Direkt zum Hauptbereich

Der Tausch von Julie Clark - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Der Tausch 


von Julie Clark

Gesprochen von: Britta Steffenhagen
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 10 Std. und 14 Min.


Alles was du dir schon immer gewünscht hast, findest du jenseits der Angst.


Claire lebt im goldenen Käfig. Sie hat einen reichen, mächtigen Mann aus einer der wichtigen US-Dynastien geheiratet. Aber ihr Ehemann entpuppte sich als brutaler, emotionsloser Typ. Die Frage nach der Scheidung musste sie bitter bezahlen. Ihre Flucht ist lange vorgeplant, bis ins Detail. Doch gleich am Anfang geht alles schief. Nun steht sie in New York auf dem Flughafen JFK. Ihr Mann hat die Reiseroute mit seiner getauscht – was tun? Was wird passieren, sollte er die Dokumente in die Hand bekommen? Sie braucht einen Plan B – doch sie hat keinen in der Tasche. Eva steht neben ihr, als Clair in Panik mit ihrer Freundin telefoniert und hört zu. Ganz zufällig lässt sie es erscheinen, mit Claire ins Gespräch zu kommen, erzählt von ihrem schwerkranken Mann, dem sie Sterbehilfe geleistet hat. Die Polizei wird sie deshalb in Kalifornien wahrscheinlich verhaften – sie kann auf keinen Fall zurück. Da kommt Claire, wie von Eva geplant, auf die Idee zu tauschen: die Bordkarten, Bekleidung, Handtaschen, Handys und Ausweise, um sich gegenseitig ein neues Leben zu schenken. Erstmal fort, denkt Clair, kommt Zeit, kommt Rat.


Wer ist Eva und was hat sie zu verbergen?

Und so fliegt Claire nach San Francisco, Eva nach Puerto Rico. Das Flugzeug nach Puerto Rico stürzt bei einem Unwetter ab und Clair, die bereits eingecheckt war, scheint unter den Opfern zu sein. Clair verfolgt in Evas Wohnung entsetzt die Berichterstattung im TV – erkennt allerdings Eva am Flughafen – sie ist gar nicht eingestiegen! Irgendetwas stimmt nicht an Evas Geschichte – niemals haben in diesem Apartment zwei Menschen gewohnt! Wer ist diese Eva James, deren Namen Claire angenommen hat, in deren Eigentumswohnung sie sich befindet – und warum wollte sie wirklich verschwinden?


Ein plätschernder Bach

Ein Thriller, der spannend anfängt, dann leider abflacht und voraussehbar endet. Wer am Anfang die Suppe aufkochen lässt, sollte sie auch am Brodeln halten. Zwei Frauen, zwei Perspektiven. Claire bringt eine Menge Naivität an den Tag, jammert und hadert, da ist es schon verwunderlich, dass sie ihre Flucht so gut planen konnte. Und hier fehlt mir gleich die Glaubwürdigkeit am Anfang: Sie plant, während einer Geschäftsreise abzuhauen – lässt sich ihr Geld und perfekte falsche Papiere von einem Kurier in ein Hotel senden – in dem nun leider ihr Mann das Zimmer bezieht, der mit ihr plötzlich die Aufgaben getauscht hatte. Würde man das Wichtigste, das man zu einer Flucht braucht, durch Kuriere durch die Staaten in ein Hotel versenden? Claire hat eine sehr gute, verschwiegene Freundin, die ihr die Flucht überhaupt ermöglichte. Und sie tauscht mit einer Frau die Papiere, die wahrscheinlich in einem Tötungsdelikt verhaftet werden soll? Nehmen wir das heraus, beginnt der Thiller spannend. Doch mit der Ankunft in Evas Wohnung geht es nun vordergründig um Evas Lebenslauf, um ihre Gründe zu fliehen, um ihre Freundschaft mit der Nachbarin, einer Uni-Dozentin. Bei der naiven Clair läuft alles glatt, minimale Hindernisse beseitigen Helferlein. Immerhin ist wenigstens Evas Lebenslauf interessant. Die Geschichte hangelt sich hieran entlang, nicht unbedingt langweilig – doch auf keinen Fall spannend. Ich hatte zumindest auf ein fulminantes Ende gehofft! Und sorry – Eva ist panisch aus Angst vor einem bestimmten Typen geflohen, einem Drogenclan – da hätte man plotmäßig etwas draus machen können ... Auch hier endet alles in Wohlgefallen – kein Clan. In diesem Thriller fließt ein Fluss von der Mündung zur Quelle, vom reißenden Strom, zum plätschernden Bächlein. Man kann den Roman lesen – wer es nicht macht, verpasst aber nichts. 


