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Gestern war noch Krieg von Martin Verg, Jürgen Dr. Hübner, Irmela Schautz - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Gestern war noch Krieg 


von Martin Verg, Jürgen Dr. Hübner, Irmela Schautz

Die Zeit um 1945 in Erzählungen und Sachtexten


Anlässlich des 75. Jahrestages «Ende des Zweiten Weltkriegs» ist dieses Kinderbuch gegen das Vergessen entstanden. Erzählungen, vor allem von Kindern jener Zeit, die das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebten: die letzten Kriegsmonate, die Kapitulation, Widerstand, Flucht und Vertreibung, die Besatzung durch die Alliierten. Angst, Schrecken, Hunger und Not, Bombenangriffe, Schutt und Asche, Kinder als Kriegshelfer. Dazwischen finden sich kurze sachliche Begleittexte von GEOlino-Chefredakteur Martin Verg. Die Texte stammen aus Kinder- und Jugendüchern von Kinderbuchautoren, u. a. von Christine Nöstlinger, Gudrun Pausewang, Uri Orlev, Peter Härtling, Anke Bär, Gudrun Pauswang.




Es beginnt mit einem Fliegerangriff, die Sirenen heulen, alles rennt Richtung Bunker. Im Gewühl geht zuerst die Oma verloren und dann der eine Bruder. Die Erzählerin, selbst ein Kind, hat ein kleines Geschwister auf dem Arm, sucht den Bruder, der andere soll mit der Tasche an der Säule warten. Bruder gefunden, der hat noch den Rucksack, aber der Koffer ist weg. Nun ist der Bruder mit der Tasche verschwunden. Die Zeit drückt, ab in den Bunker – doch der ist voll, weiter im Gedränge, nun ist auch noch der Rucksack verloren. Auch der nächste Bunker ist überfüllt. Auf zum Letzten. Man kann die Flieger bereits hören. Gerade noch können sie hineinhuschen – ohne Bruder, ohne Oma, ohne Gepäck. Sehr spannend und gleichzeitig bedrückend beschreibt Gudrun Pauswang in «Überleben» einen Bombenangriff. Beim Lesen hält man die Luft an. Vorweg erklärt kurz ein Sachtext Bombenkrieg und Luftschutzkeller. Ein beeindruckender Text, so wie manch anderer auch. Die Ausschnitte stammen aus Romanen – es sind eben keine Kurzgeschichten. Manche wirken für sich allein, aber es gibt auch welche, die sind nun mal ausgeschnitten – man wird hineinkatapultiert, findet sich schwer zurecht. Es sind auch nicht alle kindgerecht spannend für Zehnjährige. Zusammenfassend sei gesagt, dass die Erzählungen empfehlenswert sind. Mit dabei ist auch eine kleine Graphic Novel von Klaus Kordon, und Irmela Schautz hat das Buch mit sehr markanten schwarz-weiß Grafiken bereichert. Es war gute Idee, diese Anthologie gegen das Vergessen herauszubringen. Für mich eine Pflichtlektüre für Schulen. Lehrern verschiedenster Fächer stellt das Kinder- und Jugendbuch eine komprimierte Auswahl von Texten zur Deutschen Geschichte und politischer Bildung zur Verfügung. Die Altersempfehlung vom Thienemann Verlag liegt bei ab 10 Jahren. Das Augenmerk liegt auf ab.





Martin Verg, Jahrgang 1971, war langjähriger Chefredakteur von GEOlino. Er ist Vater zweier Töchter, macht Musik und schreibt für Kinder.

Irmela Schautz, geboren 1973 in Ravensburg, studierte Malerei und Grafik an der Kunstakademie Münster und Bühnen- und Kostümbild an der Akademie für Bildende Künste in Stuttgart. Seit 2005 illustriert sie für namhafte Verlage und Magazine. Ihre Illustrationen zeichnen sich durch detailreiche, poetische Szenen mit humorvollen Elementen aus und basieren auf einer eingehenden historischen und sozialen Recherche. Seit 2013 lehrt Irmela Schautz an der Akademie für Illustration und Design (AID Berlin).


Martin Verg, Jürgen Dr. Hübner, Irmela Schautz 
Gestern war noch Krieg
Erzählungen und Sachtexte für Kinder, Anthologie, Deutsche Geschichte, politische Bidung
Gebunden, 240 Seiten
Thienemann Verlag
Ab 10 Jahre


Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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