Direkt zum Hauptbereich

Reise durch die Natur von Clover Robin und Libby Walden - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing


Reise durch die Natur 


von Clover Robin und Libby Walden

ein Guckbuch

Die Natur verändert sich,drum nimm dir Zeit, sie anzusehen,an jedem Tag, in jedem Jahr,bevor die Wunder schnell vergehen.Fühl die Rinde aller Bäume, lausch den Vögeln, horch ganz leise, lass dich von der Sonne küssen, geh mit Bienen auf die Reise.

Ein lyrisches Kinder-Sachbuch, so würde ich es bezeichnen. Libby Walden hat die Grafiken von Clover Robin in Worte umgesetzt. Sie fordert mit ihren Gedichten die Kinder auf, aktiv zu sein, zu hören, zu beobachten, zu fühlen, hinauszugehen, einen Samen zu pflanzen, neugierig zu sein. Und genau das gefällt mir besonders gut. Hier geht es nicht um das Konsumieren, sondern um die aktive Teilhabe in unserer Welt. Die Texte sind bezaubernd, sprechen alle Sinne an. Klappt man die Seite auf, so findet sich auf der rechten Seite Sachinformation über Blumen, Vögel, das Schilf, Insekten usw. Diese Infos sind nicht tief gehend, gut für kleine Kinder zu erfassen. Das Bilderbuch führt durch verschiedene Lebensräume durch die Jahreszeiten. Jede Seite ist aufklappbar. Es ist ein Gucklochbuch. Auch das hat Aufforderungscharakter. Normalerweise ir sich hinter einem Guckloch ein Geheimnis oder man vermutet etwas, das nach dem Aufklappen sich als optische Täuschung entpuppt. Genau das vermisse ich hier. Es gibt klitzekleine Löcher, die auf die andere Seite blicken lassen. Die Idee an sich ist gut. Her vermisse ich den Sinn.




Die Grafiken von Clover Robin sind im Colagenstil montiert. Sie gefallen mir. Zarte Naturfarben beruhigen das Auge und auf jeder Seite gibt es eine Menge zu entdecken. Insgesamt ist das Bilderbuch sehr gelungen. Es hat Atmosphäre in Text und Grafik, die fein zusammenspielen. Sprachliche Atmosphäre, die Sinne ansprechend mit Aufforderungscharakter und Informationsgehalt – alles was man von einem Bilderbuch erwarten kann, ist hier vorhanden. Drum mache ich mir auch keinen weiteren Kopf über den Sinn der Löcher. Das Buch ist ausgeschrieben ab 3 Jahre, da gehe ich mit.



Wenn sich der Tag dem Ende neigt,
ist die Eule erst erwacht.
Unter ihrem Flügelschalg
verschmelzen langsam Tag und Nacht.
Silbern leuchten Mond und Sterne
hoch am dunklen Firmament.
Nun regen sich die Kreaturen,
die man nur bei Nacht erkennt

Clover Robin ist hauptberuflich Designerin und Illustratorin. Sie stammt aus Devon, studierte Kunst und Design College in Leeds, machte ihren Master auf dem Central Saint Martins College. Eine Kindheit voll von Waldspaziergängen und Wanderungen durch die Landschaft weckten in ihr die Begeisterung für die Natur und Pflanzen.

Libby Walden ist Kinderbuchlektorin und Buchrezensentin auf ihrem Blog »Through the Wardrobe«. Am liebsten nutzt sie ihre Zeit zum Schreiben, Lesen und Ausdenken neuer Geschichten.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Schuldig von Kanae Minato

Bereits aus dem Klappentext erfahren wir so gut wie den gesamten Inhalt. Die kleine Wendung am Ende hat insofern nicht dazu beigetragen, dass dieser Roman mir letztendlich doch noch gefallen hat. Das war das nämlich Mindeste, was ich am Ende erwartet habe. Nachdem ich von dem Vorgänger »Geständnisse« sehr begeistert war, hat mich dieses Buch enttäuscht, gelangweilt. Ich habe viel geblättert.

