurzer Zeit abbreche, liegt es immer an der Sprache. Drei Ehepaare, ein Paar und zwei Männer gehen auf eine Wanderung in die Tessiner Alpen (verschiedene Gruppen). Hoch über der Leventina treffen sie an einer Berghütte aufeinander, in der sie übernachten wollen, die aber geschlossen ist, vom Hüttenwart keine Spur. Es beginnt es zu schneien, ein Abstieg ins Tal ist zu gefährlich. Also brechen die Wanderer die Tür auf.

Seit er einen fortgeschrittenen Managementkurs besucht hat, hält er seine Tür immer offen und demonstriert, wachsam wie eine Eule, bloß am Tag – seine stetige Bereitschaft, seine Untergebenen zu empfangen, die er auf moderne Weise als Mitarbeiter bezeichnet. Diese nutzen aber die Gelegenheit nur selten, auch weil in der Regel diejenigen, die es versuchen, viele Händedrücke bekommen…

Deutscher Kinder- und Jugendbuchpreis 2020 - Nominierungen

Am 16. Oktober 2020 wird auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Kinder- und Jugendbuchpreis 2020 vergeben. Die Nominierungen stehen fest. Wir sind gespannt, wer gewinnt.
Einige der nun Nominierten habe ich bereits rezensiert, und ihr findet sie hier:

BilderbuchAusflug zum Mond von John Hare   Noch ein Bilderbuch, in das ich mich verliebt habe … Ohne Worte erzählen die Zeichnungen die intensive Geschichte von einem Jungen, der zum Mond fuhr, und dort vergessen wurde. Die erste Seite der Erzählung ist das Cover, denn dort sieht man Kinder (wohl eine Schulklasse) ein Shuttle besteigen. Ein Bilderbuch, das kei ne Sprache benötigt, um eine intensive Geschichte zu erzählen. Das Kind, der Mann im Mond – ganz viele …

Weiter zur Rezension:   Ausflug zum Mond von John Hare


Dreieck Quadrat Kreis von Mac Barnett und Jon KlassenDrei zusammengehörige Bilderbücher zum Thema Formen, Freundschaft und Ängste. Riesige spricht nicht aus mir. Aber lest selbst, es klemmt für mich an vielen Ecken.

Weiter…

Rezension - Das Holländerhaus von Ann Patchett

Eine amerikanische Familiengeschichte über den Aufstieg eines kleinen Mannes. Cyril Conroy kommt durch Fleiß zu Geld und stolz erwirbt das sogenannte Holländerhaus, eine Prunkvilla. Cyril ist besessen von dem Haus. Die Kinder lieben den großen Pool. Seine Frau Elna hatte Cyril nicht gefragt, ob sie das Haus haben möchte. Und sie fühlt sich unwohl in der pompösen Villa mit all dem Zeug, das Fremden gehörte, dem Hauspersonal. Eines Tages ist Elna verschwunden. Sie ist nach Indien gegangen, erklärt Cyril seinen Kindern Maeve und Danny. Ein paar Jahre später heiratet Cyril die junge Witwe Andrea Smith, die ebenso in das Haus vernarrt ist. Als Cyril früh verstirbt, schmeißt sie die Kinder aus dem Haus, denn sie hatte es geschafft, per Testament zur Alleinerbin zu werden. Das Haus wird Maeve und Danny nie loslassen. Immer wieder kehren sie zurück, um es vom Auto aus zu beobachten. Der Roman ist in Ordnung, Unterhaltungsliteratur. Mir fehlte Spannung, denn er zieht sich wie ein gespannter F…

Rezension - Die geheimen Muster der Sprache – Ein Sprachprofiler verrät, was andere wirklich sagen von Patrick Rottler und Leo Martin

Institut für forensische Textanalyse – was muss man sich darunter vorstellen? Erpresserbriefe, anonyme Verleumdungsschreiben, geschäftsschädigende Bewertungen kommen öfter vor, als man denkt. Nehmen wir ein großes Unternehmen, dass einen anonymen Hinweis auf Führungskraft X erhält, er würde Mitarbeiterinnen betatschen oder etwas betrieblich kungeln. Sprachprofiler kommen immer dann zum Einsatz, wenn Personen oder Unternehmen anonym angegriffen, bedroht oder erpresst werden. Der Auftrag ist es, die Täter anhand ihrer Sprachmuster zu überführen. Durch Fallbeispiele wird hier linguistisches Profiling erklärt, dargestellt, was ein sprachlicher Fingerabdruck ist.

Weiter zur Rezension:  Die geheimen Muster der Sprache – Ein Sprachprofiler verrät, was andere wirklich sagen von Patrick Rottler und Leo Martin 

Rezension - Die Klimaschweine von Julia Neuhaus und Till Penzek

Den Schweinen geht es saugut! Ihre Fabriken rotzen Dreck aus den Schornsteinen, sie hauen sich Hamburger hinein, bringen mit Monstertrucks ihre Kids bis ins Klassenzimmer, fliegen mit Flugzeugen kleine Strecken, amüsieren sich auf wolkenkratzerartigen Schiffen. – Was ist auf der anderen Seite der Welt los? Den Pinguinen schmilzt das Eis unter den Füßen weg, sogar das Himbeereis schmilzt schneller, als sie lecken können. Der Pinguinprofessor erklärt die Erderwärmung. Wahrscheinlich wissen es die Schweine nicht besser, denken die Pinguine, und machen sich auf ins Land der Schweine. Können sie das Klima retten? Ein klasse Kinderbuch zur Klimaerwärmung. Es gibt eine Menge Redebedarf bei diesem Buch – gleichzeitig unheimlich viel zu lachen. Und natürlich zum Nachdenken. Bilderbuch ab 5 Jahren.

