Rezension
von Sabine Ibing
Gegen deinen Willen
von Manuela Obermeier
Der erste Satz: Wie spät ist es und wo liegt die Leiche?
Ein Krimi, den man lesen kann, der aber nicht nachhallt, weder inhaltlich noch sprachlich, siehe erster Satz. Durchschnittskrimi. Ärgerlich auch hier, dass die Polizeiarbeit auf dem Niveau eines TV-Krimis bleibt (Die Autorin ist Polizistin!), eben falsch dargestellt wird: Kommissarin wird nachts informiert, zum Tatort zu kommen, wo bereits ein Rechtsmediziner hockt. So bleibt gleich am Anfang ein Geschmäckle kleben. In diesem Fall wird Kommissarin (An)Toni(a) Stieglitz allerdings von ihrem Chef geweckt, der ihr mitteilt, ihr ehemaliger Lebenspartner und Kollege ist inhaftiert worden, es besteht ein Verdacht wegen Korruption im Bereich Menschenhandel – sie könne beruhigt sein. Als Einsteiger in die Serie erfährt man im Buch leider nicht, welche Gefahr vom Ex für Toni ausging und was ihm vorgeworfen wird. Schade, hier wird etwas getriggert, aber nicht verfolgt. Gleich darauf wird sie zu einem Mordfall gerufen: Im Englischen Garten ist der 43-jährige Lehrer Matthias Krumbad tot aufgefunden worden, Tötung durch stumpfe Gewalt, eine Schussverletzung – und bemerkenswert, auf seine Brust ist das Wort »Drecksau« eingeritzt. Lehrer – Kinder – Drecksau, da klingelt es im Kopf. Und richtig, der Mann wurde verdächtigt, Jugendlichen zu nahe gekommen zu sein und in seinem Keller befindet sich ein Kanister mit k.o.-Tropfen.
Eine pädophiler Typ oder steckt mehr dahinter?
Doch dann taucht ein verhuschter Typ namens Gandalf auf, ein Verschwörungstheoretiker, der behauptet, Matthias Krumbad sei an der Aufdeckung wichtiger Dinge dran gewesen und genau diese mächtigen Menschen wollten ihm etwas unterschieben, haben ihn ermordet. Ja, es ist schon merkwürdig, wie Krumbad seine Wohnung gesichert hat, als hätte er höllische Angst vor Einbrechern gehabt. Und es gibt eine alleinerziehende Mutter mit Tochter, die vehement Krumbad verteidigt, der ein sehr anständiger Mensch gewesen sei.Das heißt, das Projektil könnte noch im Kopf des Toten stecken. Hoffentlich ist es nicht zu sehr deformiert, damit unsere Techniker möglichst viele von den Spuren finden, die die Waffe auf der Kugel hinterlassen hat. Vielleicht haben wir in den Datenbanken ja ein Geschoss mit identischen Spuren. Falls die Waffe, mit der Krumbad erschossen wurde, schon einmal zum Einsatz kam, hätten wir einen Ermittlungsansatz Richtung Täter.
Der Fehler liegt im Detail
Die Figur Toni Stieglitz ist im Konstrukt gut gelungen und glaubwürdig. Die anderen Protagonisten verblassen ein wenig hinter ihr, aber sind auch authentisch. Einige Dialoge haben genervt. Die Autorin legt Leserinformation, so in die Münder der Polizisten, dass sie unglaubwürdig wirken: Da erklärt ein versierter Polizist seinem sachkundigen Kollegen etwas, was zum täglichen Arbeitsablauf gehört. Nein, sagt man sich, so was – das hätte der Kollege nie gewusst! Oder ein Polizist erklärt einem andern, was GHB, Gammahydroxibuttersäure, ist, und das noch, wo er weiß, der kennt sich aus … Hier fragt man sich, ob der Lektor beim Lesen geschlafen hat. Der Krimi hat Längen und zieht sich an vielen Stellen. Ich habe das Buch über Tage immer wieder weggelegt, es konnte mich nicht fesseln. Die Geschichte mit der Datei voller Infos ist leider auch nicht ganz glaubhaft herübergekommen. Sprachlich und atmosphärisch gibt es keinen Satz, die mich berührte. Man kann diesen Roman zur Entspannung lesen, hat aber nichts verpasst, wenn man daran vorübergeht.Manuela Obermeier ist in München geboren. Sie begann bereits in der fünften Klasse mit ihrem ersten Roman, schlug nach dem Abitur aber eine ganz andere Richtung ein und ging zur Polizei. Das Schreiben hat die Polizeihauptkommissarin jedoch nie losgelassen.

Gegen deinen Willen
Der dritte Fall für Hauptkommissarin Toni Stieglitz
Krimi
Ullstein Verlag, Taschenbuch, 400 Seiten
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