Weiter zur Rezension:   Schuldig von Kanae Minato

Rezension - Queen July von Philipp Stadelmaier

Eine Novelle, die mich in ihrer luftigen Art verblüfft – begeistert – hat. Eine Geschichte der ersten Liebe, von einer die nicht loslässt. 17 Jahre ist es her, sie gingen damals noch in Paris zur Schule. Er hatte Schluss gemacht – einfach so, ohne Grund. Doch Strehler bleibt in Azizas Kopf. Ein heißer Julitag und July hält es nur in der Badewanne aus. Aziza setzt sich auf den Boden, kennt July kaum, und vielleicht gerade darum erzählt sie ihr aus ihrem Leben - 17 Jahre ohne Strehler, abgehauen aus Paris bis nach Dschibuti – mit Strehler im Kopf … Eine Novelle mit einem wundervollen Sound – Empfehlung!

Weiter zur Rezension:   Queen July von Philipp Stadelmaier

Rezension - Ein Nashorn namens Clara von Katrin Hirt und Laura Fuchs

Ein Bilderbuch, das mich begeistert hat, denn es ist eine wahre Geschichte. Letztendlich eine tragische Story aus heutiger Sicht. Es war einmal ein kleines Nashorn, das mit seiner Familie in Indien lebte. Jäger töteten die Mutter, brachten das Jungtier in die Stadt, wo es von einer Kaufmannsfamilie aufgenommen wurde und den Namen Clara erhielt. Schon bald zeige sich, dass man ein Nashorn nicht im Haus halten kann. Kapitän Douwe Van der Meer hatte eine Lösung parat. Er nahm Clara mit nach Europa. Eine Sensation! So ein Tier hatte hier noch niemand gesehen!

Weiter zur Rezension:   Ein Nashorn namens Clara von Katrin Hirt und Laura Fuchs

Rezension - Fake News & Verschwörungstheorien von Gérald Bronner und Krassinsky

Ein Wissenscomic, eine Grafic Novel zum Thema Meinungsbildung, Informationsfluss, Fake News und Verschwörungstheorien. Lehrer, Eltern, Großeltern, bitte lesen, denn dies ist für mich ein wichtiges Buch – nicht nur für Jugendliche. Fake News gehören neben Umweltveränderungen zu den größten Problemen unserer Epoche. Wie werden wir beeinflusst, was gaukelt uns unser Gehirn vor? Jean-Paul Krassinsky zeichnet ausdrucksstark, humoristisch, durch die Comicform ver(sinn)bildlichen sich die Informationen.

Weiter zur Rezension:    Fake News & Verschwörungstheorien von Gérald Bronner und Krassinsky

Rezension - Die schwarze Fee von Kerstin Ehmer

Nachdem ich von Kerstin Ehmers Debüt »Der weiße Affe« begeistert war, wollte ich wissen, wie es mit Kommissar Ariel Spiro weitergeht. Und wieder ist ihr ein interessanter, historischer, literarischer Krimi gelungen. Berlin in den Zwischenkriegszeiten, Armut und Hunger überzieht die Stadt, eine russische Exilgemeinde tummelt sich im Berlin der zwanziger Jahre. In den Arbeitervierteln herrscht große Armut, Kranke können nicht behandelt werden, weil das Geld für den Arzt fehlt, Unterernährung, ein weiterer Faktor, der die Sterblichkeitsrate erhöht. Die Syphilis hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt. Kerstin Ehmer beschreibt das Leben neben dem Pomp der wilden Zwanziger, das Berlin von Heinrich Zille. Ein spannender Krimi.