Weiter zur Rezension:   Die Klimaschweine von Julia Neuhaus und Till Penzek

Rezension - Einsiedeln von Silvia Götschi

Einsiedeln, Kanton Schwyz, bekannt durch das Kloster Einsiedeln Eine zerstückelte Leiche im Sihlsee und ein Hinweis zum Benediktinerorden … Welche Verbindung gibt es zum Kloster? Oberleutnant Valérie Lehmann fischt mit ihrem Team zunächst im Trüben. Ein spannender Krimi aus der Schweiz.

Hier geht es zur Rezension:   Einsiedeln von Silvia Götschi

Gabriela Kasperski - Was sind Regiokrimis?

In diesem Beitrag zum Thema, Krimis und Thriller - eigentlich ein kunterbuntes Genre, geht es um ein typisch deutsches Subgenre: Der Regiokrimi. Gabriela Kasperski schreibt selbst in diesem Bereich und hat sich Gedanken dazu gemacht, war etwas erstaunt, was Wikipedia dazu zu erklären hat. Gibt es überhaupt einen Regiokrimi? In irgendeinem Ort muss eine Geschichte schließlich spielen – und sei es auf dem Mond.

Meine Definition sieht so aus: Wie für jeden anderen Krimi braucht es für einen Regiokrimi vielschichtige Figuren, einen Plot mit überraschenden Wendungen und eine Auflösung, die alles nochmal in Frage stellt. Es braucht eine passende Atmosphäre und ein überzeugendes Setting.
Neugierig? Hier geht es zum Artikel:   Was sind Regiokrimis? - von Gabriela Kasperski

Rezension - Ein Strandtag von Vessela Nikolova und Susanna Mattiangeli

EIN TAG AM MEER! ZUCKERSAND UND SONNENCREME Ein Tag am Strand - da gibt es viel zu erleben. Man kann schwimmen, tauchen, Boot fahren, in der Sonne liegen, mit Wasser spritzen, buddeln, Burgen bauen, versteckte Löcher graben, sich amüsieren, wenn einer hineinfällt. Man kann sich mit jemandem anfreunden, Pommes und Eis kaufen, picknicken. Menschen beobachten. Gluthitze, Salzwasser, Wellen, die über dich hinwegschwappen, kleine Fische, Muscheln, Sonnencreme, Sand, der an dir klebt, bis du wie ein paniertes Kotelett aussiehst. Ein Bilderbuch in Form eines Wimmelbuchs mit wundervollen Aquarellskizzen voller Strandliebe – Strandspaziergang mit einem Strandkind – Für mich das perfekte Urlaubsbilderbuch für den Strandurlaub – oder nach dem Urlaub, um weiter von Sonne, Sand und Meer zu träumen. Ab 3 Jahren ... Allage

Weiter zur Rezension:   Ein Strandtag von Vessela Nikolova und Susanna Mattiangeli

Rezension - Quell des Lebens von Bergsveinn Birgisson

Ich habe mich durch diesen Roman durchgeknabbert und habe mich gefragt, wer den Klappentext geschrieben hat. «Eine bewegende Liebesgeschichte und zugleich eine leidenschaftliche Warnung vor Umweltzerstörung und kolonialem Hochmut.»  Im Jahr 1783 brach der Laki-Krater auf Island aus, Lava floss aus seinem Schlund und er spuckte über Monate Ascheregen aus. Der Himmel verdunkelte sich, ganze Landstriche waren mit Asche übersät, unbrauchbar, Hunger und Krankheit ließ Menschen und Vieh sterben. In Kopenhagen plante man für die Kolonie nun die Zwangsdeportation der Bevölkerung, um sie Westjütland anzusiedeln und in Kopenhagen. Viel wusste man nicht über das entfernte Island und seine Menschen – es gab aber jede Menge Gerüchte. So wird der junge Wissenschaftler Magnús Aurelius Egede auf die Insel geschickt, um sich ein Bild zu machen. Klasse historische Hintergründe – um es zu sagen, zu viel für einen Roman nach meinem Geschmack, inklusive sperriger Sprache.

Weiter zur Rezension:   Quell de…

Rezension - Feuertaufe – Lorenz Lovis ermittelt von Heidi Troi

Lorenz Lovis, Mitte vierzig, ist der einzige Verwandte von Onkel Sebastian. Der nimmt ihm auf dem Sterbebett ab, den Hof nicht zu verkaufen, und Lovis ist so zwei Minuten später Hofbesitzer. Lovis, Polizist im Innendienst und nicht glücklich mit seinem Job, kündigt kurzer Hand den Dienst und überlegt sich, Privatdetektiv zu werden. Zwei Jobs in Teilzeit, zwei Jobs, von denen er keine Ahnung hat. Ein Regiokrimi aus Tirol, Brixen, gut geschrieben, aber eher ein Heimatroman, als Krimi. Wer einen spannenden Whodunnit erwartet, wird enttäuscht sein.

Weiter zur Rezension:   Feuertaufe – Lorenz Lovis ermittelt von Heidi Troi