Direkt zum Hauptbereich

GIN von Peter Jauch - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



GIN 


von Peter Jauch

Das Buch – Herstellung, Genuss, Kultur


Ende der 1720er-Jahre wurden die Jahreslizenzen im Rahmen des ersten ‹Gin Act› für den Alkoholverkauf auf 20 Pfund, das Jahressalär eines Arbeiters, angehoben. Ein Aufschrei ging durch die Reihen der Ginhersteller. Das britische Parlament versuchte damit, den zunehmenden Alkoholkonsum unter der ärmeren Bevölkerung einzudämmen.


Der Gin erlebt derzeit sein Revival. Unzählige neue Marken fließen jedes Jahr neu auf den Markt. In diesem Buch, das ich als Lexikon bezeichne, gibt es Wissenswertes zur Geschichte und Herstellung, Destillateure; Barkeeper, Restaurantbesitzer und Köche kommen zu Wort. Am Ende werden von A-Z 300 Gin-Marken und 50 Tonics vorgestellt. Da bleiben keine Fragen mehr offen. 




Wissenswertes historisches Wissen steht am Anfang des Buchs, das Kapitel heißt «Erzähltes». Der holländische Genever erreichte das englische Königreich und wurde dort zum Volksgetränk. Es gab zur Eindämmung dieser Droge acht Gesetze zum Gin, die meisten fruchteten nicht. Das Königreich versank in einem kollektiven Suff, der zu Verwahrlosung und Verbrechen führte. Historischen Schätzungen zufolge trank jeder Londoner in dieser Zeit durchschnittlich 110 Pints Gin pro Jahr, was gut 60 Litern entspricht. Allerdings ist dieser katastrophale Arme-Leute-Fusel (mit bis zu 80% Alkohol) nicht mit dem Gin von heute zu verwechseln! Manch ein Hersteller versetzte seinen Gin mit Terpentin und Schwefelsäure und die Kindersterblichkeit bis zum 5. Lebensjahr lag bei 75 Prozent. 




Wie sieht es mit dem heutigen Gin aus? Wie wird Gin destilliert und was sind Botanicals? Mehr als 120 Aromen neben Wacholder bilden die Grundlage, auch mal exotische Beilagen wie Amber und Elefantenkot. Pro Gin werden 2 -82 Aromen verwendet. Die bekanntesten Botenicals werden in Fotos vorgestellt, die Geschmacksnoten erklärt. Selbst Eis hat beim Gin-Tonic seine Bedeutung, interessant. Und was ist eigentlich Tonic? Im nächsten Kapitel, «Erlebtes», besucht Peter Jauch verschiedene Destillen in Europa, dabei «Turicum» und «Deux Frères» in Zürich und natürlich die Monkey 47 im Schwarzwald – als Form ist das Interview gewählt. Hier plaudern Hersteller.




Cocktails und einige europäischen Bars werden «Im Gespräch» vorgestellt. Logischerweise beginnend mit Zürich: «Bar am Wasser», «50ZU5», «Gents Tonic», «4 Tiere Bar», das «Basil Smash», London, Frankfurt, Berlin … Gastronomen und Barkeeper zu Wort.




Im Kapitel «Getrunkenes» werden 300 Gins von A-Z vorgestellt, Bekanntes und sicher interessante nicht alltägliche Sorten, die man einmal ausprobieren wird, Porträts über Geschmacksprofil, Herstellung, Leitbotanicals usw. Es folgen 80 wichtige Tonics. Das Buch erhielt Silber beim «Deutschen Kochbuchpreis» und wurde nominiert beim «Best in the World 2021 Gourmand Award Trinkkultur». Rundum alles Wissenswerte um den Gin, ein Schwergewicht und Lexion zum Thema, das Gin-Freunden gefallen wird.



Peter Jauch ist Marketingmanager bei verschiedenen Printmagazinen. Leidenschaftlicher Gin-Entdecker, Mitinitiator des Projektes »about GIN« und Mitbegründer des ersten Gin-Erlebnisfestivals.