Weiter zur Rezension:   Die schwarze Fee von Kerstin Ehmer

Rezension - Berti und seine Brüder – Die Schokoladenkugel des Bösen von Lisa-Marie Dickreiter, Andreas Götz und Niklai Renger

Armer Berti, denn er hat es mit den Wikingern zu tun, so wie sie der Vater nennt: Harald, Sture und Erik. Seine großen Brüder sind die schlimmsten Rabauken der Stadt, und gern treiben sie derbe Späße mit dem kleinen Berti. Doch immer wieder hilft er ihnen aus der Patsche. Dieses Mal wird es schwierig werden, denn die Wikinger sind nun Superhelden und planen, die Stadt von der Kugel des Bösen zu befreien: eine riesige Schokoladenkugel, die im Schaufenster von »Kartrud’s Kändie« hängt …

Weiter zur Rezension:   Berti und seine Brüder – Die Schokoladenkugel des Bösen von Lisa-Marie Dickreiter, Andreas Götz und Niklai Renger

Rezension - Der Wintersoldat von Daniel Mason

Der 22-jährige Medizinstudent Lucius wird als Sanitätsoffizier während des ersten Weltkriegs von Wien nach Nemnowice, Galizien, in die Karpaten geschickt. Bisher hatte er seinen Focus eher auf neurologische Dinge gelegt, will später in die Forschung gehen, er hat sich für eine Universitätslaufbahn entschieden. Nun steht er hier als einziger Arzt in einem heruntergekommenen Kriegslazarett. Noch nie hat er chirurgische Eingriffe geübt, amputiert. Die einzige Krankenschwester, eine Nonne namens Margarete, zeigt ihm, was handwerklich zu tun ist. Ein eindrucksvoller historischer Roman über den Unsinn von Krieg. Nebenbei entwickelt sich eine kurze Liebesgeschichte, ein Drama, ein geschichtsträchtiger Stoff aus dem Russlandfeldzug.

Weiter zur Rezension:     Der Wintersoldat von Daniel Mason

Rezension - Das Kreuz des Südens von Sabine Kaufmann

Herzog Karl Eugen, Regent von Württemberg, war ein Lebemann, immer in Geldnot. Sein neues Schloss verschlingt Unmengen an Geldern. Woher nehmen? Die Vereinte Ostindische Kompanie (VOC) sucht Soldaten, die in Südafrika das Kap der Guten Hoffnung beschützen, denn die Engländer würden sich das Gebiet gern einverleiben. Kurzerhand macht Karl Eugen mit den Holländern einen Vertrag, verkauft ihnen ein Regiment Soldaten. Die müssen allerdings erst rekrutiert werden. In der Regel läuft die Rekrutierung nicht gänzlich freiwillig ab. 3000 unfreiwillige Freiwillige machen sich auf nach Südafrika. Mit dabei ist Lotte Morell, die sich als Mann verkleidet hat.

Hier geht es zur Rezension: Das Kreuz des Südens von Sabine Kaufmann

Rezension - Nature Sketching von Ueli Bieri

Mit Stift und Pinsel die Natur entdecken, der Schweizer Aquarellmaler lässt den Leser über die Schulter schauen. Er hat seine eigene Technik, die er über 200 Seiten lang präsentiert. Wer erwartet, er könne hier die verschiedenen Aquarelltechniken lernen, die man beim Nature Sketching anwenden kann, liegt falsch. Fauna und Flora in der Schweiz ist das Thema, sehr elegant und differenziert, aber auch sehr einseitig.

Weiter zur Rezension:   Nature Sketching von Ueli Bieri

Rezension - Der Schatz der Black Swan von Guillermo Corral und Paco Roca

Graphic Novel Eine wahre Geschichte um einen versunkenen Schatz. Obwohl ich den Kampf um einen Kulturschatz damals in den Medien verfolgt habe, liest sich diese Graphic Novel spannend. Vielleicht ist diese Graphic Novel so packend, weil der Autor, Guillermo Corral, früher einmal Diplomat war und einen überraschenden Einblick in die intrigante Verflechtung von Politik, Macht und Profit – eben schmutzige Geschäfte – offenlegt und deutlich wird, was damals geschah. Wem gehört der Schatz der spanischen Galeone »Nuestra Señora de las Mercedes«, die 1804 durch die britische Kriegsmarine befeuert wurde? Haben die Schatzsucher der Firma Odyssey versucht, den spanischen Staat auszutricksen?

Weiter zur Rezension:   Der Schatz der Black Swan von Guillermo Corral und Paco Roca