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Der Sturm nach William Shakespeare - Rezension

Rezension 

von Sabine Ibing



Der Sturm nach William Shakespeare

neu erzählt von Barbara Kindermann und illustriert von Sonja Wimmer


Wir sind vom Stoff, aus dem die Träume sind. 

Barbara Kindermann hat ihrer vielfach ausgezeichneten Reihe Weltliteratur für Kinder wieder ein neues Buch hinzugefügt. Ich bin ein ausgesprochener Fan dieser Serie. Auch mit diesem Kinderbuch hat sie wieder mit eine wundervollen kindgerechten Interpretation die Welt der Kinder für einen großen Schriftsteller geöffnet: Shakespeare. »Der Sturm« ist wahrscheinlich das letzte Stück, das Shakespeare auf Papier und auf die Bühne brachte, die klassische Mischung aus Romanze und Komödie,Verrat, Intrige und Verwechselung spielen eine Rolle und natürlich auch Zauberkräfte.

Mitten in einer ruhigen Nacht gleitet ein stattliches Schiff über da mondbeschienene Meer. Es befindet sich auf der Rückfahrt nach Italien und an Bord hält sich eine höchst noble Gesellschaft auf, darunter der König von Neapel, Alonso, sein Sohn Prinz Ferdinand, sowie der Herzog von Mailand, Antonio, und deren ganzer Hofstaat.

Plötzlich erhebt sich ein gewaltiger Sturm und bringt das Schiff fast zum kentern. Die gesamte Besatzung kann sich auf eine kleine Insel retten, auf der Prospero herrscht, der Gebieter über Luft- und Wassergeister. Prospero war einst der König von Neapel – bis ihn sein Bruder mit Hilfe des Herzogs von Mailand stürzte, ihn samt seiner kleinen Tochter auf ein verrottetes Boot verbannte. Er gelangte auf diese Insel, ein Zauberbuch unter dem Arm und erwartet nun die intrigante Gesellschaft …



Barbara Kindermann trifft wie immer den Ton für Kinder. Originalzitate sind kursiv gesetzt. Es geht unter anderem um Zauberei und Zauberwesen, die Mächte aus Luft und Wasser. Entsprechend hat Sonja Wimmers die Gestaltung zauberhaft, atmosphärisch umgesetzt. Sie arbeitet mit kräftigen Farben. Zauberwesen wie der Caliban und das Luftwesen Ariel sind stimmungsvoll eingebunden. Text in Kombination mit den Illustrationen lassen in das Buch gefallen. Es ist eine breite Textfülle, lange Sätze, teils in komplizierteren Satzstrukturen. Der Kindermann Verlag schlägt vor: ab 8 Jahren – das würde ch nur empfehlen, wenn ein Erwachsener vorliest. Zum Selbstlesen eher ab 10 Jahren. Wer klassische Geschichten mag, dem lege ich diese gesamte Reihe ans Herz.




Barbara Kindermann, geboren in Zürich, studierte Germanistik, Philosophie und Sprachen in Genf, Dublin, Florenz und Göttingen. Nach dem Abschluss ihrer Promotion war sie mehrere Jahre als Lektorin tätig und gab 1993 erstmals den 3. Band der Grimmschen Sagen heraus. 1994 gründete sie den Kindermann Verlag in Berlin, den sie seither geleitet hat. Seit September 2016 hat Barbara Kindermann sich aus dem Büro-Alltag zurückgezogen und das Feld ihren beiden Mitarbeiterinnen überlassen: Ihrer Tochter Anna Kindermann und Sophie Tertel. Sie arbeitet jedoch weiterhin als Autorin und bleibt dem Verlag eng verbunden.
Sonja Wimmer arbeitete und studierte Design und Illustration in München, Brüssel und Barcelona. Heute arbeitet sie als freiberufliche Illustratorin für Verlage weltweit. Ihre Bücher wurden in den vergangenen Jahren mit vielen Preisen ausgezeichnet.


Der Sturm 
nach William Shakespeare
neu erzählt von Barbara Kindermann
mit Bildern von Sonja Wimmer
Halbleinen, Pappband, matt kaschiert 36 Seiten, 22 x 30 cm
Barbara Kindermann Verlag
ab 7 Jahre

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