Peter Jauch 
GIN
Das Buch – Herstellung, Genuss, Kultur
Sachbuch, Lexikon, Gin, Kulinarisches, Trendgetränke
Gebunden, 424 Seiten, Format: 25 cm x 28 cm
AT Verlag, 2020



Sachbücher

Hier stelle ich Sachbücher vor, die im Prinzip nichts mit Fachliteratur zu tun haben. Eben Sachbücher jeder Art, die ein breites Publikum interessieren könnte.
Sachbücher



Kulinarische Bücher 

Kochbücher, Backbücher und alles rund um Lebensmittel findet sich kompakt auf dieser Seite. Auch Genussromane, soweit ich welche lese. Schleckermäulchen also hierher klicken:


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Ethnobotanik von Sarah Edwards

  Intro mit KI entwickelt Eine Pflanze ist niemals nur eine Pflanze! Hamamelis , die Zaubernuss, wird beispielsweise bei Hautreizungen und Entzündungen eingesetzt. Ihre Wirkstoffe finden sich heute weltweit in Salben und anderen Arzneimitteln. Das Wissen darüber ist allerdings sehr viel älter als die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Pflanze. Oder die Alraune , die in fast jedem Fantasy-Schmöker eingesetzt wird.  Und damit kommt Edwards zu einem Aspekt, den ich besonders interessant finde: Wem gehört dieses Wissen? Weiter zur Rezension:    Ethnobotanik von Sarah Edwards

Rezension - Schranken gehen auf von Eva Opitz

  Intro mit KI erstellt Bei diesem historischen Roman hatte ich nach dem Klappentext eine ziemlich klare Vorstellung davon, was mich erwartet: Die Geschichte einer Jüdin , die unter dem NS-Regime ihre Heimat verlassen muss – da denkt man unweigerlich an Verfolgung, Angst, eine gefährliche Flucht und an ein Leben, das von einem Tag auf den anderen aus den Fugen gerät. Genau diese Geschichte habe ich nicht erhalten. Natürlich hatte Elisabeth kein leichtes Leben, aber im Ausland war sie nicht den Repressalien ausgesetzt, die ich erwartet hatte. Zudem fehlt sie erzählerische Kraft der Geschichte.  Weiter zur Rezension:    Schranken gehen auf von Eva Opitz

Rezension - Reservoir Bitches von Dahlia de la Cerda

Intro erstellt mit KI Wütend, laut, brutal – und verdammt gut. Schon der Titel macht klar, dass dies kein Buch ist, das es sich nicht um einen romantischen Liebesroman handelt. Dahlia de la Cerda schreibt über Frauen in Mexiko , über Gewalt, Armut, Klasse, Abtreibung, Drogen und Femizide – und über eine Gesellschaft, in der es einen gewaltigen Unterschied macht, auf welcher Seite der Gesellschaft man geboren wird. Kurzgeschichten, die ein Geflecht bilden. Ein Noir , Kriminalliteratur , Gesellschaftsroman , nichts für schwache Nerven. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Reservoir Bitches von Dahlia de la Cerda

Rezension - Viper‘s Dream von Jake Lamar

Intro erstellt mit KI New York , 1961. Clyde Morton , genannt Viper, hat gerade seinen dritten Mord begangen, den ersten, den er bereut. Doch anstatt zu fliehen – sein Kontaktmann bei der Polizei hat ihm drei Stunden gegeben –, besucht er im Cathouse  Nica, die Baroness Pannonica de Koenigswarter . Hier denkt er über sein Leben nach, seine drei Wünsche, die Schutzpatronin der New Yorker Jazzszene ihm aufgetragen, aufzuschreiben, wie allen Jazzmusikern, die bei ihr ein- und ausgehen. ein Noir Kriminalroman , ein Gangsterroman , Kriminalliteratur, im Rhythmus des Jazz und im Rauch von Marihuana - ein Harlem , das mit dem Heroin abstürzt. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Viper‘s Dream von Jake Lamar

Rezension - Guten Morgen - Gute Nacht von Johanna Schaible

Intro erstellt mit KI   Die Reise von Sonne und Mond – 24 Stunden, die alle Menschen verbinden. Ein Wendebuch mit atmosphärischer Gestaltung. Eine Geschichte über das, was uns alle auf der Welt verbindet – die Dämmerung am Morgen die am Abend; die Veränderung des Lebens im Tageszyklus . Dieses Bilderbuch zeigt uns, was in 24 Stunden überall auf der Welt passiert: Die Sonne geht auf, ein neuer Tag beginnt, und wir stehen auf. Am Abend beginnt es zu dämmern und wir bereiten uns für die Nacht vor. Ein wundervolles atmösphärisches Bilderbuch ab 4 Jahren zum Schauen, fühlen und sprechen. Empfehlung – ein Kinderbuch zum Entspannen! Weiter zur Rezension:    Guten Morgen - Gute Nacht von Johanna Schaible

