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Der Schatz der Black Swan von Guillermo Corral und Paco Roca - Rezension

Rezension 

von Sabine Ibing



Der Schatz der Black Swan 

von Guillermo Corral und Paco Roca

Graphic Novel


Eine wahre Geschichte um einen versunkenen Schatz. Obwohl ich den Kampf um einen Kulturschatz damals in den Medien verfolgt habe, liest sich diese Graphic Novel spannend. Vielleicht ist diese Story so packend, weil der Autor, Guillermo Corral, früher einmal Diplomat war und einen überraschenden Einblick in die intrigante Verflechtung von Politik, Macht und Profit – eben schmutzige Geschäfte – offenlegt und deutlich wird, was damals geschah.





Auch Schatzsuche untersteht heute Gesetzen und Vorschriften, im Vorfeld müssen Genehmigungen eingeholt werden. Die Schatzsucher sind teilweise unglaublich gut personell und technisch ausgerüstet, was natürlich viele Millionen im Vorfeld verschlingt. Die Suche ist langwierig und kostenintensiv. Und vielen Schatzsuchern geht es letztendlich nicht um den Schatz an sich, das Kulturgut, sondern um den Profit. Dieser Fall zeigt sehr deutlich, worum es geht, dass die Profischatzsucher keine Spinner sind, die nach der Schatzkiste von Captain Flint suchen.

Die Firma Odyssey (in der Novel heißt sie Ithaca) erwirkte eine Genehmigung, in spanischen Gewässern nach einem versunkenen englischen Schiff zu suchen. Die Regierung hatte die Erlaubnis gegeben, obwohl es im Vorfeld vom Kulturministerium eine Absage gegeben hatte. Das Team meldete, ein Wrack in 518 Metern Tiefe gefunden zu haben, allerdings ohne genaue Positionsangabe, das sie als die »Black Swan« bezeichneten (aber nicht das englische Schiff, nach dem sie angeblich suchten). Im Kulturministerium schlägt man Alarm. Welches Schiff mag das sein und wo genau ist es gesunken? In feiner Puzzlearbeit kommen unsere Protagonisten zum Ziel – arbeiten gegen Regierungsinteresse. Spannend, wie sie vorgehen.



Leider kommen sie zu spät, der Schatz ist geborgen, nach Florida gebracht worden, ohne Spanien zu informieren und ohne den Fundort bekannt zu geben, da das Wrack sich angeblich in internationalen Gewässern befunden habe. Jetzt müssen Beweise her! Die Münzen zeigen, es müsse sich um die spanische Galeone »Nuestra Señora de las Mercedes« handeln, die 1804 durch die britische Kriegsmarine befeuert wurde. Nun gehen die Anwälte in den Clinch: Welche Position hatte das Wrack? Welche Art von Schiff war es … das ist entscheidend für die Rechtslage. Die Spanier arbeiten fieberhaft weiter an Beweisen.



Der Millionenschatz der »Nuestra Señora de las Mercedes«, mit mehr als 500.000 historischen Silber- und Goldmünzen sowie Kunstgegenständen aus Gold, wird nach jahrelangem Rechtsstreit durch die spanische Luftwaffe aus den USA nach Spanien transportiert. Der 23 Tonnen schwere Schatz, wird auf rund 380 Millionen Euro geschätzt.


Eine spannende Geschichte, denn die Schatzsucher verstehen es, zu tricksen. Die Mitarbeiter im Kulturministerium setzen sich zur Wehr, der Minister gibt alle Unterstützung und mit viel Kleinarbeit und Geduld kommen sie zum Ziel. Doch warum werden sie von der eigenen Regierung ausgebremst? Die Antwort wird man am Ende finden – und sie ist nicht schön. Eine gute Graphic Novel, die zu lesen Spaß macht. Eine historische Abenteuergeschichte.

Nachtrag der Rezensentin: Und auch Peru erhebt Anspruch auf den Schatz, da die Gold- und Silbermünzen 1796 in der damaligen spanischen Kolonie geprägt worden seien. Spanien zieht aus dem Schatz keinen direkten finanziellen Nutzen, denn der Fund wurde auf diverse Museen und Sammlungen verteilt. Die Schatzsuche fühlen sich verladen (sie haben ja selbst von Anfang an betrogen), sagen, dass nun kein Schatzsucher mehr Unterwasserfunde anmelden wird. Nun werde heimlich verladen, eingeschmolzen oder man verkaufe häppchenweise auf eBay.

Guillermo Corral van Damme, geboren 1971 in Portugalete, Spanien, wuchs in der Schweiz, in Spanien und in Belgien auf. Seit 1997 ist er als Diplomat in verschieden Regionen der Welt tätig. „Der Schatz der Black Swan“ ist sein Debüt als Comicautor. Paco Roca, geboren 1969 in Valencia, ist einer der erfolgreichsten Comiczeichner Spaniens. Seine Graphic Novel „Kopf in den Wolken“, in der er eindringlich den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung nachzeichnet, wurde 2008 vom spanischen Kulturministerium mit dem Nationalen Comic-Preis bedacht. Die Verfilmung des Stoffs, für die Paco Roca selbst das Drehbuch verfasste, ist mehrfach preisgekrönt.

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