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Farm der Tiere von R. Daniel Jaquette Rodolphe und Patrice Le Sourd - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Farm der Tiere 


von R. Daniel Jaquette Rodolphe und Patrice Le Sourd

Comic Adaption des Romans von George Orwell


Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das konsumiert, ohne zu produzieren. Er beutet uns aus und profitiert von uns, ohne je etwas zurückzugeben.


Auf der Farm von Mr. Jones sind die Tiere es leid, misshandelt und unterdrückt zu werden. Der charismatische Eber Old Major hält eine lange Ansprache zur Tyrannei durch den Menschen. Tagein, tagaus müssen die Tiere schuften, abends sie sind eingesperrt im Stall, haben kein Vergnügen. Kein Dank, maximal Prügel und obendrein beraubt man sie ihrer Eier, der Milch; und so er ruft Old Major zur Rebellion auf. Die Farmtiere beschließen, den Bauern zu vertreiben und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Der alte Old Major entschläft sanft drei Tage später und der idealistische Schneeball, der sehr überzeugend argumentiert, erhält die Führung: Denn der Gedanke überlebt. Die Tiere schmeißen eines Nachts Mr. Jones samt seinen besoffenen Kumpanen vom Hof, streifen Ketten und Stricke ab. Dies ist ab sofort die Farm der Tiere und sie versuchen, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, bei der jeder gleiches Recht hat, erstellen 7 Gesetze. Doch Eber Napoleon hintergeht Snowball und verjagt ihn von der Farm, übernimmt das Ruder mit seinem Propagandaleiter Squealer. 




George Orwells gesellschaftskritischer Roman adaptiert als eindrückliche Graphic Novel: Die Tiere stellen 7 Gesetze auf. Die wichtigste davon: Alle Tiere sind gleich. Hier wird «Animalismus» (Sozialismus) als politische Einstellung vertreten, der die Grundwerte von Freiheit und Gleichheit vertritt. Doch Genosse Napoleon und seine Schweinecrew entwickeln sich zu brutalen Diktatoren, die dank der zähnefletschenden Hundemeute die Farm im Griff haben. Die Tiere arbeiten nun noch härter und müssen noch mehr faule, korrupte Mitbewohner finanzieren, die Stück für Stück gegen alle Regeln ihrer Gesetze verstoßen. 1945 erschien erstmals Orwells dystopischer und hochpolitischer Roman, in dem die Schweine zum Aufstand der Tiere aufrufen. Clever entlarvt Orwell darin die gesellschaftlichen Dynamiken, seziert die Strukturen der Machterlangung und -erhaltung und skizziert, wie schließlich Ideale zwischen Politik und Gier zerbrechen: Revolution, Machtstrukturen und Gesellschaftsmodelle; eindeutig die Kritik an der kommunistischen Regierung in Russland, die nicht zu übersehen ist. Übersetzt könnte Snowball für Trotzki stehen, Napoleon für Stalin und Squealer für Molotow. 




Dieser Roman war der Lieblingsroman meiner Jugend, zig Mal gelesen. Und natürlich war ich gespannt auf die Comic-Adaption von Rodolphe und Patrice Le Sourd. Sie zeigen uns mit Nachdruck, dass der Roman auch heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Patrice Le Sourd setzt in der Art von Trickfilmzeichnungen die Fabel um und die wichtigsten Szenen aus dem Buch sind als Essenz gut ins Bild gesetzt, mit dem Text untermauert. Ich bin begeistert von der grafischen Umsetzung, die tief in die Charaktere geht, gekonnt über Mimik und Körperhaltung arbeitet. Herrlich dargestellt, die Korruption, Tyrannei und Heuchelei der Schweine unter der Führung von Napoleon. Die Regeln ändern sich heimlich, langsam und stillschweigend, so dass niemand mehr sicher sein kann, wie die Regeln lauten – Gehirnwäsche, denn lesen können nämlich nur Schweine. Die Essensrationen werden immer kleiner, doch es wird den Tieren vorgegaukelt, dass es allen viel besser geht als früher unter Farmer Jones – die Schweine leben im Überfluss, fressen, saufen, während die anderen hungern. Bissig, satirisch und gleichzeitig traurig bringt Patrice Le Sourd die Parabel herüber. Wer den Roman nicht lesen mag, findet hoffentlich an dieser Comic-Adaption Gefallen. Absolute Empfehlung. Die Graphic Novel ist natürlich Allage – für mich ab 14 Jahren auf jeden Fall interessant.



Rodolphe Daniel Jacquette, alias Rodolphe, wurde 1984 in Bois-Colombes, Frankreich, geboren. Nach seinem Literaturstudium in Nanterre arbeitete er zunächst als Lehrer und Buchhändler. Ein Zusammentreffen mit dem Comiczeichner Jaques Lob inspirierte ihn, eigene Graphic Novels zu verfassen. Im Jahr 1976 erschien sein Graphic Novel-Debüt Le Conservateur. Derzeit gehört er zu den erfolgreichsten französischen Verfassern von Szenarien für Abenteuer-, Phantasie- und Polizeigeschichten, die von verschiedenen Comiczeichnern umgesetzt werden. Ebenfalls als Journalist und Autor tätig arbeitet er heute unter anderem mit Casterman, Delcourt und Le Lombard zusammen. Darüber hinaus ist er auch als Dichter, Kritiker und Organisator von Ausstellungen tätig.

Patrice Le Sourd, geboren 1966 in Blois, studierte an der Kunsthochschule seiner Geburtsstadt, bevor er nach Berlin aufbrach. Dort arbeitete er für eine französische Zeitschrift als Fotograf und Illustrator, zunächst unter dem Namen Lynel. Im Jahre 2002 erschien sein Graphic Novel-Debüt Professeur Stigmatus. In seine Heimatstadt an der Loire zurückgekehrt widmet er sich neben der Illustration von Graphic Novels und Kinderbüchern zudem der Erziehung der eigenen Kinder.


Hier der Link zu einer Sendung von Deutschlandfunk Kultur zu George Orwell: George Orwell - Sozialist, Humanist, Autor von Dystopien


R. Daniel Jaquette Rodolphe, Patrice Le Sourd
Farm der Tiere
Originaltitel: La ferme des animaux
nach George Orwell
Übersetzt aus dem Französischen von Anja Kootz
Klassiker, Fabel, Comic, Graphic Novel, Parabel, politischer Roman, Gesellschaftsroman
Hardcover, 48 Seiten, 22.6 x 29.8 cm
Knesebeck, 2023
Altersempfehlung: Allage – ab 14 Jahren



Graphic Novel, Comic, Grafisches  

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