Rezension - Die Spur der Vertrauten von Christelle Dabos

  Intro mit KI erstellt Christelle Dabos entwirft in in diesem Jugendroman eine Gesellschaft, in der nicht das Ich, sondern das Wir zählt. Jeder Mensch besitzt einen Instinkt, eine angeborene Bestimmung, mit der er der Gemeinschaft dient. Es gibt Beschützer, Vertraute, Reparierer und zahlreiche weitere Funktionen. Persönliche Wünsche haben sich diesem System unterzuordnen, Individualität ist nicht vorgesehen. Ich habe mich durch den Wälzer hindurchgequält, der in Komplexität, Sprache und und Auswälzug sehr anstrengend ist. Daher von mir für das Jugendbuch, eine Dystopie, die Empfehlung: ab 16 Jahren, vom Verlag ab 14 Jahren. Weiter zur Rezension:    Die Spur der Vertrauten von Christelle Dabos 

Rezension - Das Glück liegt hinter der Hecke von Sara Pennypacker

Intro erstellt mit KI   Leeva  lebt in einem Haus mit ihren profitüchtigen Eltern zusammen, für die nur Geld und Ruhm etwas bedeuten. Sie darf das Haus, bzw. den Garten nicht verlassen, wächst völlig vernachlässigt auf. Ihre Neugier und ihr Wunsch auf den Blick hinter die Gartenhecke lässt sie die Verbote vergessen und sie büchst aus, schleicht ins nächstgelegene Haus: die Stadtbibliothek . Welch wundersame Welt sie draußen findet! Menschen, die sie mögen, mit denen sie Freundschaft schließt. Davon handelt dieses herrliche Kinderbuch, begleitet vom Duft von Ingwerkeksen – eine Befreiung aus der Zwangswelt. Ein charmantes Buch, witzig, eine zärtliche Hommage an die Kraft von Beharrlichkeit, Gemeinschaft und Freundschaft. Weiter zur Rezension:    Das Glück liegt hinter der Hecke von Sara Pennypacker

Rezension - Die Frau als Mensch von Ulli Lust

  Intro mit KI erstellt Wie viel können wir über Menschen wissen, die vor 30.000 Jahren gelebt haben? Wir finden ihre Werkzeuge, ihre Gräber, ihre Kunst und einige wenige Spuren ihres Alltags. Aber wir wissen nicht, was sie glaubten, welche Geschichten sie sich erzählten und welche Bedeutung sie den Dingen gaben, die sie hinterlassen haben. Genau in diesen Zwischenraum zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und dem, was wir nur vermuten können, begibt sich Ulli Lust in Sachcomic . Weiter zur Rezension:    Die Frau als Mensch von Ulli Lust

Rezension - Königin der Nacht – Ein kurzes Buch über meine Mutter von Lukas Bärfuss

Nach «Vaters  Kiste» hat Lukas Bärfuss nun in einem autobiografischen Essay mit dem Leben seiner Mutter abgerechnet. «Eine Mutter ist, was man nicht loswird. Auch nicht mit dem Tod.» 1971 in Thun geboren, die Mutter wohnt eher allein mit ihrem Sohn, bzw. mit vielen Männern. Lukas Bärfuss wächst im Rotlichtmilleu auf; seine Mutter war eine Frau ohne Bildung, die von ihrem Freiheitsverlangen getrieben wurde, in das der Sohn nicht hineinpasste. Tagsüber reinigte sie in einem Autohaus die Wagen, die aus der Reparatur kamen, am Abend stand sie an einer Rotlicht-Bar. Als sie älter war, arbeitete sie als Putzfrau und in einer Wäscherei. Der Junge war nie gewollt, so wurde er auch behandelt – als Rabenmutter titulierte sie sich sogar selbst. Eine Mutter, die ihn hat sitzen lassen in seiner Kindheit und ein System, das dieses Kind hängenließ. Ein wundervolles Buch, schnörkellos geschrieben, das sehr zu Herzen geht. Weiter zur Rezension:    Königin der Nacht – Ein kurzes Buch ...

Rezension - I Don’t Know How to Draw a Tree von Carmen José

  Intro mit KI erstellt Wie zeichnet man eigentlich einen Baum? Ein Stamm, ein paar Äste, eine grüne Krone – fertig ist der Baum. So ungefähr haben vermutlich die meisten von uns als Kinder angefangen. Später lernen wir Perspektive , Proportionen , Licht und Schatten . Wir lernen, genauer hinzusehen und möglichst genau zu zeichnen. Aber was passiert dabei mit dem eigenen Blick? Carmen José stellt in diesem Buch eine wunderbar einfache Frage, die sich letztendlich als nicht so einfach erweist: Das Bilderbuch ist gleichzeitig ein Gedichtband, ein Künstlerbuch und kleines philosophisches Experiment . Ein ungewöhnliches, wunderschön gestaltetes kleines Buch, das sich mit Kreativität , Wahrnehmung und die Freiheit, etwas nicht zu wissen beschäftigt. Empfehlung - Allage! Weiter zur Rezension:      I Don’t Know How to Draw a Tree  von Carmen José