Julie Clark wuchs in Santa Monica auf. Während sich ihre Freunde auf Surfbrettern in die Wellen stürzten, las sie lieber Bücher am Strand. Nach dem Studium arbeitete sie in Berkeley an der University of California. Dann kehrte sie zurück nach Santa Monica, wo sie heute mit ihren beiden Söhnen und einem Goldendoodle lebt und als Lehrerin tätig ist.



Julie Clark
Der Tausch
Originaltitel: The Flight
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Gabriele Burkhardt, Astrid Gravert
Gesprochen von: Britta Steffenhagen
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 10 Std. und 14 Min.
Thriller, amerikanische Literatur
Random House Audio, Audible 2021
Paperback , Klappenbroschur, 400 Seiten
Heyne Verlag, 2021




Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Rezension - Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler

  Mischa und Nits sind beste Freunde. Mischa liebt die Poems von Nits. Und der bewundert Mischa, weil er schlau ist und ein wandelndes Lexikon über Tiere zu sein scheint. Lügen geht gar nicht, so Nits Überzeugung. Darum fragt er sich, warum Mischa dem Lehrer weismachen will, er hätte eine Chlorallergie, als der Schwimmunterricht beginnt – Nits erzählt er, die Badehose sei von Mäusen angefressen worden. Überhaupt scheint Mischa in Schwierigkeiten zu stecken – doch wohl eher sein Vater ... Nits betritt in dieser Familie plötzlich eine völlig andere Welt – die der Armut. Aber das ist ein Unterthema – Mischas Vater ist untergetaucht; Mischa und Nits werden ihn nicht im Stich lassen – aber das könnte gefährlich werden ... Spannung, Humor und ein wenig Tragik machen das Buch zu einem Leseerlebnis. Meine Empfehlung ab 11 Jahren für diesen exzellenten Kinderroman.  Weiter zur Rezension:    Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler 

Rezension - Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

  Der Sommer, in dem Motte ein U-Boot fand, fing ziemlich normal an. Langweilig sogar. Doch auf einmal liegt das Schicksal der ganzen Stadt in ihren Händen. Es sind Ferien, aber Mottes Mutter muss arbeiten, einen Urlaub könnten sie sich nicht leisten. Sie ist als Personalcoach unterwegs: Mode, Schminke, Sport, Gesundheit, Ernährung. Und genau das interessiert Motte so gar nicht. Am Kai zeigt ihr Lukas das Metallfischen – ein perfektes Hobby für Motte, die neben schwarzer Kleidung das Unperfekte an Dingen liebt. Sie kauft sich einen Magneten zum Metallangeln. Vielleicht kann man sich etwas verdienen, wenn man Altmetall zur Altmetallhändlerin bringt; sie sammelt ihre ersten Schätze, die die Mutter eklig findet. Plötzlich hängt etwas ganz Großes an der Angel! Spannender Kinderroman ab 9/10 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada

Am 08.11.2019 war ich zu einer Mischung aus Lesung und Definition des Begriffs Kriminalliteratur in St. Gallen in der Wyborada zu Gast, im Literaturhaus & Bibliothek in St. Gallen in der Frauenbibliothek und Fonothek Wyborada. Else Laudan sprach zum Thema Kriminalliteratur, erzählte ihren Weg mit ihrem freien Verlag Ariadne, ein Verlag, der ausschließlich literarische Kriminalliteratur von Frauen veröffentlicht. Weiter zum Artikel:    Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada 

Rezension - Chronisch gesund statt chronisch krank von Dr. med. Bernhard Dickreiter

Von der Schulmedizin bis heute ignoriert: Die wahren Ursachen der chronischen Zivilisationskrankheiten – und was man dagegen tun kann Noch nie hat es so viele chronisch Kranke gegeben wie heute: Arthrose, Diabetes, Alzheimer, Rückenleiden, Krebs, Burnout usw. Der Internist, Reha-Experte und Ganzheitsmediziner Dr. med. Bernhard Dickreiter ist überzeugt, dass diese Patienten selbst aktiv etwas dagegen unternehmen können. Sein Standpunkt: Wir müssen alles dafür tun, damit es den Zellen in unserem Organismus gut geht. Jede Zelle ist von einer organtypischen Umgebung eingeschlossen, in die sogenannte extrazelluläre Matrix (EZM). Dort zieht die Zelle ihre Nährstoffe, den Sauerstoff, und hier entsorgt sie ihre Abfallstoffe. Ist die Zellumgebung nicht gesund, werden wir krank. Die Schulmedizin bekämpft meist nur Symptome: Schmerzen – Schmerztablette. Die Ursachen werden oft nicht hinterfragt, bzw. operabel versucht zu beheben: neues Knie, neue Hüfte usw. Dickreiter geht ganzheitlich vor. ...

Rezension - Die kleine Spitzmaus von Akiko Miyakoshi

Die kleine Spitzmaus lebt ganz allein ein ziemlich strukturiertes Leben, funktioniert wie ein Uhrwerk. Jeden Morgen dieselben Rituale: Frühstück, ab zur Arbeit, wo die fleißige Angestellte ihren Job macht. Vom Morgen bis zum Abend ein strenger Zeitplan. Es gibt nur wenig Abwechselung. Die Maus ist mit diesem Leben zufrieden, lebt im Einklang mit ihrem Rhythmus. Die Geschichte beschreibt die japanische Lebensphilosophie Ikigai , die das Glück im Kleinen sucht und findet. Bilderbuch ab 5 Jahren, Empfehlung. Weiter zur Rezension:    Die kleine Spitzmaus von Akiko Miyakoshi 

Rezension - Balaclava von Campbell Jefferys

  Mara, eine Polizistin aus Berlin ist jeden Tag mit Gewalt konfrontiert. Die meisten ihrer Kollegen sind diszipliniert, korrekt. Aber es gibt auch gewaltbereite Typen mit rechten Sprüchen, die sich feindlich gegenüber Ausländern und Frauen verhalten. Mara stammt allerdings aus Hamburg und so liegt es nahe, dass man sie undercover nach Hamburg sendet, damit sie sich unter die linken Gruppen mischt, herauszufinden, wer bei einer Demo den einen Polizisten ermordet hat. Mara hat das Video gesehen – der Polizist sackt zusammen, neben ihm ein junger Mann, dessen Gesicht mit einer Balaclava verdeckt ist. Mara hat ihn erkannt! Diese Augen gehören ihrem Bruder! Und der würde niemanden umbringen. Ein Thriller mit Potential, allerdings zu aufgeblasen, zu viele handwerkliche Fehler. Weiter zur Rezension:     Balaclava von Campbell Jefferys

Rezension - Was uns Angst macht: Bilderbuch von Fran Pintadera und Ana Sender

  Wie man die Angst loswird, indem man sie annimmt - ein zartes Bilderbuch, das zum gemeinsamen Gespräch über Angst als Teil des Lebens einlädt. Der Vater erklärt, dass wir alle manchmal Angst haben. Zum Beispiel vor dem, was wir nicht kennen, oder vor dem Alleinsein, vor der Dunkelheit, in Höhen …Angst umgiebt uns, wir müssen nur lernen, damit umzugehen. Klasse Bilderbuch ab 4 Jahren, das zu Gesprächen anregt.  Weiter zur Rezension:   Was uns Angst macht: Bilderbuch von Fran Pintadera und Ana Sender

Rezension - Inspektor Mouse und der Gang in die Tiefe von Caroline Ronnefeldt

  Der Miezcedes steht unter der Katzanie. Sekretärin Mimi Stubenrein, Prokurist Kralle, Syndikus Tigerius Seidig, Kasimir Bart, Präsident Puschel, Sergeant Fischgrät … die Karthäuser Bank, ein mit Kratzbaumholz getäfelter Flur, ein von schweren rauchgrauen Samtportieren umrahmtes Bogenfenster, ein Tresor der Firma Schleicher & Söhne … Der Jugendkrimi ab 14 Jahren hat mich in seiner Wortspielerei und Atmosphäre anfänglich beeindruckt. Mit viel Humor, gespickt mit literarischen Anspielungen, ermitteln in Kratzburg Katzen mit krallenscharfem Verstand! So der erste Eindruck. Leider konnte mich der Katzenkrimi trotz allem nicht ganz begeistern, schon gar nicht als Jugendliteratur.  Weiter zur Rezension:    Inspektor Mouse und der Gang in die Tiefe von Caroline Ronnefeldt

Rezension - Hase Hollywood und das Geheimnis des Drachenlandes von Stefan Rasch, Simon Rasch und Anja Abicht

  Ein mächtiges Kinderbuch! Schwer an Gewicht, eine lange witzige, fantasievolle Geschichte. Der Hase Hollywood und seine Freunde betreiben ein Gasthaus in einer einsamen Bucht am Ende der Welt. Eines Tages taucht ein gefürchteter Piratenkapitän bei ihnen auf und vergisst doch glatt seinen Seesack unter dem Tisch. Darin befindet sich alte Schatzkarte und ein geheimnisvoller rosa Glitzerball. Der Ball entpuppt sich als Ei, aus dem ein kleiner Drachen schlüpft. Und damit beginnt eine abenteuerliche Reise zur Schatzinsel, denn auf der Karte sind auch die Drachen verzeichnet, den das Hasen-Team zu seinen Eltern bringen möchte. Sehr feine Illustrationen, grundsätzlich eine gute Geschichte, aber grobe handwerkliche Fehler für den Kinderroman. Weiter zur Rezension:     Hase Hollywood und das Geheimnis des Drachenlandes von Stefan Rasch, Simon Rasch und Anja Abicht